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Pyramidenfriedhof von Dahschur

Gräberbezirk des Mittleren Reiches bei der Pyramide Amenemhets II. in Dahschur

Location

Abb.1 Die Nekropole von Dahschur, Animation der Firma Art+ComDie mit 6 x 2,5 km sehr ausgedehnte Wüstennekropole von Dahschur liegt in Ägypten, etwa 30 km südlich von Kairo auf der Westseite des Nils und südlich der anderen großen Pyramidenfelder von Giza, Sakkara und Abusir.

Der Fundplatz wird von den tief in der Wüste gelegenen Pyramiden des Königs Snofru, der Roten Pyramide und der Knickpyramide, beherrscht. Die Pyramiden des Mittleren Reiches wurden hingegen näher am Wüstenrand errichtet. Ausgedehnte Friedhöfe hoher Beamter befinden sich im Umfeld der Pyramiden, die Siedlungen und Taltempel am Wüstenrand.

Background

Dahschur wurde von König Snofru in der 4. Dyn. (um 2.600 v. Chr.) inauguriert und fungierte in seiner Regierungszeit als Residenznekropole. Der Kult an seinen Pyramiden wurde durch das gesamte Alte Reich (über 400 Jahr bis 2.200 v. Chr.) Abb.2 Karte von Dahschur © DAIhindurch von Priestern durchgeführt, die Pyramidenstädte am Fruchtlandrand bewohnten und in Dahschur begraben wurden. Im Mittleren Reich (12. und 13. Dyn., 1.900-1.700 v. Chr.) diente Dahschur wieder als königlicher Begräbnisplatz und der Kult am Tempel der Knickpyramide wurde wieder aufgenommen.
Nach einer ersten Kartierung des Platzes 1843 durch die königlich preußische Expedition unter der Leitung von R. Lepsius führte J. de Morgan 1894-1895 Ausgrabungen an den Pyramiden und Privatgräbern des Mittleren Reiches durch und machte dabei spektakuläre Schmuck und Statuenfunde, die sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo befinden. In den Jahren 1951-55 erforschte Ahmed Fakhry die Knickpyramide und die zugehörenden Tempel bis es zur Sperrung des Gebietes durch das Militär kam. 1975 erhielt das DAI-Kairo die Grabungskonzession für Dahschur.

Objectives

Ziel ist die Primärdokumentation der Pyramiden mit ihren Tempeln und Aufwegen, der Friedhöfe königlicher Familienangehöriger, Beamter und Priester. Weiterhin soll die antike Landschaft von Dahschur mit ihren Denkmälern rekonstruiert werden.

Noch immer sind in Dahschur nicht alle großen Denkmäler erforscht. Deswegen kommt der Primärdokumentation der Pyramiden Abb. 4 Aufrichten eines Dreibeins über einem Grabschacht des Mittleren Reiches © DAIAbb.3 Knickpyramide und Fruchtlandrand © DAImit ihren Tempeln und Aufwegen und den Friedhöfen königlicher Familienangehöriger und Beamter nach wie vor ein großer Stellenwert zu. Nur ansatzweise untersucht sind auch die im Zusammenhang mit den Pyramidenbauten entstandenen Arbeitersiedlungen und Werkstätten und die am Fruchtlandrand gelegenen Taltempel und Pyramidenstädte. Weiterhin soll die antike Landschaft von Dahschur mit ihren Denkmälern rekonstruiert werden.

Methodology

Neben der traditionellen Ausgrabung werden magnetometrische Oberflächenuntersuchungen und Bohrungen durchgeführt.

Magnetometrische Messungen geben Auskunft über die Lage, Form und Ausdehnung archäologischer Denkmäler. Bohrungen geben Aufschluss über die Lage, das Niveau und die Art archäologischer Stätten.

Current research

Die Arbeiten an den Pyramiden des Alten und Mittleren Reiches in Dahschur haben grundlegende Informationen zur Architektur und Entwicklung der Pyramidenbezirke erbracht. Seit 2008 wird ein neu entdeckter Friedhof des Mittleren Reiches westlich der Pyramide Amenemhets II. ausgegraben.

Bisherige Arbeiten

Abb.6 Rote Pyramide (2.600 v.Chr.) © DAIAbb.4 Rekonstruktion des Pyramidenbezirks Amenemhets III. (1.800 v. Chr.) Art+ComDie königlichen Pyramiden von Dahschur gehören zu den eindrucksvollsten Denkmälern des 2. und 3. Jtsd. v. Chr. in Ägypten. Das DAI-Kairo widmete sich ab 1975 unter der Leitung von Di. Arnold zunächst der Erforschung der Pyramide Amenemhets III. Die Erforschung der Pyramidenbezirke des Mittleren Reiches ist noch nicht abgeschlossen, hat aber neuartige Informationen über den Pyramiden- und Wohnhausbau, über die königlichen Bestattungsbräuche und die Architektur nicht-königlicher Gräber dieser Zeit erbracht. Seit 1980 untersuchte R. Stadelmann die Pyramidenkomplexe des Snofru (Rote Pyramide und Knickpyramide) und die dazugehörenden Beamtenfriedhöfe. Der Tempel der Roten Pyramide des Snofru hat wichtige Lücken im Verständnis der Entwicklung der Pyramidenanlagen in ihrer Entstehungsphase (um 2.600 v. Chr.) geschlossen und Daten zur Länge der Regierungszeit des Snofru und zum Bau der Pyramiden erbracht. Die Friedhöfe der königlichen Familienmitglieder und Beamten des Snofru können in vieler Hinsicht als Vorläufer der geplanten Friedhöfe von Giza gesehen werden. Zahlreiche Denkmäler, die sich ohne Provenienzangabe in Museen und Magazinen befinden, konnten konkreten Gräbern zugeordnet werden und haben damit ihren ursprünglichen Kontext zurück erhalten. An der Freien Universität Berlin wurde von 2000-2009 unter der Leitung von S. Seidlmayer und N. Alexanian ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt durchgeführt, das sich schwerpunktmäßig mit Priesterfriedhöfen und Siedlungen aus dem Alten Reich befasste. Der Kult an den Pyramiden des Snofru wurde durch Priester teilweise über Jahrhunderte aufrechterhalten. Ihre Friedhöfe geben einen Einblick in eine geschlossene Personengruppe und Abb.8 Grabschacht des Mittleren Reiches westlich der Pyramide Amenemhets II.) © DAIAbb.7 Priestergräber © DAIihre Lebensverhältnisse und lassen Rückschlüsse auf die Siedlungsgeschichte der Pyramidenstädte zu. 

Aktuelle Arbeiten

Seit 2009  wird ein neues von der DFG gefördertes Feldprojekt unter der Leitung von S.J. Seidlmayer, N. Alexanian und D. Blaschta an der FU-Berlin durchgeführt, das sich mit der Erforschung eines Schachtgräberbezirks bei der Pyramidenanlage Amenemhets II. beschäftigt. Der Friedhof wurde 2008 bei einer magnetometrischen Prospektion des Geländes entdeckt. Die Schachtgräber sind in Reihen angeordnet und auf die Pyramide Amenemhets II. bezogen. Die Gräber sind für Mitglieder der Residenzelite angelegt worden. Der Plan des derzeit untersuchten Gräberkomplexes westlich der Pyramide Amenemhets II. zeigt deutliche Bezüge zu älteren Grab- und Ritualanlagen. Die Vorbilder lassen sich über 1.500 Jahre zurück verfolgen, was von besonderer Aussagekraft für die Erforschung des ideologischen Rückbezugs der Könige des Mittleren Reiches auf den Urspung des pharaonischen Königtums ist. Weiterhin werden Untersuchungen an der Umfassungsmauer des Pyramidenbezirks Amenemhets II. durchgeführt. Dieser Pyramidenkomplex wurde Ende des vorletzten Jahrhunderts von J. de Morgan völlig unzureichend erforscht.Abb.10 Südwestecke der Umfassungsmauer des Pyramidenbezirks Amenemhets II. Im Hintergrund sind die Reste der Pyramide zu sehen. © DAIAbb.9 Blick in die Grabkammer eines Schachte der 12. Dyn. (um 1.900 v. Chr.) © DAI

Cooperation / Cooperation partners

- Die Untersuchungen in Dahschur werden in enger Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Antikendienst durchgeführt.
- Freie Universität Berlin, Ägyptologisches Seminar
- Prof. Dr. med. A. Nerlich, Dr. des. med. S. Lösch, Städtisches Klinikum München Bogenhausen, TU-München (Humanbiologie und Archäopathologie)

Bibliography

N. Alexanian, Dahschur II, Das Grab des Prinzen Netjer-aperef. Die Mastaba II/1 in Dahschur, AVDAIK 56, Mainz 1999N. Alexanian, S. Seidlmayer, Die Nekropole von Dahschur. Forschungsgeschichte und Perspektiven, in: M. Bárta, J. Krejcí (eds.), Abusir and Saqqara in the Year 2000, Archiv Orientalní Supplementa IX, Prag 2000, 283-304N. Alexanian, S. Seidlmayer, Die Residenznekropole von Dahschur. Erster Grabungsbericht, in: MDAIK 58, 2002, 1-28N. Alexanian, H. Becker, M. Müller, S.J. Seidlmayer, Die Residenznekropole von Dahschur. Zweiter Grabungsbericht, in: MDAIK 61, 2006, 7-41 Di. Arnold, Der Pyramidenbezirk des Königs Amenemhet III. Band I. Die Pyramide, AV 53, Mainz 1987Di. Arnold,  The Pyramid Complex of Senowsret III at Dahshur. Architectural Studies, PMMA Egyptian Expedition 26, New York 2002Ahmed Fakhry, The Monuments of Sneferu at Dahshur, I, The Bent Pyramid, Cairo 1959id., The Monuments of Sneferu at Dahshur II. The Valley Temple 1. The Temple Reliefs, Cairo 1961id., The Monuments of Sneferu at Dahshur II. The Valley Temple 2. The Finds, Cairo 1961J. de Morgan, Fouilles à Dahchour Mars-Juin 1894, Wien 1895.id., Fouilles à Dahchour 1894-1895, Wien 1903.R. Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden, Mainz 1985.R. Stadelmann, H. Sourouzian, Die Pyramiden des Snofru in Dahschur. Erster Vorbericht über die  Ausgrabungen an der nördlichen Steinpyramide, in: MDAIK 38, 1982, 379-393R. Stadelmann, Die Pyramiden des Snofru in Dahschur. Zweiter Bericht über die Ausgrabungen an der nördlichen Steinpyramide, in: MDAIK 39, 1983, 237-241id. et al., Pyramide und Nekropole des Snofru in Dahschur. Dritter Vorbericht über die Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Dahschur, in: MDAIK 49, 1993, 259-294R. Stadelmann, N. Alexanian, Die Friedhöfe des Alten und Mittleren Reiches in Dahschur, in: MDAIK 54, 1998, 293-317

Forschungsbericht 2002 (PDF, 1.15MB)
Forschungsbericht 2003 (PDF, 1.21MB)
Conservation report 2005/06 (PDF, 1.76MB)
Forschungsbericht 2006 (PDF, 2.93MB)
Forschungsbericht 2007 (PDF, 1.59MB)
Forschungsbericht 2008 (PDF, 2.12MB)
Forschungsbericht 2009 (PDF, 1.09MB)
Forschungsbericht 2009/10 mit Tafeln (PDF, 2.84MB)
Forschungsbericht 2010/11 mit Tafeln (PDF, 1.06MB)

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