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Teilprojekt der Ausgrabung Selinunt

Bei den Ausgrabungen, die das DAI Rom seit 1995 auf der Agora der griechischen Koloniestadt Selinunt durchführt (DAI-Projektseite Selinunt), sind zahlreiche Kleinfunde aus Bronze, Eisen und Blei zutage gekommen. Sie werden seit März 2009 im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts "Metallfunde Selinunt" wissenschaftlich bearbeitet. Der Metallfundkomplex aus Selinunt ist der größte dieser Art im westgriechischen Bereich. Im Gegensatz zu den meisten großen Fundbeständen der griechischen Welt, die vorwiegend aus bedeutenden Heiligtümern wie etwa Olympia oder Delphi stammen, können die aus einer modernen Grabung stammenden Selinuntiner Funde in die Schichtenfolge eingeordnet und somit zeitlich sehr präzise gefasst werden.
Das breit gefächerte Spektrum der Funde umfasst unter anderem Waffen und Rüstungsstücke, Teile von Gefäßen, Schmuck und Trachtbestandteile sowie Werkzeuge und Geräte. Halbfabrikate, Gussabfälle und Eisenschlacken geben deutliche Hinweise auf handwerkliche Tätigkeiten, die auf der Agora von Selinunt stattfanden; Pfeil- und Lanzenspitzen stehen zumindest teilweise im Zusammenhang mit der Zerstörung der Stadt durch die Karthager im Jahre 409 v. Chr. Auskunft über die Alltagstracht und über die Herkunft der Bewohner von Selinunt geben Schmuck und Trachtbestandteile, die nur zu einem geringen Teil aus Griechenland stammen, sondern überwiegend sizilischer oder italischer Herkunft sind. Eine besondere Überraschung bildet das Vorhandensein zahlreicher Arm- und Beinringfragmente, die ganz offenbar in Süd- und Zentralfrankreich hergestellt wurden und auf dem Wasserweg nach Selinunt gekommen sein müssen.
Die Auswertung der Metallfunde erfolgt in enger Kooperation mit den Bearbeitern der anderen Fundgattungen aus Selinunt - insbesondere der Keramik - und liefert somit wichtige Informationen über die Bewohner von Selinunt, über ihr Verhältnis zum indigenen Hinterland und über die weit reichenden Handelsverbindungen der Stadt, die vom östlichen Mittelmeerraum bis ins Languedoc reichten.
Soprintendenza ai BB.CC.AA della Provincia di Trapani.
The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.