Forschung digital

Altes Wissen neu erschließen

Bei dem Weg der Grabung von der Oberfläche in die Tiefe wird Schicht um Schicht entfernt und ist für immer verloren.  Der Dokumentation jedes Schrittes kommt daher größte Bedeutung zu. Die Grabungsarchive des DAI sind voller Zeichnungen, Bilder und Tagebücher, die penibel die Arbeit dokumentieren und damit Primärquellen von unschätzbarem Wert sind. Diese gefährdeten Bestände zu sichern, erlauben die neuen digitalen Techniken. Das DAI arbeitet mit Hochdruck daran, seine bis in die Gründungszeit zurückreichenden Grabungsarchive und Fototheken zu digitalisieren.

Für die Archäologie hat der digitale Systemumbruch noch sehr viel weiter reichende Konsequenzen. Grabungen werden digital dokumentiert. Messungen, Zeichnungen und Fotografien werden digital produziert. 
Die rasante technologische Entwicklung neuer digitaler Erfassungsmethoden von Daten z. B. Oberflächendaten der Erde über Remote Sensing-Technologien zu erfassen und dann über immer wieder neue Fragen angepasste Algorithmen, Analysen und Auswertungen zu erschließen, haben zu einem neuen Blick auf die Alte Welt geführt. Die historische Landeskunde früherer Epochen hat eine neue Dimension bekommen, indem komplexe Zusammenhänge historischer, klimatischer und ökologischer Vorgänge auf gänzlich anderer Datenmenge analysiert werden können.

 

Vernetzte Welten – Semantic Web

Das DAI ist auf dem Weg zu einer umfassenden digitalen Forschungsumgebung. Der digitale Systemumbruch birgt dabei neben neuen Chancen auch neue Risiken: Wissen wird leicht verfügbar. Die digitalen Informationen müssen aber auch nachhaltig gesichert werden. Neue Vernetzungen von Informationspools sind Ausgangspunkt für das Entdecken neuer Blicke auf die Alte Welt. Diese neuen Blicke setzen jedoch voraus, dass Datenbestände vernetzt werden können. Interoperabilität und Migration von Datenbeständen sind zu gewährleisten. Das DAI ist durch die Kooperationen, durch die Arbeit in großen Forschungsverbünden, durch internationale Kooperationen und durch das von der DFG geförderte Projekt IANUS dem Ziel, eine digitale Forschungsumgebung zu schaffen, nähergekommen. IANUS wird als nationales Forschungsdatenzentrum für die Archäologien und Altertumswissenschaften in Deutschland entwickelt.

Wissenschaft wird transparent und im informierten Dialog wird der weltweite Austausch vorangetrieben

Innovative Methoden ermöglichen es, ganz neue Daten über Denkmäler und Landschaften zu erfassen, neue Fragen zu stellen und neue Bilder der frühen Kulturen der Menschheitsgeschichte zu rekonstruieren. Datenbank-Architekturen, Remote Sensing, GIS, 3D-Rekonstruktion, LIDAR und Laser-Scanning, statistische Auffälligkeiten, Wahrscheinlichkeiten und ungewöhnliche Geometrien, neue Algorithmen für digitale Geländemodelle – Begriffe dieser Art haben sich längst zu Archiv, Zeichnung, Abklatsch und Pinsel gesellt.
Doch die Erweiterung des wissenschaftlichen Horizonts bringt eine exponentiell gestiegene Menge an – digitalen – Daten mit sich. 
Die Arbeitsgebiete in der Archäologie und den Altertumswissenschaften sind ohnehin außerordentlich vielfältig: Sie reichen von textbasierten und kunsthistorischen Analysen über Untersuchungen unterschiedlicher Materialien wie Knochen, Scherben oder Statuen über großangelegte Regionalstudien und Landschaftsrekonstruktionen, bis hin zu anthropologischen, kultur- und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen zu Raum, Politik, Gesellschaftsstruktur und Identität – überall entstehen Daten. Diese heterogenen Bestände so zusammenzuführen, dass sie auch langfristig im Web zur Verfügung stehen, ist eine hochkomplexe Aufgabe.
Das DAI hat sich dieser Herausforderung gestellt und entwickelt zusammen mit vielen Partnern adäquate Lösungen mit großer Reichweite. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Datenzentrums für die deutschen Altertumswissenschaften. Gleichzeitig soll die umfangreiche Digitalisierung des Wissens, das in deutschen Archiven vorhanden ist, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den Partner- und Gastländern unseres Forschens zugänglich gemacht werden. 
Den Kern der Arbeiten am Datenzentrum bildet die Entwicklung neuer Techniken und Methoden der Datenerfassung, ihrer Standardisierung, der Verwaltung und Speicherung sowie ihrer Veröffentlichung. Doch um alle Bausteine mit optimaler Effizienz nutzbar zu machen, müssen sie miteinander vernetzt werden.