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Der Kirchenbau in den spätantiken Patriarchaten Antiocheia und Jerusalem und der antike Euergetismus

Sammlung und historische Auswertung der über 1000 Inschriften, die in den Kirchen des Nahen Ostens zwischen 312 und 638 n. Chr. angebracht wurden.

Die Frage "Niedergang oder Wandel" ist das zentrale Thema der Forschungsbemühungen um die geschichtliche Einordnung der drei Jahrhunderte zwischen 284 und 640 n. Chr. In diesem Zusammenhang wurde aber bisher die Finanzierung des spätantiken Kirchenbaus wenig erörtert, obwohl dieser ein zentrales Fallbeispiel darstellt. Denn mit diesem Kirchenbau ist nicht nur die Frage verbunden, inwieweit spätantike Kirchen in oder mittels der bisherigen Kultbauten (pagane, jüdische) entstanden. Vor allem stellt der spätantike Kirchenbau die letzte große Welle von Kultbauten in der Antike dar. Damit fragt sich aber, inwieweit die Bauten dieses neuen Kultes, der in vieler Hinsicht von den bisherigen abwich, in der gleichen Weise finanziert wurden, wie dies bis dahin der Fall gewesen war. Bis dahin waren Kultbauten vor allem mit Hilfe des sogenannten Euergetismus finanziert worden, d. h. Angehörige der Oberschichten hatten solche Baumaßnahmen im Interesse größerer Gruppen finanziert, um von diesen sozial in ihrer herausragenden Position bestätigt zu werden. Ob dies auch für den Kirchenbau gilt, war anhand von über 1000 einschlägigen Inschriften aus den spätantiken Patriarchaten Jerusalem und Antiocheia, also dem östlichsten Teil der Mittelmeerwelt, zu überprüfen, um so einen wichtigen Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der Spätantike zu leisten.  

Location

History

Der Kirchenbau in den spätantiken Patriarchaten Antiocheia und Jerusalem und der antike Euergetismus © DAIDie rasche Christianisierung des Römischen Reiches in der Spätantike führte zu einer Welle von Kirchenbauten. In diesen Kirchen wurde gerne mit Inschriften darauf hingewiesen, wer die Bauten des neuen Glaubens organisiert und finanziert hatte, aus welchen Motiven heraus er gehandelt hatte und wie diese Bauprojekte in die neuen kirchlichen Gemeinden mit dem Bischof an der Spitze eingebunden waren. Allein aus dem Gebiet der beiden spätantiken Patriarchate Antiocheia und Jerusalem, die sich von der heutigen Südosttürkei über Syrien und Jordanien bis Palaestina erstreckten, sind über 1000 solcher - oft noch in situ erhaltener - Inschriften bekannt. Jährlich werden circa zwanzig weitere gefunden. Diese Inschriften wurden gesammelt und im Rahmen einer Habilitationsschrift unter historischen Gesichtspunkten ausgewertet. Leitfrage war dabei, wer diese Baumaßnahmen finanziert hatte und wie sich diese Personen und die entsprechenden Kleriker selbst darstellten. Speziell wurde untersucht, inwieweit das für die Antike generell wichtige Phänomen des Euergetismus - d. h. der Finanzierung der für die Allgemeinheit bestimmten Bauten durch sozial herausragende Einzelne, um deren Position zu rechtfertigen - auch noch für den spätantiken Kirchenbau eine Rolle spielte. Für alle diese Fragen ist der archäologische Kontext der jeweiligen Inschrift von großer Wichtigkeit, da die Inschriften das nicht mehr explizit erwähnen, was sich ihrem Anbringungsort entnehmen ließ. Ob eine Bauinschrift von der Erbauung einer ganzen Kirche oder eines Raumes berichtete, läßt sich z.B. oft nur anhand ihres Anbringungsortes entscheiden.

Objectives

Vorlage eines Corpus dieser Inschriften in ihrem archäologischen Kontext und einer historischen Auswertung.

Foerderung

Zeitweise durch die Gerda-Henkel Stiftung.

Bibliography

R. Haensch, Der Bezug zwischen Inschriften und architektonischem Kontext im Falle der Kirchen der östlichen Reichshälfte, Acta XII Congressus Epigraphiae Graecae et Latinae, Barcelone, 3-8 septembre 2002 (im Druck).

Sponsorship

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