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Königsfriedhof der ägyptischen Frühzeit
Abydos liegt etwa 500km südlich von Kairo in der oberägyptischen Provinz Sohag. Der Friedhof Umm el-Qaab (arab. Mutter der Tonschalen) befindet sich in der Westwüste, ca. 1,5km vom Fruchtland entfernt und erstreckt sich über ein Gebiet von ca. 150m x 600m südlich eines Wadis, das aus einem im Westen steil aufragenden Höhenzug austritt.
Abydos liegt etwa 500km südlich von Kairo in der Provinz Sohag, ca. 10km westlich der Bahnstation Balyana (am Nil). Der Friedhof befindet sich bei der Ortschaft el-Araba, ca. 1,5km vom Fruchtland entfernt in der Westwüste. Er erstreckt sich über eine Fläche von ca. 150m x 600m südlich eines Wadis, das aus einem im Westen steil aufragenden Höhenzug austritt (Abb. 1)
Der prähistorische älteste Friedhofsabschnitt U auf einem Hochplateau gehörte vermutlich zu einer noch nicht lokalisierten Siedlung am Ausgang des Wadis im Bereich des Kom es-Sultan. Die günstige Verkehrslage am Schnittpunkt des im 4. Jt. wohl weiter westlich als heute verlaufenden Nils mit einem Verkehrsweg, der vom Roten Meer durch das Wadi Qena bis in die Oasen der Westwüste führte, dürfte für den Aufstieg des Ortes zu einem frühen Herrschaftszentrum entscheidend gewesen sein.
Der moderne Name Umm el-Qaab (arab. für Mutter der Tonschalen) geht auf die in den Schutthalden in großen Mengen verstreute spätzeitliche Opferkeramik zurück.
Untersuchung der baugeschichtlichen Entwicklung der frühen Herrscher- bzw. Königsgräber, Zuweisung der Grabanlagen und Erfassung ihres Inventars. Klärung der Chronologie und der Abfolge der Könige. Erstellung eines Keramikkorpus der vor-frühdynastischen Zeit, der aufgrund der eindeutigen Zuweisung der Keramikinventare an eine Abfolge von Grabanlagen bzw. an einzelne Herrscher als Grundlage für die Datierung von Keramiktypen an anderen Fundstellen dienen kann.
Erfassung der Spuren von Kultaktivitäten seit dem Mittleren Reich. (s. Projekt Osiris in Abydos)
Wie keine andere Denkmalgruppe spiegeln die Gräber der frühen Herrscher und Könige mit ihrer Architektur und Ausstattung den jeweiligen Entwicklungsstand der Gesellschaft und ihre religiösen Vorstellungen wider, zugleich sind sie eine der wichtigsten Quellen für die Chronologie der Frühzeit.
Ein Hauptanliegen ist das Verständnis der baugeschichtlichen Entwicklung vom einfachen Grubengrab zur frühen Monumentalarchitektur und den Pyramiden. In der Abfolge der Entwicklung und im Vergleich der ganz unterschiedlichen Grabanlagen werden die Ideen von der Rolle des Königs und der Fortsetzung des diesseitigen Lebens im Jenseits deutlich.
Den zweiten Schwerpunkt bildet die möglichst vollständige Erfassung des noch erhaltenen Inventars zur Rekonstruktion der ursprünglichen Ausstattung. Von besonderer Bedeutung ist zum einen die Bearbeitung der Keramik zur Erstellung eines Keramikkorpus, der auch als Grundlage für die Datierung an anderen Fundorten dienen kann, zum anderen die Auswertung des umfangreichen inschriftlichen Materials: Siegelabrollungen, Anhängetäfelchen und Gefäßaufschriften, Stelen u.a. als Quelle für die Chronologie, die Entwicklung der Schrift und der Verwaltungsstruktur.
Alle Gräber werden erneut freigelegt, detailliert aufgenommen und soweit erforderlich gesichert. Die Umgebung der Gräber und bisher nicht erfasste Bereiche der Nekropole werden von Schuttüberlagerungen gereinigt, um evtl. übersehene Gräber, Deponierungen sowie Spuren von Kultaktivitäten festzustellen. Sowohl die Füllung der Gräber als auch die Schutthalden werden durchgesiebt, um darin enthaltene Bestandteile der Grabausstattungen zu bergen.
Zur Gewinnung von möglichst vollständigen Inventarübersichten werden die über viele Museen verteilten Funde aus den früheren Grabungen erfasst und neu dokumentiert.
Da bei den früheren Ausgrabungen nur (häufig unzuverlässige bzw. unvollständige) Massenpläne erstellt wurden, werden alle Gräber erneut freigelegt, gereinigt und detailliert/ ziegelgerecht aufgenommen. Bei der Bauaufnahme wird besonders auf Indizien für verschiedene Bauphasen geachtet, aus denen sich häufig Anhaltspunkte für die Interpretation ergeben.
Bei den älteren Grabungen sind offenbar nur die Grabanlagen selbst freigelegt worden, Untersuchungen der Umgebung fanden nicht statt. Infolgedessen sind insbesondere im prädynastischen Friedhof U zahlreiche Gräber und bei den späteren Grabkomplexen einzelne Kammern übersehen worden.
Außerdem sind durch die frühe Aktivitäten von Grabräubern und die Ausgrabung des Mittleren Reiches zahlreiche Objekte aus den Kammern in die engere und weitere Umgebung gelangt. Die Hauptmenge der Beigaben findet sich daher weit verstreut in den bis zu 5m hoch anstehenden Schutthalden, die mit erheblichem Aufwand sämtlich durchgesiebt werden müssen. Durch die Kartierung der Fundverteilung, insbesondere der beschrifteten Stücke und der Keramik wird die Zuordnung der einzelnen Fundgruppen erschlossen.
Parallel zur Grabung in Umm el-Qaab werden die in alle Welt verstreuten Funde aus den früheren Ausgrabungen in einer Datenbank aufgenommen und die Fragmente anhand von Zeichnungen und Fotos mit den neuen Funden auf zusammengehörige Anschlusstücke (joins) abgeglichen.

Seit 1977 wurden der prädynastische Friedhof U mit ca. 650 Gräbern, die Gräber der letzten vordynastischen letzten Könige im Friedhof B sowie die Grabkomplexe des Aha, Athotis I, Dewen, Semerchet, Qa’a, Peribsen und Chasechemui untersucht. Außerdem wurden Sondagen am Grab des Wadj durchgeführt. Derzeit wird das Grabdes Djer freigelegt, das seit dem Mittleren Reich als Grab des Totengottes Osiris galt.
Dabei wurden wesentliche Anhaltspunkte für die Chronologie und Königsfolge der ägyptischen Frühzeit, ein neues Verständnis der Architektur der Königsgräber sowie ein vollständigeres Bild ihrer ursprünglichen Ausstattung gewonnen.
Die Nekropole umfasst drei Bereiche (Abb.2):
Friedhof U mit ca. 650 Gräbern aus prädynastischer Zeit (Naqada I-III, ca. 3700-3050 v.Chr.)
Friedhof B mit den Gräbern der letzten vordynastischen Herrscher (Irj-Hor, ‚Ka’, Narmer) sowie dem Grabkomplex des Aha, des Begründers der 1. Dyn. und dem nicht fertig gestellten Grab seines ephemeren Nachfolgers Athotis I (ca. 3050-2950 v.Chr.)
Sieben große Grabkomplexe der Könige Djer, Wadj, Dewen, Adjib, Semerchet und Qa’a sowie der Königin Meret-Neith aus der 1. Dynastie und die Gräber der beiden letzten Herrscher der 2. Dynastie Peribsen und Chasechemui (ca. 2950-2700 v.Chr.).
Bisher vollständig neu untersucht wurden die Friedhöfe U und B sowie die Grabkomplexe des Dewen, Semerchet, Qa’a, Peribsen und Chasechemui. Außerdem wurden Sondagen am Grab des Wadj durchgeführt. Derzeit wird der Grabkomplex des Djer freigelegt.
Zu Beginn galten die Nachuntersuchungen vornehmlich der in Petries Publikation sehr fragwürdigen Zuweisung der Grabanlagen im Friedhof B. Aufgrund der Bauausführung und beschrifteter Funde, insbesondere Siegelabrollungen gelang der Nachweis, dass die Doppelkammergräber B 1/2, B 7/9, B 17/18 den letzten vordynastischen Herrschern Iri-Hor‚Ka’ (Lesung unsicher) und Narmer zuzuweisen sind während die großen Kammern B 10/15/19 zusammen mit B 13/14 und den Nebengräbern B 16 sämtlich Aha, dem 1. König der 1. Dynastie, gehören.
Außerdem wurde noch eine bislang unbekannte Grabkammer entdeckt (B 40), die zusammen mit einem in vier Kammern unterteilten Grab (B 50) wahrscheinlich Athotis I, dem ephemeren Nachfolger des Aha, zugeschrieben werden kann.
Die Ausweitung der Grabungsarbeiten auf den benachbarten, seit Naqada I belegten, prädynastischen Friedhof U erbrachte die Erkenntnis, dass die Königsnekropole eine weit zurückreichende Tradition hat. Amélineau hatte dort in 5 Tagen (!) etwa 150 Gräber geleert, Peet weitere 32. Es gab aber keinen Gesamtplan und nur wenige Angaben zu den einzelnen Gräbern.
Insgesamt umfasst der Friedhof ca. 650 Gräber, die Belegung begann in der frühen Naqada I- Zeit mit einfachen runden oder ovalen Gruben, mit zumeist nur wenigen Beigaben (Abb. 3). Einige größere Gräber weisen jedoch auch Aussteifungen mit Holz und Matten auf und sind mit bis zu 20 Tongefäßen, Waffen und Schmuck wesentlich reicher ausgestattet. In der frühen Naqada II-Zeit zeichnet sich ein Rückgang der Bestattungen ab, ca. 50 Jahre scheint es dann sogar gar keine Belegung mehr gegeben zu haben.
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In der späten Naqada II-Zeit (ab ca. 3400 v.Chr.) wird der Friedhof wieder genutzt, nun aber mit überwiegend großen Gräbern, die ausgesteift und sorgfältig mit Querhölzern, Matten und einem Schlammverstrich abgedeckt waren. Die Reste der offenbar reichen Ausstattung, u.a. Elfenbeinobjekte (Abb. 4) lassen darauf schließen, dass sie sämtlich Angehörigen der Oberschicht gehörten. Erstmals treten auch Siegelabrollungen auf, die eine schon weit entwickelte Verwaltungsstruktur belegen.
In Naqda III weisen (fast) alle Gräber eine Ziegelausmauerung auf, manche sind in mehrere Kammern unterteilt, sehr reich ausgestattet und wohl ausschließlich Herrschern zuzuweisen.
Unter den Funden aus diesen Elitegräbern, insbesondere dem in 12 Kammern unterteilten Grab U-j (Abb. 5), das einem prädynastischen König Skorpion I (um 3200 v.Chr.) zuzuweisen ist, sind u.a. die ältesten bisher bekannten, phonetisch lesbaren Zeugnisse der Hieroglyphenschrift (auf Siegeln, Tongefäßen und kleinen Anhängetäfelchen) (Abb.6). Sie geben völlig neue Aufschlüsse über die Entwicklung der altägyptischen Hochkultur und ermöglichen zugleich die weitgehende Rekonstruktion der prädynastischen Herrscherfolge (Dyn. 0) unter denen die schrittweise Vereinigung der beiden Landesteile Ober- und Unterägypten erfolgte.
Während die letzten Gräber der Dyn. 0 und die erste Baustufe des Grabes des Aha (B 13/14) noch deutlich in der Tradition der prädynastischen Zeit stehen, wird mit dem in drei Baustufen angelegten Grabkomplex des Aha, der drei große Kammern mit über 1,50m starker Ausmauerung (Abb. 7) und erstmals auch Nebengräber für Dienerschaft und umfasst, ein qualitativer Schritt zu Monumentalarchitektur vollzogen und damit die neue Stellung des nun über das vereinigte Ägypten herrschenden Königs deutlich.
Seit Djer bestehen die in den Wüstenboden eingetieften, mit Ziegeln ausgemauerten Grabanlagen der Könige der 1. Dynastie jeweils aus einer großen zentralen Hauptkammer für die Bestattung des Königs und bis zu über 200 in Reihen angeordneten Nebenkammern, die Beigaben, mit bestattete Dienerschaft, verschiedentlich auch Tiere (Jagdhunde, Löwen) enthielten (Abb.8). Die Kammern waren mit Holzbalken, Matten- und Ziegellagen abgedeckt. Über der Königskammer befand sich ein Sandtumulus, ein symbolischer Urhügel wie er bei der Entstehung der Welt aus der Urflut aufgetaucht war. Aus diesem Bauelement, das die Fortsetzung des Lebens gewährleistete, entwickelte sich später die Pyramide. In den Gräbern konnten außerdem 'Schein'-Ausgänge festgestellt werden, die auf die Öffnung eines Wadis in der westlich der Gräber gelegenen Bergformation ausgerichtet sind: den Eingang zum Jenseits, in das der wiederauferstehende König gelangen sollte.
In den Grabanlagen der 2. Dynastie gibt es keine Nebenbestattungen mehr, Rampen mit Steinbefestigung im Südwesten der Grabgrube, die in Richtung auf die Wadiöffnung führen, belegen aber das Fortbestehen der Idee der Auferstehung. Im Grab des Chasechemui (Abb. 9) ist erstmals die Königskammer ganz in Kalkstein ausgekleidet.
Von der einstigen Ausstattung der Gräber ist noch erstaunlich viel in ihrer Umgebung und den allerorts hoch anstehenden Schutthalden zu finden. Neben großen Mengen an Scherben von tausenden an Ton- und Steingefäßen vor allem Verschlüsse mit Siegelabrollungen, beschriftete Anhängetäfelchen mit hochinteressanten historischen und administrativen Angaben (Abb. 10), Elfenbeinstücke von Möbeln (Abb. 11), Werkzeuge, Waffen, Spielgerät, Schmuck usw. Der größte Teil dieser Beigaben ist wahrscheinlich schon durch frühe Grabräuber und im Mittleren Reich (um 1950 v.Chr.) verstreut bzw. neu deponiert worden, als man bei der Suche nach dem Grab des Osiris die großen Kammern leerte und Kultstellen darin einrichtete.
Für die Chronologie besonders wichtige Funde sind u.a. Abrollungen der Nekropolensiegel des Dewen (Abb. 12)und des Qa’a, mit Listen der in Umm el-Qaab bestatteten Könige, Siegelabrollungen des 1. Königs der 2. Dynastie Hetepsechemui aus dem Grab des Qa’a des letzten Königs der 1. Dynastie, die zeigen, dass es zwischen 1. und 2. Dynastie keinen Bruch gab, und Siegelabrollungen des Djoser aus dem Grab des Chasechemui, aus deren Vorkommen zu erschließen ist, dass Djoser als Nachfolger des Chasechemui und 1. Herrscher der 3. Dynastie anzusetzen ist.
Zur Zeit wird der Grabkomplex des Djer weiter freigelegt (Abb. 13) und die Restaurierung des Grabes des Dewen abgeschlossen (Abb. 14). Daneben wird die Dokumentation und Bearbeitung des umfangreichen Fundmaterials: Keramik, Steingefäße, Gefäßverschlüsse mit Siegelabrollungen und anderer Kleinfunde fortgesetzt.
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Ägyptischer Antikendienst University of Pennsylvania-Yale Expedition to Abydos IEMAR TU Wien
Förderung durch die DFG (seit 1988)
Unterstützung durch die Gesellschaft der Freunde des Deutschen Archäologischen Instituts - Theodor Wiegand Gesellschaft - e.V. für das Grabungshaus und Magazinbau
versch. Einzelspender.
Günter Dreyer, Umm el-Qaab I, Das prädynastische Königsgrab U-j und seine frühen Schriftzeugnisse, AV 86, Mainz 1998;
Ulrich Hartung, Umm el-Qaab II, Importkeramik aus dem Friedhof U in Abydos (Umm el-Qaab) und die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien im 4. Jahrtausend v. Chr., AV 92, Mainz 2001;
Vorberichte in den Mitteilungen des DAI Kairo (MDAIK), Bd. 35, 38, 49, 52, 54, 56, 59, 62;
Kurzbericht in: Archäologische Entdeckungen - Die Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts im 20. Jahrhundert, Mainz 2001, S. 191ff.
Günter Dreyer, The Tombs of the First and Second Dynasties at Abydos and Saqqara in: Z. Hawass (Hg.) Pyramids - Treasures Mysteries and New Discoveries in Egypt (= The Treasures of the Pyramids, 2. erw. Auflage), Vercelli 2007, S. 76-93.
Günter Dreyer / Ulrich Hartung, Abydos der heiligste Ort Ägyptens, in: Dreyer, Günter / Polz, Daniel (Hg.) Begegnung mit der Vergangenheit. 100 Jahre in Ägypten. Deutsches Archäologisches Institut Kairo 1907-2007, Mainz 2007, S. 184-217.
The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.