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frühchristliche und mittelalterliche Pilgerstadt
rund 60 km westlich von Alexandria und rund 20 km von der Küste entfernt
Verlassene frühchristliche Pilgerstätte.
Klärung der Hauptbauten und der Stadtanlage in ihrer Gesamtheit.
Archäologische Klärung der baugeschichtlichen Entwicklung und Gestalt der wichtigsten öffentlichen Gebäude und Kulteinrichtungen wie auch der allgemeinen Stadtanlage in ihrer Gesamtheit. Erstellung eines Keramikkorpus der frühchristlichen und mittelalterlichen Keramik, bzw. eines entsprechenden Werkes der in stratigraphischen Grabungen gewonnenen Münzfunde, die wesentlich zum Verständnis der geschichtlichen Entwicklung des Ortes beitragen. Bearbeitung und Restaurierung der in einigen Einzelgebäuden (auch der unmittelbaren Nachbarschaft) freigelegten z.T. künstlerisch hochwertigen Malereien des 6. Jahrhunderts.
Stratigraphische Freilegung und steingerechte zeichnerische Aufnahme aller angetroffenen Gebäudereste.
Für die Klärung des Verlaufs der Stadtmauer, von der über große Strecken nur die längst wieder zugewehten, unterirdischen Fundamentgräben nachweisbar waren, wurden geophysikalische Untersuchungen (elektrischen Erdwiderstandsmessungen) durchgeführt. Die Gestalt der frühchristlichen Stadtanlage wurde bisher nur oberflächlich erschlossen durch Kartierung (1:250) der an der Oberfläche sichtbaren sowie durch Verfolgung der Putzkanten sichtbar gemachten Mauerzüge.

Seit 1961 konnten die wichtigsten Bauten weitgehend geklärt werden. Gegenwärtig wird an den Herbergsbauten und ausgewählten Gebäuden aus dem Stadtgebeit gearbeitet. Da es sich bei Abu Mina um eine später nicht überbaute Siedlung handelt, trägt die Klärung dieser Gebäude wesentlich zum Verstänsnis der spätantiken Architektur in Ägypten bei.
Seit 1961 findet jährlich eine Grabungskampagne von wechselnd ein bis drei Monaten durch das DAI Kairo statt. Baugeschichtliche Klärung der Kirchenanlagen (Große Basilika, Gruftkirche, Nordbasilika, Ostkirche) und ihrer Nebengebäude, des Baptisteriums, des Doppelbades und einiger Pilgerunterkünfte. Beginn der Klärung der allgemeinen Stadtanlage mit Feststellung des Verlaufs der Säulenstraßen, Art der Wohnquartiere und Werkstätten (Keramiköfen und Weinkellereien).
Die laufenden Arbeiten betreffen die Freilegung und Restaurierung des Peristylbaus und der übrigen Herbergsgebäude auf der Nordseite des großen zentralen Pilgerhofes (Abb. Pilgerhof), sowie Abschlussarbeiten an dem sog. Ostrakahaus und der benachbarten Weinpresse, Aufnahme der mittelalterlichen Stadtanlage. Dokumentation des Fundmaterials, Bauplastik, Kleinfunde (aus Bein, Bronze und Glas), Münzen und Keramik.
Da die im Fruchtland gelegenen antiken Metropolen im Delta und Oberägypten bis auf wenige Ausnahmen noch heute als Siedlungsplätze dienen, sind die dort einst befindlichen antiken Bauten längst verloren, bzw. durch Neubauten ersetzt. In dieser Lage ist das am Wüstenrand gelegene Pilgerzentrum von Abu Mina von äußerster Wichtigkeit für das Verständnis der spätantiken Architektur in Ägypten.
Die mit einem dreischiffigen Querhaus versehene Große Basilika (Ende 5. Jh.) ist die größte bisher in Ägypten nachgewiesene Kirche. Die justinianische Gruftkirche III (6. Jh.) und die Ostkirche II gehören als Vierkonchenbauten zu einem in Ägypten sonst nicht vertretenen Bautypus. Die Nordbasilika repräsentiert dagegen mit dem basilikalen Vorgängerbau der Ostkirche die einheimische ägyptische Bauweise mit einem außerhalb Ägyptens nicht nachweisbaren westlichen Umgangstrakt. An Herbergsbauten wurden bisher drei verschiedene, offenbar die soziale Stellung der Besucher berücksichtigenden Typen erkannt. In dem für ärmere Besucher bestimmten zweiteiligen Peristylbau wurden die Gäste nur in den Portiken untergebracht. Von Bedeutung ist die als Inkubationszentrum zu deutende, sich um einen halbkreisförmigen Hof legende Bauanlage auf der Südseite der zentralen Kirchengruppe. Die zahlreichen Hausanlagen, von denen einige auch in Verbindung mit einer privaten Grabkapelle stehen, bieten ein deutliches Bild vom spätantiken Wohnhausbau in Ägypten. Auch einige mehrgeschossige Apartmenthäuser sind darunter. Die allgemeine Stadtanlage schließlich lässt deutlich die Hand eines planenden Architekten erkennen, dem die in der klassischen Antike herrschenden Vorstellungen über die wünschenswerte Gestalt einer Stadtanlage noch bewusst waren. Insofern kann Abu Mina als eine der letzten Stadtgründungen der Antike gelten. Im Gegensatz dazu fanden städtebauliche Planungsprinzipien in der Bauweise der sich seit der arabischen Eroberung (639/42) im Stadtgebiet ausbreitenden monophysitischen Neusiedler keine Berücksichtigung.
Ägyptischer Antikendienst; Franz Josef Dölger-Institut Bonn; Seminar für Christliche Archäologie der Universität Bonn
Dr. Peter Grossmann, c/o Deutsches Archäologisches Institut (DAI) in Kairo,
privat: Gregoriou Theologou 3 GR-11471 Athen, Tel. 0030210-6429924
C.M. Kaufmann, Die Menasstadt und das Nationalheiligtum der altchristlichen Aegypter. Ausgrabungen der Frankfurter Expedition am Karm Abu Mina 1905-1907. I (Leipzig 1910);
P. Grossmann, Abu Mina. I. Die Gruftkirche und die Gruft (AV 44, Mainz 1989); ders., Abu Mina II. Das Baptisterium (AV 54, Mainz 2004); J. Kościuk, Wczesnośredniowieczna osada w Abû Mînâ (Wrocław 2009) [polnisch, betr. die nachantike mittelalterliche Übersiedelung der antiken Stadt, engl. Übers. in Vorbereitung]
diverse Vorberichte in deutscher und englischer Sprache in:
Mitteilungen des DAI Kairo (MDAIK);
Archäologischer Anzeiger (AA);
Bulletin de la Société d'Archéologie Copte (BSAC);
zusammenfassende Berichte erschienen zuletzt in:
M. Krause (Hrsg.), Ägypten in spätantik-christlicher Zeit [Sprachen und Kulturen des christlichen Orients 4, 1998] 269-293; und in: D. Frankfurter (Hrsg.), Pilgrimage and Holy Space in Late Antique Egypt (Brill 1998) 281-302.
The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.