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Naturwissenschaftliches Referat an der Zentrale

Archäozoologie

Die Archäozoologie untersucht die Beziehungen zwischen Mensch und Tier in den verschiedenen Perioden der Vor- und Frühgeschichte, und zwar auf der Grundlage von bodengelagerten Tierresten, die bei archäologischen Ausgrabungen oftmals in großen Mengen erschlossen werden. Bei diesen Funden handelt es sich vorrangig um Knochen, Zähne und Geweihe sowie Schalen von Schnecken und Muscheln. Für die tierartliche Bestimmung solcher Materialien verfügt das Archäozoologische Labor über spezielle Vergleichssammlungen von Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Fischen und Weichtieren. Neben der Tierart lassen sich an den Funden in Abhängigkeit von Tiergruppe und Erhaltungszustand häufig noch andere Merkmale erfassen, so u.a. das individuelle Alter des Tieres, der Zeitraum seines Todes, das Geschlecht des Tieres, seine Größe und mögliche krankhafte Veränderungen. Entsprechend dem archäologischen Befund können die Ergebnisse solcher Untersuchungen zur Rekonstruktion ganz unterschiedlicher Aspekte menschlichen Lebens herangezogen werden. Tierreste von Wohn- und Siedlungsplätzen geben in erster Linie Hinweise auf die Nutzung von Tieren für Nahrungszwecke sowie die Art und Weise ihrer Bewirtschaftung (Wildbeutertum, Tierhaltung). Knochen-, Zahn- und Geweihgeräte bzw. Abfälle ihrer Herstellung vermitteln Einblicke in die Nutzung tierischer Rohstoffe durch den Menschen. Andererseits ermöglichen Überreste von Tieren in Gräbern oder auf Opferplätzen wichtige Einsichten in die Rolle bzw. Stellung von Tieren im Denken und im Kult vergangener Zeiten.

Aktuell werden archäozoologische Untersuchungen auf folgenden Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts durchgeführt: Čiča (Russland), Arzan (Russland), Selinunt (Italien), Olympia (Griechenland), Aqaba (Jordanien) und Sohr Damb/Nal (Pakistan). Projekte mit Kooperationspartnern außerhalb des DAI betreffen Untersuchungen in Mainz (Deutschland), Krasnodar (Russland), Drama (Bulgarien), Kovačevo (Bulgarien), Kırklareli (Türkei), Malkayası-Höhle im Latmos (Türkei) und Almaty (Kasachstan).


Hinweis

Um eine optimale und sachgerechte Bergung von Tierresten zu garantieren, ist es ratsam, bereits in der Planungsphase von Ausgrabungen den Kontakt zum Archäozoologischen Labor herzustellen. Dabei können Fragen zur Strategie der Probennnahme und Fundverwahrung oder zum Einsatz spezieller Bergungsmethoden (Sieben, Schlämmen, Flotation) besprochen werden.

Pferdeskelette, Eisenzeit.
Unterkiefer vom Rothirsch, Frühes Mesolithikum.
Geräte aus Pferdeunterkiefern, Chalkolithikum.
 
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Aktualisiert: 09.10.2006

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