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Die Romanisierung einheimischer Heiligtümer und Kulte im Westen der Iberischen Halbinsel

Die Romanisierung einheimischer Heiligtümer im Westen der iberischen Halbinsel
Erstellung eines archäologischen Bildes der einheimischen Heiligtümer.

Location

Abb. 1. Vorrömische Heiligtümer auf der Iberischen Halbinsel (nach Marco Simón). Markiert sind die im Rahmen des Forschungsprojektes untersuchten Plätze. © DAIAngesichts der großen Zahl an Gottheiten ist deutlich, daß eine archäologische Forschung schon aus statistischen Gründen sich nicht auf ein Heiligtum beschränken kann. Aus diesem Grunde wird die Fragestellung an mehreren Heiligtümern untersucht. Diese sind:

  • Heiligtum des Endovellicus in São Miguel da Motta (Alandroal/Portugal)
  • Heiligtum des deus lar Berobreus auf dem Monte do Facho (Galicien/Spanien)
  • Heiligtum des Vaelicus in Postoloboso (Ávila/Spanien)
  • Heiligtum auf dem Cabeço das Fráguas (Guarda/Portugal)

Dieses Forschungsprojekt konzentriert sich auf den Westen der Iberischen Halbinsel, weil allein hier entsprechende Inschriften in ausreichender Zahl erhalten sind, so daß der archäologische mit dem epigraphischen Befund gekoppelt werden kann.

 

Background

Durch Inschriften namentlich des hispanischen Westens sind die Namen von etwa 300 einheimischen Gottheiten bekannt. Ihre Erforschung wird seit etwa einem Jahrhundert nahezu ausschließlich von Althistorikern und Epigraphikern vorangetrieben. Das Thema ist eines der spannendsten Kapitel des Romanisierungsprozesses, der die Halbinsel, wie andere römische Provinzen auch, in tiefgreifender Weise verändert hat. Ziel des neuen Projektes, das seit 2002 an der Abt. Madrid verfolgt wird, ist es, dem gesammelten Wissen archäologische Heiligtumsbefunde gegenüberzustellen um sodann im interdisziplinären Dialog das Verständnis abzurunden, zu vertiefen, zu erweitern und gelegentlich auch infrage zu stellen.
Abb. 2. Blick vom Heiligtum auf dem Berge Cabeço das Fráguas nach Westen auf die Serra da Estrela im März. © DAIAngesichts der großen Zahl an Gottheiten ist deutlich, daß eine archäologische Forschung schon aus statistischen Gründen sich nicht auf ein Heiligtum beschränken kann. Aus diesem Grunde wird die Fragestellung an mehreren Heiligtümern untersucht. Diese sind:

  • Heiligtum des Endovellicus in São Miguel da Motta (Alandroal/Portugal)
  • Heiligtum des deus lar Berobreus auf dem Monte do Facho (Galicien/Spanien)
  • Heiligtum des Vaelicus in Postoloboso (Ávila/Spanien)
  • Heiligtum auf dem Cabeço das Fráguas (Guarda/Portugal).

Dieses Forschungsprojekt konzentriert sich auf den Westen der Iberischen Halbinsel, weil allein hier entsprechende Inschriften in ausreichender Zahl erhalten sind, so daß der archäologische mit dem epigraphischen Befund gekoppelt werden kann.

Objectives

Ziel des neuen Projektes, das seit 2002 an der Abt. Madrid verfolgt wird, ist die Erstellung eines archäologischen Bildes der einheimischen Heiligtümer. Auf diese können dem gesammelten philologischen Wissen archäologische Heiligtumsbefunde gegenübergestellt werden um sodann in einem weiteren Schritt im interdisziplinären Dialog das Verständnis abzurunden, zu vertiefen und zu erweitern.

Erstellung eines archäologischen Bildes der einheimischen Heiligtümer. Wie sich zeigt, zeichnen sich die zu untersuchenden Heiligtümer dadurch aus, daß in ihnen einheimische Göttern verehrt werden, wobei die erhaltenen Denkmäler, das heißt überwiegend Altäre, in São Miguel da Mota aber auch Statuen, römisch sind bzw. von römischen Vorbildern abgeleitet. In der Synopse mit der Feldarchäologie soll unsere überwiegend durch die entsprechenden Forschungen der Epigraphik und Religionswissenschaft bestimmte Vorstellung der einheimischen Heiligtümer erweitert und ergänzt und in einen topographischen und archäologischen Kontext gestellt werden. Insofern setzt das neue Vorhaben eine ältere Forschungstradition der Abt. Madrid fort. Eine weiterführende Diskussion kann sich ergeben, da in Mitteleuropa ähnliche Fragestellungen bereits mit gutem Ergebnis verfolgt worden sind.

Methodology

Die Methode besteht aus feldarchäologischer Prospektion und Ausgrabung unter Zuhilfenahme geophysikalischer Prospektionsmethoden und Luftbildauswertung. Da das Thema an den angegebenen Plätzen mit gleicher Fragestellung verfolgt wird, kann vergleichend gearbeitet werden. Die Forschung wird abgerundet von gattungsspezifischen Studien namentlich zur einheimischen und keltischen Plastik sowie zu den Altären.
Mit Ausnahme des Vaelicus-Heiligtums in Postoloboso, finden an sämtlichen anderen Plätzen archäologische Ausgrabungen statt. Im Vaelicus-Heiligtum konnte nur geophysikalisch propektiert werden, eine Ausgrabung war dort bisher nicht möglich. Bei den Ausgrabungen zeigt sich, daß die Befunde unmittelbar unter der Grasnarbe zum Vorschein kommen; denn die Heiligtümer liegen sämtlich außerhalb von Siedlungen, welche diese zerstört haben könnten. Da nicht tief gegraben werden muß, sind stratigraphische Beobachtungen mitunter schwer zu machen.

Current research

Der jetzt eingeschlagene Weg des neuen Forschungsprojektes soll zu einem archäologischen Bild der einheimischen Heiligtümer führen, welches den bisherigen auf philologischem Wege gewonnenen Erkenntnissen gegenübergestellt werden kann. Die Synopse wird weitere Einsichten erbringen und neue Perspektiven eröffnen; denn die schriftliche Überlieferung bietet ein nur einseitiges und wiedersprüchliches Bild der einheimischen vorrömischen Götterwelt und ihrer Kulte. Noch weniger berichtet sie von den Veränderungen, denen diese unter dem Eindruck der neuen römischen Vorbilder ausgesetzt waren.

Die Forschung zu diesem Thema hat über hundertjährige Tradition auf der Halbinsel. Bereits am Ende des 19. Jhs. trug der portugiesische Gelehrte José Leite de Vasconcellos das gesamte alte Wissen aus den literarischen und epigraphischen Quellen zusammen und legte damit den Grund für alle zukünftigen Untersuchungen. Später, seit den 1960er Jahren bis heute, sind ihm José María Blázquez, Julio Mangas, Geza Alföldy, Alain Tranoy, Rodríguez Colmenero, José d’Encarnação, José Luís Ramírez Sádaba, Francisco Marco Simón und andere auf diesem Weg gefolgt. Methodisch war der Forschungsansatz stets rein philologisch, die archäologischen Fundstücke wurden gleichsam zur Illustration der literarischen und epigraphischen Quellen von Fall zu Fall hinzugezogen, jedoch nicht näher befragt. Dem gesammelten philologischen Wissen soll durch das Projekt auf archäologischem Wege gewonnenes Wissen gegenübergestellt werden.
Die aktuellen Arbeiten haben Befunde zutage gefördert, die in der Lage sind, die eingangs geschilderte Fragestellung mit neuen Argumenten zu befeuern. In keinem der untersuchten Heiligtümer konnte bisher zweifelsfrei ein vorrömisches Vorgängerheiligtum nachgewiesen werden. Die Existenz eines solchen war jedoch bisher stets angenommen worden unter Hinweis auf den nicht-lateinischen, vorrömischen Götternamen, der dies nahezulegen schien. Unter der Voraussetzung der Ortsfestigkeit mußte es in diesen Heiligtümern daher eine Entwicklung von einheimisch/keltisch auf römisch gegeben haben. Das Projekt setzt eine in den sechziger Jahren von Archäologen der Abt. Madrid in Panóias/Nordportugal begonnene Forschungstradition fort (s. zuletzt).

Cooperation / Cooperation partners

Universität Lissabon, Fundación Xacobeo, Santiago de Compostela, Museum von Ávila.
Jedes einzelne Grabungsvorhaben muß von den jeweils regional zuständigen portugiesischen und spanischen Behörden genehmigt werden. Die feldarchäologischen Projekte werden jeweils mit örtlichen Partnern durchgeführt, die Federführung des gesamten Vorhabens liegt bei der Abt. Madrid.

Externe Ansprechpartner

Prof. Dr. C. Fabião und Prof. Dr. A. Guerra (Universität Lissabon), Dr. J. Suárez Otero (Fundación Xacobeo, Santiago de Compostela) sowie Dr. Maria Mariné (Museum von Ávila).

Förderung

Stadt Alandroal (für das Heiligtum des Endovellicus)
Stadt Cangas de Morrazo (für das Heiligtum des Berobreus)
Asociación de Amigos del Instituto Arqueológico Alemán de Madrid (für das Heiligtum auf dem Berge Fráguas)

Bibliography

G. Alföldy, Madrider Mitteilungen 36, 1995, 252–258; G. Alföldy, Die Mysterien von Panóias (Vila Real, Portugal), Madrider Mitteilungen 38, 1997, 176–246; A. Guerra – Th. G. Schattner – C. Fabião – R. Almeida, Novas investigações no santuário de Endovélico (S. Miguel da Mota, Alandroal): a campanha de 2002. Revista Portuguesa de Arqueologia 6, 2003, 415–479; Th. G. Schattner – J. Suárez Otero – M. Koch, Monte do Facho 2003. Bericht über die Ausgrabungen im Heiligtum des Berobreus, Madrider Mitteilungen 46, 2005, 135–183; A. Guerra – Th. G. Schattner – C. Fabião – R. Almeida, São Miguel da Motta (Alandroal/Portugal) 2002. Bericht über die Ausgrabungen im Heiligtum des Endovelicus, Madrider Mitteilungen 46, 2005, 184–234; M. Koch, El santuario dedicado a Berobreo en el Monte do Facho (Cangas, Galicia), in: IX Coloquio Internacional sobre Lenguas y Culturas Paleohispanicas, Barcelona 2004, Paleohispanica 5, 2005, 823-835; Th. G. Schattner – A. Guerra – C. Fabião, La investigación del santuario de Endovelico en São Miguel da Motta (Portugal), in: IX Coloquio Internacional sobre Lenguas y Culturas Paleohispanicas, Barcelona 2004, Paleohispanica 5, 2005, 893–908; Para o deus Berobreo. Aras do santuario de Donón no Museu Municipal de Vigo 2005, Ausstellungskatalog ( Vigo 2005); Th. G. Schattner – M. Mariné Isidro – M. Koch – N. Geldmacher, Postoloboso (Candeleda, Prov. Ávila) 2004/05. Bericht über die Kampagnen im Heiligtum des Vaelicus. Madrider Mitteilungen 47, 2006, 193–220;
Th. G. Schattner – A. Guerra – C. Fabião, Die Idealköpfe des Endovellicus – eine Zwischenbilanz, in: V. Gaggadis-Robin – A. Hermary – M. Reddé – C. Sintes (eds.), Xe. Colloque International sur l’Art Provincial Romain, Les ateliers de sculpture régionaux: techniques, styles et iconographie Arles et Aix-en Provence, 21.–23. Mai 2007 (2009) 483–494; Th. G. Schattner – A. Guerra – C. Fabião, La cariátide de São Miguel da Mota y su relación con las cariátides de Mérida, in: J. M. Noguera Celdrán – E. Conde Guerri (Hrsg.), V. Reunión sobre Escultura romana en Hispania, Murcia 2005 (Murcia 2008) 697–730; Th. Schattner – M. J. Santos – V. Pereira, Cabeco das Fraguas (Guarda), 2006: o contributo da primeira campanha de escavação, Praça Velha 24, 2008, 175-202.

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