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Tadžikistan: Gelot

Ausgrabung einer bronzezeitlichen Nekropole

Lokalisierung

Lokalisierung

Deutschland
37° 57' 10.35" N, 69° 43' 17.7204" E

Abb. 2. Das Jah-Su-Tal, Blick nach Nordost. Am linken Bildrand die Hügelketten des Chodža Sartez © DAIAbb. 1. Lage des Fundplatzes Gelot © DAIDer Fundort Gelot befindet sich am nördlichen Flusstalrand des Jah-Su, eines Nebenflusses des Kyzylsu, 6 km nördlich der Provinzhauptstadt Kuljab. Er liegt auf der zweiten Flussterrasse des Jah-Su am Fuße der Chodža-Sartez Hügelketten, welche das Jah-Su-Tal im Norden begrenzen.

Ziele

Inhalt des Projektes ist die archäologische Erforschung eines bronzezeitlichen Gräberfeldes, verbunden mit einer Prospektion des Umfeldes, welche zum Ziel hat, die prähistorische Siedlungslandschaft im Bereich einer Kleinregion zu erschließen.

Abb. 5. Gelot. Steinstatuette © DAIAbb. 4. Gelot. Grabfund © DAIAbb. 3. Die Nekropole von Gelot © DAI

Forschungsgeschichte

Bei der Anlage einer Straßenterrasse am Fuße des Chodža-Sartez wurde Ende der 1990er Jahre eine bronzezeitliche Nekropole angeschnitten. Bei im Jahre 2007 durchgeführten russisch - tadžikische Grabungen wurden Gräber der lokalen bronzezeitlichen Beškent-Vachš-Kultur (17.-15. Jh. v. Chr.) freigelegt. Daneben fand sich ein Kenotaph, dessen Keramikinventar deutliche Verbindungen zu Süduzbekistan bzw. Nordwestafghanistan aufwies. Das Grab datiert in den bisher in Tadžikistan kaum bekannten älteren Abschnitt der Spätbronzezeit (2000-1700 v. Chr.)

Bisherige Arbeiten

Abb. 6. Gelot. Keramikinventar eines Grabes der Beškent-Vachš-Kultur © DAIIm Rahmen einer russisch-tadžikisch-deutschen Grabungskampagne im Frühjahr 2008 wurde von N. Vinogradova schließlich ein weiteres Grab freigelegt, das in den älteren Abschnitt der Spätbronzezeit datiert. In dem Grab war eine Frau in Hockerlage mit dem Kopf nach Süden bestattet worden. An Beigaben fanden sich in dem Grab zehn Keramikgefäße, mehrere Lapislazuli-Perlen, eine Goldperle, ein Bronzespiegel, ein Stück eines Steinsiegels sowie eine steinerne Statuette.

Aktuelle Arbeiten

Die Grabungen auf der Nekropole wurden im Herbst 2009 fortgesetzt. Dabei wurden weitere Gräber der bronzezeitlichen Beškent-Vachš-Kultur freigelegt. Bei den Gräbern handelt es sich um Körperbestattungen, wobei die Toten als Hocker beigesetzt waren. Zudem fanden sich auch Kenotaphe.
Abb. 8. Die Grabungsflächen von Učkun 2. Freigelegte Siedlungsschichten des 4./3. Jh. v. Chr. Im Hintergrund das Jah Su-Tal © DAIAbb. 7. Gelot. Gefäß der Beškent-Vachš-Kultur © DAINeben den bronzezeitlichen Gräbern wurde im Bereich der Nekropole auch eine mongolenzeitliche Bestattung mit Waffenbeigaben freigelegt.

Außerdem erfolgte eine geologisch-archäologisch Begehung des Jah-Su Tales und der nördlich anschließenden Chodža-Sartez-Hügelkette. Im Ergebnis dieser Begehungen wurden sowohl im Tal als auch im Bereich des Chodža-Sartez Testgrabungen durchgführt. Außerdem wurde von der spätbronze/früheisenzeitlichen Siedlung Karim Berdy ein Magnetplan erstellt.

Ergebnisse

Die Funde von Gräbern der älteren Spätbronzezeit mit deutlichen Verbindungen nach Süduzbekistan, Nordafghanistan und Turkmenistan in der Nekropole von Gelot liefern wesentliche Hinweise hinsichtlich der Etablierung der lokalen bronzezeitlichen Beškent-Vachš-Kultur. Sowohl im Grabbau als auch in den Keramikformen lässt sich eine Kontinuität nachweisen. Mittels Bodenmagnetikmessungen war es möglich, die Größe des Gräberfeldes zu bestimmen.

Abb. 10. Bronzezeitliches Steingewicht. Lesefund vom Chodža Sartez © DAIAbb. 9. Hügel mit eisenzeitlicher Besiedlung bei Kuduk © DAIDie Begehung des Jah-Su-Tals und die hier durchgeführten Testgrabungen machten deutlich, dass eine Besiedlung des Tals vermutlich nicht vor dem 6. Jh. v. Chr. einsetzte.

Neben achämenidenzeitlichen Besiedlungsspuren in Gelot wurde bei der Ortschaft Učkun ein Siedlungsplatz des 4./3. Jh. v. Chr. entdeckt.

Vorachämenidenzeitliche Siedlungsreste konnten dagegen im Bereich der Lösshügelketten des Chodža-Sartez ermittelt werden.
Neben bronzezeitlichen Streufunden wurde bei der Ortschaft Kuduk ein Siedlungsplatz der frühen Eisenzeit entdeckt. Bei Testgrabungen freigelegte Gruben erbrachte bemalte Keramik der Periode Yaz I.
Neben Karim Berdy, wo ähnliche Keramik gefunden wurde, ist Kuduk der zweite Fundplatz Tadžikistans, der dieser Zeitperiode zugewiesen werden kann.

Für die eisenzeitliche Siedlung von Karim Berdy wurde eine Bodenmagnetikmessung durchgeführt. Umfang und Struktur der Siedlung konnten deutlich erfasst werden. Neben zahlreichen Gruben zeichnen sich deutlich mehrere Grubenhäuser und Öfen ab.

Kooperation

Natalija Vinogradova, Kandidat istoričeskij nauk (Dr. phil.)
Institut Vostokovedenija (Institut für Orientforschungen) der Russischen Akademie der Wissenschaften
Moskau

Tatjana Filimonova, Kandidat istoričeskij nauk (Dr. phil.)
Institut für Geschichte, Archäologie und Ethnographie der Akademie der Wissenschaften der Republik Tadžikistan
Dusanbe

Dr. rer. nat. Mohsen Makki, Geographisches Institut, Humboldt Universität Berlin (geographische Raumanalyse)
PD Dr. Jörg Fassbinder, Landesamt für Denkmalpflege, München (Magnetik)
Alexej Nečvaloda, "Muzj estestvennoj istorii" Ufa (Anthropologie/Paläozoologie)

Bibliographie

K. Kaniuth/M. Teufer/N. Vinogradova, Neue bronzezeitliche Funde aus Südwest-Tadžikistan. Archäologische Mitteilungen aus Iran und Turan 38, 2006, 82-102.

M. Teufer, Bronzezeitliche und früheisenzeitliche Fundplätze in der Kuljabregion (Tadžikistan). Archäologischer Anzeiger 2009/1 Beiheft. Jahresbericht 2008, 398-400.

Н. М. Виноградова/Ю. Г. Кутимов, Богатое земледельческое погребение эпохи бронзы в Гелоте. In: С. В. Белецкий/Л. Б. Кирчо (Hrsg.), Проблемы культурогенеза и культурного наследия. Сборник статей к 80-летию Вадима Михайловича Массона (Санкт Петербурт 2009) 102-116.

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Kontakt

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