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Russische Föderation: Taman-Halbinsel

Griechische Kolonisation im nördlichen Schwarzmeerraum am Beispiel der nordwestlichen Taman-Halbinsel

Neue Forschungen zur Griechischen Kolonisation im nördlichen Schwarzmeerraum - Entstehung und Genese politischer Räume

Location

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Germany
45° 17' 17.7828" N, 37° 2' 10.0464" E

Abb. 2 Nordküste der Taman-Halbinsel © DAIAbb. 1 Die Taman-Halbinsel (gelber Punkt) © DAIDie russische Taman-Halbinsel ( Abb. 1) auf der asiatischen Seite bildet gemeinsam mit der ukrainischen Kertsch-Halbinsel auf der europäischen Seite einen Sperrriegel zwischen Schwarzem und Asowschem Meer (in der Antike = Maiotis). Lediglich eine schmale Durchfahrtsstrasse, der kimmerische Bosporus (schon in der Antike so nach dem halbmythischen Stamm der Kimmerier benannt), verbindet die beiden Gewässer und ermöglicht die Schifffahrtsroute zum Don, der im Nordosten in das flache, nur 15 Meter tiefe Asowsche Meer mündet. Der Historiker Herodot (4.28) berichtet schon im 5. Jh. v. Chr., dass Teile des Asowschen Meeres, das lediglich einen Salzgehalt von durchschnittlich 11 % (im Südbereich sogar nur 2 bis 4 %) aufweist, in kalten Wintern zufror und die Steppennomaden dann über das Eis zu den Weiden am Rande des Kaukasus zogen. Als zu Beginn des 6. Jhs. v. Chr. Griechen am kimmerischen Bosporus ihre Kolonien gründeten, bestand der asiatischen Teil noch aus einzelnen Inseln. Meeresspiegelschwankungen und der Kubandeltavorbau haben das einstige Archipel in den vergangenen zweieinhalbtausend Jahren in eine Halbinsel transformiert. Die Halbinseln am kimmerischen Bosporus sind klimatisch von heißen Sommern und kalten Wintern geprägt. Das Gebiet gehört zur Steppenzone, was sich in weiten Teilen bemerkbar macht. Daneben ist das fruchtbare Land für Getreide- besonders aber für den Weinanbau bekannt, wodurch die flache Landschaft stark geprägt wird. Anders als auf der Kertsch-Halbinsel sind auf der Taman-Halbinsel einige Erhebungen auf die starke Vulkantätigkeit zurückzuführen, wo sich nicht selten in der Antike Heiligtümer befanden.

History

Abb. 4 Hellenistische Terrakottastatuette aus Kepoi © DAIAbb. 3 Marmorköpfchen eines Kouros aus Kepoi © DAIFür die Anlage der frühesten Gründungen an den Küsten des Schwarzen Meeres im späten 7. und frühen 6. Jh. v. Chr. bevorzugten die Griechen strategisch günstige Situationen auf Halbinseln oder Inseln. Zudem war die unmittelbare Nähe zu Handelswegen, den großen Flüssen und Strömen, bestimmend. Sie verbanden die griechischen Küstensiedlungen mit dem Hinterland, den Wald- und Steppengebieten und deren Bewohnern.

Auch die Taman-Halbinsel bot offensichtlich eine günstige geographische Situation. Hier waren der Mündung des Kuban (in der Antike Hypanis bezeichnet), eines schiffbaren Flusses aus dem Kaukasusgebirge, Inseln vorgelagert. Auf diesen gründeten nach antiker Überlieferung zunächst Milesier ihre Kolonien. Aufgrund der Funde ist dieses Ereignis in die erste Hälfte des 6. Jh. v. Chr. zu datieren.

Die Formation des von den Griechen angetroffenen Archipels ist allerdings in der Wissenschaft umstritten. Schon die antiken Schriftquellen berichten von Inseln. Ihre Anzahl und Größen sowie die Benennung der auf ihnen befindlichen Orte mit ihren antiken Namen sind allerdings keineswegs gesichert. Sicher ist jedoch, dass die Griechen mit befestigten Siedlungen beiderseits des Bosporus die Schifffahrtsroute zwischen Schwarzem und Asowschem Meer unter ihre Kontrolle brachten.

Abb. 5 Goldener Lorbeerkranz aus Kepoi © DAIWie sich die Situation östlich des Bosporus, auf den kleineren Inseln sowie auf dem Festland am Fuße des Kaukasus, darstellte, ist allerdings noch weitgehend unbekannt. Hier fehlen bisher großräumige geoarchäologische Untersuchungen zur Landschaftsrekonstruktion. Auch der Ablauf der Landnahme durch die Griechen und ihr Kontakt zur ansässigen Bevölkerung sowie die Entwicklung der Besiedlung in den ersten Jahrhunderten sind wenig untersucht.

Etwa hundert Jahre nach Beginn der griechischen Kolonisation löste der missglückte Feldzug des Perserkönigs Dareios im späten 6. Jh. v. Chr., der von den skythischen Reiternomaden zurückgeworfen wurde, Bewegungen unter den Völkern am Kaukasus und in der Steppe aus. Wohl als Reaktion auf diese Bedrohung formierten sich zu Beginn des 5. Jhs. v. Chr. die freien griechischen Gemeinden am kimmerischen Bosporus zu einem für die griechische Welt neuartigen Staatsgebilde, dem Bosporanischen Reich. Dieser erfolgreiche Zusammenschluss freier griechischer Poleis hatte sein politisches Zentrum in Pantikapaion auf der Krim und in Phanagoria eine zweite führende Stadt auf den Inseln.

Mit der Zeit dehnte sich das Reich rund um das Asowsche Meer aus und blieb bis weit in die Spätantike hinein bestehen. Spätestens im 4. Jh. v. Chr. gerieten auch Stämme der am Kaukasus ansässigen Völker, etwa Sinder und Maioten, unter diese Oberherrschaft.

Objectives

Abb. 7 Geomagnetik in Golubickaja 2 im Jahre 2006 © DAIAbb. 6 Geomagnetikplan des Fundplatzes Achtanisovskaja 1. © DAIUnter landschafts- und siedlungsarchäologischen Gesichtspunkten wird die Landnahme der Griechen auf der östlichen Bosporusseite bis in die Zeit des Bosporanischen Reichs untersucht, wobei kulturellen und politischen Verschiebungen besondere Aufmerksamkeit zukommt. Gezielte archäologische Grabungen und interdisziplinäre Forschungen sollen helfen, den Landschaftsraum in seinen verschiedenen Zeithorizonten zu rekonstruieren.

 

So hat bereits die geoarchäologisch-paläogeographische Forschung zur Rekonstruktion der antiken Landschaft und des lokalen Meeresspiegelverlaufs im Bereich der Taman-Halbinsel geführt (von der Gerda Henkel-Stiftung in großzügiger Weise unterstützt) und geholfen den Naturraum des Archipels in der Antike wiederzugewinnen. Weitere naturwissenschaftliche Begleitprogramme widmen sich der Klimaforschung, der Vegetation sowie den Bodenverhältnissen und dem menschlichen Einfluss darauf. Denn erst eine verlässliche Rekonstruktion der Landschaft und der Umwelt lassen die Gründe der Ortswahl sowie spätere Veränderungen in der Siedlungskonzeption, letztlich den Ablauf der Kolonisation selbst, deutlicher hervortreten. Gezielte geophysikalische Prospektionen sowie archäologische Surveys und Ausgrabungen sollen Aufschluss über die Hierarchie zwischen Hinterland und Polis sowie zwischen den Kolonien geben.

 

Aufgrund der Rekonstruktion der geographischen und siedlungsgeschichtlichen Genese wird die Schaffung politischer Räume durch die Griechen untersucht. Der menschliche Eingriff auf die Landschaft spiegelt sich in gebauten Räumen wieder: Markierungen, Strukturen und Organisation von Räumen sowie Strategien ihrer Nutzung, seien es Heiligtümer, öffentliche Räume, Wohngebiete oder Friedhöfe. In ihnen lassen sich möglicherweise religiöse, kulturelle und machtpolitische Sphären wiederentdecken.

Recent Activities

Abb. 9 Geoarchäologische Rammbohrkernuntersuchung © DAIAbb. 8 Schlammvulkan bei Achtanisovskaja © DAIGrundlegend für die Fragestellung nach den Bedingungen und dem Ablauf der griechischen Landnahme ist eine Rekonstruktion der antiken Landschaft. Die heutige Formation geht auf verschiedene Faktoren zurück. Nicht nur Meeresspiegelschwankungen und die Sedimentationen des Kuban, sondern auch die lokale und allgemeine Tektonik hat das Erscheinungsbild der Region nachhaltig verändert. Zusätzlich wurde und wird die Landschaft von starkem Vulkanismus in weiten Teilen punktuell überformt (Abb. 8 und 12). Dies hat zur Folge, dass vereinzelte Siedlungen, ganz oder teilweise im Meer versunken, Wege, Friedhöfe und Heiligtümer von Vulkanen zerstört und überdeckt, Hafensituationen und strategische Punkte verloren, Sichtachsen nicht mehr festzustellen sind, die einst für die Standortwahl von Siedlungen, Heiligtümern und Nekropolen (etwa Kurganen) entscheidend waren. Naturwissenschaftliche Begleitprogramme versuchen die Dynamik der regionalen und lokalen Geomorphologie nachzuzeichnen und den Zustand zu rekonstruieren, den die Griechen bei der Landnahme vorfanden.

 

Abb. 11 Nachweis der schiffbaren Durchfahrt zwischen der Golubickaja-Insel und der Taman-Hauptinsel. (Kelterbaum 2008). © DAIAbb. 10 Kartierung der Bohrprofile 2007 (Kelterbaum 2008) © DAIIn Kooperation mit dem Geographischen Institut der Philipps-Universität Marburg, wo das Team um Prof . Dr. Brückner im Bereich der Küstenforschung profiliert ist, wurden unter der Leitung des Dipl. Geographen Daniel Kelterbaum in bisher drei Kampagnen mit der Methode der geoarchäologischen Rammbohrkernuntersuchung (Abb. 9) mehr als 50 Bohrungen mit Tiefen zwischen 5 und 15 Metern abgeteuft (Abb. 10). Die Profile dieser Bohrkerne (Abb. 11) werden mit Hilfe der Bodenanalyse, aufgrund der makrofaunistischen und -floristischen Charakteristika sowie mittels Radiokohlenstoffdatierung ausgewertet. Die ausgewählten Untersuchungspunkte und -strecken sind so angelegt, dass ein verlässliches Bild der Entwicklung vom einstigen Archipel zur heutigen Halbinsel nachgezeichnet werden kann. Somit lassen sich nun auch die Küstenverläufe um 600 v. Chr. rekonstruieren und erlauben Aussagen über schiffbare Durchfahrten zwischen den Inseln und Hafensituationen, die heute verlandet sind.

 

In einer weiteren Kooperation mit Prof. Dr. Schütt vom Institut für physische Geographie der Freien Universität Berlin unternimmt Maximilian Krambach seit diesem Jahr eine geographische Auswertung der Kurganverteilung zwischen Golubickaja und der Fontalovskijhalbinsel. Karten, Satteliten- und Luftbilder werden georeferenziert und zusammen mit Daten aus der Feldforschung in ein GIS-System eingespeist und ausgewertet. Zunächst wird eine umfassende Kartierung der Kurgane und eine Auswertung nach geographischen und archäologischen Gesichtspunkten angestrebt. Spätere, gezielte archäologische Untersuchungen zum Aufbau und zur Bestimmung des Alters der Kurgane sind vorgesehen.

 

Abb. 12 Der Schlammvulkan Boris und Gleb. Topographische Aufnahme Frühjahr 2008. © DAIErste botanische Reste aus der Grabung in Golubickaja 2 werden von Dr. Reinder Neef vom Naturwissenschaftlichen Referat an der Zentrale des DAI paläobotanisch analysiert. Langfristig soll aus verschiedenen Grabungsplätzen des Nordpontos, die bis ins frühe 6. Jh. v. Chr. zurückreichen, Informationen über Nutzpflanzen, besonders dem Kultivierungsgrad des Getreideanbaus betreffend, zusammengetragen werden. Denn die Frage, wann und in welchem Maße der Getreideanbau eine bestimmende Rolle im Bereich des späteren Bosporanischen Reiches eingenommen hat, ermöglicht Aussagen zur viel diskutierten Motivation der Landnahme durch die Griechen. Zudem steht eine Untersuchung zur Entwicklung exportfähigen Getreides generell aus, obwohl hier der wirtschaftlichen Hauptfaktor für den späteren Wohlstand des Reiches lag.

 

Weitere gezielte Untersuchungen zur Bodenkunde, Klimaforschung und Geologie (Vulkanforschung) sind im Aufbau und werden zu einem besseren Verständnis der Umweltbedingungen zur Zeit der griechischen Landnahme beitragen. Neben der Landschaftsrekonstruktion wurden in einem fächerübergreifenden Projekt Siedlungen, Heiligtümer und Kurgane im Untersuchungsgebiet prospektiert (Abb. 6, 7 und 12). Bereits im Vorfeld von regulären Grabungen konnten mit Hilfe der Geophysik Informationen zu einigen interessanten Fundorten gewonnen werden. So konnten Dr. Harald Stümpel und Dipl. Geophysikerin Christina Klein von der Sektion Angewandte Geophysik des Geowissenschaftlichen Instituts der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in zwei Kampagnen 2006/2007 neun Fundstellen zum Teil großflächig prospektieren. Parallel zu den Methoden der magnetischen Prospektion und dem Georadar wurden archäologische Surveys und Testgrabungen durchgeführt, die den zeitlichen Rahmen und erste Aussagen zum Charakter der Fundstellen lieferten.

 

Nach den Voruntersuchungen konzentrierten sich die Forschungen zunächst auf zwei Bereiche. Zum einen auf die Funde der Altgrabung der milesischen Kolonie Kepoi, zum anderen auf einige Fundstellen im vermeintlichen Hinterland, zwei befestigte Siedlungen am Asowschen Meer. Letztere liegen an zwei strategischen Punkten beiderseits einer ehedem breiten nautischen Durchfahrtsstrasse, die von den geomorphologischen Untersuchungen als schiffbar nachgewiesen werden konnte (Abb. 11). Der kleine Bosporus, einst nicht breiter als 2,5 km, gewährte zumindest die Einfahrt aus dem Asowschen Meer in den heutigen Liman von Akhtanisovskaja, wo weitere Siedlungen an den Küsten lagen und sich das Heiligtum der Artemis Agroterea auf dem Vulkanberg Boris und Gleb (Abb. 12) an der Spitze einer weit in den Liman vorgeschoben Landzunge erhob. Diese wichtige Durchfahrt befestigten die Griechen mit zwei Siedlungen, deren antike Namen uns bisher nicht bekannt sind und die vorläufig nach einem Fundstellenbenennungssystem als Achtanisovskaja 4 an der Westküste und Golubickaja 2 an der Ostküste benannt sind.

 

Abb. 14 Golubickaja 2. Geophysikalische Prospektion über Luftbild und topographischer Plan mit Bohrlöchern und Anlage der Suchschnitte 2006 und der Grabung 2007. © DAIAbb. 13 Topographische Vermessung 2008 © DAIAchtanisovkaja 4 wird in Kooperation mit Georgij Lomtadze vom Staatlichen Historischen Museum in Moskau erforscht. Anhand der Funde aus seinen Grabungen konnte der Nachweis erbracht werden, dass die Siedlung seit dem frühen 6. Jh. v. Chr. durchgehend besiedelt war.

 

Golubickaja 2 wurde an der gegenüberliegenden Küste, auf einer kleinen Insel etwa zeitgleich angelegt. Dies bestätigt nicht nur das gleiche Alter der Keramikfunde, sondern es konnten sogar die gleichen Gattungen wie in Achtanisovkaja 4 angetroffen werden. Seit dem Sommer 2007 finden dort reguläre Grabungen statt. Hierzu konnte bereits auf geophysikalische Ergebnisse (Abb. 12) und Bohrkernanalysen zurückgegriffen werden, die als Transekt über das ehemalige Siedlungsgebiet gelegt wurden (Abb. 13). Somit konnte die Grabungsfläche gezielt auf Fragestellungen hin angelegt werden. Die insgesamt 13 Aufschlüsse der Bohrungen zeigen an, dass die Kulturschichten nicht tiefer als 1,5 Meter hinabreichen. Lediglich der breite Graben der Verteidigungsanlage, der sich bereits in dem geomagnetischen Plan als ca. 7 m breite Anomalie abzeichnete, reicht bis über 3 Meter vom heutigen Niveau aus hinab. Hier wurde dann auch 2007 ein Bereich im Verteidigungswerk mit regulären Grabungen untersucht.

 

Ebenfalls mit in das Projekt einbezogen werden die Rettungsgrabungen im heutigen Ort Golubickaja, einem zweiten antiken Ort, der wenigstens bis in die Bronzezeit zurückgeht und am Ostrand der ehemals kleinen Insel lag. Die Untersuchungen in Golubickaja 1 werden vom russischen Partner Nicolaij Sudarev vom Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften in Moskau geleitet.

 

Darüber hinaus werden ältere Grabungen ausgewertet und für die Publikation vorbereitet. Dazu gehören die Befunde und Funde älterer Grabungen in einer Siedlung, die mit der aus den schriftlichen Quellen bekannten griechischen Kolonie Kepoi gleichgesetzt wird (Abb. 3 bis 5 und 16, 17). Auch die unpublizierten Altgrabungen bei Za Rodinu, dem Heiligtum auf dem Schlammvulkan Boris und Gleb, sowie weitere kleine Grabungen im Nordwesten der Halbinsel werden einbezogen und die alten Ergebnisse mit kleineren Testgrabungen überprüft oder ergänzt. An vielen dieser Orte wurden bereits geophysikalische Prospektionen durchgeführt. Das aufzuarbeitende Material der Altgrabungen wird zu großen Teilen im Historischen Museum zu Moskau aufbewahrt. Hierzu gehören auch Funde aus dem Heiligtum der Aphrodite von Kepoi (Abb. 16), dessen Lage durch Inschriften (Abb. 17) gesichert ist, und aus den Nekropolen der Kolonie (Abb. 4 und 5).

Abb. 15 Golubickaja 2. Transekt der Sondierungsbohrungen 2007. © DAI Abb. 16 Sog. Aphrodite von Taman © DAI Abb. 17 Archaisches Marmorbecken mit Weihung an Aphrodite © DAI

Results

Abb. 19 Knochenschnitzerei aus Golubickaja 2 © DAIAbb. 18 Golubickaja 2. Nordionisch/Aeolischer Hakenrand-Teller © DAIDie erste Grabungskampagne in Golubickaja 2 fand im Sommer 2007 statt und galt dem Verständnis der Verteidigungsanlage. Dabei wurde ein ca. 7 m breiter Spitzgraben mit einer Scheiteltiefe von über 3,30 m angetroffen sowie ein Wall von ebenfalls mehr als 7 m Breite. Eine erste Auswertung der Funde zeigt an, dass die Anlage am Ende des 6. oder zu Beginn des 5. Jhs. v. Chr. angelegt worden sein muss. Kollege Dr. Misha Sablin von der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften hat als Paläozoologe bereits die Tierreste aus der Grabung der Sommerkampagne 2007 ausgewertet. Es fanden sich neben dem fast vollständigen Skelett eines Wolfes auch Süßwasserschildkröten mit Schnittspuren und über einhundert Pferdeknochen, allesamt aus dem Verteidigungsgraben. Insgesamt konnte eine breite Skala von Fischen, Nutz- und Wildtieren angetroffen werden, die einen vorläufigen Einblick in das Spektrum erlauben, das sicher auch die Siedlung in zukünftigen Grabungen bereitstellen wird.

 

Abb. 21 Golubickaja 2. Megarischer Becher © DAIAbb. 20 Golubickaja 2. Byzantinische Keramik aus dem Oberflächensurvey 2007. © DAIDie Funde ( Abb. 21) aus der ersten Grabung, wie auch aus den Oberflächenbegehungen zeigen für die Besiedlung von Golubickaja 2 einen Zeitrahmen vom 2. Viertel des 6 Jh. (Abb. 18) bis zum mittleren 2. Jh. v. Chr. (Abb. 19) an. Es fanden sich bisher noch keine jüngeren Besiedlungsspuren und auch nach dem 2. Jh. v. Chr. lässt sich keine Siedlungskontinuität nachweisen. Erst für der byzantinischen Phase (Abb. 20) lassen sich in der Nähe der antiken Siedlung wieder kurzzeitige Aktivitäten feststellen, die sich nach Oberflächenbegehungen zwar topographisch eingrenzen lassen, zu denen aber bislang keine baulichen Überreste angetroffen werden konnten. Außer einer möglichen tatarischen Einzelsiedlung stellt die Landwirtschaft die einzige darüber hinaus festzustellende menschliche Nutzung des Gebietes dar. Auch heute sind das Gebiet und das direkte Umland der antiken Siedlung Teil eines großen Getreidefeldes, dessen Bearbeitung mit modernem, schwerem landwirtschaftlichen Gerät tiefgreifende Zerstörung bewirkt. Welche Rolle bei der Aufgabe der Siedlung und dem möglichen Verlust weiterer antiker Zeugnisse der nahegelegenen Vulkan spielte, ist noch unklar.

Cooperation / Cooperation partners

Projektpartner

 

Fig. 22. Team 2007 © DAI

Dr. Denis Zhuravlev, Staatliches Historisches Museum, Moskau

weitere Partner

Prof. Dr. Helmut Brückner, Fachbereich Geographie, Philipps-Universität Marburg (Meeresküstenforschung)
G. Lomtaze, Staatliches Historisches Museum, Moskau (Projekt Achtanisovskaja 4)
Prof. Dr. K. Kohlmeyer, Dipl.-Ing. M. Block, A. Buhlke, J. Neumann, J. Orrin, Studiengang Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (Geodäsie)
Dr. R. Neef, Naturwissenschaftliches Referat an der Zentrale des DAI, Berlin (Paläobotanik)
Dr. M. Sablin, Zoologisches Institut, Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg (Paläozoologie)
Prof. Dr. B. Schütt, M. Krambach, Institut für Geographische Wissenschaften, Freie Universität Berlin (geographische Raumanalyse, Kurgane)
Dr. H. Stümpel, Dipl. Geophysikerin Ch. Klein, Institut für Geowissenschaften, Angewandte Geophysik, Christian Albrechts Universität Kiel (Geophysik)
Dr. N. Sudarev, Archäologisches Institut, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau (Golubickaja 1)

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