Metanavigation

Portugal, Vale de Rodrigo

Untersuchungen an Megalithgräbern und einer kupferzeitlichen Befestigung (Monte da Ponte) in Südportugal. Erfoschung der Besiedlungsgeschichte.

Das als "Megalithgebiet von Vale de Rodrigo" bezeichnete Arbeitsgebiet des Projektes umfasst eine Fläche von ca. 240 km 2. Im Zentrum liegen vier sog. "große" Megalithgräber, Vale de Rodrigo 1 bis 4; unter zweien von ihnen sind ältere Siedlungsspuren nachgewiesen. Die Grabkammern sind aus tonnenschweren Blöcken und Platten verschiedener Granitgesteine errichtet, die am Ort fremd sind. Nach der Mindestentfernung von deren natürlichen Vorkommen, die in allen vier Himmelsrichtungen liegen, ist das Gebiet als "Raum" definiert.

Es entspricht einer geographischen Einheit, dem Einzugsgebiet am Oberlauf der Ribeira de Alcáçovas, einem Nebenfluss des Rio Sado, der in etwa 80 km Luftlinie entfernt bei Setúbal in den Atlantik mündet. Innerhalb des Gebietes sind insgesamt etwa 50 Megalithgräber verschiedener Größe und Typologie bekannt. Nach Norden und Osten wird das Gebiet durch Höhenzüge begrenzt, die - mit Ausnahme der Anta de Almendres - k eine Megalithgräber, wohl aber Menhire und Steinkreise aufweisen. Diese scheinen u. a. auch Grenzfunktion zu haben, da sich sowohl im Osten, als auch im Norden, hinter der megalithfreien Zone wieder Megalithgebiete erstrecken. Megalithfreie Zonen, allerdings ohne Nachweis von Menhiren, begrenzen auch im Westen und Süden das Gebiet.

Unsere Interpretation, dass die Auswahl der Gesteine für die Gräber von Vale de Rodrigon u. a. einen territorialen Machtbereich, d. h. einen politischen Raum abstecken, könnte und soll durch die Ausweitung der geologischen Untersuchungen auf die angrenzenden Gebiete untermauert werden, um zu überprüfen, ob dort ähnliche Verhältnisse zu beobachten sind.

Dass Menhire eine Grenzlinie markieren können, ist im nördlichen Alentejo, im Megalithgebiet von Castelo de Vide, nachgewiesen. Dort stehen sie auf der Grenze zwischen Granit und Schieferuntergrund, und zwar jeweils auf Sicht, und trennen offensichtlich zwei Megalithgrabgruppen, die sich in der Grabtypologie und in ihren Wirtschaftsweisen voneinander unterscheiden.

Das Megalithgebiet auf der Serra de Aboboreira in Nordportugal ist auf allen Seiten durch tief ins Relief eingeschnittene Flussläufe abgegrenzt. Auffallend ist, dass die Zahl der Megalithgräber (knapp 50) und die eingenommene Fläche von knapp ca. 240 km 2, den Verhältnissen in Vale de Rodrigo auffallend gleicht.

Die Fragen nach möglicher regelhafter Größe von derartig geschlossenen Megalithgebieten und deren möglicher Definition als politischem Raum und von Beziehungen zwischen benachbarten "Räumen" im Neolithikum sind Fragen des Projektes, die zum Cluster 3 Bezug haben. Vor allem von der Diskussion mit Geographen und Historikern (Wirtschaftlichkeit eines solchen Gebietes, Grenzziehungen) und mit Kunsthistorikern und Klassischen Archäologen (Beschaffung von Baumaterial für Monumentalbauten und der geistige und politische Hintergrund) versprechen wir uns wichtige Hinweise und Vergleichsbeispiele.

Location

38° 31' 25.104" N, 8° 3' 23.724" W

Monte da Ponte © DAI

Megalithgebiet von ca. 240 qkm Ausdehnung in Südportugal, 20 km südwestlich der Stadt Évora, etwa 100 km von der Küste entfernt im Landesinneren. Die vier dem Projekt den Namen gebenden Megalithgräber wurden 1944 von den deutschen Prähistorikern Georg und Vera Leisner im Landgut Vale de Rodrigo entdeckt.

Objectives

Erforscht wird die Besiedlung dieses Raumes, von den Anfängen bis zur Errichtung der insgesamt über 50 Megalithgräber, Menhire und monumentalen Steinsetzungen, sowie deren Geschichte bis in die Neuzeit. Dabei wird vor allem mit nicht-destruktiven Methoden und wenigen gezielten Grabungen vorgegangen.

Recent Activities

Das Megalithgrab "Vale de Rodrigo 3" © DAIDie Ergebnisse des Projekts befinden sich in der Phase der Veröffentlichung. Schwerpunkte der Arbeiten lagen in der Suche nach Siedlungsplätzen, in der geologischen Bestimmung der beim Bau der megalithischen Monumente verwendeten Gesteine und der Lokalisierung ihrer möglichen Herkunft sowie in der genauen Kartierung und Aufmessung der Monumente. Mit geophysikalischen Messungen wurden oberflächlich nicht erkennbare Strukturen erkundet. An zwei großen Megalithgräbern wurden zur Klärung der Architektur, ihres Hügelaufbaus und ihrer Chronologie Grabungen durchgeführt, wie auch in der zentral gelegenen kupferzeitlichen, befestigten Siedlung vom Monte da Ponte. Im Zuge von Nachmessungen und Aufarbeitungsmaßnahmen wurden 2005 im Südosten des Arbeitsgebietes zwei weitere relativ gut erhaltene Megalithgräber entdeckt, die Anta da Malhada da Bidueira und die Anta da Falcoeira.

Results

Anta da Falcoeira, Conc. Évora © DAIAlto do Barroco (oben) und Vale de Rodrigo 1 (unten). © DAIDie geologische Bestimmung der an den Gräbern von Vale de Rodrigo 1 bis 4 beim Bau verwendeten Gesteine und die Lokalisierung ihrer natürlichen Vorkommen hat gezeigt, dass die tonnenschweren Trag- und Decksteine über weite Strecken zum Bau der Grabkammern herbeigeschafft worden sind. An diesen, wie auch an vielen anderen Gräbern sind unterschiedliche Granitarten verbaut, die von verschiedenen Stellen und oft aus verschiedenen Himmelsrichtungen stammen. Der Menhir von Vale de Rodrigo 1 muss über 10 km Entfernung transportiert worden sein. Für die Auswahl der unterschiedlichen Gesteine lässt sich weder ein technischer noch ein ästethischer Gesichtspunkt erkennen.
Mit den in Vale de Rodrigo erstmals an Megalithgräbern durchgeführten geophysikalischen Messungen konnte in den Grabhügeln oberflächlich nicht sichtbaren Strukturen gezielt nachgegangen werden. So wurde z.B. die als Anomalie im Plan der Resistivitätsmessung deutlich ins Auge springende, polygone Steinumfassung von Vale de Rodrigo 3 durch die Grabung bestätigt. In Vale de Rodrigo 2, wo sich im Eingangsbereich trotz wiederholter Messungen keine Anzeichen für einen langen megalithischen Gang ergaben, hat die Grabung nachgewiesen, dass es einen solchen – wider Erwarten – nicht gegeben hat. Für Vale de Rodrigo 1, wird man das Fehlen von Hinweisen auf einen langen Gang im Messplan ebenso deuten dürfen. Für den Siedlungsplatz Monte da Ponte konnten die oberflächlich sichtbaren Mauerzüge mit Erdwiderstandsmessungen und magnetischen Messungen zu einem umfangreichen, mindestens sechs Befestigungsringe umfassenden Gesamtbild ergänzt werden.
Die Grabungen in den beiden Megalithgräbern haben Einblick in komplexe Vorgänge während der Belegungszeit sowohl bei den Grabkammern als auch in den Hügeln erbracht. In Vale de Rodrigo 2 beispielsweise wurde der Eingangsbereich mehrmals umgestaltet, und in der Kammerfüllung wurde ein fragmentierter, mit Schälchen und anderen Motiven verzierter Deck- oder Kammerverschlussstein freigelegt. In Vale de Rodrigo 3 muss die Megalithkammer in einer ersten Phase frei, d.h. ohne Hügel, gestanden haben. Unter den Hügeln konnten ältere Siedlungsspuren festgestellt werden, die in Vale de Rodrigo 2 ein 14C-Datum von 3700 cal BC ergeben haben, ohne dass das Fundmaterial näher charakterisiert wäre. Unter dem Hügel von Vale de Rodrigo 3 enthält eine für die Fundamentgrube der Grabkammer abgeschnittene Schicht reichlich charakteristische Keramik, die andernorts in Portugal an das Ende des Frühneolithikums/den Beginn des Mittelneolithikums datiert wird. Ein C14-Datum der Schicht ergab 3800-3700 cal BC.

Cooperation / Cooperation partners

Anta da Malhada da Bidueira, Conc. Évora © DAIDas Projekt ist von der portugiesischen Denkmalpflege seit 1987 genehmigt. Es wurde von der Außenstelle Lissabon des DAI begonnen und von der RGK in Frankfurt aus, bei der die Ergebnisse veröffentlicht werden, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universitäten Covilhã (Portugal), Lund (Schweden), Leoben (Österreich) und anderer in- und ausländischer Institutionen und verschiedener Disziplinen weitergeführt.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Martin Höck
Centro de Estudo e Proteccao do Patrimonio
Departamento de Engenharia Civil
Universidade da Beira Interior
P-6200 Covilhã
Email: martinvs@ubi.pt

Weitere Hinweise

Kontakte zu interessierten Wissenschaftlern, die mit ihren Forschungen zu dem oben dargestellten Ziel beitragen möchten, sind willkommen.

Bibliography

G. Leisner, O dolmen de falsa cúpula de Vale de Rodrigo. Biblos 20, 1944.
G. Leisner / V. Leisner, Die Megalithgräber der Iberischen Halbinsel, Madrider Forsch. 1, 2 (Berlin 1959).
Aktuelle Vorberichte in Madrider Mitt. 32, 1991; 35, 1994; 38, 1997.
Ph. Kalb, Megalith-building, stone-transport and territorial markers: evidence from Vale de Rodrigo, Évora, South Portugal. Antiquity 70 (269), 1996, 683 ff.
L. Larsson, Symbols in stone – ritual activities and petrified traditions. Actas do 3° Congreso de Arqueologia Peninsular 3, 2000, 445 ff.
L. Larsson, Decorated façade? A stone with carvings from the megalithic tomb Vale de Rodrigo, monument 2, Alentejo, southern Portugal. Journal Iberian Arch. 3, 2001, 35–46.
M. Höck / Ph. Kalb, Baumaterial und Architektur portugiesischer Megalithgräber als Zeugnis für religiöse Vorstellungen und Siedlungsgebiete. Arch. Inf. 24 (2), 2001, 229–237.
Ph. Kalb, Die Megalith-Kultur auf der Iberischen Halbinsel. Hispania Antiqua – Denkmäler der Frühzeit (Mainz 2001) 101 ff.
Ph. Kalb, Vale de Rodrigo – Megalithforschung in Portugal. Vortrag zur Jahressitzung 2002 der Römisch-Germanischen Kommission. Ber. RGK 83, 2002, 315–345.
Aktuelle Informationen finden Sie im Internet-Magazin "Spuren der Jahrtausende", Ausgabe 2004:
Ph. Kalb, Denkmäler für die Ewigkeit. Megalithforschungen in Vale de Rodrigo, Portugal

Recent projects

  • 07.02.2012

    Herausbildung und Niedergang des frühbronzezeitlichen Siedlungszentrums von Fidvár bei Vráble (Südwestslowakei) more

  • 06.02.2012

    Herausbildung und Niedergang des frühbronzezeitlichen Siedlungszentrums von Fidvár bei Vráble (Südwestslowakei) more

  • 22.11.2011

    Serbien, spätantiker Kaiserpalast more

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

contact form