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Zwischen 1991 und 1995 wurde unter der Leitung von Rüdiger Gogräfe im Auftrag der Außenstelle Damaskus der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts und mit Erlaubnis der syrischen Antikendirektion der noch aufrecht stehende Tempel des Ortes zu einem großen Teil freigelegt und aufgenommen. Zusätzlich wurde sein Umfeld in Suchschnitten untersucht. In den noch sichtbaren Resten der antiken Siedlung samt ihres Kastells wurde ein Survey durchgeführt und eine Ortskartierung vorgenommen.
Etwa in der Mitte zwischen Hama und Raqqa bzw. Palmyra und Aleppo in der zentralen Steppe Syriens gelegen. Wichtiger Brunnen an zentralem Pistenknotenpunkt.
Die ältesten Scherbenfunde der Siedlung stammen aus der Zeitenwende. Während der frühen Kaiserzeit könnte bereits ein bescheidener Vorgängerbau des heute noch sichtbaren severischen Tempels (Abb. Tempel) bestanden haben. In diese Zeit wird man auch die ca. 54 cm große, klassizistische Bronzefigur eines Apollon (Abb. Bronzefigur) datieren, die im 4. Jh. n.Chr. neben dem Tempel sorgfältig niedergelegt und nicht zerstört wurde. In spätseverischer Zeit entstand der besagte Neubau, über den inschriftlich nichts bekannt ist. Eine bemerkenswerte Felsspalte unter dem Tempel (Abb. Felsspalte unter dem Tempel) und ein Gewölbe unter dem Cella-Niveau sind jedoch geläufige Einrichtungen von Orakelheiligtümern.

Ein in die Tempelarchitektur einbezogener Brunnen sowie zu rekonstruierende Cellatürme sind typisch orientalische Kulteinrichtungen in dem sonst 'römisch' erscheinenden Bau. Das Heiligtum wurde im 4. Jh. aufgegeben und noch in der frühbyzantinischen Epoche wurde die Tempelcella als Turm in eine einfachen Stadtumwallung integriert (Abb. Plan der Siedlung). Reste von Schuppenpanzern und Pfeilspitzen auf dem zugehörigen Laufniveau reflektieren den militärischen Charakter der Anlage in jener Zeit. Oberflächlich gefundene Scherben aus dem benachbarten Kastell stammen ebenfalls aus der frühbyzantinischen Periode, für welches die equites scutarii Illyriciani als Besatzung belegt sind.
Topographische Gründe sprechen dafür, dass die Stadtumwallung älter als das Kastell in der jetzt erkennbaren Form ist. Mindestens drei Kirchen bezeugen den christlichen Charakter der damals in Blüte stehenden Siedlung, die möglicherweise auch einen Bischof hatte. Ca. vom 10.-12. Jahrhundert wurde der Tempel zu Wohnzwecken intensiv benutzt. Eine Brandkatastrophe beendete diese Phase, nach der auch die Siedlung weitgehend verlassen wurde. In mamlukischer Zeit wurde der ehemalige Tempel zu einem Wasserreservoir (Abb. Krug der sog. Beduinenkeramik) umgebaut und diente kurze Zeit dem Gouverneur Tankiz (1312-1329) als Station zwischen Damaskus und der Jêzira. Schließlich entstand ein Gräberfeld um den nun als 'qasr' (Burg) bekannten Bau. Die Ergebnisse spiegeln siedlungs-, religions- und militärgeschichliche Entwicklungen in Syrien über anderthalb Jahrtausende in exemplarischer Weise wieder. Vor allem ist der Ort ein Beispiel für die extreme Ausdehnung des Fruchtbaren Halbmondes gegen die syrische Steppe zu Zeiten eines gut funktionierenden Staatswesens. Fragen zu Entstehung des Heiligtums und möglichem Vorgängerbau des Tempels sind noch nicht erschöpfend untersucht, einige Befunde zu seiner mittelalterlichen Nutzung wurden noch unberührt belassen. In Siedlung und Kastell wurden keine Ausgrabungen unternommen.

Dr. Rüdiger Gogräfe
Adolf Gerhard Str. 5
D 55128 Mainz
Tel.: +49-(0)6131-369201; Mobil: +49-(0)170-5645006; Fax: +49-(0)6131-791254
E-Mail: RR.Gograefe-home@t-online.de
Berichte: Damaszener Mitteilungen 7, 1993, 45ff.; Antike Welt 27 Heft 5, 1996, 353ff.; Syrian-European Archaeology Exhibition May 30th-July 11th 1996 (Damaskus 1996) 159ff.; Topoi 7, 1997, 801ff.; R. Gogräfe, Isriye-Seriana from the beginning of the Caesarian to the end of the Byzantine time in Syria: the archaeological and historical evidence, in: La Syrie de la mer à la steppe - Résumés des conférences, Hama 27 sep.-2 oct 1999 (Damaskus 1999) 71f.; R. Gogräfe, Der Apollon von Seriana-Isriye - Datierung und Funktion, in: Antike Bronzen - Werkstattkreise: Figuren und Geräte. Akten des 14. Int. Kongresses für Antike Bronzen in Köln, 21.-24. September 1999, Berlin 2001.
Eine monographische Vorlage mit allen bisherigen Funden und Befunden ist geplant.
The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.