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Aus dem Institut
Im Rahmen des „Kulturweit“-Freiwilligendienstes des Auswärtigen Amtes bietet das DAI Einsätze in Madrid, Istanbul und Damaskus
Teilnehmer des neuen kulturellen Freiwilligendienstes des Auswärtigen Amts

„Kulturweit“ heißt der neue kulturelle Freiwilligendienst des Auswärtigen Amts, der in Ko­operation mit der Deutschen UNESCO-Kommission durchgeführt wird und basierend auf den Regelungen für das Freiwillige Soziale Jahr jungen Menschen zwischen 18 und 26 Jahren die Möglichkeit bietet, sich in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren. Partner sind u.a. das Deutsche Archäologische Institut, das Goethe-Institut und der Deutsche Akademische Austauschdienst, die seit dem 1. September 2009 weltweit über 200 Freiwillige in vielfältigen Aufgabengebieten betreuen. Auch die Abteilungen Madrid und Istanbul sowie die Außenstelle Damaskus der Orient-Abteilung des DAI dienen als Einsatzorte im Rahmen von „Kulturweit“. Im kommenden Jahr ist die Einbindung weiterer Abteilungen geplant.

Anlässlich des Botschaftsempfangs zum Tag der Deutschen Einheit konnte der „Kulturweit“-Praktikant in Damaskus bereits erfolgreich an der Gestaltung und Betreuung des DAI-Infostandes mitwirken. Copyright: Alexander Ahrens/DAI Damaskus

Die drei Freiwilligen können während des sechsmonatigen Einsatzes umfassenden Einblick in die vielschichtigen Arbeiten einer DAI-Auslandsabteilung nehmen und werden konkret beispielsweise bei der Erstellung von Publikationen und der Präsentation archäologischer Daten des jeweiligen Gastlandes, oder auch bei archäologischen Unternehmungen (vorerst nur in Damaskus möglich) eingesetzt. Sie arbeiten in den öffentlich nutzbaren Fachbibliotheken der Institute, wirken bei der Aufbereitung und Nutzung archäologischer Facharchive mit und unterstützen die öffentliche Präsentation der Arbeit der jeweiligen Abteilung.

Erste Erlebnisberichte sind demnächst unter www.dainst.org abrufbar.

oben: Teilnehmer des neuen kulturellen Freiwilligendienstes des Auswärtigen Amts. ©: Alexander Ahrens/DAI Damaskus

unten: Anlässlich des Botschaftsempfangs zum Tag der Deutschen Einheit konnte der „Kulturweit“-Praktikant in Damaskus bereits erfolgreich an der Gestaltung und Betreuung des DAI-Infostandes mitwirken. ©: Alexander Ahrens/DAI Damaskus

Lang ersehnte Zwischenunterkunft für die Abteilung Rom

Nach langen Verhandlungen ist es gelungen, für die Abteilung Rom eine Zwischenunterkunft anzumieten. Sie befindet sich in der Nähe des Bahnhofs Termini und damit zugleich zwischen dem Gelände der einstigen Thermen des Diokletian und des Lagers der Prätorianer, Via Curatatone 4d. Der aktuell beginnende Umzug gewährt in naher Zukunft den erneuten Zugang zu großen Teilen der Bibliothek. Der Rest ist in ein Zwischenlager am Rande der Stadt ausgelagert und wird eingeschränkt über einen Fahrdienst zugänglich sein. Mit einer feierlichen Eröffnung der neuen Institutsräumlichkeiten wird im Januar 2010 zu rechnen sein. Zur gleichen Zeit wird die Sanierung des alten Dienstgebäudes an der Via Sardegna in Angriff genommen werden, die nach den Prognosen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung in drei bis vier Jahren abgeschlossen sein wird .

Aktuelle Projekte
 
„Ein Fund von europäischer Bedeutung“

Bei Ausgrabungen in Waldgirmes (Gemeinde Lahnau/Lahn-Dill-Kreis) entdeckte ein Team unter Leitung von Frau Dr. Rasbach und Herrn Dr. Becker (beide Römisch-Germanische Kommission des DAI) am 12. August 2009 einen lebensgroßen Pferdekopf einer vergoldeten römischen Reiterstatue.
„Diese Bronzeskulptur gehört qualitativ zu den besten Stücken, die jemals auf dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reichs gefunden wurden.“ Mit diesen Worten enthüllte Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann während einer Pressekonferenz in Frankfurt im Beisein des Ersten Direktors der Römisch-Germanischen Kommission, Prof. Dr. Friedrich Lüth und des Landesarchäologen Prof. D. Egon Schallmayer den lebensgroßen Pferdekopf sowie einen Schuh des Reiters. Der Kopf ist in seinem Rang als archäologische Entdeckung an die Seite des Keltenfürsten vom Glauberg oder der Himmelsscheibe von Nebra zu stellen. Die Ausgrabungen in Waldgirmes hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Bruchstücke eines lebensgroßen Reiterstandbilds zutage gefördert, das wohl Kaiser Augustus (23 v. Chr.–14 n. Chr.) darstellt. So wurden etwa ein Pferdefuß und ein schön verzierter Brustgurt des Pferdes gefunden. Im August 2009 entdeckten die Archäologen bei der Freilegung eines der beiden bisher nachgewiesenen Holzbrunnen nun den fast vollständigen Pferdekopf des Standbilds (ca. 55 cm lang und 25kg schwer), der in elf Metern Tiefe auf der Brunnensohle lag. Das Zaumzeug des Pferds ist mit sechs Zierscheiben reich geschmückt. Auf der Stirn befindet sich eine Platte mit der Darstellung des Kriegsgottes Mars, an den Seiten sind so genannte Viktorien (Siegesgöttinnen) angebracht.

Weist der Fund allein schon aufgrund des imperialen Hintergrunds auf reichspolitische Zusammenhänge hin, so werden diese durch die hervorragende künstlerische Qualität noch unterstrichen. Nur zwei unmittelbar vergleichbare Stücke existieren im Gebiet des ehemaligen Imperium Romanum: die beiden Reiterstatuen der sog. Cartoceto-Bronzen aus Cartoceto di Pergola in der Provinz Pesaro/ Urbino, Region Marken, in Italien – die Originale sind heute im Nationalmuseum in Ancona ausgestellt. Ihre Datierung und die Identifikation der Dargestellten sind in der Fachwelt allerdings umstritten. Der Neufund von Waldgirmes könnte hier völlig neue Datierungs- und demzufolge auch Identifikationsansätze bieten, denn zumindest die Aufstellungszeit der Statue in der römischen Stadt an der Lahn lässt sich auf weniger als zwei Jahrzehnte bestimmen.
Die Reiterstatue muss in den Jahren 4 oder 3 v. Chr. – zur Zeit der Anlage der römischen Stadt Waldgirmes – aufgestellt worden sein. Um 9 n. Chr., nach der Niederlage des Varus in der so genannten Schlacht im Teutoburger Wald, gaben die Römer die Stadt auf. Das Standbild wurde von nachfolgenden Germanen zerschlagen und der Pferdekopf rituell in dem Brunnen versenkt, während die anderen Reste weiterverwendet werden sollten.

Die Restaurierung und Konservierung des Pferdekopfs sowie der mittlerweile mehr als 100 weiteren, größeren und kleineren Bruchstücke des Reiterstandbilds erfolgt in der Werkstatt der Hessischen Landesarchäologie. Das Bronze- und Eisenmaterial sowie die als Oberflächenauflage erhaltenen Goldfolienreste werden dabei archäo-metallurgisch untersucht. Zugleich werden die Holzfunde der Brunnenverschalung, des Brunnenfasses und einzelner Holzgerätschaften restauriert und konserviert. Vorgesehen ist auch die archäobotanische Untersuchung des Brunneninhalts, denn dadurch können Einzelheiten des Vegetationsumfelds der römischen Siedlung festgestellt werden, was wiederum Aussagen zum Charakter der Kulturlandschaft in der Umgebung von Waldgirmes zulässt.

Weiterführende Informationen zu den seit 1993 laufenden Arbeiten der RGK in Waldgirmes unter http://www.dainst.org/index.php?id=0824b37863dd14a91601001c3253dc21.

Eröffnung der Roten Halle in Pergamon

Nach vierjährigen Konservierungs- und Musealisierungsarbeiten wurde am 27. September 2009 der südliche Rundturm der Roten Halle in Pergamon für den Besucherverkehr eröffnet. Damit ist Pergamon um eine Attraktion für Kulturtouristen reicher, denn der Rundturm ist ein im östlichen Mittelmeerraum einzigartiges Beispiel römischer Baukunst des 2. Jahrhunderts n. Chr.
Zu Beginn der Maßnahmen, die die Abteilung Istanbul des DAI mit Unterstützung der Studiosus Foundation e. V. im Rahmen der Ernst-Reuter-Initiative des Auswärtigen Amtes durchführen konnte, war die Rote Halle in einem höchst gefährdeten Zustand. Im Inneren des Rundturms war der originale Gewölbeboden eingebrochen, außen drohten die Mauerkronen und die originale Kuppelkonstruktion in den stark bewitterten Bereichen einzustürzen. Mit behutsamen Maßnahmen, die auch die Spuren jahrhundertelanger Nachnutzung des Baukomplexes zu erhalten suchten, wurde nun der Bestand gesichert und für eine museale Nutzung konserviert. In besonders aufwendiger Weise wurde die Kuppel mit einer schützenden, denkmalgerechten Bleideckung versehen, im Inneren eine neue Begehungsplattform eingerichtet und südlich des Turmes in den Resten benachbarter Fabrikanlagen aus dem 19. Jh. ein neues Depotgebäude eingerichtet. Dieses beherbergt zuvor im Turm unter unzureichenden Bedingungen aufbewahrte, archäologische Funde. Ein kleiner Teil dieser Funde kehrt nun für eine Ausstellung in den restaurierten Rundraum zurück. Damit ist ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt eines der wichtigsten und umfangreichsten römischen Baukomplexe im östlichen Mittelmeerraum geleistet worden.

An der feierlichen Eröffnung nahmen neben dem Minister für Kultur und Tourismus der Republik Türkei, Herrn Ertugrul Günay, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Dr. Eckart Cuntz und dem Provinzgouverneur von Izmir, Herrn Cahit Kiraç, mehr als 200 Gäste teil. Im Anschluss an die Eröffnungsfeier fand im Deutschen Grabungshaus ein Empfang statt. In seiner Ansprache betonte der Minister die hohe Qualität der deutschen Ausgrabungen in der Türkei und dankte dem DAI für seine erfolgreichen Arbeiten im Bereich Konservierung und Denkmalpflege. Der deutsche Botschafter unterstrich die große Bedeutung der Archäologie in der kulturellen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei. In seiner Rede zur Eröffnung brachte der Direktor der Abteilung Istanbul und Grabungsleiter, Prof. Dr. Felix Pirson, die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Südturm der Roten Halle und die dort ausgestellten Skulpturen einen neuen touristischen Anziehungspunkt bilden werden und der Altstadt von Bergama damit weitere Einnamequellen eröffnen.

Weitere Informationen zu den Arbeiten in Pergamon unter http://www.dainst.org/index_6154ad0cbb1f14a173730017f0000011_de.html

unten: Eröffnung des Rundturms. v.l.n.r. Botschafter E. Cuntz, R. Hopfer-Kubsch (Studiosus Foundation e.V.), B. Ulusoy (Präsident TÜRSAB), Kultur- und Tourismusminister E. Günay, Provinzgouverneur C. Kiraç

Ausbau der Archäologischen Bibliographie. Neue Möglichkeiten der Recherche in ZENON
Logo: ZENON/DAI

Bereits seit einigen Jahren vereint der Online-Katalog ZENON DAI die Bibliothekskataloge und Bibliographien des DAI unter einer Oberfläche. Hier stehen die gesamten Daten der »Archäologischen Bibliographie« seit 1956 (früher Dyabola) sowie die »Bibliographie zur Iberischen Halbinsel« kostenfrei, aktuell, weltweit und online zur Verfügung. Die Archäologische Bibliographie wird in ZENON DAI ständig von den Abteilungen in Rom, Athen, Berlin und Istanbul aktualisiert, die Abteilung Madrid ist weiterhin für die Bibliographie zur Iberischen Halbinsel zuständig. Laufend werden die eingehenden Publikationen und Aufsätze aus ca. 900 internationalen Fachzeitschriften sowie aus Kongressberichten und Festschriften ausgewertet und verschlagwortet. Eine sachliche Suche starten Sie über den Link »Archäologische Bibliographien«.
Inzwischen wurde der Datenbestand erweitert, so ist nun fast der komplette Bibliotheksbestand der Abteilung Athen im ZENON DAI zugänglich. Damit sind die Bestände der großen archäologischen Bibliotheken des DAI in Rom, Athen und Istanbul weitgehend und die der übrigen Abteilungen zu großen Teilen recherchierbar.
Schon jetzt ist ZENON DAI der wichtigste Katalog und die größte Bibliographie im Bereich der Archäologien. In absehbarer Zeit wird auch die Bibliographie der Römisch-Germanischen-Kommission integriert und sich der Datenbestand bedeutend erweitern. Bereits jetzt kann mit persönlichen Literaturverwaltungsprogrammen wie Endnote oder Citavi direkt im ZENON DAI recherchiert sowie die Titel nach den DAI-Zitierrichtlinien abspeichert werden. Eine Anleitung finden Sie auf der Startseite http://opac.dainst.org. Im Laufe des Jahres wird außerdem eine neue und komfortablere Rechercheoberfläche in verschiedenen Sprachen zur Verfügung gestellt.

Archäologisches Wissen im Semantic Web

Seit drei Jahren untersucht das DAI in Zusammenarbeit mit dem Forschungsarchiv für Antike Plastik an der Universität zu Köln technische Ansätze der systemübergreifenden Verarbeitung archäologischer Objektdaten. In diesem Zusammenhang sticht eine Entwicklung hervor: Nach mehr als zehn Jahren Entwicklungszeit ist das CIDOC Conceptual Reference Model im Jahre 2006 als ISO Standard anerkannt worden. Es stellt eine notwendige Komponente der Infrastruktur dar, die das gemeinsame Verarbeiten archäologischer Objektdaten ermöglicht. Das Projekt greift diese Entwicklung auf, um solche Daten gemeinsam verarbeiten und darstellen zu können.
Zunächst werden neuartige, projektübergreifende Anwendungsfälle für die Verarbeitung archäologischer Daten erarbeitet. Darauf aufbauend wird die Entwicklung von Softwarekomponenten angestrebt, die im Sinne des Semantic Web eine systemtransparente Verarbeitung von archäologischem Wissen ermöglichen. Von zentraler Bedeutung wird hierbei die Implementierung solcher Komponenten sein, die den Umgang mit struktureller und terminologischer Heterogenität verschiedener archäologischer Informationssysteme erleichtern. Dazu soll das CIDOC CRM für die Darstellung systemübergreifender Strukturmerkmale genutzt werden.
Des Weiteren wird die Verwendung mehrsprachiger kontrollierter Vokabulare und der Methoden des Data Mining zur besseren inhaltlichen Verknüpfung „syntaktisch“ zusammengeführter Daten untersucht. Inhaltliche Heterogenität tritt insbesondere durch die Verwendung unterschiedlicher Terminologie und der Mehrsprachigkeit im internationalen Umfeld auf. Besonders in Zusammenarbeit mit der Perseus Digital Library und dem eAqua-Projekt der Automatischen Sprachverarbeitung an der Universität Leipzig wird die Anwendung von Methoden des Text Mining zur Extraktion archäologischer Objektdaten aus Publikationen und alten Texten erforscht. Schließlich ist die Bereitstellung der resultierenden Daten für die Verarbeitung im Rahmen des Semantic Web geplant.
Im Rahmen einer Zusammenarbeit des Deutschen Archäologischen Instituts und der Perseus Digital Library wurden erste Anstrengungen unternommen, archäologische Objektdaten bereitzustellen, die mit dem CRM konform sind. Als Partner sowohl der Perseus Digital Library als auch des CLAROSnet-Projektes will das DAI die Weiterentwicklung dieser Grundlagen bis zur Anwendungsreife vorantreiben. Die grundsätzliche Durchführbarkeit konnte anhand eines Prototyps demonstriert werden, der Daten aus zwei unterschiedlichen Datenbanken (Arachne & Perseus) extrahiert und in einer neuen Webumgebung mit neuen Wegen der Informationserschließung anbietet.
Im Rahmen eines Workshops wird aktuell diskutiert werden, was die Umsetzung des CIDOC-CRM für Wissenschaftler und Forschungsinstitute in technischer, inhaltlicher, finanzieller und personeller Hinsicht bedeutet. Der Workshop soll einerseits (altertumskundlichen) Wissenschaftlern vermitteln, was das CIDOC-CRM ist und welche Potentiale darin liegen. Während die meisten in geisteswissenschaftlichen Bereichen tätigen Informatiker mit dem Referenzmodell inzwischen hinlänglich vertraut sind, ist es bei den eigentlichen Endnutzern – den Fachwissenschaftlern – noch weitgehend unbekannt. Daher sollen Anwender und Entwickler gemeinsam über zukünftige neue Forschungsszenarien nachdenken, die eine solche vernetzte Infrastruktur ermöglicht. Andererseits wird ein Austausch über praktische Erfahrungen bei der Umsetzung und dem Einsatz von Systemen mit CIDOC-CRM ermöglicht.

Wann: Montag, 23. November 2009 – 9.00 bis 17.00 Uhr
Wo: DAI Zentrale, Podbielskiallee 69–71, 14195 Berlin

Weitere Informationen zum Workshop finden Sie unter http://www.dainst.org/index_792ab811f98014a95085001c3253dc21_de.html

Termine und Veranstaltungen
 
Ausstellung „Alexander der Große und die Öffnung der Welt“

3. Oktober 2009 – 21. Februar 2010

Kaum eine andere historische Gestalt hat die Gemüter so bewegt wie Alexander der Große, der im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Alexander der Große und die Öffnung der Welt. Asiens Kulturen im Wandel“ steht. Die Eurasien-Abteilung des DAI und die Reiss-Engelhorn-Museen setzen bei ihrer Präsentation neue Schwerpunkte. Während sich bisherige Schauen zu Alexander dem Großen meist auf sein Wirken im europäischen Raum und in Ägypten beschränkt haben, öffnet die Mannheimer Ausstellung den Blick nach Zentralasien. Ausgangspunkt der Reise auf den Spuren des makedonischen Herrschers ist die antike Metropole Babylon – das Tor zu einer für die Griechen bis dahin unbekannten Welt. Die Ausstellung folgt Alexander dem Großen auf seinem Eroberungszug durch das riesige persische Reich, das von den achämenidischen Großkönigen beherrscht wurde. Sie waren für den jungen Alexander zwar einerseits Feinde, ihre Kultur und ihre politische Struktur bedeuteten für ihn aber zugleich eine große Faszination. Er übernahm nicht nur das achämenidische Wirtschafts- und Verwaltungssystem, sondern sah sich schließlich auch in der Nachfolge der persischen Großkönige.
Der elf Jahre währende Feldzug führte zu tief greifenden kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Nichts war mehr wie zuvor. Durch den Feldzug Alexanders wurden die zentralasiatischen Völker mit der griechischen Kultur und Lebensweise konfrontiert.

Umgekehrt kamen Alexanders Heer und Tross nicht nur mit der persischen Lebenswelt, sondern auch mit den lokalen Kulturen Zentralasiens in Kontakt. Die nachhaltigen Wechselwirkungen dieser Begegnung stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Dabei bietet sie nicht nur Einblicke in den Osten des Alexanderreichs, sondern zeigt auch die kulturelle Vielfalt vor und nach dem Eroberungszug. Denn auch nach Alexanders frühem Tod und dem Zerfall seines Reichs blieb der griechische Einfluss erhalten. Noch Jahrhunderte danach entstanden Werke, die uns seltsam vertraut und fremd zugleich erscheinen. Die Ausstellung präsentiert mehr als 400 Exponate, die teilweise erstmalig in Europa zu sehen sind. Sie veranschaulichen auf beeindruckende Weise den Austausch von griechischer, persischer und zentralasiatischer Kultur. Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung sind Ergebnisse der 2008 abgeschlossenen archäologischen Ausgrabung der Eurasien-Abteilung einer Festung in Kurgansol (Usbekistan). In der Festung, die wahrscheinlich von Alexander errichtet wurde, fanden sich zahlreiche Spuren griechischer Kultur, u.a. eine Badewanne, die für diese frühe Zeit bislang nur aus dem Mittelmeerraum bekannt war. Die Zeugnisse dieser längst vergangenen Zeit erweckt die Ausstellung zu neuem Leben. Eine eigens erstellte mediale Inszenierung ermöglicht eine detailgetreue Rekonstruktion der Festung Kurgansol. Weitere Inszenierungen vermitteln dem Besucher einen Eindruck von der immensen Strecke, die Alexander auf seinem Feldzug zurückgelegt hat, und lassen die Metropole Babylon auf faszinierende Art und Weise wiedererstehen.

Ein von der Eurasien-Abteilung initiiertes internationales wissenschaftliches Kolloquium rahmte die feierliche Eröffnung der Ausstellung am 2. Oktober, die bereits am ersten Wochenende rund 3.000 Besucher anzog.

Die Ausstellung ist vom 3. Oktober 2009 bis zum 21. Februar 2010 im Museum Weltkulturen D5 der Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen.
Öffnungszeiten: Di–So 11 bis 18 Uhr; Eintritt Erwachsene € 10,–
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Verlag Schnell & Steiner mit 638 farbigen Abbildungen und 448 Seiten.
Preis in der Ausstellung: € 24,90

oben: Goldene Gürtelschnalle mit Eberjagdszene, 1./2. Jh. n. Chr., Nationalmuseum der Antike Tadschikistans, Duschanbe

mitte: Kopf des Buddhas aus Kara-Tepe (Baktrien)/Usbekistan, 3. Jh. n. Chr. Staatliches Museum für die Kunst des Orients, Moskau, © The Federal State culture institution State museum of Oriental Art (Moscow) / Evgeny Zheltov

unten: Rekonstruktion Fort Kurgansol, © CES für rem/ FaberCourtial

Mehr als nur Bücher: Das DAI auf der Frankfurter Buchmesse vom 14.10. bis 18.10.2009

Auch in diesem Jahr präsentiert sich das Institut wieder mit einem eigenen Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse. Geprägt vom diesjährigen Gastland und der Gründung einer neuen Außenstelle in Peking steht auch der Messeauftritt des DAI im Zeichen von China. Neben den aktuellen Neuerscheinungen der weltweit agierenden Abteilungen und Zweigstellen wird die neue Buchreihe „Archäologie in China“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der DAI-Stand in Halle 5.0 D949 bietet Besuchern umfangreiche Informationen über das Institut, die Eurasien-Abteilung – an welche die Außenstelle Peking angegliedert sein wird – sowie den aktuellen Forschungsprojekten in China in deutscher, englischer und chinesischer Sprache. Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema „Archäologische Museen als Identitätsstifter“ kommen hochrangige chinesische und deutsche Fachkollegen aus dem Museumsbereich zu Wort.

Podiumsdiskussion am Freitag, 16. Oktober 12.00–13.00 Uhr im Internationalen Zentrum:
Repräsentative Fundplatzmuseen werden in China wie in Deutschland zunehmend zu Orten anschaulicher Vermittlung und nachhaltigen Erlebens lokal-kultureller Identität. Das Jinsha-Museum im Herzen der Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Sichuan mit einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit ist dafür ein herausragendes Beispiel. Vor allem Goldmasken und Skulpturen sowie Spuren von Elefantenkulten, die direkt mit den Bewohnern des Chengdu-Tales vor 3000 Jahren in Verbindung gebracht werden, ziehen enorme Besucherströme an.

Noch bekannter als Jinsha ist der nahe gelegene Fundplatz Sanxingdui, wo Mitte der 80er Jahre international Aufsehen erregende, riesige Bronzemasken und eine überlebensgroße Bronze­skulptur entdeckt wurden. Sie gehörten offensichtlich zu einer reichen Tempelausstattung, die man aus unbekannten Gründen in zwei Gruben mit einer großen Menge Elefantenstoßzähnen rituell bestattet hatte. Das Museum Sanxingdui gehört inzwischen zu den größten Fundplatzmuseen Chinas.
Im medialen Auftritt beider Museen wird vor allem die Andersartigkeit im Vergleich zur zeitgenössischen nördlich benachbarten chinesischen Zivilisation betont. Und die Bewohner Sichuans identifizieren sich heute stark mit diesen Frühzeitkulturen, gerade weil sie Jahrhunderte später von der chinesischen Kulturtradition assimiliert worden sind.
Im Vergleich dazu spielt in Deutschland das Museum der Varus-Schlacht in Kalkriese, wo in diesem Jahr der 2000ste Jahrestag des Sieges der Germanen über die Römer begangen wird, eine ähnlich identitätsstiftende Rolle. Das multimediale Museum Nebra führt den Besucher 3600 Jahre zurück in die Vergangenheit und ist einer von vier Standorten der neuen touristischen Route „Himmelswege“, die archäologisch bedeutende Orte im südlichen Sachsen-Anhalt miteinander verbindet.
Die Instrumentalisierung historischer Ereignisse und lokal-spezifischer Entwicklungen zur Ausbildung von Ortsverbundenheit und Geschichtsbewusstsein stehen im Zentrum der Expertendiskussion.

Es diskutieren:
Prof. Zhu Zhang Yi, Direktor des Jinsha-Museums Chengdu
Prof. Huo Wei, Direktor des Instituts für Tibetstudien der Sichuan-Universität Chengdu
Heidrun Derks, Museum und Park Kalkriese
Dr. Alfred Reichenberger, Leiter der Pressestelle des Landesmuseums für Vorgeschichte, Halle

16. Beijing International Bookfair 3.–7. September 2009

Bereits im September präsentierte sich das Institut mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Botschaft Peking erstmals auf der Beijing International Bookfair (BIBF www.bibf.net): mit 1.300 Ausstellern und über 200.000 Besuchern die größte internationale Buchmesse in Asien. Es wurde eine Auswahl aktueller Publikationen der Eurasien-Abteilung im Rahmen des deutschen Gemeinschaftsstandes in der Internationalen Halle der BIBF gezeigt. Zudem standen Kollegen/Innen aus dem Institut für Auskünfte und Anfragen zur Verfügung.

Von der Ausgrabung zur Präsentation – Schutzbauten und Rekonstruktion in der Archäologie

Internationale Tagung vom 21.–23. Oktober 2009 in Xanten

Dem Schutz und der Präsentation archäologischer Denkmäler kommt in der Archäologie und der Bodendenkmalpflege schon immer ein großer Stellenwert zu. So vielfältig die Möglichkeiten sind, so breit gefächert ist auch die Diskussion um eine zeitgemäße und denkmalgerechte Erforschung, Konservierung, Restaurierung und Präsentation der Originalsubstanz.
Die internationale Tagung – veranstaltet vom DAI Berlin, Archäologischen Park Xanten und dem Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen – will an ausgewählten Beispielen die mannigfachen Möglichkeiten der Sicherung und der Substanzerhaltung aufzeigen, unterschiedliche didaktische Konzepte der Präsentation hinterfragen und ästhetische und funktionale Anforderungen an Schutzbauten diskutieren.

Programm und Anmeldeformular: http://www.schutzbauten-rekonstruktionen-xanten.de/

Antike Geschichte, Archäologie und Öffentlichkeit – für einen neuen Dialog zwischen Medien und Wissenschaft

26. – 28. November 2009 im Besucherzentrum des Auswärtigen Amtes

Unter diesem Motto veranstaltet die Freiburger Forschergruppe „Historische Lebenswelten in populären Wissenskulturen der Gegenwart“ in Zusammenarbeit mit dem DAI und weiteren Kooperationspartnern vom 26. bis 28. November 2009 eine öffentliche Tagung mit Podiumsdiskussion und anschließendem Workshop. Die Veranstaltung vereint Vertreter aus den Bereichen Geschichte, Archäologie, Museum, Filmproduktion und Journalismus, d.h. sowohl Medienfachleute aus der Praxis der öffentlichen Geschichtsvermittlung als auch daran interessierte Wissenschaftler.
Themen aus den Feldern der Antiken Geschichte und Archäologie stoßen genau wie auch die praktische Forschungsarbeit der verschiedenen Disziplinen derzeit auf ein großes Publikumsinteresse; Medienproduzenten und Wissenschaftler oder beide Seiten in Kooperation miteinander bedienen heute einen großen Markt mit den unterschiedlichsten Formen lebendiger Geschichtsdarstellungen.
Wissenschaftliche Kritik an der Art und den Inhalten der Präsentationen wurde besonders in den letzten Jahren mehrfach artikuliert. Doch fällt es Forscherinnen und Forschern im Gegenzug oft auch nicht leicht, ihre Fragestellungen und Ergebnisse allgemeinverständlich und publikumsnah mitzuteilen. Journalisten, Sachbuchautoren und Filmproduzenten dagegen verstehen es, das Publikum für ihre Berichte und Medienformate zu gewinnen, würden sich oftmals aber auch Anregungen und Hilfestellungen der Fachleute sowie konkrete Ansprechpartnern für die Realisierung einzelner Projekte wünschen.
Ziel der Veranstaltung ist es, alle Beteiligten miteinander in ein fruchtbares Gespräch zu bringen und Grundlagen für eine verbesserte Zusammenarbeit zu schaffen. Die Tagung will nicht nur versuchen, einen status quo allgemeiner und konkreter Probleme in verschiedenen Medienformaten aus unterschiedlichen Perspektiven zu erfassen. Ziel ist vor allem, anhand der Diskussion aktueller Beispiele eines gelungenen Dialogs zwischen Wissenschaft und Vermittlung die Chancen und Möglichkeiten des Voneinanderlernens auszuloten, was letztlich zur Gründung konkreter Kooperationsprojekte (für Forschung, Lehre und Medienkonzeption) führen könnte.
Im Rahmen der öffentlichen Konferenz finden am 26. und 27. November Vorträge von Vertretern aus Medien und Wissenschaft im Besucherzentrum des Auswärtigen Amtes statt. In Zusammenarbeit mit der Gerda Henkel Stiftung diskutieren am Donnerstag, den 26. November 20.00–22.00 Uhr hochkarätige Medienfachleute und Wissenschaft öffentlich zum Thema Geschichte und Archäologie im Spielfilm.

Das detaillierte Programm der Veranstaltung ist unter http://www.dainst.org/index_e7f37875016e14a83271001c3253dc21_de.html zu entnehmen.

Aktuelle Publikationen
 
Digitaler Pflanzenatlas

Der Digitale Pflanzenatlas ist ein gemeinsames Projekt des DAI und des Groningen Instituut voor Archeologie (GIA) sowie der Community and Conservation Ecology Group (COCON) – die beide zur Staatlichen Universität Groningen (Niederlande) gehören. Jeder Band des Digitalen Pflanzenatlasses wird als Buch in Verbindung mit einer Webseite herausgebracht. Die Bücher enthalten farbige Fotos aller behandelten Pflanzenteile sowie ausführliche Verzeichnisse.
Im neu erscheinenden „Digitalen Atlas der Nutzpflanzen“ werden nun Pflanzenteile dargestellt, die einen wirtschaftlichen Nutzen aufweisen und auf Märkten und in Läden angeboten werden. Von den ca. 10.000 Pflanzenarten mit wirtschaftlichen Nutzen weltweit werden fast 4.000 abgebildet, überwiegend deren Samen und Früchte, gelegentlich aber auch andere genutzte Teile, wie Blätter oder Knollen. Zudem werden beispielhaft auch die Endprodukte wie Öl oder Fasern gezeigt. Insgesamt umfasst der Atlas 3953 Taxa mit 10.000 Fotos; Taxa vertreten 272 Pflanzenfamilien und 1656 Gattungen.

Nähere Informationen unter www.pflanzenatlas.eu

R.T.J. Cappers, R. Neef & R.M. Bekker, Digitaler Atlas der Nutzpflanzen
Dreibändig, über 1800 Seiten, genäht, gebunden, jeweils 21 x29,7 cm (A4-Format)
Sprachen: dreisprachige Einführung (Deutsch, Englisch und Niederländisch), und 12 Indizes (wissenschaftliche Pflanzennamen, pharmazeutische Namen, Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Spanisch, Arabisch, Türkisch, Chinesisch, Hindi, Sanskrit, Malayalam).
Preis zur Vorbestellung bis 01. Oktober 2009 nur € 245,-, danach € 325,-
Der Erwerb des Buches berechtigt zum Zugang zum gesicherten Bereich der Webseite des Projekts.

Wichtiger Hinweis für Besucher der zentralen Bibliothek

Aufgrund umfangreicher Renovierungsmaßnahmen im kommenden Jahr ist mit vorübergehenden Einschränkungen in der Nutzung der Bibliothek zu rechnen. Bitte kontaktieren Sie daher im Zeitraum Dezember 2009 – Mai 2010 die Kollegen/Innen der Bibliothek unter bibliothek@dainst.de, bevor Sie längere Besuche planen.

Fordern Sie weiteres Infomaterial an unter presse@dainst.de oder als PDF-Download unter www.dainst.org/presse an.

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