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Islamische Villa ar-Rumaniya
Die Villa liegt am Fuß der Sierra Morena, rund 2,5 km westlich der Palaststadt Madinat al-Zahra und 10 km westlich der Altstadt von Córdoba.
Die Stadt Córdoba war in islamischer Zeit von einer Vielzahl von Villen umgeben. Ar-Rumaniya liegt am westlichen Rand dieser Villenlandschaft, am Südhang der Sierra Morena. Die Anlage umfasst vier Terrassen mit einer Gesamtfläche von rund 4,5 ha. Die unteren drei Terrassen waren als Garten gestaltet, auf der obersten lagen unterschiedliche Wohn- und Wirtschaftsbauten. Einer der architektonischen Höhepunkte der vierten Terrasse war ein 30 x 50 m großes und 4 m tiefes Wasserbecken. Entlang den Seiten des Beckens verlief ein Weg, der auf Konsolen ruhte und ein „Spazieren auf dem Wasser“ erlaubte. Direkt über dem Ausfluss des Beckens in Richtung Garten lag ein Saal, dessen große Maueröffnungen auf der einen Seite einen Blick auf das Wasserbecken, auf der anderen auf den Garten und das Flusstal gestatteten. Der Wasserbedarf der Villa wurde auf unterschiedliche Weise gedeckt, so durch ein Bachbett, dass nach starken Regen Wasser führt, eine Quellfassung, eine Sickergalerie, sowie eine Leitung, die Wasser aus den Bergen zum Villengelände brachte. Auf den Gartenterrassen sind Reste eines regelmäßig angelegten Netzwerkes von Bewässerungskanälen erhalten.
Ein Finanzminister des Kalifen errichtete die Villa um 966 n. Chr. Nach ihrer Zerstörung 1009/10 wurde die Anlage im Spätmittelalter durch eine christliche Adelsfamilie erneut genutzt. Archäologische Untersuchungen setzten 1910 ein.
Die Villa ar-Rumaniya wurde 966 n. Chr. von ad-Durri as-Saghir, einem Finanzminister des Kalifen al-Hakam II., als Landsitz errichtet. Bereits 973 fiel der Bauherr aufgrund eines Korruptionsverdachtes in Ungnade und musste die Villa dem Kalifen übereignen. Im Bürgerkrieg 1009/10 zerstört, lag das Landgut lange brach. Erst nach der Reconquista wurden Teilbereiche der Villa ab 1236 wieder restauriert, offenbar als Sitz einer christlichen Adelsfamilie. Unter anderem diente das große Wasserbecken nun der Fischzucht. Im 15. Jh. setzte der allmähliche Verfall ein. Die ersten archäologischen Untersuchungen fanden 1910 unter der Leitung des Architekten Ricardo Velázquez Bosco statt. Ab 1926 ließ der Marqués de Murrieta, die Anlage erneut als Sommerresidenz ausbauen. Bei den Bauarbeiten kam unter anderem ein dekoriertes Marmorbecken zum Vorschein, das sich seither im Museum von Córdoba befindet. Das Landgut ist heute in privatem Besitz und wird für die Stierzucht genutzt.
Anhand der Villa ar-Rumaniya soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit das römische Erbe eine Wurzel der islamischen Architektur darstellt.
Der islamischen Kultur ist ein bestimmtes Raumverständnis eigen. Als der Islam im 7. und 8. Jh. weite Teile der antiken Mittelmeerwelt eroberte, war dieses Raumverständnis etwas revolutionär Neues, basierte aber auf Tendenzen der traditionellen römischen und persischen Architektur. Ziel des Projektes ist es, im Rahmen des Forschungsclusters „Politische Räume“ die Unterschiede zwischen römischem und islamischem Raumverständnis zu definieren und zu klären, inwieweit das antike Erbe eine Wurzel der islamischen Architektur darstellt. Exemplarisch soll dabei die Beziehung zwischen römischer und islamischer Villenarchitektur auf der iberischen Halbinsel untersucht werden. Mit diesem Projekt soll ein Beitrag zu weiterreichenden, kulturvergleichenden Analysen geliefert werden, insbesondere zur Frage nach der Rolle sozialer Hierarchien in der Bildung politischer Räume.
Eine detaillierte Bauuntersuchung wird ergänzt durch naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Wassertechnik und Gartenbepflanzung.
Im Rahmen des Projektes wird eine umfassende Bauaufnahme der heute sichtbaren Mauerreste der Villa erstellt. Im Anschluss werden punktuelle Grabungen durchgeführt, die zur Klärung einzelner Fragen zur Konstruktion und Gestaltung der Villa beitragen. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Untersuchung des Bewässerungssystems und der Bepflanzung der Gärten der Villa. Eine wassertechnische Studie wird ergänzt durch geologische, geomorphologische und archaeobotanische Untersuchungen.

Im Anschluss an eine detaillierte Bauaufnahme konnten punktuell Grabungen durchgeführt werden. Dabei wurde unter anderem am großen Wasserbecken der Villa ein Saalbau entdeckt.
Mit Hilfe von Sondermitteln konnte 2006 die Bauaufnahme der Villa in Angriff genommen und 2007 weitgehend abgeschlossen werden. In zwei weiteren Kampagnen wurden punktuelle Grabungen durchgeführt. Dabei wurde unter anderem am großen Wasserbecken der Villa ein Saalbau neu entdeckt, dessen Arkaden sich ebenso zum Waserbecken wie zum angrenzenden Garten öffneten. Im Zerstörungsschutt konnten Reste der Baudekoration und der Türbeschläge geborgen werden.
Ein Vergleich der Gesamtanlage mit der römischen Villenarchitektur hat eine gewisse Kontinuität gezeigt, insbesondere in der Bewässerungstechnik und der Typologie der Innenräume. Insgesamt überwiegen bei der Gestaltung der Anlage jedoch orientalische Einflüsse. Die Villa kann als Ausdruck eines islamischen Raumkonzepts gewertet werden, bei dem Raum als ein unendliches Kontinuum interpretiert wird. Einer auf den Westislam beschränken Ausprägung dieses Konzepts folgend, wird im Entwurf der Säle und Gärten von ar-Rumaniya insbesondere das Blickfeld des Betrachters berücksichtigt, unter Vorwegnahme der Prinzipien der Zentralperspektive. Innerhalb der Entwicklung dieses Raumkonzepts hat sich die Villa als ein Schlüsselwerk erwiesen, dessen Einfluss in den Palästen des 11. Jh. von Almería und Zaragoza beobachtet werden kann.
Henning Fahlbusch (Wassertechnik), FH Lübeck
M. O. Rodríguez Ariza (Archaeobotanik), Universidad de Jaén
Thomas Köberle (Geologie und Baustoffkunde), Dresden
Heinrisch Thiemeyer (Geomorphologie), Universität Frankfurt
Antonio Vallejo Triano, Madinat al-Zahra (Córdoba)
Alberto Canto García, Universidad Autónoma de Madrid
Felix Arnold - Alberto Canto García - A. Vallejo Triano, Das islamische Landgut ar-Rumaniya bei Córdoba. Vorbericht einer Bauaufnahme, Madrider Mitteilungen 50, 2009, 503-523
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