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Inhalt

Jahresbericht 2008

Weitere Informationen zu diesem Band finden Sie hier.

Inhalt und Zusammenfassungen

Inhalt

Giorgos I. Despinis
Der Torso Athener Nationalmuseum Inv. 3045. Fragment einer Giebelkomposition mit Athenageburt?   >>

Giorgos I. Despinis
Zum Weihrelief des Neoptolemos im Athener Agora-Museum   >>

GRABUNGSBERICHTE

Andreas Schachner
Die Ausgrabungen in Boğazköy-Hattuša 2008. Mit Beiträgen von Reinhard Dittmann und Ulf Röttger, Gernot Wilhelm sowie Ulf-Dietrich Schoop, Peter Grave, Lisa Kealhofer und Geraldine Jacobsen   >>

Ortwin Dally – Regina Attula – Helmut Brückner – Daniel Kelterbaum – Pavel A. Larenok – Reinder Neef – Torsten Schunke
Die Griechen am Don – Ergebnisse der deutsch-russischen Ausgrabungen in Taganrog und Umgebung. Kampagnen 2004–2007   >>

Iulian Bîrzescu
Funde aus Milet XXI. Drei Typen archaischer Reifenamphoren aus Milet   >>

Alessandro Naso
Funde aus Milet XXII. Etruscan Bucchero from Miletus: Preliminary Report. With a contribution by Giorgio Trojsi   >>

Bernhard Weisser
Funde aus Milet XXIII. Ein Hort in Milet mit Silbermünzen aus dem frühen 4. Jh. v. Chr.   >>

Fikret Özcan
Funde aus Milet XXIV. Hellenistische Terrakotten von der Ostterrasse des Kalabaktepe   >>

Wolfgang Günther
Funde aus Milet XXV. Hellenistische Bürgerrechts- und Proxenielisten aus dem Delphinion und ihr Verbleib in byzantinischer Zeit. Mit einem Beitrag von Philipp Niewöhner   >>

Norbert Ehrhardt – Wolfgang Günther – Peter Weiß
Funde aus Milet XXVI. Aphrodite-Weihungen mit Ohren-Reliefs aus Oikus   >>

Gerhard Jöhrens
Funde aus Milet XXVII. Amphorenstempel aus den Grabungen in Milet 1899–2007   >>

Sitzung der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin e. V. am 22. April 2008

Ralf von den Hoff
Caligula. Zur visuellen Repräsentation eines römischen Kaisers   >>

Archäologische Dissertationen und Habilitationen 2008

Stipendien des Deutschen Archäologischen Instituts

Hinweise für Autoren

Zusammenfassungen


Giorgos I. Despinis, Der Torso Athener Nationalmuseum Inv. 3045. Fragment einer Giebelkomposition mit Athenageburt?

Der Torso im Athener Nationalmuseum Inv. 3045 stammt, wie allgemein angenommen wird, von einer Statue des thronenden Zeus. Die geringe Tiefe der Figur und die grobe Ausarbeitung der Rückseite zeigen, dass der Torso zu einer Giebelskulptur gehörte. Für ihre Deutung ist das komplizierte Befestigungssystem einer schweren Anfügung entscheidend, das sich an der Rückseite der linken Schulter teilweise erhalten hat. Der Verf. ist der Ansicht, dass hier eine hinter und über der linken Schulter sichtbare Athenastatuette angefügt gewesen ist und wir entsprechend eine Darstellung der in der archaischen Weise wiedergegebenen Athenageburt vor uns haben. Diese Interpretation des Befundes führt zu der Hypothese, dass die Statue Teil einer Komposition der Geburt der Athena ἐκ τῆς κεφαλῆς τοῦ Διὸς war, wie sie Pausanias 1, 24, 1 westlich des Parthenon aufgestellt bezeugt. Der Verf. weist den Torso Athener Nationalmuseum Inv. 3045 und die Fragmente der Viergespannpferde im Akropolis Museum Inv. 6454 und 15244, die ebenfalls einer Giebelkomposition auf der Akropolis zugeordnet werden, nicht – wie dies in den letzten Jahren geschehen ist – einer Gigantomachie zu, sondern dem Zentrum zweier Kompositionen. Diese sollten die Marmorgiebel des Alten Athenatempels ersetzen, sind aber nicht vollendet worden. Die beiden Szenen, die Geburt der Athena und die Epiphanie der Göttin, wurden hinter dem Parthenon oder dem Alten Athenatempel aufgestellt, wie dies auch bei den Giebelkompositionen des Aphaiatempels auf Aigina der Fall war, die auf getrennten Sockeln unter einem Schutzdach östlich des Tempels standen.

Schlagworte: Zeus • Athenageburt • Akropolis Athen • Alter Athenatempel • Giebel 

Giorgos I. Despinis, Zum Weihrelief des Neoptolemos im Athener Agora-Museum
Die auf der rechten Seite des Reliefs im Agora-Museum Inv. I 7154 dargestellte Szene ist als die Übergabe des neu geborenen Dionysos durch Hermes an die Nymphen gedeutet worden. Eine Darstellung dieses Inhalts steht jedoch in keinerlei Zusammenhang mit dem Nordabhang der Akropolis, auf den die dargestellten Gottheiten Zeus, Demeter, Apollon, Artemis, die Nymphen und Pan verweisen, die dem Geschehen beiwohnen. Der Schauplatz der Handlung steht unmittelbar mit dem kleinen Ion in Zusammenhang, dem Sohn des Apollon und der Kreusa, den seine Mutter in der Höhle des Apollon ausgesetzt hatte, von wo Hermes das Kind nach Delphi brachte. Die neue Deutung ermöglicht ein besseres Verständnis der ikonographischen Details des Reliefs, dessen Stifter nach der Inschrift auf der Bodenleiste Neoptolemos, Sohn des Antikles, aus Melite war, ein reicher Athener, der sich um zahlreiche Athener Heiligtümer verdient gemacht hatte.

Schlagworte: Weihrelief • Akropolis Athen, Nordabhang • Zeus • Demeter • Apollon • Artemis • Nymphen • Pan • Hermes • Ion • Neoptolemos

Andreas Schachner, Die Ausgrabungen in Boğazköy-Hattuša 2008
Bei Ausgrabungen im Tal westlich vor Sarıkale gelang der Nachweis, daß Teile der westlichen Oberstadt bereits in der späten Karum-Zeit genutzt wurden. Nach einem stratigraphisch klar definierten Hiatus in der Besiedlung wurde eine sehr regelmäßig geplante Siedlung völlig neu und in bis dahin nicht gekannter Regelmäßigkeit im 16. Jh. v. Chr. gegründet. In den weiter südlich am Übergang zum zentralen Tempelviertel gelegenen Grabungsbereichen ermöglichte die fast vollständige Freilegung eines großen hethitischen Wohnhauses Einblick in die Lebensweise der lediglich textlich bekannten hethitischen Elite. In der Unterstadt konnte durch Surveys der Nachweis erbracht werden, daß Kesikkaya wahrscheinlich monumental bebaut gewesen ist und gleichzeitig in eine sich nach Norden und Osten fortsetzende Bebauung eingebunden war. Die Poternenmauer lehnt sich demnach in einem weiten Bogen an den Felsen. Im Norden der Unterstadt konnten unerwartet zwei Abschnittsmauern festgestellt werden, die diesem Stadtbereich ein völlig neues Aussehen verleihen. Die unter Leitung von U.-D. Schoop westlich der hethitischen Stadt fortgesetzten Grabungen in Çamlıbel Tarlası haben weitere Einblicke in die kulturgeschichtliche Gesamtentwicklung der Siedlungskammer von Boğazköy erbracht. Vor allem die gewonnenen Radiocarbondatierungen ermöglichen erstmals eine genauere Eingrenzung der frühen Siedlungsaktivitäten in diesem Raum.

Schlagworte: Hattuša • Tal vor Sarıkale • Karum-Zeit • mittelhethitisch • Çamlıbel Tarlası • chalkolithisch

Ortwin Dally – Regina Attula – Helmut Brückner – Daniel Kelterbaum – Pavel A. Larenok – Reinder Neef – Torsten Schunke, Die Griechen am Don – Ergebnisse der deutsch-russischen Ausgrabungen in Taganrog und Umgebung. Kampagnen 2004–2007
Seit 2004 laufen Grabungen und Surveys des Deutschen Archäologischen Instituts, der Don-Archäologischen Gesellschaft Rostov am Don und des Instituts für Archäologie der russischen Akademie der Wissenschaften (Moskau) bei Taganrog, ca. 50 km westlich von Rostov am Don. Durch eine Kombination von Grabungen und Bohrungen konnte in den Jahren 2004–2007 in Taganrog der Nachweis eines Handelsstützpunktes erbracht werden, der vermutlich im letzten Viertel des 7. Jhs. v. Chr. in einer verkehrstechnisch begünstigten Lage an der Einmündung des Don in das Asovsche Meer von ionischen Griechen gegründet wurde und als eine der frühesten griechischen Niederlassungen im nordöstlichen Schwarzmeergebiet überhaupt gelten darf. Die bisherigen Ergebnisse führen zu der Annahme, dass kleinere Gruppen von Griechen zunächst gemeinsam mit Einheimischen in Taganrog siedelten. Die Feldarbeiten sind eingebettet in einen breiteren Forschungsansatz, der die kulturhistorische Entwicklung des Don-Deltas zwischen der späten Bronzezeit und dem 3. Jh. v. Chr. insgesamt in den Blick nimmt. Erste Ergebnisse weiterer Grabungen und eines Surveys auf der westlich von Taganrog gelegenen Halbinsel am Myus Liman lassen darauf schließen, dass seit der Wende vom 6. zum 5. Jh. v. Chr. die Siedlung Elisavetovka im Don-Delta eine bedeutende Rolle spielte, im Verlauf des 4. Jhs. v. Chr. aber weitere Siedlungen hinzukamen, bevor es durch die Gründung von Tanais durch Kaufleute aus dem Bosporanischen Reich zu einer neuen Strukturierung des gesamten Siedlungssystems im Don-Delta kam.

Schlagworte: Don-Delta • Myus-Liman • Griechische Kolonisation • ionische Keramik • Bosporanisches Reich

Iulian Bîrzescu, Funde aus Milet XXI. Drei Typen archaischer Reifenamphoren aus Milet
In der vorliegenden Studie werden drei Typen von archaischen Amphoren aus Milet betrachtet, der Byblos- und Oikus-Typus sowie Typus der kleinen Reifenamphoren. Ein Dekor aus bemalten Streifen kennzeichnet sie. In ihrer Form und ihren Maßen sind die ersten beiden Typen mit den großen unbemalten Transportamphoren verwandt. Ihre weite Verbreitung erstreckt sich auch auf Süditalien, den Vorderen Orient und den Schwarzmeerraum. Der dritte Typus kann den sog.Tafelamphoren zugeordnet werden, die vor allem durch figürlich bemalte Beispiele bekannt sind. Die meisten Reifenamphoren stammen aus dem Aphroditeheiligtum von Oikus vor den Toren Milets auf dem Zeytintepe, von ihnen ließen sich zum ersten Mal mehrere vollständige Exemplare ergänzen. Ein Dipinto zeigt, dass diese Amphoren auch für das Heiligtum produziert wurden. Die Reifenamphoren tragen durch Anzahl und Vielfalt zu einem besseren Verständnis der archaischen Keramik in einer der wichtigen archaischen Poleis bei.

Schlagworte: Milet • Archaik • Keramikproduktion • Reifenware • Amphoren

Alessandro Naso, Finds from Miletus XXII. Etruscan Bucchero from Miletus: Preliminary Report
 Bucchero, the Etruscan national pottery, was appreciated also by Greeks, who adopted in their culture the form of the commonest Etruscan vase, the kantharos, as an attribute of Dionysos. This adoption led to a widespread distribution of this vase in the Greek world, which is also clearly demonstrated by the bucchero finds in the Aegean. Here Miletus is the richest bucchero findplace, since the excavations conducted by V. von Graeve from 1985 onwards have produced more than 100 Etruscan bucchero sherds, belonging mostly to kantharoi, which were dedicated in the Aphrodite sanctuary. Mineralogical and petrographical analysis carried out by G. Trojsi has enabled us to identify the probable Etruscan production centres of the bucchero pots by comparison with the results of previous research. These centres are Caere and Tarquinia, two of the most important Etruscan city-states, which had direct relationships with Miletus.

Keywords: Miletus • Ionia • Etruscan • bucchero • votive offering

Bernhard Weisser, Funde aus Milet XXIII. Ein Hort in Milet mit Silbermünzen aus dem frühen 4. Jh. v. Chr.
Der 2007 in Milet gefundene Münzhort war in einer Nische der Innenmauer eines Hauses verborgen. Er umfasst neun Silbermünzen aus dem frühen 4. Jh. v. Chr. der Münzstätten Samos, Ephesos und Rhodos sowie zwei persische Satrapenprägungen. Es ist der erste in situ beobachtete Hort von Milet aus diesem Zeitraum. In der Art seiner Zusammensetzung korrespondiert er mit dem sog. Hekatomnos-Hort. Der Fund illustriert das Nebeneinander von Städteprägungen und persischer Satrapenprägung im Münzumlauf der Mäanderbucht. Gleichzeitig lässt der Fund eine Neubewertung dieser Satrapenprägung zu, die nicht länger mit dem aus Rhodos stammenden persischen General Memnon in Verbindung gebracht werden sollte.

Schlagworte: Milet • Numismatik • Münzfund • Klassik • Persische Satrapen

Fikret Özcan, Funde aus Milet XXIV. Hellenistische Terrakotten von der Ostterrasse des Kalabaktepe
Im Areal des Artemisheiligtums auf der Ostterrasse des Kalabaktepe wurden bei den Ausgrabungen der letzten zwei Jahre erstmals Terrakotten aus hellenistischer Zeit gefunden. Sie sind in den Zeitraum von der Mitte des 3. Jhs. v. Chr. bis zum ausgehenden 2. Jh. v. Chr. zu datieren. Ihre Anzahl ist gering, zudem befinden sich alle in fragmentarischem Zustand. Auch wenn man berücksichtigt, dass figürliche Terrakotten dieser Typen bereits im Hellenismus im Profanbereich verwendet wurden, so ist durch den Fundort dieser Terrakotten doch nicht ausgeschlossen, dass diese mit dem Artemiskult in Verbindung gebracht werden können – ohne dass eine solche Verbindung nachweisbar wäre. Der Beitrag stellt anhand von einem Kinderkopf, zwei Frauenköpfen, einem Flügelfragment und dem Fragment einer Frauenstatuette mit entblößter Brust eine exemplarische Auswahl der neu entdeckten Terrakotten vor.

Schlagworte: Milet • Kalabaktepe • Terrakotten • Hellenismus • Artemis

Wolfgang Günther, Funde aus Milet XXV. Hellenistische Bürgerrechts- und Proxenielisten aus dem Delphinion und ihr Verbleib in byzantinischer Zeit
Vier Inschriftenneufunde, als Spolien verbaute Wandquader aus dem Delphinion, enthalten Verzeichnisse von Neubürgern und Proxenoi des 3. Jhs. v. Chr.: die bislang älteste datierte Liste von 274/273, die erstmals Neubürger aus dem thessalischen Raum bezeugt, eine Liste von eingebürgerten Metöken, darunter der nachmals berühmte Schulstifter Eudemos, sowie der Teil eines Verzeichnisses, dessen außergewöhnlich großer Umfang auf die geschlossene Aufnahme einer Polisgemeinschaft hinweist. Diese Liste dürfte die Sympolitie mit dem benachbarten Myus dokumentieren. Zwei Inschriftenfunde der alten Miletgrabung von 1918 sind Verzeichnisse des 3. und 2. Jhs. v. Chr., unter ihnen die Nennung eines Proxenos aus dem phönizischen Berytos. Eine größere Anzahl von Delphinionblöcken wurde in nachjustinianischer Zeit zum Bau einer Friedhofskirche wiederverwendet. Das lässt darauf schließen, dass das Delphinion bis in das 6. Jh. n. Chr. als Gebäude oder Gebäuderuine bestand.

Schlagworte: Milet • Delphinion • Inschriften • Bürgerrecht • Proxenie • Sympolitie • Byzanz

Norbert Ehrhardt – Wolfgang Günther – Peter Weiß, Funde aus Milet XXVI. Aphrodite-Weihungen mit Ohren-Reliefs aus Oikus
Im milesischen Aphroditeheiligtum von Oikus wurden während der Grabungskampagnen 2006 und 2007 mehr als 30 beschriftete und anepigraphe Votivplatten und -stelen gefunden – allerdings nicht in situ. Viele von ihnen tragen außer der Weihinschrift ein Ohr oder Ohrenpaar im Relief. Die Formulierung der Weihinschriften, die nach den Buchstabenformen in die Zeit vom 2. Jh. v. Chr. bis in das 2. Jh. n. Chr. gehören, ist stereotyp: »N. N. Ἀφροδίτῃ«. Die Weihungen gelten also der Aphrodite als einer »erhörenden« (ἐπήκοος) Gottheit; um Gliederweihungen handelt es sich nicht. Soweit die Dedikantennamen erhalten sind, kommen ausschließlich Frauen vor. Für die archaische Zeit sind hingegen auch Männer als Dedikanten in Oikus gut bezeugt. Wahrscheinlich kann man mit den neuen Marmorvotiven eine gegenüber den früheren Epochen veränderte Klientel und Votivpraxis fassen.

Schlagworte: Milet • Aphrodite • Votive • erhörende Gottheiten (ἐπήκοος) • Ohren-Reliefs

Gerhard Jöhrens, Funde aus Milet XXVII. Amphorenstempel aus den Grabungen in Milet 1899–2007
Die rhodischen Amphorenstempel aus Milet bestätigen ein Ergebnis, das auch die milesischen Münzen zeigen: Die Jahre von etwa 177 bis 161 v. Chr. stellen einen Höhepunkt im Handel Milets dar. Milet, Phokaia und Panormos fehlten bislang unter den zahlreichen Produktionsstätten gestempelter Amphoren in hellenistischer Zeit. Mehrere Henkel aus Milet korrigieren dieses Bild: Das auf den Münzen verwendete Stadtmonogramm Milets, Henkel mit den Namen von Münzbeamten bzw. Stephanephoren aus Milet, die Datierung nach der milesischen Stephanephorie und weitere Fakten weisen eine Reihe der Amphorenstempel nach Milet. Zwei Stempel tragen das Monogramm von Phokaia; das Ethnikon Πάνορμος schließlich auf Stempeln aus Iasos und Milet darf wohl auf den Hafen von Didyma bezogen werden. Ein weiterer Punkt betrifft die gestempelten Doppelhenkel hellenistischer Zeit: Bislang galt dieser Amphorentypus ausschließlich als koisch. Mehrere Henkel aus Milet zeigen nun aber, dass auch in Milet in hellenistischer Zeit Transportamphoren mit gestempelten Doppelhenkeln produziert wurden. Die Ergebnisse der während der Sommerkampagne 2008 genommenen Proben mehrerer Henkel für die Neutronenaktivierungsanalysen werden weitere Informationen liefern.

Schlagworte: Milet • Amphorenstempel • Kos • Panormos • Phokaia

Ralf von den Hoff, Caligula. Zur visuellen Repräsentation eines römischen Kaisers
Der dritte römische Princeps Caligula verfiel in der senatorisch geprägten kaiserzeitlichen Historiographie dem Verdikt der Verrücktheit. Die althistorische Forschung hat dieses Urteil als Folge der Missachtung der Regeln des Kommunikationssystems, in das Kaiser, Senat und Volk eingebunden waren, durch den jungen Kaiser bewertet: Caligula wollte seine Rolle als absoluter Herrscher definieren. Eine systematische, die medialen Kontexte berücksichtigende Analyse der Bilddarstellungen des Caligula, die gleichfalls Bestandteil dieses Kommunikationssystems waren, kann zeigen, wie in unterschiedlichen Medien der Herrscherrepräsentation einerseits Traditionsbindung gegenüber Augustus und Tiberius demonstriert, andererseits besonders im bürgerlich-privaten, militärischen und höfischen Kontext neue, heraushebende Darstellungsformen an Caligula herangetragen wurden, die seine Neubestimmung der Herrscherrolle in das Umfeld aktueller Bedürfnisse einzuordnen erlauben.

Schlagworte: Caligula • Porträt, römisch • Prinzipat • Herrscherrepräsentation • Herrscherbild

Aktuelle Publikationen

  • 07.02.2012

    Menschen - Kulturen - Traditionen. Studien aus den Forschungsclustern des Deutschen Archäologischen Instituts mehr

  • 25.01.2012

    Terrakotten der Westgriechen im Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn mehr

  • 17.01.2012

    Boğazköy-Hattusa. Ergebnisse der Ausgrabungen mehr

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