Objectives
Antike Architekturmodelle, die gebaute oder geplante Architektur verkleinert wiedergeben, sind sehr selten erhalten. Ägypten stellt diesbezüglich eine Ausnahme dar: Über 130 Modelle, meist Detailmodelle etwa von Säulen oder Säulenkapitellen, werden weltweit in Museen aufbewahrt. Diese Modelle, die aus dem 1. Jts. v. Chr. stammen, ermöglichen teils mehr noch als vollendete Architekturdetails Erkenntnisse über das Vorgehen und die Fähigkeiten der Handwerker und Planer. Das 2006 in Berlin begonnene und nun in Kairo fortgesetzte Projekt erforscht die Modelle auf Basis millimetergenauer Vermessungen und Zeichnungen.
Das Ägyptische Museum in Kairo allein besitzt etwa 70 Architekturmodelle. Die meist aus Kalkstein gefertigten Objekte sind durchschnittlich 10 bis 30 cm hoch und in der Regel sehr sorgfältig gearbeitet. Sie zeigen häufig vollendete Baudetails, manche bilden aber bewusst verschiedene Stadien der Fertigung nebeneinander ab. Besonders aufschlussreich sind eingeritzte Hilfslinien, welche das konstruktive Vorgehen der Bauleute genau nachvollziehbar machen. Andere Stücke verraten die ungeübte Hand eines Schülers.
Die Frage, warum Modelle im ägyptischen Bauwesen der so genannten Spätzeit und der griechisch-römischen Epoche eine so große Rolle spielten, kann nur in Zusammenhang mit der Wissens-, Technik- und Baugeschichte verstanden werden. Da viele der Modelle offenbar dem Lernen und Üben gedient haben, kann man auf eine organisiertere Form der Ausbildung in dieser Epoche schließen, in der man sich phasenweise intensiv mit der eigenen Bau- und Kunstgeschichte auseinandersetzte. Vermutlich wurden die Modelle aber auch auf der Baustelle eingesetzt. Die Oberflächen und Details ägyptischer Steinarchitektur wurden von den Steinmetzen erst zugerichtet, als die einzelnen Blöcke bereits versetzt waren. Dies geschah also meist auf hohen Gerüsten, auf die man die handlichen Modelle gut mitnehmen konnte. Schließlich wurde die ägyptische Bauornamentik ab dem 7. Jh. v. Chr. enorm bereichert, in ihrer Vielfalt wie in ihren jeweiligen Details. Die Entwicklung dieser Formen, von denen manche nie realisiert wurden oder nicht mehr erhalten sind, lässt sich anhand der Modelle in einmaliger Weise nachvollziehen.
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