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Jordan, Aqaba - Tall Hujayrat al-Ghuzlan

Ausgrabungen an einem spätchalkolithischen - frühbronzezeitlichen Tell im Rahmen des ASEYM-Projektes (Archaeological Survey and Excavation in the Yitim and Magass Area - Aqaba)

Ausgrabungen an einem spätchalkolithischen - frühbronzezeitlichen Tell im Rahmen des ASEYM-Projektes (Archaeological Survey and Excavation in the Yitim and Magass Area - Aqaba)

Location

29° 33' 58.7124" N, 35° 2' 2.7816" E

Abb.1 Tell Hujayrat al-Ghuzlan, Überblick über die bis 2010 geöffneten Grabungsflächen. © DAIDie moderne Stadt Aqaba liegt an der nördlichen Küste des Roten Meeres, unmittelbar am Scheitelpunkt des nach ihr benannten Golfs - zu Füßen hoch aufragender Berge, an der Nahtstelle zwischen Meer und Wüste.

Der Tell Hujayrat al-Ghuzlan ("tall", arab. für "(Siedlungs-)Hügel") befindet sich unweit der modernen Stadt, an deren nördlichem Rand in einer Geröllwüste, die in den vergangenen Jahren nach und nach als Bauland erschlossen wurde. Auf diese Weise wurden Ausgrabung und Dokumentation dieser Stätte ebenso wie des nahegelegenen Tell al-Magass möglich und notwendig.

Background

Neben den eigentlichen Ausgrabungsarbeiten, die in einem System von schachbrettartig angeordneten, 9x9 m messenden Arealen ausgeführt werden, sind hier die ebenfalls die Arbeiten der jeweiligen Spezialisten für Keramik, Lithik, Metallurgie und Baugeschichte auch die durch das Naturwissenschaftliche Referat des DAI durchgeführten Analysen archäobotanischer und archäozoologischer Natur sowie Datierungen nach der Radiokarbonmethode anzuführen (vgl. den Abschnit "Kooperationen").

Objectives

Erklärte Ziele des ASEYM-Projekts sind die Erforschung und Dokumentation der archäologischen Stätten der Region, namentlich der Tells al-Magass und Hujayrat al-Ghuzlan sowie deren Umgebung. Da das Fundmaterial Tell Hujayrat al-Ghuzlans sich durch ein Vielzahl von Objekten auszeichnet, die mit der Kupfermetallurgie in Verbindung zu bringen sind, ist die Erforschung dieser frühen Metallverarbeitung, die Untersuchung von Rohmaterial, Artefakten und technologischer Aspekte zum Schmelz- und Gussverfahren, ein weiterer Schwerpunkt. Darüber hinaus sollen weiträumige Beziehungen (auch und vor allem solche, die auf Handelskontakt beruhen) mit dem prädynastischen Ägypten untersucht werden. Weitere Fragestellungen, denen nachgegangen wird, sind die nach Ökologie, Subsistenz und Wasserversorgung der Siedlung und ihres Umfeldes. Hinweise auf Zerstörungen innerhalb des Siedlungskomplexes, die auf seismische Aktivität zurückzuführen sind, gestatten es, Untersuchungen zu Stärke, Lokalisierung und Auswirkung von Erdbeben in dieser Region und Zeit durchzuführen, die ebenfalls Bestandteil des ASEYM-Projektes sind.

Methodology

Neben den eigentlichen Ausgrabungsarbeiten, die in einem System von schachbrettartig angeordneten, 9x9 m messenden Arealen ausgeführt werden, sind hier die ebenfalls die Arbeiten der jeweiligen Spezialisten für Keramik, Lithik, Metallurgie und Baugeschichte auch die durch das Naturwissenschaftliche Referat des DAI durchgeführten Analysen archäobotanischer und archäozoologischer Natur sowie Datierungen nach der Radiokarbonmethode anzuführen (vgl. den Abschnit "Kooperationen").

Current research

Abb.3 In der Verfüllung der einzelnen Räume finden sich wiederholt zahlreiche Hörner von Gazelle, Ziege und Steinbock. © DAIAbb.2 Einzigartige Wanddekorationen bilden vor allen Dingen Steinböcke, aber auch andere Tiere und Menschen ab. © DAIWährend der Schwerpunkt der Feldkampagnen in den ersten Jahren darin lag, möglichst viele Grabungsflächen aufzudecken, um einen Eindruck von Ausdehung und Struktur der Siedlung zu erlangen. Dies ist gelungen, denn sowohl im Süden, Westen als auch Osten konnte der Platz deutlich abgegrenzt werden - hier wurde eine z.T. aus mehreren Mauerschalen bestehende Befestigung freigelegt, der eine Schutzfunktion nach außen zugekommen sein dürfte.

In den Kampagnen der folgenden Jahre wurden dann die Bemühungen auf tiefere Ausgrabungen konzentriert, die zahlreiche Mauerzüge mit einer Erhaltung von bis zu vier Metern ans Tageslicht brachten. Auf diese Weise wurde nach und nach ein regelrechtes Labyrinth kleiner, verschachtelter Räume freigelegt, die aus Lehmziegel- und Steinmauern errichtet worden waren. Bauforscherische Untersuchungen konnten den Nachweis erbringen, dass diese sehr kleinteilige Bebauungsstruktur erst durch nachträglich ausgeführte Baumaßnahmen entstand und auf eine ursprünglich deutlich großräumigere Architektur zurückgeht. Zahlreiche Balkenlöcher zeugen allerdings noch von den ehemaligen Dachebenen.
Abb.5 Auch Schmelztiegel, in denen das Roherz für die weitere Verarbeitung vorbereitet wurde, finden sich im reichhaltigen metallurgischen Repertoire des Tells. © DAIAbb.4 Die zwei verschiedenen im Fundmaterial Hujayrats vorkommenden Gußformen - oval und rechteckig - könnten auf eine unterschiedliche Metallzusammensetzung der darin produzierten Kupferbarren hindeuten. © DAISowohl hier als auch aus den inzwischen freigelegten Fenster- und Türöffnungen konnten Dank außerordentlicher Erhaltungsbedingungen Teile der hölzernen Architekturelemente in situ dokumentiert und geborgen werden.
Besonders hervorzuheben ist hierbei ein Komplex im Westen des Tells, der sich durch bisher einzigartige Wandverzierungen auszeichnet. Die Darstellungen von Steinböcken, Menschen, Raubtieren und menschlicher Handabdrücke sind einst mit Fingereindrücken in den noch feuchten Lehmverputz der Wände gebracht worden.

Den im Füllmaterial der Räume gefundenen zahlreichen Hörner, die nach zoologischer Bestimmung Gazellen, Steinböcken und Ziegen zuzuordnen sind, muss vor dem Hintergrund dieser Dekorationen eine Bedeutung zukommen, die über bloße Jagdtrophäen hinausgeht.

Zuletzt konnte in diesem westlichen Bereich, in dem die Räume nun mehr bis auf ein Begehungsniveau ausgegraben sind, eine Reihe von Hortfunden geborgen werden, die als Gründungsdepots aufgefasst werden dürfen. Immer wieder finden sich darüber hinaus an unterschiedlichen Stellen innerhalb des Siedlungskomplexes Fragmente und vollständige Exemplare von Gußtiegeln und -formen, die zur Verarbeitung von Kupfer genutzt wurden. Zusammen mit Funden entsprechender Artefakte, wie Kupferbeile und -meißel, sowie zahllosen Schlackeresten und gelegentlich auch Rohkupfer sind sie der Nachweis für eine Metallverarbeitungsindustrie in Hujayrat al-Ghuzlan, die zu den frühesten der Region zu zählen ist!

Abb.6 Kupferne Beile und Meißel sind Zeugnis der hoch entwickelten Metallverarbeitungsindustrie in Hujayrat al-Ghuzlan. © DAIDie Gußformen stellen zudem einen indirekten Nachweis weiträumiger Kontakte bis nach Ägypten dar, finden sich doch im dortigen Material Kupferbarren, die diesen in Form und Größe entsprechen. Dass diese Beziehungen in beide Richtungen funktionierten, zeigt das in Hujayrat gefundene Fragment einer sog. "libyschen Steinvase", die fraglos aus dem Land am Nil importiert wurde.
Diese und zahlreiche weitere Forschungsergebnisse konnten 2009 in einer ersten Monograhie, "Prehistoric Aqaba I" (vgl. Literaturliste unten), zusammengetragen und veröffentlich werden.

Cooperation / Cooperation partners

Das ASEYM-Projekt ist eine Gemeinschaftsunternehmung des Department of Archaeology der Jordan University, Amman und der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, Berlin in Zusammenarbeit mit dem Department of Antiquities of Jordan (DoA) und dem Museum in Aqaba. Weitere logistische Unterstützung gewährten die Deutsche Botschaft in Amman sowie die Aqaba Special Economic Zone Administration (ASEZA). < /br> Wissenschaftliche Kooperationen bestehen mit:

  • Dr. Andreas Hauptmann, Forschungsstelle für Archäologie und Materialwissenschaften, Fachbereich Archäometallurgie, Deutsches Bergbau-Museum Bochum
  • Prof. Dr. Matthias Grottker, Labor für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik, Fachhochschule Lübeck, Fachbereich Bauwesen, Institut für Tiefbau und Umwelttechnik
  • Dr. Andrey M. Korjenkov, Institute of Seismology at the Academy of Science at Bishkek, Kirgistan
  • Prof. Dr. Norbert Benecke, Drs. Reinder Neef und Dr. Uwe Heußner, Naturwissenschaftliches Referat des Deutschen Archäologischen Instituts, Berlin
  • Dr. Thomas Hikade, University of British Columbia, Department of Classical, Near Eastern and Religious Studies
  • Dr. Susanne Kerner, University of Copenhagen, Institute for Intercultural and Religious Studies
  • Prof. Dr. Helmut Brückner, Institut für Geographie, Philipps-Universität Marburg

Ansprechpartner

Prof. Dr. Lutfi Khalil
Department of Archaeology
University of Jordan
Tel.: 00962-6-777229650
Email: lakhalil@ju.edu.jo

Bibliography

H. Brückner, R. Eichmann, L. Herling, H. Kallweit, S. Kerner, L. Khalil, R. Miqdadi, Chalcolithic and Early Bronze Age Sites near Aqaba, Jordan, in R. Eichmann (Hrsg.), Ausgrabungen und Surveys im Vorderen Orient, OrA 5, 2002, 215-339.
R. Eichmann, L. Khalil, German-Archaeological Project in Southern Jordan: Archaeological Survey and Excavation in the Yitim and Magass Area 1998 (ASEYM 98), OO 3.1, 1998, 14-16.
L. Khalil, K. Schmidt (eds.), Prehistoric Aqaba I, OrA 23, Berlin 2009.
B. Müller-Neuhof, K. Schmidt, L. Khalil, R. Eichmann, Ausgrabungen in Tall Hujayrat al-Ghuzlan (Jordanien), Alter Orient Aktuell 4, 2003, 22-25.

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Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

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