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Zwischen der Adria und schneebedeckten Bergen

Bericht über den Albanien-Kurs 2009

Im März/April 2009 führten die Zentrale und die Abteilung Rom des DAI einen fachwissenschaftlichen Kurs in Albanien durch. Unter dem Leitthema "Urbane Entwicklungen in einer diachronen Perspektive - Entwicklung von Siedlungen und Städten von der prähistorischen Zeit bis zur Spätantike " wurden im Rahmen einer zehntägigen Exkursion 21 archäologische Stätten und Museen in Albanien aufgesucht. Dazu zählten bronzezeitliche Nekropolen südlich des Ohridsees (Kamenice) ebenso wie griechische bzw. griechisch geprägte Gründungen an der Adria (Buthroton/Butrint; Phoinike/Finiq; Onchesmos/Saranda; Orikum/Orik; Apollonia; Epidamnos Dyrrachium/Durrës; Lissos/Lezha) ebenso wie spätklassisch/hellenistische (Albanopolis/Zgërdhesh; Amantia; Antigoneia; Byllis; Klos; Felsnekropole von Selca e Poshtëme) und kaiserzeitliche Gründungen (Hadrianopolis) im Hinterland. In die Spätantike und das Mittelalter führte der Besuch der Basilika von Arapaj bei Durrës, Shkoder, Lezhe, Kruje, Elbasan sowie der byzantinischen Kirche von Mesopotam. Begleitet wurde der Kurs von Ortwin Dally (Zentrale des DAI, Klassische Archäologie), Henner von Hesberg (Abteilung Rom, Klassische Archäologie), Rudolf Haensch (Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des DAI, Alte Geschichte), Andreas Oettel (Zentrale des DAI, Klassische Archäologie), Karl-Heinz Beste (Abteilung Rom, Bauforschung), Bashkim Lahi (Institut für Archäologie Albaniens, Abteilung Klassische Archäologie) und Gezim Hoxha (Institut für Archäologie Albaniens, Abteilung Spätantike und Mittelalter, frühchristliche und mittelalterliche Archäologie).

Einführende Vorträge galten den Illyrern als antikem und modernem Begriff, der griechischen Kolonisation der Adria, den caesarischen Kolonien im Gebiete des heutigen Albaniens, der augusteischen Eroberung des westlichen Balkans und seine Organisation bis zum Ende des 3. Jhs. n. Chr. sowie Albanien in Spätantike und Mittelalter. Nach dem Besuch des Archäologischen Museums und des Nationalmuseums in Tirana gingen die 15 NachwuchswissenschaftlerInnen aus den Bereichen Klassische Archäologie, Alte Geschichte, Bauforschung, frühchristliche und byzantinische Kunstgeschichte in Referaten, intensiven Diskussionen, vor allem aber durch ein gründliches Studium der Monumente vor Ort der Frage nach, wie der kulturelle Raum Albaniens durch Siedlungen im Rahmen unterschiedlicher gesellschaftlicher und historischer Rahmenbedingungen gestaltet worden ist. Ein besonderes Augenmerk galt dem Erscheinungsbild der Siedlungen, ihrer verkehrstechnischen und rituellen Vernetzung sowie ihren wirtschaftlichen Grundlagen. Zur Sprache kamen auch Geographie, Fauna und Flora in ihrem Verhältnis zum kulturell genutzten Raum, Probleme kultureller Kontakte, Bestattungssitten und der Städtebau in hellenistischer und römischer Zeit.

Deutlich wurde, dass die Siedlungsräume östlich des relativ schmalen Küstenstreifens bedingt durch die bis zu 2000 Meter hoch aufsteigenden Berge eher kleinräumig organisiert waren. Seit dem 4. Jh. v. Chr. begann sich das "Bild" der Städte im Hinterland grundlegend zu wandeln. Grundlegend wurde die Adaption griechischer Bautypen (Theater) ebenso wie die Adaption griechischer Bautechniken (Stadtmauern) sowie die Übernahme von Institutionen (Koinon der Byllioten u. ä.). Bestimmend für diesen Prozess waren Städtegründungen wie Antigoneia, die auf den epirotischen Herrscher Pyrrhos zurückgeht, aber auch die zunehmende Integration Albaniens in einen mediterranen Kommunikationsraum. Intensive Kontakte nach Apulien (Tarent), Griechenland (Athen) und Kleinasien schlugen sich in der selektiven und regional unterschiedlich gewichteten Adaption von Gedanken- und Formengut aus dem östlichen Mittelmeerraum und Unteritalien nieder. Eine rege Siedlungstätigkeit bis in das Mittelalter hinein und ein hoher Grad an Christianisierung, der sich in der Etablierung eines bedeutenden Pilgerzentrums in Saranda um 500 n. Chr. und zahlreichen Kirechenbauten niederschlug, dürften u.a. in Zusammenhang mit der Via Egnatia stehen, die von der 2. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. an bis in die frühbyzantinische Zeit hinein Rom mit Byzanz verband.

In der Abschlussdiskussion der an Eindrücken dichten Exkursion waren sich alle Beteiligten einig, dass sie von der interdisziplinären Gruppe wissenschaftlich profitiert haben und die weitere Erforschung dieses an Denkmälern so reichen Kulturraums überaus lohnt.

Eventperiod

2009-03-28 - 2009-04-05

Images

Abb.5 Felsgrab bei Selca e Poshtëme
Abb.5 Felsgrab bei Selca e Poshtëme
Abb.3 Teilnehmer des Kurses
Abb.3 Teilnehmer des Kurses

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  • 03/02/2012 - 03/02/2012

    Vortrag: Prof. Dr. Silvia Orlandi, Rom

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  • 03/02/2012 - 05/02/2012

    'Irregular’ burials in prehistory: norm, ritual, punishment …?

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  • 03/02/2012 - 05/02/2012

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  • 08/02/2012 - 11/02/2012

    Internationales Kolloquium: Die Architektur des Weges

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  • 08/02/2012 - 11/02/2012

    Internationales Kolloquium: Die Architektur des Weges

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  • 09/02/2012 - 10/02/2012

    Die Eurasische Steppe in sarmatischer Zeit

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  • 08/02/2012 - 11/02/2012

    Internationales Kolloquium: Die Architektur des Weges

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    Die Eurasische Steppe in sarmatischer Zeit

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