Metanavigation

Internationaler Workshop: 'Dark Ages' in Anatolien

Internationaler Workshop im Rahmen des Netzwerks 'Epochenwandel und historische Veränderungsprozesse in Anatolien' der Abteilung Istanbul des DAI

Samstag, 7. November 2009

8:30   Anja Slawisch, Philipp Niewöhner, Jürgen Seeher
Begrüßung und Einführung

9:00   Jürgen Seeher (Istanbul)
'Dark Ages' in Zentralanatolien nach dem Untergang des Hethiterreichs

10:00   Kaffeepause

10:30   Jan-Kzysztof Bertram (Ankara)
Kontinuität und Diskontinuität bei den Nachbarn der Hethiter: Die Sicht auf die `Dark Ages` aus dem westanatolischen/thrakischen und nordostanatolischen/südkaukasischen Raum.

11:30   Ralf Becks (Istanbul)
Troia während der 'Dark Ages' im Licht der neuen Forschungen

12:30   Mittagspause

14:00   Kate Lanzas (Sheffield)
The Argolid during the 'Dark Ages': a revised perspective

15:00   Hannelore Vanhaverbeke (Leuven)
"Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif". The 'Dark Ages' in SW Anatolia

16:00   Kaffeepause

16:30   Sabine Ladstätter (Wien)
Titel wird noch bekanntgegeben

17:30    Andreas Schachner (Istanbul)
Zwischen Aufstieg und Niedergang: Ländliche Siedlungen in Zentralanatolien während der osmanischen Zeit

Abstracts

Frühe Eisenzeit in Zentralanatolien - 'Dark Age' nach dem Untergang des Hethiterreichs
Jürgen Seeher, DAI Istanbul

Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand werden in Zentralanatolien um 1200/1180 v. Chr. viele - oder gar die meisten? - hethitische Siedlungen aufgegeben. Es sieht so aus, als ob Herrscher und Untertanen von dannen ziehen und leere Landschaften hinterlassen. Innere Unruhen, Verlust von Handelswegen, klimatische Veränderungen etc. werden als mögliche Ursachen genannt. Aber einige wenige Grabungen haben gezeigt, daß es in der nun beginnenden frühen Eisenzeit doch sehr schnell eine neue Landnahme im entvölkerten Zentralanatolien gibt. Und zwar von verschiedenen Gruppen, die jeweils eine deutlich andere materielle Kultur besitzen. Es handelt sich dabei vermutlich weniger um Gruppen, die von außerhalb des Großreichs eingewandert sind. Anscheinend kamen sie eher aus Gebieten, die früher zwar politisch unter der Kontrolle des hethitischen Großkönigs standen, die aber wirtschaftlich und kulturell keine besonderen Beziehungen zum Kern des Reiches aufgebaut haben. Auf diese Weise existierten in Anatolien über viele Jahrhunderte parallel zu den Hethitern Kulturgruppen, die die Entwicklungen der späten Bronzezeit nur teilweise mitmachten und sehr stark an früh- bis mittelbronzezeitliche Traditionen gebunden blieben bzw. eigene Traditionen entwickelten.

Extrem problematisch für die Rekonstruktion des Geschehens ist die Seltenheit von Ausgrabungen - die Besiedlungsgeschichte des Landes wird weitgehend über Surveyfunde rekonstruiert. Auf diese Weise nicht erkennbar sind z.B. Bereiche, in denen nach dem Ende des Großreichs eine hethitische Bevölkerung verblieb - insbesondere eine bäuerliche Bevölkerung wird ihre Felder nur dann verlassen, wenn wirklich Gefahr für Leib und Leben besteht. Und genau so läßt sich auch die Entstehungsgeschichte der früh-eisenzeitlichen Kultur derzeit noch nicht fassen: In Surveys wird einerseits nur das, was hethitisch und großreichszeitlich aussieht, ins 14.-13. Jh. v. Chr. datiert, und andererseits alles, was unhethitisch-früheisenzeitlich aussieht, automatisch ins 12.-10. Jh. v. Chr. Die Existenz von parallelen Entwicklungen ist archäologisch erkennbar, aber der genaue Ablauf liegt noch im Dunkeln.

Kontinuität und Diskontinuität bei den Nachbarn der Hethiter: Die Sicht auf die `Dark Ages` aus dem westanatolischen/thrakischen und nordostanatolischen/südkaukasischen Raum
Jan-Kzysztof Bertram, Middle East Technical University Ankara

Eng verbunden mit dem Thema des Netzwerkes sind Fragen nach "kontinuierlichen" und "diskontinuierlichen" Entwicklungen. Ansätze hierzu ergeben sich in der prähistorischen Archäologie naturgemäß aus der Interpretation materieller Sachgüter (v. a. Keramik) sowie unterschiedlichster Befunde (Siedlungsstrukturen, Grab-/Bestattungssitten u. a.). Sie lassen Spielraum für verschiedene Theoriemodelle.
Das Hauptaugenmerk soll auf die nordöstlichen und -westlichen Nachbarn der Hethiter gerichtet werden:
1.) Westanatolien/Thrakien:
Am Ende der Frühbronzezeit in Thrakien (nach-Ezero B/Djadovo/Karasura) ab ca. 2400/2200 BC cal. setzt ein Besiedlungsrückgang ein. Zahlreiche Tellsiedlungen werden aufgegeben. Es fällt schwer, Besiedlungsreste zu fassen, die nach dem o. g. Horizont und vor dem Erscheinen spätbronze-/früheisenzeitlichen Formengutes (u. a. mit Buckelkeramik, kreisstempelverzierter Keramik und "barbarian ware") zu datieren sind. Eine vergleichsweise bessere Quellenlage zeichnet sich für den westanatolischen/ägäischen Raum ab (Troia III-V-Horizont). Die derzeitige Quellenlage würde somit andeuten, dass in Thrakien die genannten Charakteristika der Spätbronze-/Früheisenzeit sich nicht aus lokalen Vorgängerformen ableiten lassen. Für den Zeitraum vom späten 2. bis zum frühen 1. Jt. v. u. Z. fällt es bislang schwer, einschneidende Veränderungen in der Kulturentwicklung unter verschiedenen Aspekten (Siedlungswesen, Keramik, Bestattungssitten u. a.) klar herauszustellen. Damit deutet sich hier eine Entwicklung an, die sich von derjenigen in Westanatolien absetzt (Troia VI-spät/VII-Horizont).
2.) Nordostanatolien/Südkaukasusgebiet:
Auch wenn die Chronologie für das 2. und frühe 1. Jt. v. u. Z. im Kaukasusgebiet und in Nordostanatolien noch weitgehend "schwimmt", so lassen sich doch einige allgemeine Aussagen treffen. Beim gegenwärtigen Forschungsstand ist (unter Einbezug verschiedener Aspekte des Siedlungswesens und der materiellen Kultur) von einer insgesamt kontinuierlichen Entwicklung in diesem Großraum auszugehen, auch wenn in kleineren Teillandschaften Besiedlungsunterbrechungen auszumachen sind. Bemerkenswert ist, dass sich im späten 2./frühen 1. Jt. v. u. Z. (vor-urartäische Zeit) im Siedlungsbild (Udabno) und bei den Gräbern (Sarycoban, Beimsarov u. a.) Befunde manifestieren, die auf eine zunehmende Strukturierung der Gesellschaft sowie auch auf ein umfassendes Organisationsvermögen lokaler Gemeinschaften hindeuten.

Troia während der 'Dark Ages' im Licht der neuen Forschungen
Ralf Becks, DAI Istanbul

Die seit 1988 wieder aufgenommenen Ausgrabungen und interdisziplinären Forschungen in Troia lieferten zahlreiche neue Erkenntnisse zur etwa 5000-jährigen Geschichte dieses Ortes und seiner Landschaft. Gezielte Grabungen an einer geschützten Stelle förderten eine ununterbrochene stratigraphische Schichtenabfolge von der späten Bronzezeit bis in die römische Zeit zu Tage. Die zuvor postulierte Besiedlungslücke während des Dunklen Zeitalters konnte somit einwandfrei widerlegt werden.
Nach der Zerstörung der spätbronzezeitlichen Siedlung tauchen neue Elemente im Siedlungswesen und in der materiellen Kultur auf, die auf das Eintreffen einer neuen Bevölkerungsgruppe aus dem nordwestpontischen Raum hindeuten. Hierzu zählen eine neue Architektur mit kleinräumigen Häusern, eine neue Bauweise mit hochkant gestellten Steinplatten (Orthostaten) sowie das Auftreten von handgemachten Koch- und Vorratsgefäßen aus sog. barbarischer Ware und Buckelkeramik als Tafelgeschirr. Zugleich bestehen auch weiterhin lokale Traditionen in der Keramikproduktion, wie die scheibengedrehte Graue und Tan Ware-Keramik aufzeigen. Die stratigraphisch gesicherte Zusammensetzung der Keramik aus den früheisenzeitlichen Schichten ermöglichte eine genauere Definition von handgemachten und scheibengedrehten Keramikwaren und -formen. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der spätbronzezeitlichen Keramiktradition bis in die archaische Zeit läßt sich nunmehr für Troia aufzeigen. Die neuen Ausgrabungen brachten an verschiedenen Stellen der Siedlung weitere Funde und Befunde der aus der protogeometrischen und geometrischen Zeit ans Licht, die die Anwesenheit von Menschen belegen. Architektur ist ab der spätgeometrischen Zeit sicher nachgewiesen. Insgesamt war Troia während der "Dark Ages" wohl nur sehr dünn besiedelt, von einer Siedlungslücke kann jedoch nicht mehr die Rede sein.
Die naturwissenschaftlichen Untersuchungen zu Troias Klimageschichte, Landschaftsentwicklung, Flora und Fauna erbrachten eine Fülle neuer Ergebnisse. So herrschten in der frühen Eisenzeit deutlich ungünstigere Klimabedingungen vor mit durchschnittlich niedrigeren Temperaturen und geringeren Niederschlägen, die neue Strategien der Nahrungsproduktion verlangten. Die Interpretation der naturwissenschaftlichen Daten und ihre Korrelation mit den archäologischen Befunden geben neue Einblicke in das Leben während der "Dark Ages" in Troia.

The Argolid during the Dark Ages: a revised perspective
Kate Lantzas, University of Sheffield

The concept of a Dark Age in Greece has a long and complicated history. In this paper, I attempt to unravel the intellectual and social history of the term Dark Ages and its application in Aegean archaeology. Based on a detailed examination of the archaeological evidence from the Argolid, I then argue that previous conceptions of the period covered by this term (1200- 900 BC) need to be reconsidered in light of new evidence and theoretical approaches.

A thorough examination of mortuary practices, architectural remains, ceramic material and metal objects demonstrates that during the Bronze Age to Iron Age transition new cultural identities emerged alongside complex socio-economic developments in the Argolid. An analysis of these material remains dating to the Late Helladic IIIB 2 through Early Geometric periods does not indicate poverty and disorganization as has been argued, but the active formation of new cultural identities and systems of socio-economic organisation.

I begin by addressing how the concept of a Greek 'Dark Ages' came to be and why it is no longer a relevant term. I also discuss how the material record can be used as an indicator of cultural confidence or dissatisfaction, which can drive the development of new identities and then proceed to an analysis of cultural identity via evidence from mortuary practices and architectural remains and a discussion of socio-economic organization using evidence from ceramic material and metal objects. Material developments from all categories of evidence indicate the active formation of new organizing principles for communities dating to 1200-900 BC.

"Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif". The Dark Ages in SW rural Anatolia
Hannelore Vanhaverbeke, University of Leuven

Indeed, the Dark Ages in SW Anatolia are just that, a wisp of fog ("ein Nebelstreif”), a mere illusion, behind which hides a much richer and more varied archaeological record ("Den Erlkönig mit Kron und Schweif”) than hitherto assumed.
Browsing the annual proceedings of excavation and survey research in Turkey (the Kazı and Araştırma Sonuçları), it is clear that the scarcity of post-7th century AD remains is relative. Many people are involved in studying one or more aspects of Anatolia in this period, but the overall database is extremely scattered. It not only refers to a wide geographical scope, the data stem from divergent research aims (e.g. art historical vs ceramological). The binding matrix, which a coherent research agenda would constitute, is lacking.
This paper presents a very moderate attempt at initiating a research agenda, by deliberately taking an explicit, and optimistic stand on the post-7th century AD fate of rural Anatolia, in order to provoke discussion. Its premise is that nothing much changed in the countryside after the 7th century AD and that village and farm life just continued. However, the remains of these communities are hard to find. A specific methodology is needed and, above all, an open mind as to what constitutes a "site” in order to find these. It is in this light that the available evidence will be presented. The focus is on the region near Sagalassos (SW Turkey), as this is where my main research has taken place in the past decades, but it is hoped that the implications of this paper range beyond this rather limited geographical scope.

Titel wird noch bekannt gegeben
Sabine Ladstätter, ÖAI Wien

Zwischen Aufstieg und Niedergang: Ländliche Siedlungen in Zentralanatolien während der osmanischen Zeit
Andreas Schachner, DAI Istanbul

Im Gegensatz zu den vorgeschichtlichen und teilweise auch antiken Perioden ist die Entwicklung der ländlichen Siedlungsstrukturen in Zentralanatolien in osmanischer Zeit durch Steuerakten und ähnliche Dokumente gut dokumentiert. Aus diesen ist eine enorme Ausdehnung ländlicher Siedlungen in verschiedensten Regionen Zentralanatoliens im 16. Jahrhundert klar zu erkennen. Scheinbar abrupt verändert sich diese Situation im 17. und 18. Jahrhundert, als in manchen Landstrichen bis zu 90% der Dörfer verschwinden. Die historisch gut dokumentierten Abläufe erlauben es, die Gründe für diese Entwicklung aufzuzeigen. Die so erarbeiteten Parameter können aufgrund struktureller Ähnlichkeiten der Produktionsweisen und der klimatischen Verhältnisse als Erklärungsmodelle für vergleichbare, aber nur archäologisch rekonstruierbare Zusammenbrüche der Siedlungssysteme älterer Epochen herangezogen werden.

Eventdate

2009-11-07

Eventlocation

DAI Abteilung Istanbul

Calendar

<  
M T W T F S S
 
 
1
 
2
 
3
  • 03/02/2012 - 03/02/2012

    Vortrag: Prof. Dr. Silvia Orlandi, Rom

    more information

  • 03/02/2012 - 05/02/2012

    'Irregular’ burials in prehistory: norm, ritual, punishment …?

    more information

 
4
  • 03/02/2012 - 05/02/2012

    'Irregular’ burials in prehistory: norm, ritual, punishment …?

    more information

 
5
  • 03/02/2012 - 05/02/2012

    'Irregular’ burials in prehistory: norm, ritual, punishment …?

    more information

 
6
 
7
 
8
  • 08/02/2012 - 11/02/2012

    Internationales Kolloquium: Die Architektur des Weges

    more information

 
9
  • 08/02/2012 - 11/02/2012

    Internationales Kolloquium: Die Architektur des Weges

    more information

  • 09/02/2012 - 10/02/2012

    Die Eurasische Steppe in sarmatischer Zeit

    more information

 
10
  • 08/02/2012 - 11/02/2012

    Internationales Kolloquium: Die Architektur des Weges

    more information

  • 09/02/2012 - 10/02/2012

    Die Eurasische Steppe in sarmatischer Zeit

    more information

 
11
  • 08/02/2012 - 11/02/2012

    Internationales Kolloquium: Die Architektur des Weges

    more information

 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
 
 
 
 

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

contact form