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Im Rahmen des UNESCO-Projekts zur Rettung Karthagos Einrichtung eines archäologischen Parks (punische Wohnarchitektur, Bauten der römischen Kolonie), archaische Siedlungsreste.
Der moderne Villenvorort Carthage der Landeshauptstadt liegt im Areal der punischen Metropole und späteren römischen Provinzhauptstadt am Golf von Tunis.
Seit 1974 galt ein internationales Forschungsprogramm unter dem Patronat der UNESCO der Rettung noch nicht überbauter Freiflächen im antiken Siedlungsgelände. Das deutsche Projekt soll vor allem noch ungelöste topographische Probleme der Stadtgeschichte von ihren phönizischen Anfängen im 8. Jh. v. Chr. bis in die byzantinische Endphase klären.
Dokumentations- und Interpretationsarbeiten an ergrabenen Befunden sowie ausgewählten Fundgattungen und Fundkomplexen im Bereich der Grabung Rue Ibn Châabat und im Quartier Magon durch Dr. C. Flügel und Dr. H. Dolenz. Die römischen und frühbyzantinischen Befunde der Grabung Rue Ibn Châabat wurden im Band Karthago IV vorgelegt (2012). Den punischen Münzen aus den Grabungen im Quartier Magon und an der Rue Ibn Chabâat widmet sich Dr. S. Frey-Kupper.
Die Anlage der punischen Seemauer im 5. Jh. v. Chr., in deren Schutz die in archaischer Zeit offene Küstenebene in orthogonaler Ordnung urbanisiert wurde, dokumentiert den Wandel der phönizischen Siedlung zur internationalen Handelsmetropole. Im frühen 2. Jh. v. Chr. wurden ältere Wohneinheiten zu reich ausgestatteten Großhäusern zusammengelegt. Die von punischen Vorgaben bestimmte römische Neugründung mit ihren Baumaßnahmen und ihrer Organisation nach dem über hundertjährigen Siedlungsverbot wird auf dem küstennahen Grabungsareal deutlich, das als 'Magon-Viertel' nach seiner abschließenden Restaurierung und dem Bau eines Antiquariums mit didaktischen Modellen, Funden und Schaubildern in den archäologischen Park von Karthago eingebunden ist.
Ein zweites deutsches Grabungsgelände an der Rue Ibn Châabat präsentiert die acht Meter unter dem heutigen Gelände im 8. Jh. v. Chr. beginnende Siedlungssequenz. Die bisherigen Arbeiten konnten die Grabungsergebnisse von Friedrich Rakob bestätigen und erweitern. Die archaische Besiedlung im Bereich unter dem Kardo XIII und den zugehörigen Tabernae beginnt spätestens im 7. Jh. v. Chr. und ist durch Kalksteinmauern in Lehmbindung bzw. Lehmziegelmauern charakterisiert. In den bis 7 m tiefen Grabungsschnitten zeichnen sich kleine, maximal 20 qm große, annähernd quadratische Räume ab. Besonders hervorzuheben ist, dass sich von den archaischen Bauten Mauerhöhen von bis zu 2 m erhalten haben. Ende des 6. bzw. Anfang des 5. Jh. v. Chr. erfolgt eine großflächige urbanistische Neuplanung im Stadtzentrum: In die planierten archaischen Bauten werden die gitterförmig angelegten Bruchsteinfundamente für einen Großbau bislang unbekannter Funktion eingetieft. Nördlich und östlich dieses öffentlichen Gebäudes lag ein großer Platz. Dessen Westabschluss bildete ein mindestens 11x6 m messender Großbau aus Sandstein-Blöcken, der zeitgleich mit der Mauer errichtet worden war. Diese Erkenntnisse zur mittelpunischen Epoche sind von großer stadtgeschichtlicher Bedeutung, da sie für Karthago eine Monumentalisierung des urbanen Erscheinungsbildes und erstmals eine punische Platzanlage nachweislich machen. Nach Schleifung der Mauer in spätpunischer Zeit wird das Platzareal nach Süden hin erweitert und gepflastert. Der mittelpunische Großbau bleibt dabei als Westbegrenzung bestehen. Der spätpunische Platz dient noch in augusteischer Zeit als tieferliegendes Ausgangsniveau für die Errichtung der ersten Insulabauten der Colonia Iulia Karthago. Die nachfolgenden römischen bis frühbyzantinischen Epochen sind im Band Karthago IV zusammengefasst (H. Dolenz/Ch. Flügel, Karthago IV. Römische und Byzantinische Großbauten am Decumanus Maximus; Mainz 2012).
Die Arbeiten werden in Kooperation mit dem Institut National du Patrimoine (Tunis) sowie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Landesmuseum Kärnten durchgeführt.
Grabung Rue Ibn Chabâat: Dr. C. Flügel, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen, Alter Hof 2, D - 80331 München, Deutschland, Tel: +49 89 21014026, email:christof.fluegel@blfd.bayern.de
Grabung Rue Ibn Chabâat: Dr. H. Dolenz, Landesmuseum Kärnten, Ausgrabung Magdalensberg, A-9064 Pischeldorf, Österreich, Tel. +43 4224 2255, email: heimo.dolenz@uni-klu.ac.at
Dr. Aliya Krandel-Ben Younès, Institut National du Patrimoine Tunis, 04 place du château, Tunis 1008, Tunisie, Tél.: +216 71 561 622, Fax: +216 71 562 452
Münzen: Dr. Suzanne Frey-Kupper, University of Warwick.
F. Rakob (Hrsg), Die deutschen Ausgrabungen in Karthago I (Mainz 1991); II (Mainz 1997); III (Mainz 1999).
F. Rakob, u.a., Forschungen im Stadtzentrum von Karthago, in: Römische Mitteilungen 102, 1995, 413 ff. (mit Bibliographie der Forschungen bis 1995).
C. Flügel - H. Dolenz, Vom römischen Großbau zur christlichen Grabstätte. Neue Grabungen in Karthago, in: Antike Welt 27, 6, 1996, 453 ff.
C. Flügel - H. Dolenz, Karthago IV. Römische und byzantinische Großbauten am Decumanus Maximus. Die Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Institutes Rom an der Rue Ibn Chabâat und der Avenue Habib Bourguiba (Darmstadt 2012).
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) ist eine wissenschaftliche Einrichtung, die als Bundesanstalt zum Geschäftsbereich des Auswärtigen Amts gehört. Das Institut mit Zentrale in Berlin und mehreren Kommissionen und Abteilungen im In- und Ausland führt archäologische Ausgrabungen und Forschungen durch und pflegt Kontakte zur internationalen Wissenschaft.
Das Institut veranstaltet wissenschaftliche Kongresse, Kolloquien und Führungen und informiert die Öffentlichkeit über seine Arbeit.