Metanavigation

Fabrateria Nova

Urbanistik und Bauten einer spätrepublikanischen Kolonie im mittleren Liri-Tal

Fabrateria Nova : Urbanistik und Bauten einer spätrepublikanischen Kolonie im mittleren Liri-Tal

Location

Der Ort Fabrateria Nova liegt auf einem ebenen Plateau, das heute "Civita" genannt wird, am rechten Ufer des Liri auf der Gemarkung der Gemeinde San Giovanni Incarico, Provinz Frosinone. Die ehemalige latinische Kolonie Fregellae, auf der anderen Flussseite, ist nur wenige Kilometer entfernt.Blick nach Nordosten

Background

Die nach Velleius Paterculus im Jahre 124 v.Chr. gegründete Kolonie Fabrateria Nova ist der Nachfolgeort des nahe gelegenen Fregellae, welches ein Jahr zuvor von L. Opimius zerstört worden war, da es gegen Rom rebelliert hatte. Die Kolonie wurde vermutlich nach dem Bundesgenossenkrieg in ein Municipium umgewandelt, dessen späteres Schicksal weitgehend unbekannt ist. Im späten 18. Jh. führte Pasquale Cayro eine Reihe von topographischen Studien sowie Ausgrabungen durch und baute eine kleine Antikensammlung auf, die nach seinem Tod zerstreut wurde. Eine Reihe von Stücken sind in verschiedenen Gebäuden in San Giovanni Incarico noch nachweisbar, während andere in auswärtige Museen gelangt sind, so nach Rom und Neapel. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die Grundmauern des Amphitheaters freigelegt und andere antike Strukturen fanden sich beim Bau eines Sportplatzes.

Objectives

Die Untersuchung der Urbanistik, der Architektur und der Funde Fabrateria Novas ist auf Grund des bekannten Gründungsdatums von besonderem Interesse, da dieses einen chronologischen Fixpunkt liefert, der recht sichere Datierungen erlaubt. Darüber hinaus stellt sich mit Blick auf die tiefgreifenden historischen und ökonomischen Veränderungen, die um die Wende vom 2. zum 1. vorchristlichen Jahrhundert in Italien stattfinden, die Frage, welche Rolle der urbane Raum im ländlichen Bereich Mittelitaliens in dieser Zeit überhaupt spielt und welche Elemente für seine Definition entscheidend sind.

Methodology

In Zusammenarbeit mit den Projektpartnern wird das gesamte Stadtareal mit den Mitteln des Surveys, der geophysikalischen Bodenprospektion und der Luftbildarchäologie untersucht. An einer Reihe besonders interessant erscheinender Bauten und Plätzen werden gezielte Grabungen durchgeführt.

Current research

Das DAI arbeitet seit 2007 in einem Gemeinschaftsprojekt zusammen mit Forschern der Universitäten Salento (Lecce) und Cassino, der Soprintendenza per i Beni Archeologici del Lazio und der Gemeine San Giovanni Incarico an der archäologischen Erforschung des Ortes. Auf der Grundlage historischer und moderner Luftbildaufnahmen, ausgedehnter Surveys und einer systematischen geophysikalischen Bodenprospektion aller zugänglichen Flächen konnte festgestellt werden, dass die im Norden und Osten vom Liri begrenzte Stadt mit nur 30 Hektar relativ klein war, jedoch über ein rechtwinkliges Straßennetz verfügte und vermutlich von der via Latina durchquert wurde, die inzwischen teilweise freigelegt worden ist. War bislang nur das in den 80er Jahren entdeckte Amphitheater Gegenstand archäologischer Untersuchungen gewesen, so konnten nun in gezielten Freilegungs- und Grabungskampagnen im Osten der Stadt weitere öffentliche Bauten nachgewiesen werden, auch wenn der Erhaltungszustand der Monumente leider nicht sonderlich gut ist: Es ist offensichtlich, dass die antiken Gebäude im Mittelalter und der Neuzeit als Steinbruch ausgebeutet worden sind und es zu einem bislang unbekannten Zeitpunkt offenbar sogar zu einer systematischen Planierung der noch aufrecht stehenden Ruinen gekommen ist, wahrscheinlich um das Gelände landwirtschaftlich nutzen zu können.
Ganz am östlichen Stadtrand liegt eine mächtiges, etwa 100 m x 90 m großes Terrassenheiligtum, dass sich in den orthogonalen Stadtplan einfügt und in die Gründungsphase der Kolonie gehört, wie Keramikfunde und Reste von architektonischen Terrakotten belegen. Die Terrasse, auf der nebeneinander drei unterschiedlich große Tempel stehen, wird ringsum von Säulenhallen eingefasst. Im Osten ruht die Anlage auf einer fast 10 m breiten Kryptoportikus, da das Gelände hier zum Fluss hin abfällt und terrassiert werden musste. Weiter unterhalb befand sich vermutlich der Hafen Fabraterias und das anspruchsvolle Heiligtum muss von weit her sichtbar gewesen sein. Es gehört in die Gruppe der mittelitalischen Terrassenheiligtümer, die im späten 2. Jh. und frühen 1. Jh. v.Chr. in verschiedenen Orten errichtet worden sind und einen eindrücklichen Beleg für den Reichtum darstellen, der vor allem nach Abschluss des 3. Makedonischen Krieges (171-168 v.Chr.) nach Latium und Kampanien floss. In diesen Bauten manifestiert sich auch das Bestreben der lokalen Elite, ihren Reichtum und ihre Freigiebigkeit darzustellen, denn eine erfolgreiche Magistratur in einer Kolonie oder einem Municipium konnte als Sprungbrett zu einer Karriere in Rom dienen. Dass sich auch die kleine und gerade erst gegründete Kolonie Fabrateria Nova von Beginn an einen solchen Großbau leistete, ist bemerkenswert und zeigt, wie wichtig die politische Funktion dieser Landstädte war, selbst wenn sie wirtschaftlich keine besondere Rolle spielten.

Übersichtsplan
Eine weitere Überraschung bietet der östliche und größte der drei Tempel, ein mit ca. 19 m x 23 m fast quadratischer Bau auf hohem Podium, wahrscheinlich ein prostylos bzw. peripteros sine postico, also ein Bau, der ganz in italischer Tradition steht. Es ist anzunehmen, dass man mit der Errichtung eines solchen Heiligtum eine gemeinsame Identität stiften wollte und sich an dem Muster der älterer italischer Orte orientierte, ohne dass es vor Ort einen italischen Vorgängerbau gegeben hätte.

Die drei Tempel des republikanischen Heiligtums

Eine weiter im Westen gelegene, etwa 70 m x 40 m große Platzanlage, die auf vier Seiten von Portiken umgeben wird, stammt in ihrer jetzigen Form aus augusteischer Zeit, was sich sowohl aus der Bauornamentik, als auch aus der Stratigraphie ergibt, doch scheint auch früher schon an dieser Stelle eine großer Bau gelegen zu haben, von dem einige Mauerzüge aufgedeckt worden sind. Gegen das Nordende hin versetzt steht in der Mitte des Platzes ein kleiner Podiumstempel mit zwei vorgelagerten Wasserbecken.Kleiner Tempel der augusteischen Platzanlage
Im Süden endet der Säulenhof an der via Latina, auf die sich die an dieser Seite liegenden Tabernae öffnen. Die regelmäßige und geschlossene Form der Anlage, auf die sich keine großen Kultbauten zu öffnen scheinen, schließt wohl eine Deutung als Forum der Stadt aus. Vielmehr könnte es sich um einen Marktbau mit kleineren Kulteinrichtungen handeln, der in jedem Fall die Vitalität der Stadt in der frühen Kaiserzeit belegt.
Weitere öffentliche Bauten sind die zwischen der augusteischen Portikus und dem republikanischen Terrassenheiligtum gelegene Thermenanlage aus dem frühen 2. Jh. n.Chr. und das leider nicht näher datierbare Amphitheater. Mit seinen Achsmaßen von etwa 76 m x 57 m gehört es zu den kleineren Beispielen dieses Bautyps und belegt den eher kleinstädtischen Charakter Fabrateria Novas. Auch die Gesamtfläche des Stadtareals mit nur etwa 30 ha bleibt weit hinter der Ausdehnung Fregellaes zurück, welches dreimal so groß war. Anders als Fregellae, von dem aus in der Anfangszeit wesentliche Impulse zur Romanisierung des Landes ausgingen, dürfte Fabrateria Nova auf sein Umland kaum normativ gewirkt haben. Seine Rolle war die eines politischen Zentrums, und diese Funktion wurde vor allem durch die große Terrassenanlage sichtbar nach außen vermittelt, während sich im Innern des Ortes anscheinend nur relativ bescheidene Infrastrukturen herausbildeten.

Cooperation / Cooperation partners

Soprintendenza per i Beni Archeologici del Lazio (Dr. Alessandro Betori)
Università degli Studi di Cassino (Dr. Eugenio Polito)
Università degli Studi del Salento (Prof. Giovanni Ceraudo, Dr. Adriana Valchera)
Comune di San Giovanni Incarico (Dr. Angelo Nicosia, Kulturreferent Daniele Piccirilli)

Bibliography

Nicosia, A.: Fabrateria Nova (presso S. Giovanni Incarico - Frosinone), in: Studi e Monografie 2, 1977, S. 7-34. - Crescenzi, L.: L'anfiteatro di S. Giovanni in Carico, in: Archeologia laziale, 7. Settimo incontro di studio del Comitato per l'archeologia laziale (Roma 1984), Roma, 1985, S. 109-111. - De Lucia Brolli, A.M.: Prospettive su Fabrateria Nova, in: Archeologia laziale, 5. Quinto Incontro di studio del Comitato per l'archeologia laziale (Roma 1982), Roma, 1983, S. 104-111. - Ager Aquinas : Aerotopografia archeologica lungo la valle dell'antico Liris / a cura di Giuseppe Ceraudo, Marina di Minturno, 2004, S. 80-84. - Betrori, A. (u.a.): San Giovanni Incarico (Frosinone): ricerche topografiche e archeologiche sul sito di Fabrateria Nova, in: Lazio & Sabina 6: Atti del Convegno "Sesto incontro di studi sul Lazio e la Sabina", Roma, 4-6 marzo 2009, Roma, 2010, S. 457-469.

Recent projects

  • 11.12.2012

    Domus Aurea more

  • 21.11.2012

    Fabrateria Nova more

  • 10.05.2012

    Apollonia more

Completed projects

  • 04.02.2013

    Die Städte Latiums - Stadtbefestigungen und die Organisation räumlicher Ordnungen vom 8.-3. Jh. v. Chr. more

  • 21.11.2012

    Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr. more

  • 31.05.2011

    Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr. more

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

contact form