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Urbanistik der römischen und islamischen Zeit: Hama Altstadt

Topographischer Survey der Altstadt von Hama
Phase I - Qasr al-'Azm

Location

Hama, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, liegt in Westsyrien an dem ganzjährig wasserführenden Fluss Orontes.

History

Abb. 1 Nuri-Moschee, Blick von Osten © DAIHama gehört zu den ältesten durchgehend besiedelten Städten in Syrien. Langjährige Ausgrabungen an dem inmitten der modernen Stadt gelegenen Tall, die dänische Archäologen in den dreißiger Jahren des 20. Jhs. durchführten, habe eine Siedlungsabfolge ab mindestens dem 7. Jt. v. Chr. nachgewiesen. Überregional bedeutend ist die Stadt vor allem als Kapitale des aramäischen Königreiches Hamath im ersten Viertel des 1. Jahrtausends v. Chr. Für das islamische Mittelalter, d.h. der Zangiden- und Ayyubidenzeit im 12. und 13. Jahrhundert, ist Hama als wichtiges Handelszentrum belegt. Nach den timuridischen Zerstörungen im Jahre 1401 erholte sich die Stadt nur langsam, erlangte jedoch zu Beginn der osmanischen Herrschaft wieder eine besondere Bedeutung als Sitz eines Distriktgouverneurs und als Station auf der Pilgerroute.

Objectives

Hama weist nach Damaskus und Aleppo den umfangreichsten Gebäudebestand aus der osmanischen Zeit in Syrien auf. Darüber hinaus finden sich hier zahlreiche wichtige Bauten des islamischen Mittelalters wie beispielsweise die Abu´l Fida- und die Nuri-Moschee (Abb. 1). Wie in allen Städten Syriens ist auch hier der Altbaubestand inzwischen durch zahlreiche Eingriffe und Neuplanungen stark gefährdet. Eine systematische Dokumentation des noch vorhandenen Gebäudebestandes sowie die Bauaufnahme der herausragenden Baudenkmäler bildet daher ein Desiderat. In Zusammenarbeit mit der syrischen Antikenverwaltung initiierte daher das DAI Damaskus 2005 das Projekt Topographical Survey of the Old Town of Hama, das sich insbesondere der Bauaufnahme widmen soll. Der erste Arbeitsabschnitt betrifft die bauhistorische Untersuchung des auf dem westlichen Flussufer gelegenen Viertels at-Tawafira, das einen noch weitgehend geschlossenen Komplex mit Gebäuden aus dem 12. bis 19. Jahrhundert bildet. Das hinsichtlich Größe, Struktur und Bedeutung herausragende Gebäude der osmanischen Zeit stellt hier der ´Azm-Palast (Qasr al-´Azm) dar (Abb. 2). Diese in ihrem Kern auf das Jahr 1740 zurückgehende Anlage Abb. 3 Qasr al-'Azm, Hof 1mit Brunnen und Iwan © DAIAbb. 2 Qasr al-'Azm, Blick von Südosten © DAIbildet den ältesten Gouverneurspalast der osmanischen Zeit in Syrien. Der unmittelbar am Orontesufer gelegene Palast mit seinen vorgelagerten Gärten bildet aufgrund seiner allseitig sichtbaren Fassaden ein singuläres Bauwerk, dessen detaillierte Untersuchung wesentliche Erkenntnisse zur Bauhistorie der osmanischen Zeit in Syrien erwarten lässt. Das Gebäude besteht aus drei Höfen (Abb. 3) und weist neben verschiedenen originalen Raumausstattungen eine Vielzahl von komplexen Baudetails auf, wie beispielsweise Farbpastendekorationen die mit aufwendigem Steinschnitt verzierten Fensterlaibungen (Abb. 4). Ziel der Arbeiten bildet neben der detaillierten Dokumentation des Gebäudes die Ermittlung der verschiedenen Bauphasen zwischen 1740 und 1918. Daran anschließend sollen die angrenzenden Gebäude des at-Tawafira - und des westlich anschließenden Bashura-Viertels untersucht werden.

Methodology

Abb. 4 Qasr al-'Azm, Hof 2, Fenster mit Steinschnitt © DAIDie von 2005 bis 2007 durchgeführten Arbeiten umfassen die Erstellung von Grundriss, Ansichten und vier Schnitten. Für das Aufmaß sowie die Aufnahme der zahlreichen Baudetails wurden reflektorlose Tachymetrie, Stereofotogrammetrie sowie analoge und digitale Fotogrammetrie eingesetzt (Abb. 5). Daneben wurde die Baubeschreibung für alle Räume in Form eines Raumbuchs erstellt. Eine vollständige Fotodokumentation der Innenräume und ihrer Baudetails ergänzt diese Daten. Darüber hinaus fanden detaillierte Analysen der originalen Holzvertäfelungen sowie der hier angebrachten Inschriften statt. Archivarbeiten zu den Akten der ´Azm-Familie in Hama wurden 2007 durchgeführt. Auf der Basis dieser Daten erfolgen die bauhistorische Auswertung und vergleichende Analyse des Befundes.

Results

Qasr al-´Azm gehört zu den wichtigsten Wohn- und Repräsentationsbauten der osmanischen Zeit in Syrien und stellt aufgrund seiner Größe (ca. 70 Räume auf etwa 1500 m2 umbauter Fläche) und besonderen Struktur eines der herausragenden Gebäude des 18./19. Jahrhunderts dar. Aufgrund der verschiedenen Nutzungen im Laufe der Jahrhunderte fanden zahlreiche Modifikationen der ursprünglichen Gebäudestruktur des 18. Jahrhunderts statt, insbesondere auch hinsichtlich der Innenausstattungen. Die Untersuchungen haben neben den Hauptbauphasen zahlreiche kleinere Veränderungen des Gebäudes, v.a. hinsichtlich der Zugangssituationen, erfasst, deren Entstehungsdatum jedoch nicht immer eindeutig zu feststellbar ist. Die bisher ausgewerteten historischen Quellen berichten v. a. von umfangreichen baulichen Maßnahmen am Ende des 18./beginnenden 19. Jahrhundert. Durch das detaillierte Aufmaß konnten auch verschiedene, auf den bisher vorhandenen, sehr schematischen Pläne nicht erscheinende Raumeinheiten erfasst werden. Mit mehr als 70 Räumen weist der Palast deutlich mehr Einheiten auf als ursprünglich vermutet wurde. Die digitale Dokumentation des vorhandenen Befundes mit Hilfe moderner Aufnahmemethoden erlaubt in der Auswertung die Darstellung der verschiedensten Ansichten und Aspekte des Gebäudes. Da mit diesem Projekt erstmals ein Gebäude dieser Größe der osmanischen Zeit in Syrien in dieser Art untersucht wurde, bilden die Arbeiten in methodischer Hinsicht ein Pilotprojekt für die künftige Dokumentation osmanischer Anlagen in Syrien.Abb. 5 Hama - Qasr al-'Azm, Rohdaten der digitalen Bauaufnahme, Herbst 2007 © DAI

Cooperation / Cooperation partners

Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie (DGAMS)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Dr. Ariane Ahmad, Universität Lattakia
Prof. Dr. James Reilly, University of Toronto
Dr. Thomas Urban, Berlin
I. Wagner, DAI, Orient-Abt., Berlin
A. Scharrahs, Coswig
Dr. C. Ott, Beedenbostel

Ansprechpartner

A. Ferzat, DGAMS

Bibliography

K. Bartl, Topographische Untersuchungen in der Altstadt von Hama. Phase I - Qasr al-´Azm, Deutsches Archäologisches Institut, Orient-Abteilung, Außenstelle Damaskus (Hrsg.), Orte und Zeiten, 25 Jahre archäologische Forschung in Syrien. 1980-2005, 46-49, Damaskus 2005.
A. Ahmad, Survey of the Old Town in Hama, Documentation of Monuments, in: K. Bartl, M. al-Maqdissi (Hrsg.), Archaeological Prospections in the Middle Orontes Region. First Results of Archaeological Fieldwork (in Vorbereitung).

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Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

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