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Ausgrabungen auf dem eisenzeitlichen Gräberfeld von Prohear, Provinz Prey Veng

Untersuchungen zur Archäologie und Landschaftsgeschichte der Prä-Funan-Periode im Mekong-Delta - Südostasien

Location

Fundreiche eisenzeitliche Gräberfelder © A. ReineckeDer Ausgrabungsplatz liegt inmitten des Dorfes Prohear, Provinz Prey Veng, etwa 65 km Luftlinie östlich der Hauptstadt Phnom Penh und 40 km westlich der Grenze nach Vietnam. Etwa 65 km südlich liegt das bronzezeitliche Salzsiedezentrum und das früheisenzeitliche Gräberfeld von Go O Chua, wo das DAI zusammen mit vietnamesischen Archäologen von 2003 bis 2006 Ausgrabungen durchführte.

Background

Im Frühjahr 2007 wurde im Dorf Prohear eines der reichsten vorgeschichtlichen Gräberfelder Südostasiens entdeckt und nahezu restlos ausgeplündert. Im Mai 2007 wurde die Grabräuberei durch einen Archäologiestudenten beobachtet und dem Ministerium für Kultur und Kunst und den Kollegen des Memot-Centres/Phnom Penh gemeldet. Der Platz wurde von Archäologen aufgesucht, doch der Versuch, die Plünderei zu stoppen, blieb erfolglos. Bis Anfang 2008 hackten Dorfbewohner die Funde aus der Erde und verscherbelten sie an Mittelsmänner. In einem knappen Jahr sind unzählige Gräber mit wertvollen 2000 Jahre alten Funden systematisch 'abgestochen' worden. Vermutlich mehr als 1000 Gold- und Silberobjekte und ca. 32 Bronzetrommeln vom Heger I Typ versickerten sofort in den illegalen Kunsthandel.

History

Prohear gehört wahrscheinlich zu einer Gruppe von Bestattungsplätzen auf denen nicht nur die einheimische Bevölkerung begraben wurde, sondern auch die vertriebenen Repräsentanten ferner Gebiete, die vor der bedrohlich wachsenden Gefahr durch die Expansion unter der Han-Dynastie zwischen dem Ende des 2. Jh. v. Chr. und 43 n.Chr. aus ihren Stammsitzen in Guizhou, Yunnan, Guangxi und Giao-chi flohen. Das ist die Periode vom Verlust der Unabhängigkeit der Yelang einerseits bis zum Tod der Trung-Schwestern, der Anführerinnen der Nan Yueh im Delta des Roten Flusses andererseits. Dieser Zeitraum entspricht der Periode II in Prohear mit besonders reich ausgestatteten Gräbern.

Ausgrabungsplatz Prohear 2008 © A. Reinecke

Goldfunde aus verschiedenen Gräbern © A. Reinecke

Objectives

Im Südosten Kambodschas ist die Anzahl untersuchter spätbronze-eisenzeitlicher Gräberfelder des 1. Jahrt. v. Chr. und 1. Jahrt. n. Chr. noch immer sehr gering und der Einblick in die kulturelle Entwicklung lückenhaft. Mit Vat Komnou (Provinz Takao) und Village 10.8 (Provinz Kampong Cham) gelang es in Südostkambodscha rund 100 Bestattungen des 4. v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr. mit zahlreichen Beigaben nachzuweisen. Hinzu kommen weitere 50 Gräber der Pre-Funan-Kultur von der deutsch-vietnamesischen Ausgrabung in Go O Chua in der Provinz Long An in Südvietnam, die in das 4.-1. Jh. gehören (Das bronzezeitliche Salzsiedezentrum und das früheisenzeitliche Gräberfeld von Go O Chua in Südvietnam).

Das Gräberfeld Prohear übertrifft mit seinen außerordentlich reichen Beigaben alle Erwartungen. Die Gräberfelder dieser Region zeigen klare kulturelle Gemeinsamkeiten (z.B. Pokale gleicher Form und Verzierung), aber auch verblüffende lokale Besonderheiten. So ist der Goldreichtum Prohears mit keinem anderen dieser Gräberfelder zu vergleichen, und auch die reiche Ausstattung mit Bronzetrommeln ist im Süden Südostasiens außerhalb der Dong-Son-Kultur bisher einmalig. Deshalb sind alle Anstrengungen darauf konzentriert, so viele Gräber und Funde wie möglich vor der weiteren Zerstörung zu bewahren.

History of Research

Im Juni 2007 bot das DAI unverzüglich Soforthilfe zu einer kambodschanisch-deutschen Ausgrabung an, die jedoch nicht greifen konnte, weil die Grabungsgenehmigung erst im November 2007 erteilt wurde. Von der Plünderei weitestgehend verschont blieb lediglich der gemeindeeigene, viel befahrene Dorfweg von 4 m Breite. Dieser Weg war das Ziel der archäologischen Ausgrabungen im Frühjahr 2008, 2009 und 2011, die die Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des DAI gemeinsam mit dem Memot-Centre Phnom Penh durchführte.

Previous Activities

Während der drei Ausgrabungskampagnen  wurde die Dorfstraße auf einer Länge von 58 m mit insgesamt 168 m² freigelegt. Etwa 76 Gräber wurden geborgen. Die oberste Fundschicht beginnt in etwa 0,6 m Tiefe mit verstreut über den Gräbern liegenden Keramikscherben, die von einer dem Gräberfeld folgenden Besiedelung stammen könnten.

Ein Filmteam der Deutschen Welle dokumentierte die deutsch-kambodschanische Ausgrabung in Prohear im März 2009 und berichtet von den Restaurierungsmaßnahmen im Rahmen des "German Apsara Conservation Projects" der Fachhochschule Köln unter Leitung von Prof. Hans Leisen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Deutschen Welle.

Download

"Goldgräber und Tempelretter - Auf Expedition in Kambodscha" als Video on demand
"Goldgräber und Tempelretter - Auf Expedition in Kambodscha" zum Herunterladen (mp4)

Recent Activities

Die reichen Funde von Prohear müssen nunmehr im Labor des Memot-Centre in Phnom Penh restauriert (Abb. 5) und im Zusammenhang mit anderen Fundplätzen dieser Region ausgewertet werden. Dazu gehört Giong Lon in Südvietnam, wo kürzlich die bisher einzigen Goldmasken Vietnams aus dem 1. Jh. v. Chr. entdeckt worden sind.

Die wertvollsten Funde der ersten beiden Ausgrabungen von Prohear und eines weiteren früheisenzeitlichen Fundplatzes (Village 10.8 in der Provinz Kampong Cham), der ebenfalls mit deutscher Unterstützung ausgegraben wurde, sind seit 29. November 2010 in einer Ausstellung im Nationalmuseum Kambodschas in Phnom Penh zu sehen. Eine weitere Ausstellung wurde am 26. März 2011 im Provinzmuseum Prey Veng eröffnet.

In Arbeit sind außerdem Metallanalysen von rund 90 Gold- und Silberobjekten.

Results

Bronzetrommel in situ © Seng Sonetra

Viele der 76 entdeckten Gräber waren zwar in den obersten Fundschichten intakt, doch darunter durch bis zu 2,5 m lange stollenartige Raubschächte gestört, die in 0,8 m Tiefe von beiden Seiten unter die Straße gegraben worden waren.

Nach Kopforientierung der Toten, Beigaben und Tiefenlage der Gräber können mindestens zwei Bestattungs-Perioden getrennt werden.

Die Gräber der älteren Periode I datieren in die Zeit von 500 bis in die zweite Hälfte des 2. Jh. v. Chr.

Dazu gehören vier meist etwas tiefer entdeckte Bestattungen mit Ost- oder West-Orientierung des Kopfes und vermutlich alle bisher entdeckten 7 Gefäßgräber. Keiner dieser Bestattungen war eine Gold- oder Silberbeigabe beigegeben. Typisch sind Granatperlenschmuck und Bronze- oder Eisenarmringe.

Alle übrigen 64 Gräber der Periode II vom Ende des 2. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr. vereint eine nahezu gleiche Ausrichtung des Kopfes nach Süden bis Südwesten. Durch unterschiedliche Beigabenausstattung lassen sich zwei Phasen (a und b) der Periode II voneinander trennen.

Eine ungewöhnliche Ausstattung der Phase IIa: Beiderseits des Schädels fanden sich je 20 Glasohrringe, die offenbar auf einem Faden aus organischem Material aufgefädelt waren. Dem Toten waren außerdem bronzene Armringe und eiserne Werkzeuge und Waffen sowie Granatperlenschmuck beigegeben worden.

Eine jüngere Zeitstufe IIb lässt sich mit Bronzetrommeln, Bronzeobjekten aus dem südchinesischen-nordvietnamesischen Raum, mit feiner orangefarbener Keramik und einer reicheren Ausstattung mit Gold und Silber von Stufe IIa abtrennen und dürfte in der ersten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. beginnen. Obwohl ein Teil der Gräber gestört oder partiell geplündert worden war, enthielten noch 31 Komplexe Gold- und Silberfunde, meist Fingerringe, Ohrringe, aber auch 4 Armringe.

Von 76 Gräbern bargen drei Komplexe eine Bronzetrommel oder Teile davon. Viele Männerbestattungen waren durch einen Steinstößel zwischen den Oberschenkeln gekennzeichnet, Frauen durch Beigabe von bis zu sechs Spinnwirteln. Etwa 5 Prozent aller Gräber sollen nach Aussagen der Bauern 'reich' ausgestattet gewesen sein. 'Reich' heißt: etwa 10 Tongefäße, eine Trommel, 5-15 Goldobjekte und einige Eisen- und Bronzebeigaben sowie Perlen aus Glas oder Schmucksteinen wie Achat oder Karneol.

In beiden Phasen lagen die Toten gestreckt auf dem Rücken, die Hände seitlich am Körper oder auf der Brust abgelegt. Von den jüngeren Gräbern in höheren Fundschichten haben sich kaum Knochen erhalten, doch kann die Kopflage anhand der Ohrringe und anderen Beigaben meist sicher bestimmt werden.

Die ausgegrabene Fläche vermittelt nur einen begrenzten Eindruck vom gesamten Gräberfeld, auf dem Männer und Frauen sowie Kinder bestattet worden waren. So fanden sich auf dem Boden eines großen Tongefäßes ein Bronzearmring mit Armknochen des Kindes direkt auf einem Schweinekiefer.

Die Löcher ausgeraubter Gräber im Dorf erlauben eine Schätzung der Gesamtfläche des Friedhofs auf etwa 130 x 150 m, also etwa 20 000 m². Das Ausgrabungsgebiet liegt nahezu im zentralen Bereich des Gräberfeldes mit einer Belegungsdichte von etwa einem Grab auf 2-3 m². Wir müssen davon ausgehen, dass mehr als tausend Bestattungen durch Grabräuber zerstört worden sind. Ungeachtet der schweren Zerstörung dieses Fundplatzes vermittelt die Ausgrabung einen klaren Eindruck davon, dass es sich bei diesem Gräberfeld um einen der ungewöhnlichsten Fundkomplexe der Pre-Angkor-Periode in dieser Region handelt.

Cooperation / Cooperation partners

Ausgrabungsteam © Memot CentreKambodschanische Forschungspartner sind Archäologen des Memot-Centres in Phnom Penh: Vin Laychour und Seng Sonetra (Memot-Centre).

Wissenschaftliche Zusammenarbeit:

Archäozoologie: Prof. Dr. Norbert Benecke (Naturwissenschaftliches Referat an der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts)

Anthropologische Untersuchungen: Simone E. Krais (Biologischen Anthropologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg)

Glas- und Schmucksteinanalysen: Alison K. Carter (University of Wisconsin-Madison)

Radiokarbondatierung: Dr. Bernd Kromer (Forschungsstelle Radiometrie am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg)

Zahn-Strontiumanalysen zur Herkunftsbestimmung: Marina Vohberger (Biozentrum der LMU München, Department Biologie I Bereich Anthropologie )

Metallanalysen (Gold und Silber): Prof. Dr. Ernst Pernicka, Dr. Roland Schwab, Dipl.-Arch. Sandra Schlosser (Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, Mannheim)

Metallanalysen (Bronze): Thomas Oliver Pryce (Research Laboratory for Archaeology and the History of Art, Oxford)

Weitere Kontakte

Vin Laychour (Organisation)
Email: vlaychour@yahoo.com
Seng Sonetra (Restaurierung)
Email: sengsonetra@yahoo.com

Förderung

Dank der Unterstützung durch die deutsche Botschaft in Phnom Penh und des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amtes konnte umgehend die Restaurierung der wertvollen Funde von Prohear schon 2008 aufgenommen werden. Zahlreiche Funde befinden sich in der Ausstellung des National-Museums Kambodschas in Phnom Penh und in einer Ausstellung des Provinzmuseums in Prey Veng.

Bibliography

Andreas Reinecke / Vin Laychour / Seng Sonetra 2008: Der Alptraum von Prohear. In: Archäologie in Deutschland 6/2008, 12-17.

Andreas Reinecke / Vin Laychour / Seng Sonetra 2009: The First Golden Age of Cambodia: Excavations at Prohear (Bonn 2009). [PDF, 17MB]

Andreas Reinecke / Vin Laychour / Heng Sophady / Seng Sonetra 2010: The First Golden Civilization of Cambodia. Unexpected Archaeological Discoveries. [PDF, 2.8MB].

Andreas Reinecke / Vin Laychour 2010: The Early Iron Age cemetery at Prohear, Prey Veng province in Southeast Cambodia: Excavations and results of new analyses: Bioarchaeology in Southeast Asia and the Pacific: Newsletter Issue 6, 7-11.

Simone Krais/Seng Sonetra 2010: The skeletal remains from Prohear: Bioarchaeology in Southeast Asia and the Pacific: Newsletter Issue 6, 11-13.

Andreas Reinecke/Vin Laychour 2011: The third excavation campaign at the Iron Age cemetery Prohear, Prey Veng province:Bioarchaeology in Southeast Asia and the Pacific: Newsletter, Issue 7, 8-9.

Simone Krais/Seng Sonetra 2011: The skeletal remains from Prohear: Bioarchaeology in Southeast Asia and the Pacific: Newsletter Issue 7, 10.

Simone Krais/Michael Francken 2011: Tooth blackening at the Bronze Age sites of Prohear (Cambodia) and Go O Chua (Vietnam): Bioarchaeology in Southeast Asia and the Pacific: Newsletter Issue 7, 11-12.

Sandra Schlosser/Andreas Reinecke/Roland Schwab/Ernst Pernicka/Seng Sonetra/Vin Laychour 2012: Early Cambodian gold and silver from Prohear: composition, trace elements and gilding: Journal of Archaeological Sciences (im Druck).
Simone Krais/Andreas Reinecke/Seng Sonetra/Vin Laychour 2012: The Bioanthropology of the Early Iron Age site of Prohear (Cambodia). In: ZAAK 4, 103-125.
Andreas Reinecke/Vin Laychour/Seng Sonetra 2012: Prohear – an Iron Age Burial Site in Southeastern Cambodia. Preliminary Report after Three Excavations. In: Dominik Bonatz / Andreas Reinecke / Mai Lin Tjoa-Bonatz (eds.), Crossing Borders in Southeast Asian Archaeology. Selected papers from the 13th International Conference of the European Association of Southeast Asian Archaeologists, Berlin 2010. Singapore (im Druck).

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