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Aus dem Institut
Außenstelle Peking: Unterzeichnung des Memorandum of Understanding zwischen DAI und CACH
Feierliche Unterzeichnung des Memorandums of Understanding - © D. Hosner

Am 13. November 2009 unterzeichneten der Präsident des DAI und der Direktor der Chinesischen Akademie für das Kulturerbe der Volksrepublik China (CACH) Gu Yucai eine Kooperationsvereinbarung, mit der die Weichen für die bereits bekannt gegebene Einrichtung einer Außenstelle in Peking final gestellt werden.
Das DAI ist damit die erste und einzige ausländische, auf Archäologie und Denkmalschutz ausgerichtete Forschungsinstitution mit fester Niederlassung in China.

Besichtigung der Forschungslabore der CACH - © D. Hosner

Die neue Kooperation bildet den Höhepunkt einer langjährigen Entwicklung deutsch-chinesischer Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Archäologie. Vereinbart im Deutsch-Chinesischen Kulturabkommen von 1979 nahmen erstmalig chinesische und deutsche Archäologen gemeinsame Projekte in Angriff. Bereits ein Jahr später entstanden enge Kooperationen zwischen dem DAI und diversen chinesischen Institutionen. Mit einer Außenstelle kann das Institut diese Verbindungen nun vertiefen und erweitern. „Es soll zukünftig wie eine solide Brücke wirken, auf der Wissen in beide Richtungen und in mehreren Sprachen vermittelt wird“, sagte der Deutsche Botschafter Dr. Michael Schaefer in seiner Ansprache zur Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. Die Perspektiven sind höchst vielversprechend: Neuste Entdeckungen in China werden in deutscher oder englischer Sprache dem europäischen Publikum zugänglich gemacht. Dazu wurde die neue Buchreihe „Archäologie in China“ ins Leben gerufen, die in enger Kooperation mit chinesischen Archäologen aktuelle archäologische Entdeckungen genauso wie überregionale Vergleiche von Einzelfunden und Kulturen sowie naturwissenschaftliche Analysen und Rekonstruktionen von Landschaften und Klima veröffentlicht (s.u. Aktuelle Publikationen).
Modernste Methoden der archäologischen Forschung in Europa wiederum sollen in den „Brücken-Vorlesungen des DAI“ in Peking in chinesischer Sprache dem lokalen Publikum vorgestellt werden.
Einen besonders hohen Stellenwert hat die Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das Institut vergibt Stipendien an junge chinesische Archäologen für ein Masterstudium der Geo- und Feldarchäologie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. In Kooperation mit dem Carl Duisberg Training Center Beijing werden die Studenten in speziell auf die Studieninhalte ausgerichteten Deutschkursen auf ihren Aufenthalt in Berlin vorbereitet. Gegenstand dieses Studienganges ist die Dokumentation von Kulturgütern und ihre sachgerechte Konservierung auf höchstem technischem Niveau. Die ersten Stipendiaten treffen am 24. März 2010 in Berlin ein.
Bereits im Frühjahr 2009 konnten im German Centre in Peking Büroräumlichkeiten angemietet und damit eine erste Infrastruktur geschaffen werden. Die Außenstelle wird von PD Dr. Mayke Wagner, derzeit Zweite Direktorin der Eurasien-Abteilung, geleitet und zusätzlich mit einer lokalen wissenschaftlichen Assistenz personell besetzt sein. Die feierliche Eröffnung ist für September 2010 geplant.

Fotos und Berichte auf Chinesisch unter http://www.sach.gov.cn:8080/www.sach.gov.cn/tabid/116/InfoID/22080/Default.aspx

oben: Feierliche Unterzeichnung des Memorandums of Understanding - © D. Hosner

unten: Besichtigung der Forschungslabore der CACH - © D. Hosner

Feierliche Eröffnung der Zwischenunterkunft für die Abteilung Rom
Zwischenunterkunft in der Via Curatone 4D - © DAI Rom

Nach einer mehr als dreijährigen Schließung eröffnete eines der traditionsreichsten archäologischen Forschungsinstitute, das DAI in Rom, am 25. Januar 2010 seine Zwischenunterkunft in der Via Curtatone 4D.
Mit Inbetriebnahme der Interimsräumlichkeiten wird das Institut trotz der eingeschränkten räumlichen Situation die Möglichkeit haben, seinen Aufgaben erneut nachzukommen. Dazu gehört vor allem die Nutzung der Bibliothek als einem der wesentlichen Arbeitsinstrumente für die Erforschung antiker Kulturen. Etwa die Hälfte des gesamten Bibliotheksbestandes musste zwar aus Platzgründen zusammen mit den Fotokästen und den Archivbeständen in einem Magazin außerhalb der Stadt untergebracht werden, für die Nutzer der Bibliothek wird aber ein Bestellservice für diese Bestände eingerichtet. Mit der Wiederaufnahme des regulären Institutsbetriebes ist es nun auch möglich, den Dialog zwischen deutscher, italienischer und der internationalen Forschung in dem gleichen intensiven Maße zu pflegen wie vor der Schließung des Hauses.
Eingeweiht wurde der temporäre Sitz durch den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Michael Steiner, den Präsidenten des DAI, Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke und den Direktor der Abteilung Rom, Prof. Dr. Henner von Hesberg. Es sprachen ferner der Generaldirektor der Archäologischen Abteilung des italienischen Kultusministeriums, Prof. Stefano De Caro, und Prof. Walter Geerts, der Präsident der Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia, Storia e Storia dell'Arte in Roma.

Weitere Informationen zur Abteilung Rom unter http://www.dainst.org/rom

oben: Zwischenunterkunft in der Via Curtatone 4D - © DAI Rom

Umzug geglückt

Im Zuge der geplanten Bau- und Sanierungsmaßnahmen im Bittelhaus der Zentrale des DAI konnten vor wenigen Wochen die Archive bereits in ihr neues Quartier in den Räumlichkeiten der Eurasien-Abteilung umziehen. Ab Ende März 2010 stehen sie dort im Haus II, Im Dol 2-6, Berlin-Dahlem für interessierte Besucher wieder zur Verfügung.

Aktuelle Projekte
 
Deutsche Archäologen arbeiten wieder im Irak

Antiker Siedlungshügel von Arbil lokalisiert und untersucht

Blick in die neuassyerische Gruftanlage - © J. Kramer

Ein Archäologenteam um Dr. Magarete van Ess (Orient-Abteilung des DAI) führte 2009 erstmals wieder archäologische Ausgrabungen in Arbil, föderale Region Kurdistan/Irak durch. Die aktuellen Forschungen (letzte Kampagne 18.–30. November 2009) schlossen an die Dokumentation einer Grabgruft an, die im Januar 2009 in Kooperation mit der Antikenverwaltung Arbil begonnen worden war. Sie fanden zudem im Rahmen einer Ausbildungsinitiative für junge irakisch-kurdische Archäologen statt, die aus Mitteln der „Official Development Assistance“ Deutschlands sowie Mitteln des Gouverneurs der Region Arbil finanziert wurde.

Das Team umfasste auf deutscher Seite Spezialisten aus den Bereichen Archäologie, Grabungstechnik, Anthropologie, Restaurierung, Photographie sowie Geophysik, welche die praktische Umsetzung von Grabungs- und Dokumentationsmethoden im Feld und im Erhalt von archäologischen Objekten vermittelten.
Auf irakisch-kurdischer Seite beteiligten sich neun Mitarbeiter der Antikenverwaltung sowie Studentinnen und Studenten der Universität Salahaddin, Arbil mit großem Engagement an den Aufgaben der archäologischen Ausgrabung und ihrer Dokumentation.

Dokumentation von Gräbern im Rahmen des Ausbildungsprogrammes - © J. Kramer

Der Aufenthalt hatte mehrere Ziele: Die bereits im Januar 2009 gemeinsam durchgeführten Arbeiten in einer neuassyrischen Gruftanlage, die in das 7. Jh. v. Chr. datiert werden kann und in der Nähe der berühmten Zitadelle von Arbil gelegen ist, wurden abgeschlossen. Die Grabkammer mit Gewölbe wurde aus gebrannten Ziegeln errichtet und enthielt drei Sarkophage mit Resten von bis zu fünf Individuen. In Übereinstimmung mit antiken Bestattungsritualen wurden verschiedene Grabbeigaben gefunden, wie glasierte und unglasierte Keramikgefäße, Lampen und eine Bronzeschale. Grundriss und Ausstattung der Gruft sind aus anderen assyrischen Hauptstädten mit neuassyrischer Besiedlung bekannt, wie Assur und Nimrud. In nächster Nähe wurde eine Ausgrabungssondage angelegt, um den Kontext dieser Gruft zu untersuchen. Hier fanden sich zunächst Gräber eines mehrere Jahrhunderte lang benutzten Friedhofs, der wohl nach Ende der assyrischen Zeit an dieser Stelle eingerichtet worden war. Darunter liegt Lehmziegelmauerwerk, das zu Gebäuden aus der Zeit der Grufterrichtung gehören dürfte oder als Folgebebauung bei gleicher Ausrichtung der Grundrisse anzusehen ist.
In der näheren Umgebung wurde eine geophysikalische Prospektion mit Georadar durchgeführt, mit der archäologische Strukturen zerstörungsfrei auf einer Fläche von etwa 1 ha erfasst werden konnten. Sie zeigte, dass mit substanzieller antiker Bebauung in diesem Gebiet zu rechnen ist. Ihre Orientierung und Tiefe deutet an, dass auch sie in die neu- oder nachassyrische Zeit gehören sollte.
Damit wurde die Vermutung bestätigt, dass es sich bei dem Gebiet, in dem sich die Gruft und der Friedhof befinden, ursprünglich um einen antiken Siedlungshügel handeln dürfte, der zwar durch die moderne Bebauung stark beeinträchtigt, doch als Erhebung im Oberflächenrelief noch gut zu erkennen ist. Das untersuchte Gebiet weist somit ein großes Potenzial für die Fortsetzung weiterer archäologischer Forschungen auf.

Die durchgeführten Arbeiten waren als ein intensives Trainingsprogramm in archäologischer Dokumentation und Restaurierung konzipiert und sollen als solche in Kürze fortgesetzt werden. Anläßlich des Besuchs einer Delegation aus der Antikenverwaltung der Provinz Arbil in der Zentrale des DAI im Februar diesen Jahres, wurde eine Absichtserklärung zur Intensivierung der archäologischen Arbeiten unterzeichnet.

oben: Blick in die neuassyerische Gruftanlage - © J. Kramer

unten: Dokumentation von Gräbern im Rahmen des Ausbildungsprogrammes - © J. Kramer

Unterer Aufweg der Knickpyramide in Dahschur/Ägypten entdeckt
Der neu entdeckte Aufweg

Die Knickpyramide in Dahschur (4. Dynastie, um 2.600 v. Chr.) hat für die Entwicklung der königlichen Pyramidenbezirke des Alten Reiches eine Schlüsselstellung inne. Durch die Ausgrabungen Ahmed Fakhrys in den 1950er Jahren sind die Pyramide, der Pyramidentempel und ein aus Stein gebauter Aufweg, der die Pyramide mit einem talwärts gelegenen Tempel verbindet, bekannt. Unerforscht blieb jedoch ein aus Lehmziegeln gebauter Aufweg, der von diesem Tempel zum Fruchtland führte.
Im letzten Jahr konnte im Rahmen eines im Forschungscluster 4 angesiedelten, landschaftsarchäologischen Projekts dieser untere Aufweg in dem Wüstental, das zur Knickpyramide führt, nachgewiesen werden. Magnetometrische Untersuchungen und Bohrungen führten zu dem überraschenden Ergebnis, dass dieser bis zu 5 Meter tief unter dem aktuellen Geländeniveau liegt. Tatsächlich wurde in der Zusammenarbeit mit einem Team des Instituts für Physische Geographie der Freien Universität Berlin (TOPOI) deutlich, dass sich das Wüstental in historischer Zeit dramatisch verändert hat. Seine Sohle lag zur Zeit des Pyramidenbaus ca. 7 m tiefer als heute. Durch Wind und heftige Regenfälle wurde noch vor dem Neuen Reich (um 1.200 v. Chr.) der aktuelle Verschüttungsgrad erreicht.

Relieffragment des heute zerstörten Pyramidentempels

Im Herbst 2009 wurde damit begonnen einen Teil des Aufwegs freizulegen. Dabei entdeckte das Team um Grabungsleiterin Dr. Nicole Alexanian zunächst direkt unter der Oberfläche einen Transportweg aus Kalksteinblöcken, in dem eine große Anzahl von zerschlagenen Bauteilen und Reliefblöcken aus dem Tempel wiederverwendet worden war. Die Relieffragmente, teils von hoher künstlerischer Qualität, sind für die Rekonstruktion des Bildprogramms dieses ersten dekorierten Pyramidentempels von größter Bedeutung.
Der Aufweg selbst wurde nach dem Abtrag von 5 Metern Sand zum Teil freigelegt. Seine seitlichen Begrenzungsmauern stehen noch bis zu 2,70 m hoch an. In der zurückliegenden Grabungskampagne wurde das Dach eines teilweise noch intakt anstehenden Lehmziegelgewölbes aufgedeckt. Die Ausgrabung des Aufwegs bis zum Fußpunkt der Mauern im Frühjahr 2010 wird Aufschluss über seine genaue Gestalt, die Bauweise des Gewölbes und die Gestaltung der Wandinnenseiten geben. Die Gesamtlänge des Aufwegs und die Gestaltung seines Eingangsbaues festzustellen bleibt eine große Aufgabe der künftigen Feldarbeit.

Weitere Informationen zu den Arbeiten in Dahschur unter http://www.dainst.org/dahschur

oben: Der neu entdeckte Aufweg

unten: Relieffragment des heute zerstörten Pyramidentempels

ArchaeoLandscapes Europe. EU fördert Projekt der RGK mit 2,5 Mio. Euro
Der Glauberg am Ostrand der Wetterau

Im Rahmen des Programms Culture 2007–2013 der EU hat die Römisch-Germanische Kommission des DAI (RGK) einen Antrag auf Förderung des Projekts ArchaeoLandscapes Europe gestellt, der im Februar 2010 bewilligt wurde. Als einer von 35 Partnern aus 24 europäischen Staaten übernimmt die RGK während der fünfjährigen Laufzeit im Projektverbund die Rolle des Projektkoordinators und wird den Verlauf des Projektes administrativ sowie inhaltlich steuern und prägen. Vertreten sind außerdem neben Universitäten und Forschungsinstituten auch Denkmalpflegebehörden sowie die Aerial Archaeology Research Group. Die Kosten des Vorhabens belaufen sich auf 5 Mio. Euro, von denen 2,5 Mio. Euro über eine Laufzeit von 5 Jahren von der EU jetzt als Förderung bewilligt wurden. Noch einmal dieselbe Summe wird von den Projektpartnern in Eigenleistung erbracht.

Ziel von ArchaeoLandscapes ist es, ein Netzwerk von archäologischen Instituten und Organisationen aufzubauen, welche sich intensiv mit Verfahren der Fernerkundung, insbesondere mit der Luftbildarchäologie und mit geophysikalischen Prospektionsmethoden, aber auch mit terrestrischem Laserscanning, LiDAR und anderen Fernerkundungsmethoden beschäftigen. Diese Methoden sollen im gegenseitigen Austausch gelehrt, angewendet und auch weiter entwickelt werden. Dazu werden Workshops, Austauschprogramme und Fieldschools von und mit den Projektpartnern organisiert. Um bestehende Luftbildarchive einer besseren Verwendbarkeit zuzuführen werden gemeinsame Beratungen zu Datenbanktechniken und Webzugriffsmöglichkeiten stattfinden.

Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf der Vernetzung und dem Austausch der beteiligten Partner. Zu diesem Zwecke sind jährliche Plenartreffen geplant. Dazwischen werden aber auch zahlreiche Workshops und Fieldschools sowie eine Wanderausstellung organisiert werden. Inhaltliche Schwerpunkte bilden unter anderem der Einsatz von GIS-gestützen Verfahren und die Weiterentwicklung verschiedener technischer Verfahren im Bereich Remote Sensing. Neben dem Lehr- und Lernaspekt steht auch der Aspekt der Forschung und des Denkmalmanagements im Fokus der geplanten Aktivitäten.

ArchaeoLandscapes Europe wird voraussichtlich im September 2010 seine Arbeit aufnehmen.

oben: Der Glauberg am Ostrand der Wetterau

Hautnah am Archäologen-Alltag: Kalapodi auf L.I.S.A.video

Im neuen Internetportal der Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf) werden in der Rubrik „L.I.S.A.video“ zweimal wöchentlich neue Episoden von Filmen aus dem Forschungsalltag veröffentlicht. Die Projekte wurden von den Wissenschaftlern selbst gefilmt und das Bildmaterial von einer Produktionsfirma professionell aufbereitet.

Der Stiftung wählte unter den mehr als 150 geförderten Projekten acht der interessantesten aus. Nach einer 5-tägigen Schulung im Januar 2009 zu den Grundlagen des Bildaufbaus und Filmschnitts wurden die Teams mit einer semiprofessionellen HDTV-Kamera, Stativ, Mikrofon und einer semiprofessionellen Schnittsoftware ausgestattet. Unter der Projektleitung von N. Hellner wurde ein sog. Storyboard erarbeitet, was Szenenabfolge und Bildinhalte festlegte. Im Sommer 2009 filmten N. Hellner und J.-M. Henke den Fortgang der Kalapodi-Grabung der Athener Abteilung unter der Leitung des Ersten Direktors, Prof. W.-D. Niemeier. Während der Kampagne entstanden 14 Stunden Rohmaterial in HD.

Die erste Episode ist seit 4. März online: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/projectvideo_diary.php?nav_id=931

Termine und Veranstaltungen
 
111. Jahreskonferenz des Archaeological Institute of America

06.-09. Januar 2010 in Anaheim, Kalifornien

Der Buchstand des DAI

Vom 06. bis 09. Januar fand in Anaheim, Kalifornien die 111. Jahreskonferenz des Archaeological Institute of America mit rund 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Auch in diesem Jahr war das Institut mit einem der mehr als 55 Buchstände in der gut besuchten Ausstellungshalle des Tagungshotels vertreten. Neben der Präsentation der aktuellen Neuerscheinungen der verschiedenen Abteilungen diente der Buchstand allen Interessierten und Freunden des DAI als Anlaufstelle für Auskünfte und Anfragen rund um das Institut. Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DAI waren daneben aktiv an Sessions zu verschiedenen Themen des Tagungsprogramms beteiligt. Die vom Institut organisierte Session 1B („Continuity and Change in Sanctuaries of the Ancient World“) stieß ebenso wie der Vortrag des Generalsekretärs Prof. Ortwin Dally zu aktuellen Forschungsprojekten des DAI auf großes Interesse. Der Auftritt des Instituts wurde am 8. Januar mit einem gut besuchten Empfang in den Räumlichkeiten des Anaheim Marriott Hotel abgerundet.

oben: Der Buchstand des DAI

Die Grabstelen des frühislamischen Friedhofs von Aswan

Workshop im Nubischen Museum Aswan, 13.–15. Februar 2010

Stelen im Depot des Nubischen Museums in Aswan

Vom 13. bis 15. Februar trafen sich auf Einladung des DAI Abteilung Kairo über 40 Wissenschaftler im oberägyptischen Aswan, um sich über eines der bedeutendsten Quellenkorpora der frühislamischen Geschichte Ägyptens auszutauschen. Es handelt sich um Grabsteine mit arabischen Inschriften aus dem 7. bis 12. Jahrhundert. Mehrere Tausend dieser Stelen sind in Ägypten und weltweit in Museen und Depots verteilt und sollen nun in einem multilateralen digitalen Dokumentationsprojekt erschlossen werden.

Der sogenannte „fatimidische“ Friedhof von Aswan ist ein herausragend wichtiger archäologischer Komplex für die frühislamische Geschichte Ägyptens. Zur bauforscherischen Dokumentation und Restaurierung dieser Nekropole führt das DAI Kairo seit nunmehr drei Jahren regelmäßige Feldkampagnen durch. Durch diese Arbeit wird ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung und wissenschaftlichen Erschließung, aber auch zur Vergegenwärtigung dieses bedeutenden Denkmälerkomplexes geleistet.
Der frühislamischen Nekropole von Aswan ist jedoch auch ein bedeutender Schatz epigraphischer Zeugnisse zugeordnet. Rund 5.000 beschriftete Grabstelen aus der Zeit von der Mitte des 7. Jahrhunderts n. Chr. bis weit in das Mittelalter hinein dokumentieren die Belegung des Friedhofs. Unseligerweise wurden diese Stücke jedoch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus den ursprünglichen Baukontexten gelöst und in eine Reihe von Depots in Ägypten, teils auch in ausländische Museen verbracht.

Teilnehmer des Workshops diskutieren über die Inschrift einer Stele

Obwohl eine nicht unerhebliche Zahl der Stücke publiziert vorliegt (meistens aber ohne Übersetzung und damit nur dem spezialisierten Arabisten zugänglich), liegt eine noch größere Zahl unbearbeitet und unbekannt in den Magazinen. Der Gesamtkomplex ist niemals in das Licht der Forschung getreten. Seine Erfassung, Veröffentlichung und kompetente Auswertung bleibt damit ein eklatantes Desiderat. Tatsächlich ist das Interesse, das dieses Stelencorpus eben in seiner Totalität hat, erheblich. Die historische und prosopographische Information, die die Inschriften enthalten, wird es erlauben wesentliche Beiträge zur Rolle und Geschichte der Stadt Aswan, zu Kultur und Religion gerade in der frühislamischen Periode, dem Übergang zwischen Spätantike und Mittelalter zu leisten. Aswan ist als südliche Grenz- und Kontaktzone Ägyptens dabei ein besonder spannendes Feld.
Um diese Forschungsaufgabe in Angriff zu nehmen führte das DAI Kairo im Nubischen Museum von Aswan einen internationalen Workshop durch. Im Rahmen des Workshops konnten Zahl und Verbleib der abtransportierten Stelen erstmals genauer ermittelt werden. Historiker, Archäologen, Islamwissenschaftler und Epigraphiker tauschten ihre Forschungsergebnisse aus und diskutierten künftige Fragestellungen und Vorgehensweisen. Nun sollen diese bedeutenden Quellen digital dokumentiert und in einer open-access-Datenbank für die Forschung zugänglich gemacht werden.

oben: Stelen im Depot des Nubischen Museums in Aswan

unten: Teilnehmer des Workshops diskutieren über die Inschrift einer Stele

Ausstellung „Waldgirmes – Bilder einer Ausgrabung. Der Pferdekopf von Waldgirmes“

17. März 2010 – 14. April 2010 in Frankfurt / Main

Pferdekopf

Der spektakuläre Fund eines lebensgroßen Pferdekopfes aus vergoldeter Bronze ist Gegenstand der Ausstellung „Waldgirmes – Bilder einer Ausgrabung“, welche am 17. März 2010 in Frankfurt am Main ihre Pforten öffnet. Ein Team der Römisch-Germanischen Kommission des DAI (RGK) in Kooperation mit der Hessischen Landesarchäologie entdeckte den Kopf im August 2009 in der Gemeinde Lahnau-Waldgirmes, Lahn-Dill-Kreis, bei der Untersuchung eines Brunnens in einer römischen Stadtanlage aus der Zeit des Kaisers Augustus (siehe DAI-Newsletter 02/2009).
Die seit 1993 laufenden Ausgrabungen haben dort erstmals die Spuren einer planmäßigen zivilen römischen Stadtgründung im rechtsrheinischen Germanien zutage gefördert. Von diesem Ort aus, dessen antiken Namen wir nicht kennen, sollte die weitere Entwicklung der germanischen Gebiete nach römischem Vorbild vorangetrieben werden. Gegründet kurz vor der Zeitenwende endete die Siedlung wohl mit dem Rückzug der Römer 16 n. Chr., als sie Germanien rechts des Rheins aufgegeben hatten.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Geschichte des römischen Waldgirmes und enthüllt mit freundlicher Unterstützung der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse die Hintergründe zu diesem außerordentlichen Fundstück, welchem aufgrund seiner hohen künstlerischen Qualität eine weit über die Region hinausgehende Bedeutung zuzumessen ist.

Die Ausstellung ist vom 17. März 2010 bis zum 14. April 2010 im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Str. 49 in 60311 Frankfurt am Main zu sehen.
Öffnungszeiten: Mo–Mi, Fr 9 bis 16 Uhr, Do 9 bis 18 Uhr; Eintritt frei

oben: Pferdekopf

Fotoausstellung: „Mit geschultem Blick“ – Hermann Burchardts Reise in Südsyrien 1895. Fotografien eines deutschen Orientreisenden

10.–30. Mai 2010 im Goethe-Institut Damaskus

Die Außenstelle Damaskus der Orient-Abteilung des DAI zeigt die frühen fotografischen Aufnahmen des deutschen Orientreisenden Hermann Burchardt (1857–1909), der im Jahre 1895 als einer der ersten Forscher Südsyrien bereiste und fotografisch dokumentierte. Präsentiert werden ausgewählte Motive dieser Reise, denen moderne Aufnahmen der Monumente gegenübergestellt werden. Die Ausstellung wird vom 10. bis 30. Mai 2010 im Foyer des Goethe-Instituts Damaskus gezeigt.

Wissenschaftstage im Berliner Südwesten

Schloss-Labor 16. Mai 2010, 13–18 Uhr im Einkaufszentrum „Das Schloss“, Berlin-Steglitz; Vorträge 19. Mai, 26. Mai und 2. Juni 2010 jeweils 17 Uhr im Wiegandhaus, Zentrale DAI, Berlin-Dahlem

Berlin ist im Jahr 2010 Hauptstadt für die Wissenschaft. Im Rahmen des stadtweiten Wissenschaftsjahrs tragen auch die im Berliner Südwesten ansässigen Institutionen mit speziellen Wissenschaftstagen einen Höhepunkt zum Veranstaltungprogramm bei. Als Forschungsstandort von besonderer Tradition und internationalem Rang ist der Berliner Südwesten dazu prädestiniert: Bereits im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich in Dahlem ein „preußisches Oxford“ mit einer großen Vielfalt von Fachrichtungen und Disziplinen und einem Spektrum wissenschaftlicher Tätigkeit, das von der Grundlagenforschung bis zur Lehre und Anwendung reicht. Damals wie heute hat das DAI seinen Hauptsitz im Herzen von Dahlem und bietet ebenfalls einen vielschichtigen Einblick in die aktuellen Arbeiten für ein breites Publikum.

Eröffnet werden die Wissenschaftstage Südwest mit dem Schloss-Labor. Ein ganz besonderer Markt erwartet an einem verkaufsoffenen Sonntag die Besucher des Einkaufszentrums „Das Schloss“ in Berlin-Steglitz: Wissenschaft zum Gucken, Staunen und Mitmachen. Forscherinnen und Forscher aus dem DAI, dem Botanischen Garten, der Freien Universität Berlin, der Gesellschaft für Erdkunde, der Max-Planck-Gesellschaft und der Technischen Universität präsentieren in Zusammenarbeit mit Partnern aus dem Einkaufszentrum wissenschaftliche Experimente, Spiele und Modelle.

Der Stand des DAI steht dabei unter dem Motto „Archäologie (be)greifen – Forscher erklären, wie Ruinen wieder auferstehen“. Rund um ein Holzmodell der Akropolis von Athen erläutern Bauforscher und Archäologen wie mithilfe modernster Technik Ruinen zu neuem Leben erweckt werden und wozu unterschiedliche Hilfsmittel wie Zollstock, Tachymeter und GPS gut sind.

Wann?16. Mai 2010, 13–18 Uhr
Wo?Einkaufszentrum „Das Schloss“, Untergeschoss, Schloßstraße 34, 12163 Berlin
 
Fortgesetzt wird das Programm mit drei Vorträgen:
19.05.B. Vogt (KAAK), Die Osterinsel (Chile). Deutsche Archäologen am Nabel der Welt
26.05.U. Wulf-Rheidt (DAI Zentrale), Wie kommt die Ruine aufs Papier? Bauforscher berichten aus ihrer Arbeit
02.06.N. Benecke (DAI Zentrale), Alte Knochen, verkohlte Samen und Holzfunde erzählen Geschichte
Jeweils 17-19 Uhr
Wiegandhaus des Deutschen Archäologischen Instituts, Gartensaal
Peter-Lenné-Str. 28, 14195 Berlin

Nähere Informationen unter www.dainst.org oder www.wissenschaft-berlin-2010.de

Aktuelle Publikationen
 
Margarete van Ess; Elisabeth Weber-Nöldeke (Hrsg.)
Dr. Arnold Nöldeke, Briefe aus Uruk-Warka 1931 bis 1939
ISBN 978-3-89500-485-8
2008, Gebunden. 348 Seiten, 240 x 170 mm, 85 s/w Abb., 1 farb. Abb.
49,00 €
Andrea Schmölder-Veit
Brunnen in den Städten des westlichen Römischen Reiches
Band 19 der Reihe Palilia
ISBN 978-3-89500-698-2
2009, Broschur. 208 Seiten, 290 x 220 mm, 75 s/w Fotos
39,00 €
Peter Calmeyer
Die Reliefs der Gräber V und VI in Persepolis
Archäologie in Iran und Turan 8
ISBN 978-3-8053-3928-5
2009, Gebunden. 137 Seiten, 21 x 30 cm, 118 Abb.
29,90 €
Mayke Wagner, Fengshi Luan, Pavel Tarasov
Chinese Archaeology & Palaeoenvironment I
Prehistory at the Lower Reaches of the Yellow River: The Haidai Region
Band 2 der Reihe Archäologie in China
ISBN 978-3-8053-4116-5
2009, Gebunden. 215 Seiten, 140 Abb.
28,00 €
Wichtiger Hinweis für Besucher der zentralen Bibliothek

Aufgrund umfangreicher Renovierungsmaßnahmen ist mit vorübergehenden Einschränkungen in der Nutzung der Bibliothek der Zentrale im Bittelhaus zu rechnen. Voraussichtlich wird die Bibliothek von April bis Mai 2010 ganz geschlossen sein. Ab ca. Juni/Juli 2010 steht sie den Benutzern in einem Interimsquartier zur Verfügung. Erst für Ende 2011 ist die Wiedereröffnung im Bittelhaus geplant. Bitte kontaktieren Sie daher in diesem Zeitraum die Kollegen/Innen der Bibliothek unter bibliothek@dainst.de, bevor Sie längere Besuche planen.

Wir bedauern alle mit diesem Projekt verbundenen Unannehmlichkeiten und möchten Sie um Verständnis bitten.

Fordern Sie weiteres Infomaterial unter presse@dainst.de oder als PDF-Download unter www.dainst.org/presse an.

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