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Die römische Therme in Baalbek
Baalbek liegt im Nord-Osten der Beqaa-Ebene zwischen den Gebirgsketten des Libanon und des Antilibanon. Die Thermenanlage befindet sich südlich des Jupiterheiligtums, im Gebiet des sog. Bustan el-Khan an der ins Stadtzentrum führenden Straße.
Im Gebiet des sog. Bustan el Khan wurden zu Beginn der 1960er Jahr antike Überreste gefunden, die der Anlass für eine groß angelegte Grabung durch die libanesische Antikenverwaltung waren, welche maßgeblich von H. Kalayan bis zum Beginn des libanesischen Bürgerkrieges 1975 geleitet wurde. Es wurden im Wesentlichen zwei römische Großbauten freigelegt, ein Podiensaal im Süden des Geländes und in direkter nördlicher Nachbarschaft eine große Thermenanlage. Ziel der Grabung war eine Teilrekonstruktion der freigelegten Bauten und somit die Schaffung einer touristisch verwertbaren Kulissenarchitektur.
Die Fortsetzung der wissenschaftlichen Untersuchung in diesem Gebiet erfolgte ab 2001 mit der Aufnahme des deutsch-libanesischen Kooperationsprojektes.
Die Thermenforschung in der Levante erlebt derzeit einen produktiven Schub, ermöglicht durch zahlreiche parallel laufende Projekte internationaler Forscherteams. Das Ziel des Projektes in Baalbek ist eine umfassende bauhistorische Untersuchung der Thermenanlage und ihrer Nachnutzungsphasen als Grundlage für eine zeichnerische Rekonstruktion des Gebäudes in seinen unterschiedlichen Nutzungsphasen. Weiterhin soll die Thermenanlage in den übergeordneten städtebaulichen Kontext sowie in die Thermentypologie der Levante eingeordnet werden.
Die aktuellen bauhistorischen Untersuchungen können das Erscheinungsbild der kaiserzeitlichen Thermenanlage weiter klären. Die deutlich sichtbare axiale Symmetrie des Bauwerks legte bereits nahe, dass sich die Therme in Baalbek am Grundriss der großen Thermenanlagen in Rom orientiert; hier sind vor allem die Trajansthermen maßgeblich. Neben diesem stadtrömischen Bezug können auch bauliche Parallelen zu den Barbarathermen in Trier und den Hadriansthermen in Leptis Magna nachgewiesen werden. Von der Dokumentation der Ausgrabung der 60er und 70er Jahre ist neben einem umfangreichen Fotoarchiv vor allem ein Plansatz von Bauaufnahmen erhalten, der verschiedene Stadien des Ausgrabungszustandes dokumentiert.
Die Arbeiten am römischen Bad wurden 2002 von Torsten Bunk wieder aufgenommen. In zwei Kampagnen entstanden ergänzende Bauaufnahmen. Erste vorläufige Ergebnisse wurden in einem Artikel zusammengefasst, der 2003 im "Bulletin d' Archéologie et d'Architecture Libanaises" (BAAL) erschien.
Seit 2008 werden die bauhistorischen Arbeiten an der römischen Therme von Clemens Brünenberg weitergeführt. Diese Arbeiten umfassen vor allem die partielle Neuaufnahme von Bereichen, die für das Verständnis des Baugefüges von Bedeutung sind, sowie die Erstellung eines Raumbuches als Grundlage für die Baubeschreibung und Phaseneinteilung.
Unterstützende archäologische Arbeiten finden seit der Sommerkampagne 2008 in Form von gezielten Sondagen statt. Daneben werden im Gebiet des "Bustan el-Khan" - wie auch im übrigen Stadtgebiet - Fragestellungen der Wasserversorgung und -technik untersucht.
Die aktuellen bauhistorischen Untersuchungen können das Erscheinungsbild der kaiserzeitlichen Thermenanlage weiter klären. Die deutlich sichtbare axiale Symmetrie des Bauwerks legte bereits nahe, dass sich die Therme in Baalbek am Grundriss der großen Thermenanlagen in Rom orientiert; hier sind vor allem die Trajansthermen maßgeblich. Neben diesem stadtrömischen Bezug können auch bauliche Parallelen zu den Barbarathermen in Trier und den Hadriansthermen in Leptis Magna nachgewiesen werden.
Untersuchungen zur städtebaulichen Eingliederung der Therme ergeben eine komplexe Phasenabfolge baulicher Veränderungen in vermutlich eng aufeinander folgenden zeitlichen Abschnitten. Ausgangspunkt war ein solitärer Baukörper, welcher nach der Datierung der Bauornamentik wohl in der zweiten Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. (spätantoninisch / frühseverisch) fertiggestellt wurde.
Dieser lag nicht direkt an der Hauptstraße, die in Richtung Heiligtum führt, sondern in zweiter Reihe, mutmaßlich hinter einer Reihe von Stadtvillen. Durch ihre Höhenentwicklung und eine monumentale Porticus war die Therme allerdings deutlich wahrnehmbar. In kurzer Zeit wurde der städtische Raum um die Therme stark überformt, zuerst durch Seitenhöfe, welche eine direktere Kommunikation mit der Straße ermöglichten und schließlich durch die partielle Zusetzung des Bereiches vor der Porticus. In dieser Umbauphase kann eine Palaestra in genau diesem Bereich angenommen werden. Der ehemals durch private Architektur geprägte Bereich des sog. Bustan el-Khan wurde demnach im Zuge einer groß angelegten Umplanung zu einem nahezu komplett öffentlichen, repräsentativen Raum umgestaltet.
Prof. Dr.-Ing. Klaus Rheidt
Lehrstuhl für Baugeschichte, BTU Cottbus
T. Bunk, Research in the Area of Bustan el-Khan, in: M. van Ess et al., Archaeological Research in Baalbek. A preliminary report on the 2001-2003 seasons, in: BAAL 7 (Beirut 2003), S. xx-xx
H. Wienholz, The relative chronology of the Roman buildings in Baalbek in view of their architectural decoration, in: M. van Ess et al., Baalbek/Heliopolis. Results of archaeological and architectural research 2002-2005, in: BAAL Hors-Série IV (Beirut 2008), S. 279f.
K. Rheidt, Remarks on the urban development of Baalbek, n: M. van Ess et al., Baalbek/Heliopolis. Results of archaeological and architectural research 2002-2005, in: BAAL Hors-Série IV (Beirut 2008), S. 233.
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) ist eine wissenschaftliche Einrichtung, die als Bundesanstalt zum Geschäftsbereich des Auswärtigen Amts gehört. Das Institut mit Zentrale in Berlin und mehreren Kommissionen und Abteilungen im In- und Ausland führt archäologische Ausgrabungen und Forschungen durch und pflegt Kontakte zur internationalen Wissenschaft.
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