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Solunt

Solunt. Baugeschichtliche Erforschung des Stadtzentrums und der Wohnarchitektur

Monographische Studien zu den Einzelmonumenten und der Gesamtgestalt der Agora sowie zu den Wohnhäusern der hellenistischen Stadt. Gleichzeitig wird zusammen mit der Soprintendenz Palermo der Stadtplan erforscht und für die Veranschaulichung der Befunde gesorgt.

Location

38° 5' 36.3804" N, 13° 31' 57.2664" E

Die hellenistische Planstadt Solunt liegt am Osthang des Monte Catalfano ca. 25 km östlich von Palermo an der Nordküste Siziliens über einer natürlichen Hafenbucht. Sie ist die Nachfolgesiedlung eines archaischen Handelskontors (gr. Emporion) von Karthago, der auf einem Felssporn unmittelbar am Hafen lag, von dem allerdings keine oberirdischen Reste mehr sichtbar sind.

History

© DAINach der Zerstörung der archaischen Hafensiedlung durch Dionysios I. von Syrakus im Jahre 398 v.Chr. wurde die Stadt im Laufe des 4. Jhs. gemäß den modernen Planungsprinzipien der Zeit mit großem Regelmaß systematisch neu gebaut. Im 2. Jh. erlebte sie ihre größte Blüte, die sich in der Typologie und Dekoration der meisten Baureste zeigt. Im Laufe der römischen Kaiserzeit wurde der Ort verlassen.

Objectives

Die Stadt ist nach den im 4. Jh.v.Chr. aktuellen Prinzipien des regelmäßigen, sog. hippodamischen Städtebaues angelegt. Die Realisierung des rechtwinkligen Straßen- und Häuserblocksystems am steilen Hang ist, wenigstens was die Gründungsphase der Stadt anbetrifft, noch wenig bekannt. Es gilt zunächst, ihre Entwicklung bis hin zu den aufwendigen Anlagen des späten Hellenismus zu untersuchen. Gleichzeitig werden sowohl die Agora mit ihren wichtigsten Bauten als auch einzelne, besonders beispielhafte Wohnhäuser monographisch dargestellt. Dabei ist stets gegenwärtig, daß die Bewohnerschaft großteils aus Puniern bestanden haben muß, wie außer der schriftlichen Überlieferung viele Einrichtungen der Haustechnik, des Bauschmuckes und auch die wenigen sehr charakteristischen Heiligtümer in der Stadt, zusammen mit vielen mobilen Fundgegenständen aus den Wohnhäusern, veranschaulichen. Die Erforschung von Solunt erschließt also ein wichtiges Beispiel für die tiefe Prägung der ganzen zeitgenössischen Welt durch den Hellenismus.

History of Research

Die seit dem 16. Jh. mehrfach von Reisenden besuchte Ruinenstätte der durch die antiken Quellen bekannten Stadt zog seit 1825 Ausgräber auf der Suche nach Skulpturenfunden an, welche auch mit zu den ersten bedeutenden Stücken im Museum von Palermo zählen sollten. Mehrere große Campagnen von Freilegungen, sogar teilweiser Anastilosis, folgten durch das 19. Jh. Mit größerer Systematik wurden die Grabungen, vor allem im Bereich der Agora, in den 50er Jahren des 20.Jhs. durchgeführt. Die Bearbeitung der Architekturbefunde und -funde aus diesen Grabungen war die erste Aufgabe des DAIRom, aus der die aktuelle Aktivität erwachsen ist. Gegenwärtig wird auch an der Neueinrichtung des lokalen Museums mitgearbeitet.

Previous Activities

Nach ersten Vorarbeiten von H. Schläger zur Aufnahme des Agoraplatzes und seiner Randbebauung in den 60er Jahren des 20. Jhs. wurde das Thema A. Wiegand angetragen, der aus methodischen Gründen zunächst das oberhalb des Platzes gelegene Theater im Auftrag des DAIRom monographisch untersucht und publiziert hat. Der ebenfalls neu aufgenommene Gesamtplan ist noch unveröffentlicht. Zuletzt wurde durch M. Wolf das "ginnasio" genannte große Peristylhaus an der Agora-Straße monographisch dargestellt und die Studie um Vergleichsuntersuchungen an anderen Häusern in Solunt erweitert.

Recent Activities

Nach Fertigstellung der letztgenannten Arbeit stehen Untersuchungen zum Stadtplan und der Stadtentwicklung zusammen mit der Soprintendenz Palermo bevor. Die Weiterarbeit an der Agora ist geplant.

Methodology

Für die in Solunt anstehenden Arbeiten der Bauforschung ist die konventionelle verformungsgerechte Bauaufnahme der Baureste in situ und der zugehörigen Bauglieder in den jeweils geeigneten Maßstäben (hier 1:25 bzw 1:5 bis 1:2) die unverzichtbare Methode. Bei den großräumigen Vermessungen zum Stadtplan wird der elektronische Theodolit eingesetzt; eine neue luftphotogrammetrische Aufnahme des Gesamtgeländes zur Erstellung eines Höhenlinienplanes und ggf. auch eines dreidimensionalen Modells wird von der Soprintendenz geplant.

Results

Die monographische Bearbeitung des Theaters durch A. Wiegand erbrachte eine zuverlässige graphische Rekonstruktion des Bauwerks mit zwei Hauptergebnissen, die sowohl das Zuschauergebäude, die Cavea als auch das Bühnenhaus betreffen. Ersteres war von einer in den Halbkreis geschmiegten polygonal gebrochenen Umfassungsmauer umgeben, deren Anlage wörtlich den Angaben Vitruvs zum geometrischen Entwurf des griechischen Theaters entspricht: eine wichtige Bestätigung der Regeln des berühmten antiken Architekturschriftstellers. Das Bühnenhaus, welches über einem Podium aus einem zweistöckigen Aufbau in dorischer und ionischer Architekturordnung bestand, hatte seitlich vorkragende und die Spielbühne einrahmende sog. Parastaden. Diese für die hellenistischen Theater in Sizilien kennzeichnende Form wurde in Solunt durch eine leichte Abschrägung der zur Spielfläche gewandten Seite variiert, um die räumliche Wirkung der Anlage zu steigern. - Die Untersuchung und Rekonstruktion des sog. "ginnasio" ergab ein verläßliches Bild eines anspruchsvollen dreistöckigen Wohnhauses, welches hoch über der Agora-Straße aufragte. Über dem zur Straße geöffneten Ladengeschoß folgte das eigentliche Wohnhaus aus dem repräsentativem Hauptgeschoß und dem mehr dem Wohnen und der Versorgung dienenden Obergeschoß. Zentrum des Hauses war ein Peristylhof mit dem Erdgeschoß in dorischer und dem Obergeschoß in ionischer Ordnung. Einzelne Architekturglieder lassen gar einen Fassadenschmuck mit Lisenen- und Giebelschmuck erschließen. Das Haus wurde im Vergleich mit den anderen Häusern von Solunt, nahezu ebenso reichen wie auch weniger aufwendigen, dargestellt und in den Kontext mit der generellen Entwicklung der Wohnbaukunst in hellenistischer Zeit gestellt und dabei der bedeutende Rang von Solunt ersichtlich.

Cooperation / Cooperation partners

Soprintendenza ai BB.CC.AA. della Provincia di Palermo; Brandenburgische Technische Universität Cottbus

Bibliography

A. Cutroni Tusa - A. Italia - D. Lima - V. Tusa, Solunto, Roma 1994; A. Wiegand, Das Theater von Solunt. Ein besonderer Skenentyp des Späthellenismus auf Sizilien (1997); M. Wolf, Die Häuser von Solunt und die hellenistische Wohnarchitektur (2003).

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