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Wirtschaft als Machtbasis: Vormoderne Wirtschaftssysteme in Anatolien - Einführungsseminar

PROGRAMM

 

25. MAI 2012 EINFÜHRUNGSSEMINAR UND KONZEPTDISKUSSION

 

09:00-09:15 Uhr Begrüßung

 

09:15-10:15 Uhr Einführung und Vorstellung der Teilnehmer

      10:15-10:30    Kaffeepause

10:30-11:15 Uhr L. Rahmstorf: Das Potential von Wirtschaft als Machtbasis während der Kupfer- und Bronzezeit

11:15-12:00 Uhr A. Maass: Bergbau im Spannungsfeld von Wirtschaft und Macht

12:00-12:45 Uhr Diskussion

      12:45-14:00 Uhr Mittagspause

14:00-14:45 Uhr M. Flohr: Archäologie und städtische Wirtschaft im römischen Vorderasien

14:45-15:30 Uhr L. Meier: Die Finanzierung öffentlicher Bauten in den griechischen Städten Kleinasiens in hellenistischer und römischer Zeit. Zur Aussagekraft von Inschriften zu wirtschaftsgeschichtlichen Fragestellungen

15:30-16:15 Uhr Diskussion

      16:15-16:45 Uhr Kaffeepause

16:45-18:00 Uhr Konzeptionsdiskussion über Weiterführung des Netzwerks und Sommerschule

 

19:00 Uhr Möglichkeit zum gemeinsamen Abendessen

 

26. MAI 2012 SEMINAR: VORMODERNE WIRTSCHAFTSRÄUME ANATOLIENS

09:00-10:00 Uhr A. Galik und B. Horejs:  Neolithische Wirtschaftsformen als Basis kultureller Interpretationen in Westanatolien

10:00-11:00 Uhr B. Aksoy: Zur Definition von zentralen und peripheren Bereichen im frühbronzezeitlichen Nordwestanatolien

      11:00-11:30 Uhr Kaffeepause

11:30-12:30 Uhr O. Hülden: Überlegungen zu den antiken Wirtschaftsstrukturen der Kibyratis

12:30-13:30 Uhr S. Haps: Das Zentralheiligtum des Iupiter Dolichenus in der Kommagene. Überlegungen zu Bauprozessen und Transportwegenetz in römischer Zeit

      13:30-15:00 Uhr Mittagspause

15:00-16:00 Uhr S. Feuser: Hafen und Hinterland. Die Bedeutung kleinasiatischer Hafenstädte für die Etablierung von Wirtschaftsräumen im vormodernen Anatolien

16:00-17:00 Uhr B. Ruhl: Zu den wirtschaftlichen Räumen der Inseln vor der kleinasiatischen Westküste. Das Fallbeispiel Gökçeada/Imbros
 

ABSTRACTS

 

25. MAI 2012 EINFÜHRUNGSSEMINAR UND KONZEPTDISKUSSION

L. Rahmstorf: Das Potential von Wirtschaft als Machtbasis während der Kupfer- und Bronzezeit

Seit den Anfängen der prähistorischen Forschung wird diskutiert, wie wirtschaftliche Vorgänge und Handel in diesen Epochen organisiert waren. Der Titel dieses Netzwerkes impliziert das Potential von Wirtschaft zur Gewinnung von Macht, Einfluss, Reichtum und Ähnlichem. Tatsächlich ist immer noch umstritten, wie stark in traditionellen Gesellschaften solche Faktoren eine Rolle spielten. Ist das (egoistische) Streben nach Gewinn und ökonomischen Vorteil jedem Wirtschaftssystem inhärent oder organisierten feste soziale Konventionen das Zusammenleben zwischen den Menschen auch im wirtschaftlichen Bereich? Dies umschreibt den Gegensatz zwischen den Formalisten (Modernisten) und den Substantivisten (Primitivisten), der die Forschungsgeschichte auch in der Prähistorie geprägt hat. Die Begriffe Reziprozität, Redistribution und Markt(tausch) haben in den Untersuchungen von Bronislaw Malinowski, Karl Polanyi, Marshall Sahlins und anderen Forschern eine große Rolle gespielt. Dabei wurden aber vor allem rezente Gesellschaften betrachtet, etwa im westlichen Pazifik (Beispiel: Kula-Ring) oder Nordamerika (Beispiel:  Potlatch). Die frühe historische Überlieferung zu wirtschaftlichen Vorgängen aus dem Vorderen Orient wurde dagegen wenig beachtet, sei es, dass sie einer anderen menschlichen Entwicklungsstufe zugerechnet wurde, oder sei es, dass sie noch nicht bekannt war (Beispiel: Kültepe Karum Kanesh) oder nicht wahrgenommen wurde. Dabei zeigt das Beispiel zum komplexen Tauschhandel in Kültepe, dass in Anatolien oder zumindest bei den assyrischen Händlern im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. ein eindeutig gewinnorientierte Handlungsweise im Vordergrund stand. In dem Vortrag möchte ich darlegen, wie der Zugang zu (und die Kontrolle von [?]) Ressourcen, wie die Ausnutzung spezialisierten Wissens, wie die Weitergabe grundlegender Innovationen, wie die Fähigkeit zum Langstreckentransport und wie die Speicherung von Wert ab der Kupfer- und Bronzezeit das wirtschaftliche Leben deutlich verändert haben. Damit neige ich zu einer modernistischen Auffassung der Wirtschaft während der Kupfer- und Bronzezeit und betone das Potential von Wirtschaft als Machtbasis in dieser Zeit.

Literatur:

  • - B. Malinowski, Argonauts of the Western Pacific. An Account of Native Enterprise and Adventure in the Archipelagoes of Melanesian New Guinea (London 1922).
  • - K. Polanyi, The Economy as an Instituted Process. In: K. Polanyi, C. Arensberg, H. Pearson (Hrsg.), Trade and Market in the Early Empires (Glencoe 1957) 243–269.
  • - M. Rössler, Wirtschaftsethnologie. Eine Einführung (Berlin 1999) [Kap. 7].
  • - M. Sahlins, Stone Age Economics (London 1974).

 

A. Maass: Bergbau im Spannungsfeld von Wirtschaft und Macht

Ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens von Beginn an ist die Nutzung mineralischer Rohstoffe. Diese wurden zu Werkzeugen für die täglichen Arbeiten, zu Waffen, Schmuck und anderen Objekten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens verarbeitet. Entsprechend hoch war zu allen Zeiten die Bedeutung, die diesen Rohstoffen, ihrer Gewinnung, Produktion und Verbreitung sowie der Sicherung der Kontrolle über sie zukam.
Es können zwei Bereiche unterschieden werden, in denen der Bergbau eine Rolle spielte: zum einen den Bergbau und sein direktes Umfeld und zum anderen den Bergbau innerhalb der allgemeinen Wirtschafts- und Machtstrukturen.
Im ersten Bereich stehen die Gewinnung des mineralischen Rohstoffs und die Produktion der fertigen Objekte im Mittelpunkt. Für die Metallverarbeitung wird dieser Teil unter dem Begriff "Metallurgiekette" zusammengefasst, welche die Schritte Abbau, Aufbereitung, Verarbeitung und Weiterverarbeitung beinhaltet. Diese kann, teilweise abgewandelt jedoch auch auf andere Rohstoffe ausgeweitet werden. Wichtig für diese Produktionskette ist die Infrastruktur des Bergbaus, insbesondere die Organisation der Arbeitskräfte und die Beschaffung der nötigen Betriebsmittel, wie Werkzeug und vor allem Holz in den vor- und frühgeschichtlichen Perioden. Die Auswirkungen des Bergbaus für sein direktes Umfeld waren sehr groß. Mit der intensiven Metallproduktion ab der Frühbronzezeit setzte eine starke Umweltbelastung ein: Bei der Aufbereitung wurden große Mengen Sedimente in die Gewässer geleitet und bei der Verhüttung viele Giftstoffe und Schwermetalle freigesetzt. Besonders stark waren aber die Folgen durch die Abholzung der Wälder. Dies alles beeinträchtigte die Landwirtschaft und den Fischfang aber auch die Qualität des Trinkwassers und damit die Lebensgrundlagen der Menschen in der Umgebung der Bergwerke.
Eine weitere Auswirkung war schon vorher im Laufe des Neolithikums zu spüren, als intensiver Bergbau zuerst einsetzte und zwar die Veränderung der Sozialstrukturen. Die komplexe Organisation des Bergbaus, des Handels und später die besonderen Kenntnisse bei der Metallurgie erforderte eine Arbeitsteilung und Spezialisierung der Tätigkeiten woraus sich eigene Berufsgruppen bilden konnten. Diese konnten die Sozialstrukturen nachhaltig in Richtung einer stärkeren Hierarchisierung der Gesellschaft verändern.
 Während der Bergbau selber gut erforscht ist, sind die Umweltfolgen und die Folgen für die Sozialstrukturen noch sehr schwach untersucht. Doch noch weniger sind die Arbeiten zu dem zweiten großen Bereich, dem Bergbau in den allgemeinen Wirtschafts- und Machtsystemen.
Mit dem Auftreten von Legierungen wie Bronze, deren einzelne Bestandteile in der Natur nicht nebeneinander auftreten, und dem, in den komplexen Gesellschaftsstrukturen Anatoliens, insbesondere mit dem Reich der Hethiter, steigenden Bedarf an Status-  und „Luxusobjekten“ aus mineralischen Rohstoffen, die zum Teil über sehr große Entfernungen herangebracht werden mussten, wurde nicht nur die Kontrolle über die Lagerstätten notwendig, sondern insbesondere auch die Kontrolle der Handelsrouten. Diese war teilweise nur mit einem enormen Aufwand möglich und konnte bei den teilweise sehr großen Entfernungen bei einer Unterbrechung von lebenswichtigen und seltenen Rohstoffen ein ernsthaftes Problem darstellen.

Literatur:

•    Maass, Alexander: Quelques réflexions concernant les structures minières chalcolithiques de la région de Cabrières. In Ambert, Paul und Vaquer, Jean : La première métallurgie en France et dans les pays limitrophes, (Joué-les-tours 2005), S. 63-70.
•    Stöllner, Thomas: Montan-archaeology and research on old mining : just a contribution to economic history? In Yalcın, Ünsal: Anatolian Metal IV, (Bochum 2008), S. 149-178.
•    Weisgerber, Gerd: Mittelalterliches Montanwesen und seine Wirkung auf Landschaft und Umwelt. In Jockenhövel, Albrecht (Hrsg): Bergbau, Verhüttung und Waldnutzung im Mittelalter. Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 121 (Stuttgart 1996), S. 128-139.

 

M. Flohr: Archäologie und städtische Wirtschaft im römischen Vorderasien

Die starke Urbanisierung des Klassischen Altertums stellt im vormodernen Anatolien, wie in vielen Teilen des Mittelmeerraumes, einen Sonderfall dar: nie zuvor spielten Städte eine so wichtige Rolle im sozial-wirtschaftlichen System der Region, und auch darauffolgend sollte es in der vormodernen Epoche in Anatolien nie wieder ein so dichtes Netzwerk von Städten wie in hellenistischer und besonders in römischer Zeit geben. Für unser Verständnis der Wirtschaftsgeschichte des antiken Anatoliens ist eine Diskussion der wirtschaftlichen Struktur und Leistung dieser Städte deshalb von allergrößter Wichtigkeit.
Eine solche Diskussion sollte immer stattfinden im Licht der Debatte über die Wirtschaftsgeschichte der antiken Stadt, die, besonders seit den achtziger Jahren, durch Altertumswissenschaftler geführt wird. In dieser Debatte spielte Finleys Idee der „Konsumentenstadt“ lange eine Hauptrolle. In den letzten fünfzehn Jahren wird die Diskussion jedoch charakterisiert durch eine Revolution im Umgang mit dem archäologischen Bestand und eine weitgehende Nuancierung der ursprünglichen Opposition zwischen Modernisten und Primitivisten. Dies hat nicht nur Konsequenzen für unseren Blick auf die Wirtschaftsgeschichte der Städte Vorderasiens in römischer Zeit, sondern es bietet auch neue Möglichkeiten.
Obwohl die Archäologie der römischen Städte Vorderasiens sich fundamental unterscheidet von der urbanen Archäologie in Italien oder Afrika und der archäologische Befund hier viel fragmentierter und komplizierter ist, ist es trotzdem sehr wichtig zu versuchen, die Möglichkeiten, die die Archäologie bietet, so weit wie möglich zu nutzen. Die Wirtschaftsgeschichte der römischen Städte in Vorderasien basiert, mehr als gut ist, auf Textquellen, die kein repräsentatives Bild von der antiken Realität geben. Die Althistoriker beschränken sich, ebenfalls mehr als gut ist, auf die Produktion und den Export von spezifischen Produkten, zum Beispiel Textilien.
In diesem Vortrag wird, nach ein Übersicht der rezenten Debatte über die städtische Wirtschaftsgeschichte der römischen Zeit durch drei Fallstudien (Sagalassos, Ephesos und Pergamon) gezeigt werden, wie die Analyse des archäologischen Befunds uns helfen kann, Aspekte der Wirtschaftsgeschichte der Städte zu verstehen, die in traditionellen Analysen unsichtbar bleiben.

Literatur
• T. Broughton, 'Roman Asia'. In: Frank, T. (eds.) An Economic Survey of Ancient Rome IV. Roman Africa; Roman Syria; Roman Greece; Roman Asia. (Baltimore 1938) 499–919
• M. I. Finley, The Ancient Economy (Oxford. 1973)
• D. J. Mattingly, 'Leptiminus (Tunisia). A 'producer' city?'. In: Mattingly, D.J., Salmon, J. (eds.) Economies beyond agriculture in the classical world (London 2001) 66–89
• S. Mitchell, C. Katsari, C. (eds.), Patterns in the Economy of Roman Asia Minor (Swansea 2005)
• J. Poblome et al., ‘The sigillata manufactories of Pergamon and Sagalassos’. JRA 14, 2001, 143–165
• A. Wilson, 'Urban production in the Roman world. The view from North Africa'. Papers of the British School at Rome LXX, 2002, 231–27

 

L. Meier, Die Finanzierung öffentlicher Bauten in den griechischen Städten Kleinasiens in hellenistischer und römischer Zeit. Zur Aussagekraft von Inschriften zu wirtschaftsgeschichtlichen Fragestellungen

Der griechische Stadtstadt, die so genannte Polis, prägte seit archaischer Zeit die politische Landschaft der Küste Westkleinasiens. Die Entstehung großräumiger monarchischer Herrschaftsgebilde in hellenistischer Zeit (336–29 v. Chr.) bedeutet aber keinesfalls eine Krise griechischer Bürgerstaatlichkeit: Die Polis blieb die vorherrschende politische Organisationsform, die sich steter Förderung seitens hellenistischer Könige erfreute. Sie erlebte eine städtebauliche Blüte, die sich in der von langen Friedensperioden geprägten römischen Kaiserzeit (29 v. Chr.–3. Jh. n. Chr.) fortsetzte und nun auch Regionen Zentralanatoliens einbezog.
Öffentliche Baufinanzierung stellte ein zentrales Feld städtischer Politik dar. Ihre wirtschaftliche Grundlagen zu erfassen, fällt hingegen nicht leicht. In dem in erster Linie aus Inschriften bestehenden Quellenmaterial dominieren vor allem Schenkungen von Privatleuten, Amtsträgern und Herrschern. Dennoch ist es möglich, für die hellenistische Zeit ein zwar lückenhaftes, aber doch stimmiges Bild des alltäglichen Geschäftsganges bei Finanzierung und Unterhalt städtischer Infrastruktur aus öffentlichen Mitteln zu zeichnen. In der Kaiserzeit sind hingegen so gut wie keine Spuren mehr davon in der Überlieferung zu finden. Dieser Wandel der inschriftlichen Gepflogenheiten geht einher mit einem Wandel demokratischer Verfassungsformen hin zu timokratisch geprägten nach römischem Vorbild.
Die Dominanz des Euergetismus (= öffentliche Wohltätigkeit von Eliten) in den Inschriften darf aber nicht dazu verleiten, eine generelle Schwäche öffentlicher Finanzen als Ursache politisch-gesellschaftlicher Veränderungen zu postulieren und daraus zu schließen, die Städte seien in der Kaiserzeit von ihren reichen Mitbürgern abhängig gewesen – eine Auffassung, die in bemerkenswertem Widerspruch zur architektonischen Blüte der Städte steht. Schriften Plinius’ des Jüngeren und Dions von Prusa vermögen das von Ehreninschriften gezeichnete Bild selbstloser und am Gemeinwohl orientierter Oberschichten durchaus zu korrigieren. Inschriften sind eine Quelle für das Bedürfnis städtischer Eliten nach Repräsentation und Ehre. Auf welche Weise aber das Geld erwirtschaftet wurde, das man in öffentliche Bauten investierte, verraten sie uns in aller Regel nicht.

Literatur
• S. Cramme, Die Bedeutung des Euergetismus für die Finanzierung städtischer Aufgaben in der Provonz Asia (Köln 2001)
• S. Dimitriev, City Covernment in Hellenistic and Roman Asia Minor (Oxford 2005)
• L. Meier, Die Finanzierung öffentlicher Bauten in der hellenistischen Polis (Mainz 2012)
• S. Mitchell, Anatolia. Land, Men, and Gods in Asia Minor. Volume 1. The Celts in Anatolia and the Impact of Roman Rule (Oxford 1993) 80–99
A.–V. Pont, Orner la cite. Enjeux culturels et politique du paysage urbain dans l’Asie gréco-romaine (Bordeaux 2010)
• F. Quass, Die Honoratiorenschicht in den Städten des griechischen Ostens. Untersuchungen zur politischen und sozialen Entwicklung in hellenistischer und römischer Zeit (Göttingen 1993)
• H. Schwarz, Soll oder Haben? Die Finanzwirtschaft kleinasiatischer Städte in der römischen Kaiserzeit am Beispiel von Bithynien, Lykien und Ephesos (Bonn 2001)
• E. Winter, Staatliche Baupolitik und Baufürsorge in den römischen Provinzen des kaiserzeitlichen Kleinasien (Bonn 1996)

 
26. MAI 2012 SEMINAR: VORMODERNE WIRTSCHAFTSRÄUME ANATOLIENS

 

A. Galik und B. Horejs: Neolithische Wirtschaftsformen als Basis kultureller Interpretationen in Westanatolien

Aus den Studien des laufenden ERC-Projektes Prehistoric Anatolia werden neue Ergebnisse zu Subsistenzwirtschaften und Ressourcennutzung verschiedener neolithischer Siedlungen in unterschiedlichen Regionen Westanatoliens präsentiert und diskutiert. Im Fokus steht die Periode der ersten bislang nachweisbaren dauerhaften Besiedlung im 7. Jahrtausend, in der zwischen zentraler Ägäisküste und dem Marmarameer neue Lebens- und Wirtschaftsräume erschlossen worden sein dürften. Aus der intensiv geführten Debatte zur Ausbreitung neolithischer Lebensweise aus den Kerngebieten bis nach Westanatolien und den damit verbundenen Prozessen, stellen die archäologischen Daten zur Wirtschaftsform einen entscheidenden Interpretationsfaktor dar.
Neue archäozoologische und archäologische Einzelstudien in Barcın Höyük, Aktopraklık und Çukuriçi Höyük sowie bereits bekannte Resultate anderer Siedlungen zeigen, dass bereits voll entwickelte neolithische Wirtschaftsweisen vorhanden waren, die in unterschiedlichen Varianten nachweisbar sind. Das Spektrum der erbeuteten Wildtiere und die Hautierhaltung mit ihren Sekundärprodukten wie Milch und Fell/Leder demonstrieren regionale Adaptionen der prinzipiellen wirtschaftlichen Grundlagen, die als bewusste Subsistenzstrategien der Regionalgruppen interpretiert werden können. Besonders deutlich wird dies auch im Umgang mit lokalen Ressourcen und der Nutzung ökologischer Rahmenbedingungen, wie dem Meereszugang oder der regionalen Fauna und Flora.
Die Begrenzung eines „klar umrissenen Wirtschaftsraumes“ ist für den ältesten sesshaften Horizont in der Westtürkei nur bedingt möglich und im Sinne der Existenzgrundlagen zunächst auf eine siedlungsbezogene Mikroregion begrenzt. Die gezielte Ausbeutung von speziellen Rohstoffen, wie Ton und Gesteine/Minerale, lässt auf eine aktive und intensive Nutzung des mikroregionalen Umlandes schließen. Über diesen engen Wirtschaftsraum hinaus zeigen sich auch Indikatoren für überregional mobile Gruppen, wie beispielsweise am Austausch von Obsidian in Netzwerken und den Fang von Thunfisch. Diese auf Mobilität basierenden Netzwerke spielen wohl auch eine tragende Rolle bei Wissenstransfer und technologischen Entwicklungen über weiter entfernte Regionen, lassen sich aber nur sehr bedingt auch konkret definieren.

Literatur
• C. Lichter (Hrsg.), How Did Farming Reach Europe? Anatolian–European Relations from the Second Half of the 7th through the first half of the 6th Millennium Cal BC. Proceedings of the International Workshop Istanbul, 20–22 May 2004, Byzas 2 (Istanbul 2005)
• Ç. Çilingiroğlu, The concept of "Neolithic package": considering its meaning and applicability,  Documenta Praehistorica 32, 2005, 1–13
• B. S. Arbuckle, The early management of cattle (Bos taurus) in Neolithic central Anatolia, Antiquity 83, 2009, 669-686
• A. Galik – B. Horejs, Çukuriçi Höyük – Different Aspects of its Earliest Settlement Phase, in: R. Krauß (ed.), Beginnings. New Approaches in Researching the Appearing of the Neolithic between Northwestern Anatolia and the Carpathian Basin. Workshop held at Istanbul Department of the German Archaeological Institute, April 8th-9th 2009

 

B. Aksoy: Zur Definition von zentralen und peripheren Bereichen im frühbronzezeitlichen Nordwestanatolien

Seit den 90er Jahren verbreitet sich die Vorstellung, dass die Binnenwege zwischen der Ägäis und dem Orient eine wichtige Rolle bei der Entstehung von wirtschaftlichen und politischen Räumen gespielt haben. Besonders die Untersuchungen im Raum Eskişehir sprechen für eine solche Entwicklung. Die siedlungsgeographischen Untersuchungen und Vergleiche ermöglichen ein differenziertes Bild in der Frühbronzezeit.
Eine Rekonstruktion der Demographie kann auch wirtschaftliche Grenzen sichtbar machen. Größere Siedlungen brauchen größere Einzugsbereiche. Der Umfang bzw. die Ausdehnung jener Einzugsbereiche kann jedoch unterschiedlich sein und dementsprechend können die Siedlungen als lokale oder regionale Zentren definiert werden. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Auswertung von Landnutzungspotential einzelner Siedlungen. Wie viel Prozent ihres Einzugsbereiches eine Siedlung in Anspruch genommen hat, ermöglicht eine Vorstellung über ihre wirtschaftliche Grundlage. In den vorgeschichtlichen Kontexten haben wir es meistens mit einer auf Subsitenz basierenden Wirtschaftsweise zu tun. Aber gerade für diese Zeit ermöglicht die Zusammenstellung dieser Daten ein Bild, in dem wir zentrale und periphere Bereiche erkennen können.  Denn es ist durchaus möglich, dass die Gebiete unterschiedlich besiedelt und vernetzt sind.
Im Vortrag soll zunächst die sogenannte Subsistenzwirtschaft diskutiert werden, um anschließend die Regionen Bursa und Eskişehir einander gegenüber zu stellen. Die Verbindung zwischen beiden Regionen ist schon in der früheren Forschung angesprochen worden. Beispielsweise hat man anhand der Keramik festgestellt, dass sie zu einer größeren Einheit zusammengefasst werden können. Bezieht man jedoch weitere Aspekte mit ein, ergibt sich eher ein Bild Bursas als Randgebiet. Offen bleibt letztlich die Frage, inwieweit wir dieses Phänomen als geschlossenen Wirtschaftsraum interpretieren können.

Literatur
• T. Efe, The Theories of the ‘Great Karavan Route’ between Cilicia and Troy the Early Bronze Age Period III in Inland Western Anatolia, Anatolian Studies 57, 2007, 47-64.
• Ö. Çevik, Ö., The emergence of diffrent social systems in Early Bronze Age Anatolia, urbanisation versus centralization, Anatolian Studies 57, 2007, 131-140.
• D. Groh, Strategien, Zeit und Ressourcen. Risikominimierung, Unterproduktivitat und Mußepräferenzen - die zentralen Kategorien von Subsistenzökonomie, Prokla 67, 1987, 7-34.

 

O. Hülden: Überlegungen zu den antiken Wirtschaftsstrukturen der Kibyratis

Die Überlegungen hinsichtlich der antiken Wirtschaftsstrukturen in der Kibyratis basieren auf den von Th. Corsten und mir durchgeführten archäologisch-historischen Feldforschungen in diesem Hochland, das an der Nahtstelle Lydiens, Phrygiens, Pisidiens, Lykiens und Kariens gelegen ist und neben ausgedehnten Ackerflächen aus regelrechten Hochgebirgszonen besteht. Benannt ist die Region nach der hellenistisch-kaiserzeitlichen Stadt Kibyra, als dessen Territorium sie zumindest größtenteils zu betrachten ist. Damit ist bereits die Frage nach den Grenzen dieses nicht nur politischen, sondern auch wirtschaftlichen Raumes und deren Veränderbarkeit im Laufe der Zeit gestellt. Das von Pisidern erst in (früh-)hellenistischer Zeit gegründete Kibyra besaß nämlich offenbar eine lydische Vorgängersiedlung, die wir in ca. 10 km Entfernung auf einer an einem See gelegenen Halbinsel lokalisieren konnten. Diesem ‚Alt-Kibyra’ kam sicherlich auch schon eine Funktion als Zentralort innerhalb der Region zu, ob sein Umland allerdings dieselben Grenzen besaß wie dasjenige des späteren Kibyra, ist hingegen bislang fraglich.
Aus dieser Situation resultiert eine Zweiteilung meines Vortrags: Einerseits werde ich mich mit ‚Alt-Kibyra’ und seiner Stellung als Zentralort beschäftigen, wobei sich diese Überlegungen fast ausschließlich auf archäologische Befunde stützen müssen. Andererseits werde ich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kaiserzeit beleuchten, die sich hauptsächlich aus einer verhältnismäßig reichen epigraphischen Evidenz ergeben.

Literatur
http://www.klass-archaeologie.uni-muenchen.de/projekte/kibyratis/publika...
• Th. Corsten, Estates in Roman Asia Minor. The Case of Kibyratis, in: St. Mitchell – C. Katsari (Hrsg.), Patterns in the Economy of Roman Asia Minor (Swansea 2005) 1–51.

 

S. Haps: Das Zentralheiligtum des Iupiter Dolichenus in der Kommagene. Überlegungen zu Bauprozessen und Transportwegenetz in römischer Zeit

Das Forschungsvorhaben 'Bauprozesse und Erschließungsstrategien im Osten des Römischen Reichs. Der Ausbau der Grenzregion Kommagene im 1.–3. Jahrhundert n. Chr.' setzt an Fallstudien an, die aufgrund ihrer Lage in der Region und Einbindung in das Wegenetz eine besondere Rolle spielten. Doliche – eine in römischer Zeit erweitere Stadt (u. a. mit erhaltener, ausgedehnter kaiserzeitlicher Felsnekropole), Etappenort des römischen Heeres am Knotenpunkt überregionaler Straßen (die u. a. über das Taurusgebirge im Westen und über einen der wichtigsten Euphratübergänge bei Zeugma im Osten führen) und Ort des Zentralheiligtums des Iupiter Dolichenus-Kults – bietet hierfür den Ausgangspunkt. Wesentliche Bereiche des Heiligtums auf dem über 1.200 m hohen Dülük Baba Tepesi bei Doliche konnten durch die Forschungsstelle Asia Minor in den vergangenen Jahren freigelegt und von Seiten der Bauforschung begleitend untersucht werden. Ziel des Forschungsvorhabens ist es nun, aufbauend auf diesen Vorarbeiten, mit Methoden der archäologischen Bauforschung, geologisch-mineralogischen Analysen zur Herkunft der Baumaterialien sowie der Auswertung von Satellitenaufnahmen zur Untersuchung des antiken Wegenetzes, fallstudienartig Fragen nach bauhistorischen und parktisch-technischen Aspekten des intensivierten Ausbaus in römischer Zeit – unter Berücksichtigung von ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Einflussfaktoren – zu diskutieren.
Der Beitrag sucht, ausgehend von den bisherigen Erkenntnissen aus den Forschungen im Zentralheiligtum des Iupiter Dolichenus, den Ausbau der Kommagene in der Römischen Kaiserzeit in ersten Ansätzen nachzuverfolgen. Eine differenzierte Betrachtung der Befunde im Heiligtum lässt eisenzeitliche, aus Kalkbruchsteinen bestehende Vorgängeranlagen, sowie mehrere Phasen des Ausbaus in römischer Zeit erkennen: in die frühe Kaiserzeit datierte, aus Kalkstein bestehende Architekturfragmente, deren Baumaterial wie das der überwiegenden Fundamentzüge und Mauern aus einem Steinbruch westlich des Temenos zu bestehen scheint; ferner die Einbringung größerer Mengen von Basaltlava aus mehreren Kilometern Entfernung auf den – die Umgebung um 300 m überragenden – Dülük Baba Tepesi in der mittleren Kaiserzeit (Verbauung als Bodenpflaster und Treppenanlage, Datierung als terminus post quem gemäß Funden im Unterbau). Regional vorhandene Bodenschätze (Kalkstein und Basalt) scheinen – das zeigen auch die bisherigen Exkursionen und Begehungen – ein wesentlicher Faktor für das Baugeschehen in der Grenzlandschaft Kommagene in römischer Zeit gewesen zu sein; ihre Gewinnung im Kontext mit der Nutzung/Erweiterung der Infrastruktur soll angesprochen und der regionale Ausbau im Hinblick auf die geographischen Gegebenheiten sowie wirtschaftliche Grundlagen diskutiert werden.

Literatur
http://www.doliche.de/kommagene/literatur/
http://www.doliche.de/grabung/literatur
• A. M. Comfort, Roads on the frontier between Rome and Persia: Euphratesia, Osrhoene and Mesopotamia from AD 363 to 602 (Exeter 2008)
• Th. Kissel, Konstanten der Infrastruktur. Historische Wegekontinuität im nordsyrisch-obermesopotamischen Kulturraum am Beispiel der Flußübergänge am mittleren Euphrat, in: L. Schumacher (Hrsg.), Religion – Wirtschaft – Technik. Althistorische Beiträge zur Entstehung neuer kultureller Strukturmuster im historischen Raum Nordafrika/Kleinasien/Syrien, Mainzer Althistorische Studien 1 (St. Katharinen 1998) 147–178.
• K. Ruffing, Wege in den Osten. Die Routen des römischen Süd- und Osthandels (1. bis 2. Jahrhundert n. Chr.), in: E. Olshausen – H. Sonnabend (Hrsg.), Zu Wasser und zu Land. Verkehrswege der antiken Welt. Stuttgarter Kolloquium zur historischen Geographie des Altertums 7, 1999, Geographica Historia 17 (Stuttgart 2002) 360–378.
• J. Wagner, Die Römer an Euphrat und Tigris, Antike Welt 16, 1985, Sondernummer.
• O. Stoll, Silvanus im Steinbruch. Kulturtransfer durch Soldaten der legio IIII Scythica in Syrien?, in: L. Schumacher (Hrsg.), Religion – Wirtschaft – Technik. Althistorische Beiträge zur Entstehung neuer kultureller Strukturmuster im historischen Raum Nordafrika/Kleinasien/Syrien, Mainzer Althistorische Studien 1 (St. Katharinen 1998) 99–143.

 

S. Feuser: Hafen und Hinterland. Die Bedeutung kleinasiatischer Hafenstädte für die Etablierung von Wirtschaftsräumen im vormodernen Anatolien

Hafenstädte in vormoderner Zeit sind nicht ohne ein entsprechendes Hinterland zu denken, das sich nicht zwangsläufig mit dem politischen Einflussbereich decken muss. Gemeinsam etablieren Hafen und Hinterland einen Wirtschaftsraum, dessen Entwicklung und Größe durch die natürlichen Faktoren „Windrichtungen" und „Strömungsverhältnisse" zusätzlich beeinflusst werden. In einem ersten Teil des Vortrages soll das Phänomen „Hafenstadt" definiert und seine Relevanz für die Etablierung von Wirtschaftsräumen herausgestellt werden. Das Verhältnis einer Hafenstadt zu ihrem Hinterland wird an dem Beispiel der im Nordwesten Kleinasiens gelegenen römischen Kolonie Alexandreia Troas untersucht. Die Stadt verfügte über ein geographisch kleines, wenig bedeutendes Hinterland, das aber mit dem unweit der Stadt in mehreren Steinbrüchen abgebauten und verarbeiteten grauen Granit - dem marmor Troadense - ein wichtiges Handelsgut bereithielt. Geographisch profitierte die Stadt von ihrer Lage an wichtigen Schifffahrtsrouten, die sich vor der Westküste der Troas trafen: nach Westen führte eine Route nach Nordgriechenland, entlang der Westküste Kleinasiens gelangte man nach Süden bis in die Levante und durch Hellespont und Bosporus führte ein Route nach Norden in das Schwarze Meer.
Ich werde versuchen herausstellen, auf welchen Grundlagen dieser Wirtschaftsraum florierte und welche Bedingungen schließlich seine Aufgabe herbeiführten. Daran anschließend soll in einem zweiten Teil die Bedeutung der Meerengen des Bosporus und des Hellespont für den Warenaustausch im östlichen Mittelmeerraum untersucht werden. Durch diese Meerengen wurden in der Antike zumeist Getreide und Sklaven aus dem Schwarzen Meer in das Mittelmeer transportiert, in die Gegenrichtung erfolgte der Handel mit Wein, Olivenöl und Handwerkserzeugnissen. Die Kontrolle des Seeweges war für die Getreideversorgung des klassischen Athen und des spätantiken und byzantinischen Konstantinopel grundlegend; auch die hellenistischen Herrscher zeigten ein großes Interesse an den Meerengen. Eine Kontrolle erfolgte jeweils über eine mehr oder weniger direkte Beeinflussung der im Bereich des Bosporus und Hellespont gelegenen Hafenstädte. Es soll gezeigt werden, welche Bedeutung die Meerengen und ihre naturräumlichen Gegebenheiten für die Etablierung von Wirtschaftsräumen im antiken Anatolien hatten.

Literatur
• C. Antunes, Early Modern Ports, 1500-1750, in: European History Online (EGO), published by the Institute of European History (IEG), Mainz 2010-12-03; http://www.ieg- ego.eu/antunesc-2010-en (30.04.2012).
• A. F. Burghardt, A Hypothesis about Gateway Cities, Annals of the Association of American Geographers 61, 1971, 269–285.
• S. Feuser, Der Hafen von Alexandria Troas, AMS 63 (Bonn 2009).
• Y. Karmon, Geographical Components in the Study of Ancient Mediterranean Ports, in: A. Raban (Hrsg.), Harbour Archaeology. Proceedings of the First International Workshop on Ancient Mediterranean Harbours, BAR IntSer. 257 (Oxford 1985) 1–6.
• A. Rubel, Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporus und Hellespont in der Antike, Historia 58, 2009, 336–355.

 

B. Ruhl: Zu den wirtschaftlichen Räumen der Inseln vor der kleinasiatischen Westküste. Das Fallbeispiel Gökçeada/Imbros

Die Inseln vor der kleinasiatischen Westküste bilden ein besonders interessantes Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft, das mit einem zeitlichen Fokus auf dem 6.–3. Jh. v. Chr. hinsichtlich der Korrelationen naturräumlicher Gegebenheiten und ökonomischer sowie politischer Entwicklungen untersucht wird. Alleinstellungsmerkmal von Inseln ist die Umgebenheit vom Meer. In der Antike nahm dasselbe eine ausgesprochen kommunikative Funktion (Seewege) ein, daneben eine schützende (vor Landmächten) und bedrohliche (vor Seemächten). Für die politische und ökonomische Stärke einer Insel war ihre Größe und Lage noch ausschlaggebender als Ressourcen. Für Inselbewohner stellte die Schifffahrt aufgrund der Umgebenheit vom Meer die ausschließliche Form der notwendigen Außenkontakte dar. Dies hatte nicht nur maßgebliche Auswirkung auf die Besiedlung und den Fernhandeln, sondern auch auf kriegerische Auseinandersetzungen, für die eine Flotte unabdingbar war. Die Herausbildung Athens zur maritimen Hegemonialmacht war für die Inseln im 5. Jh. v. Chr. auch in ökonomischer Hinsicht folgenreich. Welche Konsequenzen die Seebünde und die Ansiedlung von Klerouchen für die Wirtschaftsräume der Inseln hatte, die teils mehr teils weniger zu politisch kontrollierten Handelsregionen wurden, wird insbesondere am Fallbeispiel Imbros veranschaulicht. Die Insel geriet spätestens im 5. Jh. v. Chr. in den Besitz Athens und blieb dies, abgesehen von wenigen Unterbrechungen, bis in die mittlere Kaiserzeit. Dies sicherte Athen nicht nur das so wichtige Getreide aus dem Schwarzmeergebiet, sonder auch aus Imbros selbst (Naturalsteuer). Die materiellen Hinterlassenschaften zeugen von der agrarischen Überproduktion, außerdem von einer eigenen Münzprägung sowie lokaler Keramik und Fernhandel. Um neben ökonomischen Partikularvorgängen des Wirtschaftssystems von Imbros in seiner Gesamtheit zu rekonstruieren bedarf es vorwiegen epigraphischer und literarischer Quellen, die jedoch beschränkt sind.

Literatur
• F. Lätsch, Insularität und Gesellschaft in der Antike. Untersuchungen zur Auswirkung der Insellage auf die Gesellschaftsentwicklung, Geogrphica Historica 19, hrsg. v. E. Kirsten (Stuttgart 2005).
• N. Salomon, Le cleruchie de Atene. Caratteri e funzione, Studi e tesi di storia antica, hrsg. v. M. Moggi, Band 6 (Pisa 1997).
• R. Stroud, The Athenian Grain-Tax Law of 374/3 B.C., Hesperia Suppl. 29, 1998.
• M. Thompson, Some Athenian ‘cleruchy’ money, Hesperia 10, 1941, 199–236.

Eventperiod

2012-05-25 - 2012-05-26

Eventlocation

DAI Istanbul, Lesesaal

Calendar

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  • 20/03/2014 - 20/09/2014

    Ausstellung / Exposición Blick Mira!

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  • 01/04/2014 - 04/04/2014

    The Horn of Africa in ancient times: phenomena of interregional contacts

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  • 01/04/2014 - 04/04/2014

    The Horn of Africa in ancient times: phenomena of interregional contacts

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  • 01/04/2014 - 04/04/2014

    The Horn of Africa in ancient times: phenomena of interregional contacts

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  • 03/04/2014 - 03/04/2014

    Lecture: Katja Piesker - Neues vom Göbekli Tepe. Zur Um-Baugeschichte der Anlage C und E

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  • 03/04/2014 - 03/04/2014

    Vortragsreihe am Donnerstag: Phönizische-punische Forschungen des CEFyP / ciclo de conferencias: los jueves feniciopúnicos del CEFyP

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  • 01/04/2014 - 04/04/2014

    The Horn of Africa in ancient times: phenomena of interregional contacts

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  • 07/04/2014 - 08/04/2014

    Kolloquium aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen

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  • 07/04/2014 - 08/04/2014

    Kolloquium aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen

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  • 09/04/2014

    SYRIEN – eine bedrohte Kulturlandschaft

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  • 09/04/2014 - 09/04/2014

    ΑΙΓΕΙΡΟΣ Vortragsreihe am Deutschen Archäologischen Institut Athen

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  • 23/04/2014 - 23/04/2014

    SYRIEN – eine bedrohte Kulturlandschaft

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  • 29/04/2014

    Griechen, Thraker und Römer in Bulgarien. Die archäologischen und kulturhistorischen Schätze des Landes

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  • 30/04/2014 - 30/04/2014

    SYRIEN – eine bedrohte Kulturlandschaft

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Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

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