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Taganrog und sein Umland

Dem Vorhaben zugrunde liegt die Annahme, dass ein enger Zusammenhang zwischen sozialem Handeln und der Ausgestaltung von Räumen durch gebaute Grenzen besteht. Der gebaute Raum ist ein Resultat sozialer Interaktion; als solcher spiegelt er nicht nur soziale, sondern auch politische Entwicklungen wider. Im Rahmen des Projekts soll anhand von Taganrog und seiner Umgebung (Südrussland) der Zusammenhang zwischen politischen und sozialen Raumveränderungen in einer diachronen Perspektive verfolgt werden.

Als die griechische Kolonisation des Schwarzmeerraumes in der 2. Hälfte des 7. Jhs. v. Chr einsetzte, gelangten griechische Siedler von der kleinasiatischen Mittelmeerküste auch an die Mündung des Don. Spuren einer frühen griechischen Siedlung haben sich bei Taganrog ca. 10 km westlich der heutigen Mündung des Flusses in das Asovsche Meer erhalten. Die Siedlung dürfte nach Ausweis der bislang bekannten Keramik gemeinsam mit oder kurz vor den Siedlungen von Berezan in der heutigen Ukraine und Histria im heutigen Rumänien noch im 7. Jh. v. Chr. gegründet worden sein. Sie ist in jedem Fall älter als die ersten griechischen Siedlungen und Kolonien am kimmerischen Bosporus, die um 580-60 v. Chr. gegründet worden sind. Die seit 2004 laufenden Bohrungen und Grabungen haben deutlich gemacht, dass die Siedlung mindestens bis zum späten 4./frühen 3. Jh. v. Chr. Bestand hatte. Angesichts der Ausgangslage - die griechischen Kulturschichten liegen 3-5 Meter unter dem heutigen Bodenniveau und z. T. unter dem Sandboden des Asovschen Meeres in der Bucht von Taganrog begraben - ist es nur möglich, wesentliche topographische Eckpunkte der Siedlung zu ermitteln und Aussagen zu der Dauer ihrer Existenz und ihren wirtschaftlichen Grundlagen zu treffen. Aus diesem Grund ist geplant, die Untersuchungen auszudehnen und die Arbeiten in Taganrog in einen größeren Kontext zu stellen.

Zum Zeitpunkt der Gründung von Taganrog waren die angrenzenden Steppengebiete und das Dondelta schon existente Lebens- und Wirtschaftsräume. Bereits in der späten Bronzezeit hatte sich ein System aus Siedlungen, die möglicherweise von halbsesshaften Nomaden nur temporär genutzt worden sind, gebildet. Grabhügel (Kurgane), die im Dondelta bereits seit der frühen bis mittleren Bronzezeit zu beobachten sind, haben das Bild der Landschaft geprägt. In der späten Bronzezeit kam es jedoch zu signifikanten Veränderungen: Parallel zu der Anlage von Siedlungsplätzen wurden größere Grabhügel als sichtbare Exponenten einer neuartigen sozialen Stratifizierung errichtet. Die Kurgane lagen nicht mehr wie noch in der mittleren Bronzezeit unmittelbar in den Flussniederungen, sondern auf Terrassen oberhalb der Flüsse Don und Myus. Zum Zeitpunkt der griechischen Gründung scheinen die meisten der bronzezeitlichen Siedlungsplätze verlassen gewesen zu sein, erst in der Folgezeit, d. h. im 5.-4. Jh. v. Chr., kommt es offenbar zur Neugründung von Siedlungen auf der westlich von Taganrog gelegenen Halbinsel am Myus Liman und im Dondelta selber. Viele, aber offenbar nicht alle bronzezeitlichen Kurgane wurden verstärkt seit dem 5. Jh. v. Chr. für Sekundärbestattungen genutzt.

Die skizzierten Veränderungen sind Zeugnisse für unterschiedliche soziale Gruppen und sich wandelnde politische Verhältnisse. Im Rahmen des Projekts soll aufgrund von Untersuchungen in Taganrog und seiner Chora verfolgt werden, wie unterschiedliche Siedlungsräume demarkiert worden sind. Wie werden sie gegenüber der Steppe be- oder entgrenzt vor und nach der Gründung von Taganrog? Wie wird durch die Kurgane das Umland von Taganrog symbolisch markiert? Welche Kurgane wurden gezielt für Sekundärbestattungen genutzt? Welche Veränderungen lassen sich bei der Anlage der deutlich sichtbaren Grabhügel in Zusammenhang mit den sich ändernden Siedlungsaktivitäten am Myus Liman von der Spätbronzezeit an bis zum 4. Jh. v. Chr. beobachten? Ein besonderes Augenmerk gilt in diesem Zusammenhag nicht nur den Gräbern und Siedlungsplätzen, sondern auch den Verkehrswegen.

zum Projekt Taganrog

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