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Buto/Tell el-Fara´in

4000 Jahre Landschafts- und Siedlungsgeschichte im westlichen Nildelta (Ägypten)

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Germany
31° 12' 50.6628" N, 30° 46' 41.4732" E

Abb.2: Topographischer Plan von Buto. © DAIAbb.1: Ruinen von Lehmziegelgebäuden auf dem Nordhügel von Buto © DAIDer etwa 1 km2 große Siedlungshügel von Buto (Tell el-Fara´in) liegt in der Schwemmlandschaft des nordwestlichen Nildeltas, etwa 40 km von der heutigen Küstenlinie des Mittelmeeres entfernt. Durch die noch hoch anstehenden Ruinen von Gebäuden aus ungebrannten Lehmziegeln (Abb.1) gliedert sich der Fundort topographisch in einen Nord- und einen Südkôm (Kôm = ägypt.: Hügel), sowie ein von einer mächtigen Umfassungsmauer umgebenes Tempelareal (Abb.2).

Background

Über den unter verschiedenen Namen aus schriftlichen Quellen bekannten Fundort ist bis heute archäologisch recht wenig bekannt. Englische Grabungen zu Beginn und in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts legten ptolemäisch-römische und saitische Baureste frei. Schwerpunkt der in den 1980er Jahren begonnenen Arbeiten des DAI war die frühe Besiedlung Butos, die bis in die erste Hälfte des 4. Jahrtausends zurückreicht.
   

Abb.4: Ptolemäische Doppelbrunnenanlage im Tempel von Buto nach der englischen Ausgrabung © DAIAbb.3: Anhängetäfelchen aus dem spätprädynastischen Königsgrab U-j in Abydos. Die aus Rinderrippen hergestellten Täfelchen waren an Grabbeigaben befestigt und bezeichneten ihre Herkunft © DAI

Der seit dem Neuen Reich unter dem Namen pr-W3dt („Haus (= Tempel) der (Göttin) Uto“, daraus abgeleitet der griechische Name Buto) bekannte Ort wurde nach der Gestalt des Ruinenhügels schon 1886 von W.M.F. Petrie mit einer in Schriftquellen genannten Doppelstadt Pe (P) und Dep (Dp) identifiziert, die in der Frühzeit Hauptstadt Unterägyptens gewesen sein soll und während der ganzen ägyptischen Geschichte als Gegenpol zu Hierakonpolis in Oberägypten in Kult und Mythos eine beträchtliche Bedeutung besaß. Ein anderer, vor allem im Alten Reich gebräuchlicher Name für Buto ist Dbcwt. Als bislang frühester Beleg findet sich die Namenshieroglyphe (ein Reiher auf einem Gebäude) auf Anhängetäfelchen aus dem spätprädynastischen (Naqada IIIA1) Grab U-j in Abydos (Abb.3).
Die heute noch sichtbaren Baureste stammen größtenteils aus ptolemäisch-römischer Zeit. Trotz zahlreicher Erwähnungen in Schriftquellen ist über Buto archäologisch bis heute nur wenig bekannt.
Erste archäologische Ausgrabungen wurden im Auftrag der Egypt Exploration Society (EES) 1904 von C.T. Curelly und 1965-67 von V. Seton-Williams und D. Charlesworth durchgeführt und legten vor allem ptolemäisch-römische sowie einige saitische Baureste frei (Abb.4). Die Ausgrabungen im Tempelbereich wurden in den 1980er Jahren von den Universitäten Alexandria und Tanta und der ägyptischen Antikenbehörde (SCA) fortgesetzt und erbrachten auch aus dem Neuen Reich stammende Bauteile und Statuen, u.a. auch eine Stele mit einem Stiftungsdekret Thutmosos’ III.
Die Arbeiten der Abteilung Kairo des DAI wurden in den frühen 1980er Jahren von W. Kaiser mit dem Ziel initiiert, das aus frühen Schriftquellen bekannte prä- und frühdynastische Buto des 4. und frühen 3. Jahrtausends zu lokalisieren und archäologisch zu erkunden. Die unter Leitung von Th. von der Way durchgeführten archäologischen Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg (J. Wunderlich) durch geomorphologische Untersuchungen zur Landschaftsentwicklung im westlichen Nildelta ergänzt. Durch Bohrungen auf dem Siedlungshügel gelang es erstmals, die bis dahin nur aus Maadi bekannte chalkolithische unterägyptische Kultur des 4. Jahrtausends auch im eigentlichen Nildelta nachzuweisen und nachfolgend (ab 1985) unter erheblichen technischen Schwierigkeiten (s. Methoden) archäologisch zu untersuchen. Die Arbeiten wurden 1993 bis 1998 von D. Faltings (eine Kampagne in Zusammenarbeit mit M. Ziermann) fortgesetzt.
Abb.6: Diese kleinen Gefäße wurden in levantinischer Tradition auf einem drehbaren Untersatz hergestellt  – die gleichzeitige ägyptische Keramik (vgl. Abb. 5) ist mit der Hand geformt bzw. aufgebaut © DAIAbb.5: Gefäße aus der prädynastischen Siedlung von Buto sind denen aus Maadi sehr ähnlich © DAIDie früheste Siedlung bestand aus einfachen Hütten mit Flechtwerkwänden und zeigt in der materiellen Kultur eine große Ähnlichkeit zur Siedlung von Maadi (Abb.5), ökonomische Grundlage war die Landwirtschaft. In der ältesten Siedlungsphase lebten vermutlich auch Kanaanäer in Buto, die hier aus lokalem Nilton Gefäße in der chalkolithischen Tradition der südlichen Levante herstellten (Abb.6). Da die Siedlung in Buto nicht, wie z.B. Maadi, in der Mitte des 4. Jahrtausends aufgegeben wurde, sondern kontinuierlich bis in frühdynastische (und spätere) Zeit weiterbestand, konnte hier in der materiellen Kultur der Siedlung der wachsenden oberägyptischen Einfluss in der 2. Hälfte des 4. Jahrtausends verfolgt und damit Informationen zu den kulturhistorischen Entwicklungen gesammelt werden, die im späten 4. Jahrtausend schließlich zur Entstehung des gesamtägyptischen Staates führten. Aus frühdynastischer Zeit wurde ein Teil eines größeren administrativen Gebäudekomplexes ausgegraben.

Objectives

Die Fragen der frühen Besiedlungsgeschichte sind nach wie vor ein Schwerpunkt der Arbeiten. In den letzten Jahren ist zudem die Erkundung der allgemeinen Siedlungsgeschichte und -topographie Butos und ihre Verzahnung mit den naturräumlichen Gegebenheiten und der Entwicklung der umgebenden Altlandschaft in den Blickpunkt gerückt.
Durch ein in Kooperation mit der Abteilung Kairo des DAI durchgeführtes Projekt der Universität Poitiers (Leitung P. Ballet) zu industriellen Aktivitäten in ptolemäisch-römischer Zeit werden ab 2002 zudem die späten Siedlungsaktivitäten systematisch untersucht. 

Methodology

Abb.7: Handbohrgerät zur Bodenerkundung © DAIAbb.8: Die meist sehr kleinen Scherben aus den Bohrungen sind ausreichend für eine grobe Zeitbestimmung © DAIAngesichts der Größe des Siedlungshügels sind Ausgrabungen alleine für die Erforschung der Besiedlungsgeschichte nicht ausreichend und müssen durch andere Arbeitsmethoden ergänzt werden. Besonders bewährt hat sich die Kombination von Bohrungen, Magnetometermessungen und Oberflächenbegehungen, deren Ergebnisse sich gegenseitig zu einem dreidimensionalen Bild der Siedlungsentwicklung und –topographie ergänzen und zudem einen wertvolle Hilfe bei der zielgerichteten Auswahl von exemplarischen Grabungsflächen für verschiedene Fragestellungen sind.

Angesichts der Größe des Siedlungshügels sind Ausgrabungen alleine für die Erforschung der Besiedlungsgeschichte nicht ausreichend und müssen durch andere Arbeitsmethoden ergänzt werden. Besonders bewährt hat sich die Kombination von Bohrungen, Magnetometermessungen und Oberflächenbegehungen. Mit Bohrungen lassen sich mit Hilfe eines einfachen Handgeräts (Abb.7) in relativ kurzer Zeit Mächtigkeit und Ausdehnung von Siedlungsschichten bis tief unter die heutige Oberfläche erkunden. Das im Bohrkopf zutage geförderte Material erlaubt nicht nur Angaben zur Art der durchbohrten Schichten (z.B. Lehmziegelmauern, Brandhorizonte, Scherbenpackungen, Nilsedimente usw.), sondern enthält auch genügend Keramikfragmente, die eine zumindest grobe Datierung der Schichten erlauben (Abb.8). Der Bohrkopf wird jeweils nach ca. 20cm Vortrieb gefüllt entnommen und aus der Abfolge der gemachten Beobachtungen ergibt sich ein Profil der Siedlungsschichten bis zum gewachsenen Boden. Die Tiefe der Bohrungen schwankt entsprechend des Reliefs der Oberfläche und des natürlichen Untergrundes - die bisher tiefste Bohrung erreichte fast 14m (Abb.9). Durch die systematische Anlage der Bohrungen in einem 40 x 80m messenden Gitternetz lassen sich ihre jeweiligen Ergebnisse gut miteinander vergleichen und daraus die Ausbreitung der Siedlung für verschiedene Zeiten rekonstruieren (siehe z.B. Abb. 13, 14 und 18).
Abb.9: Durch eine Verlängerung des Bohrgestänges können größere Tiefen erreicht werden © DAIDie von Th. Herbich (Polnische Akademie der Wissenschaften, Warschau) durchgeführten Magnetometermessungen (Abb.10) ergaben dagegen einen erstaunlich detaillierten „Stadtplan“ der oberflächennahen (aber oberflächlich nicht sichtbaren) Baustrukturen und anderen Befunden bis in eine Tiefe von etwa 1,50 m (Abb.11). Besonders deutlich zeichnen sich gebrannte Strukturen oder Objekte ab, wie z.B. Öfen, Asche-, Schlacke- oder Scherbenkonzentrationen, aber auch Lehmziegelmauern sind deutlich erkennbar. Durch die Kombination beider Methoden wird der „Stadtplan“ der jüngsten Besiedlungsreste um Informationen zu darunter liegenden, älteren Siedlungsschichten ergänzt, d.h. man gewinnt ein dreidimensionales Bild von der Entwicklung des Siedlungshügels, das auch bei der Wahl geeigneter Grabungsplätze von großer Hilfe ist. Weitere Informationen zur Datierung und Funktion bestimmter Siedlungsbereiche der jüngsten Siedlungsphase sind zudem durch Begehungen und die Sammlung von keramischen Oberflächenmaterial zu gewinnen.    

Die archäologische Erkundung früher Siedlungsschichten durch Ausgrabungen stößt in Buto auf besondere Schwierigkeiten. Die Arbeiten werden nicht nur durch die überlagernden, meist mehrere Meter mächtigen Baureste späterer Zeit erschwert, sondern auch dadurch, dass die Siedlungsschichten des 4. Jahrtausends unter dem heutigen Grundwasserspiegel liegen und nur durch den Einsatz von Pumpen zu erreichen sind, wodurch die Größe der Grabungsflächen beträchtlich beschränkt wird (Abb.12).

Abb.10: Magnetometermessung durch Th. Herbich © DAI Abb.11: Magnetometerkarte der bisher untersuchten Fläche © DAI Abb.12: Einsatz von Pumpen bei den Ausgrabungen von Th. von der Way in den 1980er Jahren © DAI

Current research

Abb.14: Lage der Siedlung in frühdynastischer Zeit und im Alten Reich © DAIAbb.13: Lage der Siedlung in der 1. Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. © DAIDie bisher durchgeführten Surveyarbeiten lassen die Umrisse der Siedlungsentwicklung in Buto vom frühen 4. Jahrtausend bis zum Ende des Alten Rechs und vom späten  8. Jahrhundert bis in frühislamische Zeit erkennen und die in verschiedenen exemplarische Ausgrabungen zutage gekommenen Befunde werfen Schlaglichter auf die Aktivitäten und Lebensverhältnisse der Bewohner zu verschiedenen Zeiten. Für das Mittlere und Neue Reich fehlen bisher jegliche Anzeichen einer Besiedlung. Die Arbeiten wurden von 2005 bis 2007 von der DFG unterstützt.

Mit den Ergebnissen der bisherigen Surveyarbeiten (Magnetometermessungen, Bohrungen) lassen sich die Umrisse der Siedlungsentwicklung in Buto bereits erkennen und die in verschiedenen exemplarische Ausgrabungen zutage gekommenen Befunde werfen Schlaglichter auf die Aktivitäten und Lebensverhältnisse der Bewohner zu verschiedenen Zeiten. Die Arbeiten wurden von 2005 bis 2007 von der DFG unterstützt.
Die ersten Siedler in der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends nutzten einen 200-300m breiten Geländestreifen am Ufer eines Wasserlaufs am westlichen Rand einer größeren Düne (Abb.13), die sich über das Niveau der jährlichen Nilüberschwemmungen erhob und damit genügend Schutz für ein dauerhaftes Bleiben bot. Im Laufe der Zeit breitete sich die Siedlung vor allem nach Norden aus und erstreckte sich in den ersten Jahrhunderten des 3. Jahrtausends schließlich über fast 1 km Länge (Abb.14). Für die frühdynastische Zeit erbrachten die Ausgrabungen nördlich des modernen Dorfes Sechmawy (vgl. Abb. 2, 15) in den letzten Jahren (Abb.16) einen beträchtlichen Informationszuwachs zur Gestalt des bereits von Th. von der Way angegrabenen Gebäudekomplexes aus der 1. und 2. Dynastie. Durch die Aufdeckung eines Eingangsbereichs und eines Magazintrakts wird seine Unterteilung in mindestens drei, durch dickere Mauern umschlossene funktionale Bereiche deutlich (Abb.17). Nach der vergesellschafteten Keramik dürfte das Gebäude, bei dem es sich wahrscheinlich um eine königliche Wirtschaftsanlage handelt, in der ersten Hälfte der 1. Dynastie, vielleicht unter Djer (um 2970 v.Chr.), errichtet und in der Mitte der 2. Dynastie (um 2800 v. Chr.) zumindest teilweise aufgegeben worden zu sein, nachdem ein Brand die Magazine und andere Gebäudeteile zerstört hatte. In einigen Grabungsflächen wurde bereits die Vorgängerbebauung aus der frühen 1. Dynastie erreicht, zu der auch eine große Zahl von Rundspeichern gehört.

Abb.15: Die Grabungsflächen nördlich des Dorfes Sechmawy. Im Vordergrund das Fundament eines saitischen Gebäudes, im Hintergrund die nur noch wenige Ziegellagen hoch erhaltenen Mauern des frühdynastischen Gebäudekomplexes © DAI Abb.16: Einige Mauerzüge des Gebäudeskomplexes aus der 1./2. Dynastie © DAI Abb.17: Vorläufiger Plan des frühdynastischen Gebäudekomplexes © DAI

Baustrukturen aus dem Alten Reich wurden bisher nur im Nordwesten Butos freigelegt (vgl. Abb. 2), sind aber noch nicht näher untersucht. Am Ende des Alten Reichs wurde Buto verlassen. Grund dafür könnte nach ersten geomorphologischen Untersuchungen die Verlagerung des Wasserlaufs im Westen der Ansiedlung gewesen sein.
Weder bei Bohrungen noch bei Ausgrabungen fanden sich bisher Siedlungsschichten des Mittleren und Neuen Reichs. Einzige Funde aus dem Neuen Reich stammen aus dem Tempelbereich (siehe oben) und könnten, wie damals in Ägypten durchaus üblich, zur spätzeitlichen Ausstattung des Tempels auch aus anderen Orten herbeigeschafft worden sein. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass eine kleinere Siedlung des Neuen Reichs außerhalb des heute sichtbaren Ruinenhügels noch verborgen unter den umgebenden Feldern liegt.
Abb.19: Elitebestattung der Dritten Zwischenzeit in einem usurpierten Granitsarkophag © DAIAbb.18: Lage der Siedlung in der 3. Zwischenzeit (spätes 8. Jh. v. Chr.) © DAIEine umfangreiche Neubesiedlung des Platzes findet erst im späten 8. Jahrhundert v. Chr. statt. Das Siedlungszentrum lag aber jetzt weiter im Osten auf mittlerweile durch die Nilsedimentation deutlich erhöhtem Niveau (Abb.18). Die noch anstehenden Ruinen aus der Frühzeit und dem Alten Reich wurden als Müllhalde und zur Lehmgewinnung für die Ziegelherstellung genutzt. Von besonderem Interesse sind zwei Elitegräber, die im Nordwesten Butos (vgl. Abb. 2) zutage kamen. Eine dieser ungestörten Bestattungen, wohl ein hoher Beamter oder ein bisher unbekannter Lokalfürst namens Paschemuherugeb war in einem Granitsarkophag beigesetzt, dessen Deckel vom Sarg eines hohen ramessidischen Beamten, Paraemheb, stammt und für dessen Unterteil ein Granitblock aus einem Gebäude von Pepi I. verwendet worden ist (Abb.19). Zur reichen Ausstattung des Grabes gehörten auch Armreife mit den Namen des Iupet II. (Regierungszeit etwa 754-720 v. Chr.), der bisher nur aus dem mittleren und östlichen Delta bekannt war. Wie die Armreife in den Besitz des Verstorbenen gelangten, ist nicht zu sagen.
Während der 26. Dynastie (7./6. Jahrhundert) vergrößerte sich die besiedelte Fläche beträchtlich und große Bereiche der Stadt werden in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts noch einmal umgestaltet. Einen Eindruck von dieser dichten Neubebauung vermittelt die Magnetometerkarte für den westlichen Siedlungsbereich mit der großen Zahl entlang einer Nord-Süd verlaufenden Straße angeordneter Häuser (vgl. Abb. 11). Drei dieser auch auf der Magnetometerkarte sichtbaren Gebäude (Abb.20) wurden exemplarisch untersucht, allerdings waren nur noch ihre Fundamente erhalten. Das größte der Gebäude misst etwa 22,5 x 22,5 m (Abb.21) und besaß ein über 3 m tiefes Fundament, d.h. es dürfte bestimmt mehrstöckig gewesen sein. Die Fundamentkammern wurden offensichtlich auch als Keller genutzt - in einigen fanden sich eingebaute Rundspeicher.
Abb.20: Ausschnitt aus der Magnetometerkarte mit markierten Grabungsflächen © DAIDiese Blüte Butos scheint allerdings nicht von langer Dauer gewesen zu sein, denn bereits in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts werden größere Teile der Stadt wieder aufgegeben und die Ruinen verlassener Häuser sekundär für Bestattungen genutzt (Abb.22).
 In ptolemäisch-römischer Zeit nahm die Stadt nicht nur den ganzen heutigen Siedlungshügel ein, sondern vermutlich auch noch eine beträchtliche Fläche unter den heutigen Feldern der Umgebung. Als wesentliche Veränderungen im Stadtbild zeichnen sich auf der Magnetometerkarte vor allem das von einer mächtigen Umfassungsmauer umgebene Areal im Südwesten des Siedlungshügels ab (vgl. Abb. 11). Vor allem im nördlichen Bereich markieren dunkle, von hellen Ringen umgebene Punkte (Abb.23) zur industriellen Keramikproduktion genutzte Öfen, die unter Leitung von P. Ballet in einem vom französischen Außenministerium geförderten Projekt der Universität Poitiers untersucht werden (Abb.24). Neben Haushaltsware wurde hier in römischer Zeit auch eine dünnwandige, rot engobierte Feinware hergestellt, die der sigillata im westlichen Mittelmeerraum ähnelt (Abb.25). Der nordwestliche Bereich Butos diente in dieser Zeit als Friedhof (Abb.26).    
In spätbyzantinisch/frühislamischer Zeit wurde Buto endgültig aufgegeben.

Abb.21: Kammerartiges Fundament eines saitischen Gebäudes © DAI Abb. 22: Fayenceamulette einer Bestattung aus der 2. Hälfte des 6. Jh. v. Chr. © DAI Abb. 23: Ausschnitt aus dem nördlichen Teil der Magnetometerkarte; die größeren dunklen Punkte markieren Keramikbrennöfen © DAI
Abb.24: Römische Töpferöfen am Nordhang des nördlichen Siedlungshügels (Foto P. Ballet)

Abb.25: In Buto hergestellte Feinware römischer Zeit (Foto P. Ballet)

Abb. 26: Spätptolemäisch-frührömische Bestattungen des 1. Jh. v. Chr. in Keramiksarkophagen © DAI

Cooperation / Cooperation partners

Supreme Council of Antiquities (SCA)
Universität Poitiers (P. Ballet)

Bibliography

Altgrabungen und Allgemeines:

W.M.F. Petrie, Ehnasya 1904. EEF 26. London 1905.

M.V. Seton-Williams, The Tell el-Farâ´în Expedition, 1964-1965, in: Journal of Egyptian
Archaeology 51, 1965, S. 9-15.
Dies., The Tell el-Farâ´în Expedition, 1966, in: Journal of Egyptian Archaeology 52, 1966, S.
163-171.
Dies., The Tell el-Farâ´în Expedition, 1967, in: Journal of Egyptian Archaeology 53, 1967, S.
146-155.
D. Charlesworth, Tell el-Farâ’în: The Industrial Site, 1968, in: Journal of Egyptian Archaeology
55, 1969, S. 23-30.
Dies., The Tell el-Farâ’în Excavation, 1969, in: Journal of Egyptian Archaeolgy 56, 1970, S. 19-
28.
D.B. Redford, Notes on the History of Ancient Buto, in: Bulletin of the Egyptological Seminar
5,1983, S. 67-101.
Sh. Bedier, Ein Stiftungsdekret Thutmosis’ III. aus Buto, in: M. Minas/J. Zeidler (Hrsg.),
Aspekte spätägyptischer Kultur (Festschrift E. Winter), Aegyptiaca Treverensia 7, Mainz 1994, S. 35-50.

Vorberichte in Publikationen der Abteilung Kairo:
 
Th. von der Way/K. Schmidt, Tell el Fara´in - Buto, 1. Bericht, in: MDAIK 42, 1986, S. 191-212.
Dies., Tell el Fara´in - Buto, 2. Bericht, in: MDAIK 43, 1987, S. 241-257.
Dies., Tell el Fara´in - Buto, 3. Bericht, in: MDAIK 44, 1988, S. 283-306.
Th. von der Way/K.Schmidt/E.C. Köhler, Tell el Fara´in - Buto, 4. Bericht, in: MDAIK 45, 1989,
S. 275-307.
D. Faltings/E.C. Köhler E.C., Vorbericht über die Ausgrabungen des DAI in Tell el-Fara´in/Buto
1993 bis 1995, in: MDAIK 52, 1996; S. 87-114.
D. Faltings u.a., Zweiter Vorbericht über die Arbeiten in Buto von 1996-1999, in: MDAIK 56,
2000, S. 31-179.
M. Ziermann, Tell el-Fara´in - Buto. Bericht über die Arbeiten am Gebäudekomplex der Schicht
V und die Vorarbeiten auf dem Nordhügel (site A), in: MDAIK 58, 2002, S. 461- 499.
U. Hartung u.a., Tell el-Fara´in - Buto, 8. Vorbericht, in: MDAIK 59, 2003, S. 199-267.
U. Hartung u.a., Tell el-Fara´in - Buto, 9. Vorbericht, in: MDAIK 63, 2007, S. 69-165.
U. Hartung u.a., Tell el-Fara’in – Buto, 10. Vorbericht, in: MDAIK 65, 2009 (im Druck).

Monographien und weitere Einzeluntersuchungen:

J. Wunderlich, Untersuchungen zur Entwicklung des Westlichen Nildeltas im Holozän,
Marburger Geographische Schriften 114, Marburg 1989.
Th. von der Way, Untersuchungen zur Spätvor- und Frühgeschichte Unterägyptens, SAGA 8,
Heidelberg 1993.
Ders., Tell el-Fara´in-Buto I, Ergebnisse zum frühen Kontext, Kampagnen der Jahre 1983-1989,
AVDAIK 83, Mainz 1997.
Ders., Zur Datierung des "Labyrinth-Gebäudes" auf dem Tell el-Fara´in (Buto), in: Göttinger
Miszellen 157, 1997, S. 107-111.
E.C. Köhler, Tell el-Fara´in-Buto III, Die Keramik von der späten Naqada-Kultur bis zum
frühen Alten Reich (Schichten III bis VI), AVDAIK 94, Mainz 1998.
D. Faltings, Ergebnisse der neuen Ausgrabungen in Buto, Chronologie und Fernbeziehungen
der Buto-Maadi-Kultur neu überdacht, in: H. Guksch/D. Polz (Hrsg.), Stationen - Beiträge zur Kulturgeschichte Ägyptens (Festschrift R. Stadelmann), Mainz 1998, S. 35-45.
Dies., Canaanites at Buto in the early fourth millennium BC, in: Egyptian Archaeology 13,
1998, S. 29-32.
Dies., The Chronological Frame and Social Structure of Buto in the Fourth Millennium
BCE, in: E.C.M. van den Brink/T.E. Levy (eds.), Egypt and the Levant. Interrelations from the 4th through the Early 3rd Millennium B.C.E., London/New York 2002, S. 165-170.
H. Wilde/K. Behnert, Salzherstellung im vor- und frühdynastischen Ägypten? Überlegungen
zur Funktion der sogenannten Grubenkopfnägel in Buto, MDAIK 58, 2002, S. 447-460.
Th. Herbich/U. Hartung, Geophysical investigations at Buto (Tell el-Fara´in), in: Egyptian
Archaeology 24, 2004, S. 14-17.
P. Ballet, The Graeco-Roman pottery workshops of Buto, in: Egyptian Archaeology 24, 2004, S.
18-19.
F. Förster, Eine saitische Votivstele aus dem Tempelbezirk von Buto/Tell el-Fara´in, in: MDAIK
60, 2004, S. 47-56.
M. Jost, Der Würfelhocker des Hr-3hbj.t, in: MDAIK 63, 2007, S. 185-192.

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