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Irak, Wadi Hauran

Regionalsurvey im Wadi Hauran (Westiraq) mit neuen Befunden zur Nutzung und Besiedlung des Wadis im präkeramischen Neolithikum (7./6. Jt. v. Chr.) sowie zur Anwesenheit von Nomaden seit der 2. Hälfte des 1. Jt. v. Chr.

Lokalisierung

Lokalisierung

Irak
33° 31' 2.406" N, 40° 59' 10.968" E

Das Wadi Hauran bei Qasr Muheiwir © DAIWadi Hauran beim Streckenposten Qasr Muheiwir (ca. 33º Breite / 41º Länge)

Geschichte

Das Wadi Hauran, in der iraqisch-syrischen Wüste gelegen und heute nur im Winter von Nomadenverbänden durchzogen, hat sowohl als Siedlungsgebiet (im präkeramischen Neolithikum), als Lebensraum für nomadisch lebende Gruppen (spätestens seit der 2. Hälfte des 1. Jt. v. Chr.) als auch im Netz der überregionalen Straßen zwischen Westsyrien und Mesopotamien eine wichtige Rolle gespielt. Historisch ist die Nutzung des Wadi Hauran als Transportweg zwischen Palmyra (Syrien) und Hit (Iraq) insbesondere für das 1. Jh. n. Chr. zu belegen. Beim Streckenposten Qasr Muheiwir kreuzte zudem eine seit dem 10 Jh. n. Chr. bekannte Straße zwischen Damaskus (Syrien) und Hit, die bis in das 20. Jh. hinein genutzt wurde.

Ziele

Lagerplatz aus der Zeit des präkeramischen Neolithikums © DAISystematische Begehungen im Wadi Hauran sollen zu einem umfassende Verzeichnis der antiken Siedlungs- und Lagerplätze führen. Einzelne Plätze sollen durch gezielte archäologische Untersuchungen (Detailkartierungen und Ausgrabungen) exemplarisch erforscht werden. Ziel sind neue Kenntnis zu den Wegen des kulturellen Austausches zwischen dem Westen (Syrien, Jordanien) und dem Osten (Mesopotamien), die traditionellerweise entlang des Euphratflußtales rekonstruiert werden. Änderungen der klimatischen Verhältnisse werden zu berücksichtigen sein, die Rolle unterirdischer Wasserläufe sowie die Techniken, mit denen sich der Mensch der Wüstensteppe anpaßte.

Forschungsgeschichte

Berichte über archäologische Fundstellen in der syrisch-iraqischen Wüste setzen mit Reisenden wie Alois Musil und Gertrude Bell Ende des 19./Anf. des 20. Jh. ein. Die begrenzte Erschließung der Wüstensteppe durch den Neubau von Straßen sowie einer Erdölpipeline führten in den 1920er Jahren und durch geologische Prospektionen seit den 1970er Jahren zu weiteren Entdeckungen antiker Befunde. Trotz Publikation sind diese Berichte bisher nur selten in allgemeinen Darstellungen zur Geschichte des Vorderen Orients berücksichtigt worden.

Aktuelle Arbeiten

Felsbild eines Capriden © DAIIm Frühjahr 2000 und 2001 wurden verschiedene Fundstellen bei Qasr Muheiwir im Wadi Hauran aufgesucht, die durch iraqische Kollegen während geologischer Prospektionen entdeckt worden waren. Es handelt sich überwiegend um Siedlungsplätze aus dem präkeramischen Neolithikum B, die sich durch Steinsetzungen und eine große Anzahl von typischen Steingeräten auszeichnen. In der unmittelbaren Umgebungen waren regelmäßig Felsbilder mit Tier- und Menschendarstellungen (Schraubenhornziegen, Wildziegen, Steinböcke, Rinder, Hirsche, Hunde, Löwen) anzutreffen, von denen zumindest ein Teil gleichzeitig sein dürfte. Drei Fundstellen zeigen darüber hinaus Dromedare und Esel mit Reitern, die sicher einer wesentlich jüngeren Zeit zuzuweisen sind (ab 2. Hälfte 1. Jt. v. Chr.), an zwei Fundstellen konnten Inschriften (thamudisch B) dokumentiert werden.

Kooperation

Universität Baghdad, College of Arts - Department of Archaeology; State Board of Antiquities and Heritage Baghdad; Iraqische Gesellschaft für geologische und metallurgische Prospektion

Bibliographie

Ricardo Eichmann - Margarete van Ess - Abdulillah Fadhil - Nazar Abdul Latif al-Hadithy - Sahar N. Shakir, Archäologische Fundstellen im Gebiet von Qasr Muheiwir (Wadi Hauran), Baghdader Mitteilungen 31, 2000, 9-44.

Aktuelle Projekte

  • 11.01.2014

    Arbil mehr

  • 13.11.2013

    Visualisierung der antiken Stadt Uruk mehr

  • 14.11.2012

    Uruk (Warka) mehr

Abgeschlossene Projekte

  • 31.05.2011

    Irak, Wadi Hauran mehr

  • 31.05.2011

    Irak, Tell Harmal mehr

Kontakt

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) ist eine wissenschaftliche Einrichtung, die als Bundesanstalt zum Geschäftsbereich des Auswärtigen Amts gehört. Das Institut mit Zentrale in Berlin und mehreren Kommissionen und Abteilungen im In- und Ausland führt archäologische Ausgrabungen und Forschungen durch und pflegt Kontakte zur internationalen Wissenschaft.
Das Institut veranstaltet wissenschaftliche Kongresse, Kolloquien und Führungen und informiert die Öffentlichkeit über seine Arbeit.  

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