Go to: Content area More information Main navigation Overview Metanavigation Footer
Prähistorische Siedlung am Stadtrand von Kairo
Die prädynastische Siedlung von Maadi erstreckte sich auf einem in Ost-West-Richtung verlaufenden Wüstenrücken über etwa 1,5 km Länge und 200-300 m Breite. Das Siedlungsgebiet am südlichen Stadtrand von Kairo ist heute teilweise überbaut und die noch verbliebenen Reste sind vom rasanten Wachstum der modernen Stadt akut gefährdet (Abb.1).
Maadi ist neben Buto der namengebende Fundort für die chalkolithische unterägyptische Kultur des 4. Jahrtausends. Die Siedlung bestand etwa 300 Jahre und wurde in der Mitte des 4. Jahrtausends aufgegeben.
Der Fundort ist durch großflächige Grabungen von M. Amer und I. Rizkana (1930-1953, Universität Kairo) bekannt (Abb.2). 1999-2002 und 2006/07 fanden Nachuntersuchungen durch das DAI Kairo statt.
Als ökonomische Grundlage scheint neben der Landwirtschaft der Handel mit Palästina eine Rolle gespielt zu haben, der Unterägypten u.a. auch mit Kupfer versorgte.
Die Siedlung von Maadi (und zwei in der näheren Umgebung gelegene Friedhöfe) wurde durch großflächige Grabungen der Universität Kairo bekannt, die in den Jahren 1930-1953 von M. Amer und I. Rizkana, in den ersten Jahren (1930-33) in Zusammenarbeit mit dem DAI (O. Menghin, K. Bittel), durchgeführt wurden (Abb.2). Weitere Grabungen fanden in den späten 1970er Jahren durch die Universität Rom „La Sapienza“ und in den 1980er Jahren durch F.A. Badawi (Al-Azhar Universität Kairo) statt, der erstmals im westlichen, wegen eines dort bestehenden Militärlagers mit Sendestation früher nicht zugänglichen Teil der Siedlung arbeiten konnte. Ebenfalls in den 1980er Jahren wurde in Zusammenarbeit mit dem DAI und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft das bis dahin weitgehend unpubliziert gebliebene Material der Altgrabungen von J. Seeher gesichtet, bearbeitet und schließlich in vier Bänden veröffentlicht.
Die von 1999-2002 und 2005 durchgeführten Arbeiten dienten der Bestandsaufnahme der archäologischen Hinterlassenschaften des von Überbauung bedrohten Siedlungsareals und bildeten die Grundlage für eine Empfehlung an die ägyptische Altertümerverwaltung, den Bereich vor weiteren Baumaßnahmen zu schützen. Weitere wichtige Fragen betrafen die Stratigraphie der Siedlung, die Nachuntersuchung eines singulären Steinhauses und eventuelle metallurgische Aktivitäten in der Siedlung.
Neben Oberflächenbegehungen wurde mit Bohrungen die Ausbreitung und Mächtigkeit der Siedlungsschichten erfasst und erste Informationen zur Art der Schichtungen gewonnen, die in anschließenden Sondagen exemplarisch näher untersucht wurden. Magnetometermessungen erwiesen sich in Maadi als wenig geeignet, da vielerorts von der vorherigen Nutzung des Areals im Boden verbliebene Stahlbetonfundamente und Eisenträger die Messungen wesentlich beeinträchtigen.

Die neuen Arbeiten ergänzen das bei den Altgrabungen gewonnene Bild einer aus leichten Hütten bestehenden Siedlung, deren ökonomische Grundlage zwar die Landwirtschaft war, in der aber auch der Handel mit Südpalästina und der oberägyptischen Naqada-Kultur eine Rolle spielte. Neben importierten Rohstoffen und Objekten verweisen auch eingetiefte Steinbauten auf Einflüsse aus der südlichen Levante. Eine besondere Bedeutung dürfte die Einfuhr von Kupfer bzw. Kupfererz nach Maadi gehabt haben, deren Herkunft allerdings bisher noch nicht genauer anzugeben ist.
Während der in Kooperation mit der Universität Kairo (während der ersten Kampagne) und der ägyptischen Antikenverwaltung 1999-2002 durchgeführten drei Grabungskampagnen konnte ein Bild von den noch erhaltenen Siedlungshinterlassenschaften gewonnen und damit den ägyptischen Behörden eine Empfehlung für die Unterschutzstellung eines größeren Areals als archäologisches Denkmal gegeben werden.
Die Mächtigkeit der Siedlungsschicht beträgt durchschnittlich etwa 50-70 cm, selten 1 m oder 1,20 m. Holzpfostenreste von leichten Hütten, Windschirmen und Zäunen, z.T. mit Steinen umgebenen Feuerstellen, Gruben verschiedener Form und Größe, u.a. auch kleine Gruben mit verziegeltem Lehmausstrich, die vielleicht als Kochgruben benutzt worden waren und zahlreiche in den Boden eingetiefte Vorratsgefäße (Abb.3) illustrieren den Lebensalltag der Bewohner. Stellenweise fanden sich dickere Ascheschichten, die nicht nur von normalen Haushaltsfeuern stammen, sondern auf handwerkliche Tätigkeiten verweisen. Funde von kleinen Perlen geschmolzenen Kupfers könnten eine Verarbeitung dieses Metalls anzeigen. Auch ein Großteil der Keramik wurde wahrscheinlich lokal produziert. Im Inventar finden sich neben Schüsseln, Schalen und großen Vorratsgefäßen vor allem ovoide und kugelige Gefäße verschiedener Form und Größe, entweder einfach geglättet und zuweilen mit rotem Farbüberzug, besonders häufig aber mit schwarzer oder brauner, polierter Oberfläche (Abb.4). Neben Flint- und Knochengeräten wurde in der Siedlung auch Schmuck hergestellt (Abb.5) und Wolle verarbeitet (Abb.6). Zudem spielte der Handel wohl eine Rolle, jedoch sind im Gegensatz zu den Altgrabungen im jetzt untersuchten Siedlungsgebiet importierte Materialien und Objekte seltener. Verbindungen zur südlichen Levante werden durch einige Keramikfragmente und sog. Plattenschaber aus Flint angezeigt, letztere stammen vermutlich vom Sinai oder aus der Negev-Wüste. Aus Oberägypten gelangten z.B. Gefäße und ein großes Flintmesser (Abb.7) nach Maadi. Obwohl diese Funde zeigen, dass Verbindungen nach Palästina und Oberägypten bestanden, dürfte die ökonomische Grundlage der Siedlung die Landwirtschaft gewesen sein. Emmer, Gerste und einige Hülsenfrüchte sind nachgewiesen und Reibplatten zum Mahlen des Getreides sind häufige Funde. Ziegen, Schafe, Schweine und Rinder wurden gehalten und verzehrt, und auch der Fischfang spielte eine Rolle. Die Jagd hatte dagegen kaum Bedeutung, lediglich Wasservögel bereicherten gelegentlich die Speisekarte.
![]() |
![]() |
![]() |

Die Siedlung hat im jetzt untersuchten Bereich etwa 200 Jahre bestanden (ca. 3700-3500 v. Chr.), ohne dass sich in dieser Zeit ihre materielle Kultur wesentlich verändert hätte.
Dm Bild einer aus leichten Hütten bestehenden Siedlung stehen zwei außergewöhnliche Befunde gegenüber: Zum einen das bereits in der Mitte der 1980er Jahre von F.A. Badawi entdeckte und im Zuge der neuen Arbeiten noch einmal gereinigte, in den Boden eingetiefte Steinhaus und zum zweiten ein weiterer unterirdischer Bau, ein „Höhlenhaus“, der bei den Bohrungen entdeckt und nachfolgend ausgegraben wurde. Mehrere ähnliche Bauten waren auch bei den Altgrabungen im östlichen Teil der Siedlung zutage gekommen.
Das fast exakt Ost-West orientierte Steinhaus (Abb.8) hat einen rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken (der Innenraum misst ca. 8,5 x 4 m) und ist etwa 2 m in den Boden eingetieft. Die Mauern sind sorgfältig aus Bruchsteinen und größeren Geröllen gebaut und waren ursprünglich mit Lehmmörtel verputzt. An der Nordseite findet sich ein ebenfalls von Mauern eingefasster Zugang, der zur Wüstenoberfläche führt. In der Raummitte gaben drei große Gruben dicken Holzpfosten Halt, die eine Dachkonstruktion trugen. Auf dem Fußboden zeichnen sich zahlreiche kleine Mulden ab, in denen wahrscheinlich größere Vorratsgefäße standen (Abb.9). Das Dach ist etwa auf dem Niveau der das Haus umgebenden Oberfläche anzunehmen und bestand wahrscheinlich aus auf den Mittelpfosten ruhenden Querhölzern, die mit Matten und Lehmverstrich bedeckt waren (Abb.10).
Bei der zweiten Anlage (Abb.11) führt eine Steintreppe von Süden her (Abb.12) über einen etwas abschüssigen Korridor mit sorgfältig aus Geröllen gebauten und verputzten Mauern zu einem unterirdischen, ohne jegliche Aussteifung kuppelförmig in den Wüstenboden getriebenen Raum, dessen Fußboden etwa 4 m unter der heutigen Oberfläche liegt (Abb.13). Der Korridor war vermutlich mit flachen Kalksteinplatten und einer Lehmpackung abgedeckt (Abb.14). Nachdem ein Brand die hölzernen Stützpfosten vernichtet und zum Einsturz der Anlage geführt hatte, wurde die noch vorhandene Höhle weiterhin als Depot oder Versteck für Keramikgefäße und andere Gegenstände genutzt, zudem wohl auch als Werkstatt, z.B. zur Herstellung von Knochengeräten. Im Laufe der Zeit versandete die Grube immer mehr und wurde schließlich von der umgebenden Siedlung überlagert (Abb.15).
Bisher bleibt die Funktion dieser beiden Bauten noch unklar. Da sich für eine Nutzung als Gräber oder Heiligtümer keinerlei Hinweise fanden, dürfte ihr Zweck eher im praktisch-alltäglichen Bereich zu suchen sein. Vielleicht dienten sie als zentrale, wohltemperierte Vorratsräume, in denen verderbliche Waren vor der Hitze geschützt aufbewahrt werden konnten. Derartige Bauten sind bisher in Ägypten nur aus Maadi bekannt. Bei den Altgrabungen im östlichen Teil der Siedlung waren bereits vier ähnliche Strukturen, allerdings in viel einfacherer Ausführung, zutage gekommen. Vergleiche finden sich jedoch in Palästina, wo unterirdische Wohn- und Vorratsbauten in chalkolithischer Zeit vor allem für den Süden des Landes typisch sind, und rechteckige Steinbauten mit abgerundeten Ecken (allerdings nicht eingetieft) aus frühbronzezeitlichen Siedlungen bekannt sind. Die zahlreichen aus dieser Region stammenden Waren und Objekte, die bei den Altgrabungen gefunden worden waren, zeigen, dass beide Regionen in engem Kontakt standen. Einige Hinweise sprechen dafür, dass vielleicht sogar Kanaanäer zumindest zeitweise in der Siedlung lebten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass hier ein Zusammenhang besteht und zumindest die Idee solcher Bauten über diese Beziehungen nach Ägypten gelangte. Ob die Anlagen vielleicht sogar von Kanaanäern gebaut und genutzt wurden, ist durch archäologische Funde bisher nicht zu belegen.
Obwohl die Feldarbeiten in Maadi vorerst abgeschlossen sind, steht die Siedlung im Rahmen eines Projekts, das der Frage der Herkunft des Kupfers bzw. Kupfererzes im prädynastischen Ägypten [www.dainst.org/project/kupferversorgung] nachgeht, weiterhin im Blickpunkt des Interesses. Maadi ist der bisher einzige prädynastische Fundort in Ägypten, wo sich neben Kupfererz (Malachit) und verschiedenen Kupfergeräten auch Kupferbarren fanden (Abb.16). Diese scheinen zu Gussformen zu passen, die in den letzten Jahren bei Arbeiten der Orientabteilung des DAI in Hujayrat al-Ghuzlan bei Aqaba/Jordanien zutage kamen. Ob zwischen den beiden Siedlungen möglicherweise Handelsverbindungen bestanden bzw. woher die in Maadi gefundenen Kupferobjekte und Erze stammen, soll nun durch archäometallurgische und andere naturwissenschaftliche Untersuchungen geklärt werden.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Die Grabungsarbeiten wurden in Kooperation mit der ägyptischen Altertümerverwaltung (SCA) und der Universität Kairo, Archäologische Fakultät, (während der ersten Kampagne) durchgeführt, die Untersuchung der archäobotanischen Funde erfolgt in Zusammenarbeit mit der Universität Helwan. Der Frage der Herkunft des Kupfers in Maadi wird gemeinsam mit der Geologischen Fakulät der Universität Kairo, dem Deutschen Bergbaumuseum Bochum und der Orientabteilung des DAI nachgegangen.
Prof. Dr. Andreas Hauptmann (Deutsches Bergbaumuseum Bochum, archäometallurgische Untersuchungen)
I. Rizkana/J. Seeher, Maadi I, The Pottery of the Predynastic Settlement, AVDAIK 64, Mainz
1987;
I. Rizkana/J. Seeher, Maadi II, The Lithic Industries of the Predynastic Settlement, AVDAIK
65, Mainz 1988;
I. Rizkana/J. Seeher, Maadi III, The Non-lithic Small Finds and the Structural Remains of the
Predynastic Settlement, AVDAIK 80, Mainz 1989;
I. Rizkana/J. Seeher, Maadi IV, The Predynastic Cemeteries of Maadi and Wadi Digla,
AVDAIK 81, Mainz 1990;
J. Seeher, Maadi – eine prädynastische Kulturgruppe zwischen Oberägypten und Palästina, in:
Prähistorische Zeitschrift 65, 1990, S. 123-156;
F.A. Badawi, A Preliminary Report on 1984-86 Excavations at Maadi-West, in: MDAIK 59,
2003, S. 1-10.
U. Hartung/M. Abd el-Gelil/A. von den Driesch/G. Fares/R. Hartmann/Th. Hikade/Ch. Ihde,
Vorbericht über neue Untersuchungen in der prädynastischen Siedlung von Maadi, in: MDAIK 59, 2003, S. 149-198.
U. Hartung, Predynastic subterranean dwellers in Maadi, Cairo, in: Egyptian Archaeology 22,
2003, S. 7-9.
U. Hartung, Maadi, fouille de sauvetage aux confins du Caire, in: Archéo-Nil 13, 2003, S. 29-
36.
U. Hartung, Rescue Excavations in the Predynastic Settlement of Maadi, in: S.
Hendrichx/R.F. Friedman/K.M. Cialowicz/M. Chlodnicki (eds.), Egypt at its Origins. Studies in Memory of Barbara Adams, Leuven 2004, S. 337-356.
U. Hartung, Bemerkungen zur Architektur und Chronologie der unterirdischen und
halbunterirdischen Bauten in der prädynastischen Siedlung von Maadi, in: E. Czerny/I. Hein/H. Hunger/D. Melman/A. Schwab (Hrsg.), Timelines, Studies in Honour of Manfred Bietak, Volume II, Leuven 2006, S. 35-44.
The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.