Metanavigation

Serbien, spätantiker Kaiserpalast

Der spätantike Kaiserpalast Felix Romuliana / Gamzigrad in Serbien

Archäologische, bauforscherische und geographische Untersuchung des spätantiken Kaiserpalastes und seines Umfeldes

Location

Location

Germany
43° 53' 57.4512" N, 22° 11' 39.1344" E

Lage von Gamzigrad © DAIFelix Romuliana / Gamzigrad liegt im heutigen Ostserbien im Tal des Timok bei der Provinzhauptstadt Zaječar ca. 100 km nördlich von Nis, dem antiken Naissus. Der Ort Felix Romuliana gehörte zu der spätantiken Provinz Dacia ripensis.

History

Nach den Funden einer Archivolte mit der Inschrift Felix Romuliana im Jahr 1984 und eines überlebensgroßen tetrarchenzeitlichen Kaiserporträts aus ägyptischem Porphyr im Jahr 1993 wird die befestigte Anlage , mit dem Palast des Kaisers Galerius identifiziert Dieser gehörte von 293 - 305 als Cäsar der ersten Tetrarchie an und war von 305-311 Augustus der zweiten Tetrarchie. Der Palast, der nach Romula, der Mutter des Galerius benannt ist, wurde wahrscheinlich ab 305 n. Chr. im Bereich einer älteren Befestigungsanlage errichtet und mit einer neuen monumentalen Mauer mit zwei reich dekorierten Toren und 20 nach außen springenden Türmen mit polygonalem Grundriss umgeben. Ummauerte Palastanlage von Osten © DAINach dem Tod des Galerius 311 n. Chr. verlor die repräsentative Anlage ihre Funktion als Palast. Seit der 2. Hälfte des 4. Jhs. entwickelte sich im Schutze des noch bestehenden Mauerringes eine ländliche Siedlung mit Einrichtungen zur Metallverarbeitung und mehreren christlichen Kirchen. Nach der Aufgabe der Provinzgebiete durch die Römer/ Byzantiner im frühen 7. Jh. n. Chr. etablierte sich hier eine frühmittelalterliche Siedlung, die bis ins 11. Jh. existierte. Seitdem blieb das ca. 230 x 190 m große ummauerte Areal unbewohnt.
Im Jahr 2007 wurde die kaiserliche Palastanlage in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Objectives

Ein Ziel des 2004 begonnenen deutsch-serbischen Gemeinschaftsprojektes ist eine Neuvermessung der Gesamtanlage als Grundlage für bauforscherische Untersuchungen der Entwicklung des Gesamtkomplexes, die auch eine weitere Untersuchung der Innenbebauung des Palastes und der Grabmonumente auf der nahegelegenen Magura-Höhe beinhalten.
Ein weiteres Ziel ist die Feststellung und Untersuchung von Siedlungsstrukturen im näheren Umfeld des Palastes. Hierfür werden außerhalb der ummauerten Anlage geophysikalische Prospektionen durchgeführt und durch archäologische Sondagegrabungen zur zeitlichen und funktionalen Bestimmung entdeckter Baustrukturen ergänzt.
Geomagnetischen Prospektion des Umfeldes des Palastes © DAIBei den Vermessungsarbeiten © DAI2008 konnten diese Untersuchungen ausgeweitet werden. Mit einem großräumigen Survey und geowissenschaftlichen Untersuchungen soll die Rekonstruktion des Siedlungsgefüges, die topografischen und klimatischen Gegebenheiten und die Vorgängerbebauung als Standortfaktoren für die Platzierung der Anlage in dieser auf den ersten Blick isoliert wirkenden Lage erarbeitet werden.
An den Untersuchungen sind von serbischer Seite das Archäologische Institut Belgrad, die Universität Belgrad und das Regionalmuseum Zajećar sowie von deutscher Seite die Römisch-Germanische Kommission Frankfurt und das Architekturreferat der Zentrale Berlin beteiligt. Seit 2008 ist das Projekt auch in das Berliner Exzellenzcluster 'Topoi. The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilisations' in der Research Area "Central places and their environment" eingebunden.

History of Research

Nachdem die Anlage im 19. Jahrhundert durch den Österreicher Felix Kanitz wiederentdeckt und ausführlich als "Römerfestung" beschrieben worden ist, finden seit 1953 systematische Ausgrabungen innerhalb der Umfassungsmauer statt, die von 1970 - 1996 von dem serbischen Archäologen Dragoslav Srejović geleitet wurden. Freigelegt ist inzwischen ein 4000 m² großer Repräsentationsbau, dessen um zwei Peristylhöfe gruppierte Räume reich mit Fußbodenmosaiken und marmornen Wandverkleidungen ausgestattet waren. Ferner sind zwei Tempel, eine Thermenanlage und mehrere Bauwerke unbekannter Bestimmung aufgedeckt und untersucht.
Blick auf das Grab, das Kaiser Galerius zugeschrieben wird © DAIZentrales Perisytl der spätantiken Palastanlage © DAIVon 1989 bis 1992 wurden außerdem auf dem ca. 1 km östlich des Palastes gelegenen Höhenrücken "Magura" zwei gemauerte Mausoleen und zwei dazugehörige Tumuli untersucht, die als Grabanlagen des Kaisers Galerius und seiner Mutter Romula gedeutet werden.

Recent Activities

In den Grabungskampagnen 2010 und 2011 wurde eine nördlich des eigentlichen Palastes gelegene „Villa“ freigelegt. Diese war durch die geomagnetische Prospektion in ihrer Gesamtausdehnung von ca. 30 x 30 m lokalisiert worden und erwies sich als ein für die Geschichte des Palastes und seines räumlichen und zeitlichen Umfeldes seh aufschlussreiches Grabungsobjekt. Es handelt sich um eine geschlossene Anlage bestehend aus sieben bis acht Räumen, die sich um einen zentralen Außenbereich gruppieren. Einer der Räume ist mit einer etwa 12 m breiten Apsis ausgestattet.

In der "Villa extra muros" wurde die Marmorplastik einer Tierkampfgruppe gefunden. das ist ein Ausschnitt einer mythischen Jagdszene des sogenannten Thrakischer Reiterheros. (c) RGKDer gesamte Komplex ist höchstwahrscheinlich durch eine Naturkatastrophe zerstört worden, die nach Auswertung  der Befunde und des Fundmaterials möglicherweise genau datiert werden kann. Unter den Funden aus diesem Bereich ragt eine Marmorplastik heraus. Dargestellt ist eine aus einem zusammenbrechenden Eber und einem angreifenden Hund bestehende Tiergruppe. Reste von den Hinterbeinen eines Pferdes und eine im Fell des Ebers steckende Lanzenspitze lassen erahnen, dass sich hier ein Ausschnitt aus einer mythischen Jagdszene erhalten hat.

Für die nächste Grabungskampagne im Jahr 2012 sind unter anderem abschließende Untersuchungen in der „Villa“ extra muros geplant.

Methodology

Bei den Bohrungen im Palastinneren. Durch sedimentologische Untersuchungen des Bohrkerns sollen Hinweise auf Schwemmschichten und potentielle frühere Siedlungs-schichten erlangt und zeitlich eingegrenzt werden. © DAIZur großflächigen Geländeprospektion wurde zunächst ein handgängiges Fluxgate-Magnetometer eingesetzt, das aufgrund günstiger Bodenverhältnisse zu sehr guten Ergebnissen geführt hat. Im November 2008 wurden durch den Einsatz eines Multikanalmagnetometers mit einem fahrzeuggestützten und einem hochgenauen DGPS-Gerät ausgestatteten System der Firma "Sensys" zusätzliche Flächen im weiteren Umfeld des Palastes geomagnetisch erschlossen. Als weniger geeignet erwies sich dagegen der Einsatz eines Georadars. An mehreren geomagnetisch detektierten Objekten wurden zur Tiefenbestimmung geoelektrische Widerstandsmessungen erfolgreich durchgeführt. Durch gezielte Sondagegrabungen wird versucht, die durch die Geoprospektion aufgedeckten Strukturen zu verifizieren und zeitlich einzuordnen. Für die neue Gesamtvermessung wurde ein lokales Festnetz angelegt, das in der Zwischenzeit mittels GPS-Messungen mit dem serbischen Landessystem in Bezug gesetzt werden konnte. Von den Einzelbauten wurden Bauaufnahmepläne auf der Grundlage einer tachymetrischen Vermessung erstellt.
Die im Rahmen des Umlandsuryeys aufgedeckten Fundplätze werden mittels GPS-Messung in Karten im Maßstab 1:10.000 bzw. 1:5000 kartiert, die auf der Grundlage eines Quickbird Satellitenbildes basieren. Im Rahmen der geowissenschaftlichen Untersuchungen werden Bohrkerne an topographisch interessanten Stellen abgetäuft und das Bohrkernmaterial sedimentologisch untersucht und systematisch datiert.

Results

Ergebnisse der geomagnetischen Prospektion im Umfeld des Palastes © DAI3D-Autocadmodell des Bestandes des Palastes und der Grabanlagen auf dem Hügel Magura © DAIDurch die geophysikalische Prospektion ist bis 2008 eine Fläche von ca. 41 ha nördlich, westlich und südlich des ummauerten Palastareals untersucht worden. Dabei kamen mehr als 30 bislang unbekannte Objekte zutage, darunter ein Festungsgraben, ein gemauertes Kriegergrab, mehrere Kirchen, ein ungewöhnlich großes rundes Monument, ein über 100 m langes dreischiffiges Gebäude und weitere Gebäudestrukturen. Außerdem wurde ein etwa 200 x 300 m großes, von einer kleinen Mauer eingefasstes Siedlungsgebiet festgestellt, das wahrscheinlich vor der Errichtung des Palastes durch eine Naturkatastrophe zugrunde gegangen ist.
An mehreren geomagnetisch detektierten Strukturen wurden archäologische Sondierungen zur Klärung ihrer Funktion und Datierung vorgenommen. Die bauforscherische Dokumentation konnte 2008 abgeschlossen werden. Von allen relevanten Gebäudekomplexen liegen Bauaufnahmepläne vor, die erste Überlegungen zu unterschiedlichen Bauphasen erlauben. Es wurde ein Autocad-Plan der Gesamtanlage erstellt, der neben den Umfassungsmauern und den Innenbauten auch die Umgebung des Palastes mit den Sondagen sowie die Grabanlagen auf dem ca. 1000 m östlich des Palastes gelegenen Hügel Magura umfasst. Darauf aufbauend wurde ein generalisiertes 3D-CAD Modell angefertigt, das den Baubestand umfasst und erste Überlegungen zu einer dreidimensionalen Rekonstruktion der einzelnen Bauphasen ermöglicht.
Bei der Bearbeitung der Bauornamentik © DAI3D-Rekonstruktionsmodell des Palastes 1 © DAIDer Autocad Plan dient gleichzeitig als Grundlage für ein GIS, in das neben der topografischen Karte und den Informationen zum Messnetz alle georeferenzierten Bauaufnahme- und Sondagepläne sowie die Pläne der Geoprospektion integriert wurden und in das auch die Ergebnisse des Umlandsurveys eingearbeitet werden.
2006 wurde außerdem mit der Bearbeitung der reich vorhandenen Bauornamentik begonnen, wodurch weitere Hinweise auf unterschiedliche Bau- und Ausbauphase sowie auf Bezüge zu anderen tetrarchischen Zentren in dieser Zeit zu erwarten sind.
Die vorläufige Analyse der Oberflächenfunde aus dem Umlandsurvey deutet auf eine lange Besiedlungskontinuität vom Neolithikum über die Bronze- und die Eisenzeit, auf einen Siedlungsschwerpunkt in der Spätantike und eine anhaltende Nutzung bis ins Mittelalter hin.

Cooperation / Cooperation partners

Archäologisches Institut Belgrad
Philosophische Fakultät der Universität Belgrad
Historisches Regionalmuseum Zaječar
Nationales Institut für Denkmalpflege in Serbien
Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Weimar
Freie Universität Berlin
Lehrstuhl für Vermessungskunde, BTU Cottbus

Contact

Dr. Slaviša Peric
Direktor des Archäologischen Instituts
Knez Mihailova 35/ IV
11000 Beograd
Jugoslawien
Email: institut@ai.sanu.ac.yu

Bibliography

D. Srejović (Hrsg.) Gamzigrad. An Imperial Palace of the Late Classical Times (1983).
D. Srejović, Imperial Mausolea and Consecration Memorials in Felix Romuliana (1994).
M. Zivić, Felix Romuliana. 50 years of solving (2003).
U. Brandl/ M. Vasić (Hrsg.), Roms Erbe auf dem Balkan (2007).

Recent projects

  • 29.07.2013

    Frühmittelalterliche Häfen zwischen Wismar Bucht und Danziger Bucht more

  • 03.06.2013

    IANUS - Forschungsdatenzentrum Archäologie & Altertumswissenschaften more

  • 24.09.2012

    DARIAH-DE Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities more

Completed projects

  • 13.06.2013

    DressID more

  • 31.05.2011

    Griechenland, Palairos more

  • 31.05.2011

    Griechenland, Plaghia-Halbinsel-Survey more

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

contact form