Go to: Content area More information Main navigation Overview Metanavigation Footer
Untersuchungen zur Drehscheibenkeramik der Černjachov-Kultur der Produktionsstätte in Vojtenki
Die Siedlung von Vojtenki liegt ca. 50 km westlich von Charkiv (Ukraine) und damit im Nordosten des Verbreitungsgebietes der Černjachov-Kultur. Der umfangreiche Siedlungkomplex bestand vor allem im 4. Jh. n. Chr. und erstreckte sich über mehrere Geländevorsprünge an der Westseite eines kleinen Gewässers. Er wird seit 2004 durch die archäologische Expedition der Universität Charkiv untersucht (Leitung: M. Ljubičev).
![]() |
![]() |
![]() |
In einem deutsch-ukrainischen Gemeinschaftsprojekt wird die Keramik des Fundplatzes, bei der es sich fast ausschließlich Drehscheibenware handelt, analysiert.
Die Auswertung umfaßt die Funde der Grabungskampagnen 2004 bis 2007.
Diese Fundbearbeitung soll die Kenntnis regionaler Besonderheiten der Černjachov-Keramik im Gebiet östlich des Dnepr vertiefen.
Da auf der Siedlung auch ein Töpferofen gefunden wurde, stehen außerdem Untersuchungen zu Art und Umfang der örtlichen Keramikproduktion auf dem Programm, um auf diese Weise die wirtschaftliche Bedeutung des Siedlungsplatzes zu erfassen.
Innerhalb der Forschungen zur Černjachov-Kultur gehörte der Osten der Ukraine bisher nicht zu den Schwerpunkten, auch wenn in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Siedlungen in unterschiedlichem Umfang untersucht und pupliziert wurden.
Als besonders ausgedehnt gilt mit insgesamt bis zu 30 ha die Fundstelle in Vojtenki. Der Siedlungsplatz weist nach bisheriger Prospektion mehrere Areale auf, außerdem wurde ein dazugehöriges Gräberfeld entdeckt. Auffallend ist der Fundreichtum des Platzes, der neben Tonware auch zahlreiche Kleinfunde umfasst. Dies alles spricht dafür, dass die Siedlung ein wirtschaftliches und vielleicht auch politisches Zentrum darstellte.
Das umfangreiche Scherbenmaterial aus den bisherigen Grabungskampagnen in zwei der Siedlungsabschnitte wurde bereits nahezu vollständig erfaßt. Hinzu kamen die ganz erhaltenen oder rekonstruierbaren Beigefäße aus den Gräbern.
Darüberhinaus wurde Vergleichsmaterial von kleineren Grabungen auf anderen Černjachov-Siedlungen dieses Gebietes herangezogen.
Um die spezifischen Merkmale der Keramik zu erkennen, sind neben archäologischen aber auch naturwissenschaftliche Untersuchungen notwendig. Deshalb wurden durch M. Daszkiewicz (Archea Warszawa) und G. Schneider (Arbeitsgruppe Archäometrie der Freien Universität Berlin) Probenserien analysiert.

In Zusammenarbeit mit Geologen der Universität Charkiv begann 2006 auch die Suche nach den für die Keramikherstellung geeigneten Tonlagerstätten. Das sehr große Siedlungsgelände in Vojtenki erfordert zudem eine genaue Planung der nächsten Grabungskampagnen, um möglichst aussagekräftige Bereiche zu erfassen. Deshalb wurde 2005 in Kooperation mit B. Song (Ruhr-Universität Bochum) ein Teil der Fläche geomagnetisch prospektiert.
Zunächst wurde der Töpferofen und die Keramik aus seinem Umfeld ausgewertet, die überraschenderweise keine Fehlbrände enthielt. Danach folgte die Untersuchung der Keramik getrennt nach den Siedlungsabschnitten A und C. Im Bereich A konnte ein älterer Horizont unterschieden werden, der vor allem freihandgeformte Keramik aufweist und noch nicht zur Černjachov-Kultur gehört. Die Keramik der beiden Siedlungsbereiche bestand sonst fast ausschließlich aus Drehscheibenkeramik. Am häufigsten finden sich Töpfe in unterschiedlicher Ausführung, gefolgt von Schalen.
Ein Vergleich des Siedlungsmaterials mit den Gefäßen aus den 70 Gräbern ergab einige funktionale, aber keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Keramikspektren. Im Keramikbestand von Vojtenki gibt es auch keine Hinweise dafür, dass Keramik speziell für die Gräber angefertigt wurde.
Erste Resultate und Teilauswertungen wurden in Deutschland und der Ukraine publiziert. Eine monographische Vorlage aller Ergebnisse ist in Vorbereitung.
Doz. Dr. Michail Liubichev, V. N. Karazin Kharkiv National University, Pl. Svobody 4, 61077 Kharkiv, Ukraine
Э. Шультце/М. В. Любичев, Гончарная керамика участка «А» селища позднеримского времени Войтенки (по раскопкам 2004-2006 годов). Боспор Киммкрийский и варварский мир в период античности и средневековья. Актуальные проблемы (Керчь 2009) 527-532.
Э. Шультце /М. В. Любичев, Керамика черняховской культуры из участка «В» поселения Войтенки 1. Древности 2009, 218-237.
M. Ljubičev, Zur Herstellung von Drehscheibenkeramik in der Černjachov-Kultur. Ein Brennofen aus der Siedlung Vojtenki 1 (Ostukraine). Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 48, 2007, 187-202.
M. Ljubičev, Vojtenki 1 - eine Siedlung der Černjachov-Kultur in der Nordostukraine. Eurasia Antiqua 12, 2006. 269-288.
M. Ljubičev, K voprosu o vremeni pojavlenija pamjatnikov černjachovskoj kul´tury na dnepro-doneckom vodorazdele. Rossijskaja Archeologija 2003/3, 71-81.
M. Ljubičev, Černjachovskaja kul´tura dnepro-doneckoj lesostepi: Istorija, issledovanja i osnovnye problemy izučenija (Char´kov 2000).
V. D. Baran/V. D. Terpilovskij/B. V. Magomedov, Keramika. In: V. D. Baran (Hrsg.), Slavjane Jugo-Vostočnoj Evropy v progosudarstvennych period (Kiev 1990) 138-160.
The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.