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Apollonia

Das Ziel besteht darin, das Theater in Apollonia in seiner Grundgestalt und seinen Veränderungen zu rekonstruieren, die einzelnen Phasen zu datieren und in die Geschichte der Stadt und des Theaterbaus einzuordnen.

Die bisherigen Arbeiten haben gezeigt, dass es sich um eine ungewöhnliche Anlage handelt, die ihre nächsten Entsprechungen in Städten des illyrischen Hinterlandes Apollonias besaß. Allerdings ist auch das Theater von Byllis bisher nur unzureichend und mit sich widersprüchlichen Aussagen publiziert. Das betrifft vor allem die Gestalt des Bühnenhauses mit einer dorischen Säulenstellung. Allerdings sind an dem Bau in Apollonia durch die Untersuchungen eine Reihe von Fragen offen geblieben, die für das Verständnis des Theaters von zentraler Bedeutung sind. Zum einen ist die Datierung unklar. Die Überlegungen zu Abfolge der Phasen im Bereich der Bühne und Orchestra legen nahe, einen Vorgänger in vorhellenistischer Zeit zu vermuten, die Sondage am Rande des Koilon hingegen unterstützt die Vermutung nicht. Zweitens ist die Gestaltung des Bereich hinter der Bühne ungewiss. Dort ist eine Terrasse anzunehmen, zu deren Stützmauern auch Hinweise gefunden wurden. Mit diesen Fragen eng verbunden ist die Rekonstruktion von Details. So ließen sich aus den vorhandenen Blöcken Parodostore in Bogenform ergänzen, aber deren exakte Position ist nicht klar. Die bisherigen Forschungen in Apollonia machen die Schlüsselstellung des dortigen Theaters im Verständnis der Theater der Städte in der Region generell deutlich, aber auch für die Geschichte Apollonias selbst. 

Location

Apollonia (heute Albanien) wurde in den Jahren vor 585 v.Chr. von Korinth aus gegründet und gehört damit zu den wenigen griechischen Koloniestädten im Adriaraum. Das Theater liegt im Zentrum am Westhang des Stadtberges und bietet damit zugleich eine Verbindung zwischen Ober- und Unterstadt.

History

„À partir de la fin du IVe s. av. J.-C., en effet, tout la Grèce, des Cyclades jusqu’à Epire, se couvrit de théâtres. Plusieurs ont été fouillés et étudiés“ (J.-Ch.Moretti). Die Theaterbauten bilden folglich ein zentrales Element in der Gestaltung des Bildes der Stadt in hellenistischer Zeit. Zwar gab es schon in den Städten archaischer und klassischer Zeit Bauten und Einrichtungen, die der Inszenierung von Aufführungen und der Versammlung des Volkes in Ausrichtung auf einen zentralen Platz für Darbietungen und Reden dienten, aber die konventionelle Form des Theaterbaus, bestehend aus einem massiv gestaltetem Zuschauerrund mit Ehrenplätzen und der monumental gestalteten und gegliederten Bühne bildet eine Entwicklung im Wesentlichen der zweiten Hälfte des 4. und des 3. Jhs. v.Chr. Seit dieser Zeit streben eigentlich alles Städte danach, ein derartiges Theater einzurichten.

Die einzelnen Bauten stellen seit langem Gegenstand der Forschung dar, wobei gerade in der deutschsprachigen Archäologie vor allem aus den zwanziger Jahren eine Fülle von Arbeiten zu nennen wäre, die sich mit den Namen von W.Dörpfeld und vor allem E.Fiechter verbinden (mit der dichten Folge von Publikationen in der Reihe der antiken Theater). Weitere „Meilensteine“ auf diesem Weg bilden die Arbeiten von A. von Gerkan zum Theater von Priene und von W. Müller-Wiener zum Theater von Epidauros. Aus jüngerer Zeit hingegen bleiben solche namhaften monographischen Behandlungen entsprechender Bauten hellenistischer Zeit eher rar (Armin Wiegand zum Theater von Solunt).

Das hängt neben dem zunehmenden Grad der Erfassung bekannter Bauten auch mit einem Perspektivwechsel in der Forschung zusammen, in der weniger die typologischen Fragen etwa in der Gliederung des Zuschauerrundes und vor allem in der Gestaltung von Orchestra und Bühnenhaus im Zentrum stehen, sondern eher die Funktion der Bauten in ihrem städtischen Kontext. Dabei wurden häufig die kultischen Traditionen hervorgehoben, aus denen sich die Polarität zwischen zentraler Aktion und Zuschauern konstituierte. Sie besaß eine politische Komponente, da es sich um die Bevölkerung der jeweiligen Polis handelte (F.Kolb, J.R.Green, J.-Ch. Moretti)

Bei dieser Fragestellung wird wiederum häufiger die Aussagefähigkeit des archäologischen Befundes hintan gestellt, die in mehreren Bereichen die Vorstellungen erweitern kann: der Einordnung in den urbanistischen Kontext der Städte, die neuartige Organisation der Zuschauer im Koilon, ablesbar etwa in den Inschriften oder auch in der zunehmenden Bedeutung der Prohedrie mit ihren Ehrensitzen, die neuartige Inszenierung des Schauspiels auf einer durch das monumentale Proskenion erhobenen Bühne und dem dahinter liegenden Bühnenhaus und in der neuartigen Zuordnung dieser Teile an Stifter, was sich in den Inschriften und Ehrenstatuen niederschlägt. In dieser Hinsicht ist bezeichnend, dass das Theater in der jüngeren Diskussion um die hellenistische Stadt kaum eine Rolle spielt. Obwohl Theater allein schon von ihrem Volumen her zu den wichtigsten und aufwendigsten Bauprojekten der Poleis in dieser Zeit gehörten, werden die Bauten in der Architekturgeschichte des Hellenismus von H.Lauter auf 10 Seiten (S. 166 – 175) vergleichsweise knapp abgehandelt und in dem Kolloquiumsband „Stadtbild und Bürgerbild im Hellenismus“ fehlt ein entsprechender Beitrag,

Das Theater erhält in hellenistischer Zeit neben der traditionellen Funktion, den Rahmen für die Aufführung von Spielen abzugeben, die zusätzliche Bedeutung als Ort der Ehrung von Bürgern, der großen verstorbenen Dichter wie im Dionysostheater in Athen oder im Hellenismus der Stifter von Spielen und von Ausbauten. Zugleich ändert sich ganz offensichtlich die Ästhetik der Spiele von einem im Zentrum dargebotenem Kultspiel zu einer szenisch dargebotenen Aufführung. Damit wird es zunehmend zum Ort der Stabilisierung der kulturellen Tradition und damit zusammenhängend der gesellschaftlichen Hierarchie. Vor diesem Hintergrund wäre jeweils im Einzelnen die Aussagefähigkeit der unterschiedlichen Details zu prüfen.

Es fällt auf, dass seit dem 3. Jh.v.Chr. monumental ausgebaute Theater zum Erscheinungsbild selbst solcher Städte gehörten, die am Rande der griechischen Welt liegen und deren politischer Status nicht immer klar erkennbar ist. Als Beispiele seien nur Jatas auf Sizilien oder Babylon (Mesopotamien) und Ai Khanoum (Baktrien) genannt. Offenbar bildete das Theater so etwas wie ein Signet einer Kultur, die auf der Tradition der Polis klassischer Prägung fußte.

Allerdings lässt sich in den griechischen Poleis der hellenistischen Zeit nur schwer ablesen, welche Bedeutung die Theater in ihnen jeweils besaßen, da die verschiedenen genauer untersuchten Beispiele im griechischen Mutterland und in Kleinasien in Bezug auf die Lage in der Stadt, Größe und Ausstattung sehr heterogen sind und auch nach den bisher vertretenen Rekonstruktionen und Datierungen stark divergieren. Außerdem sind einige Befunde von zentraler Bedeutung wie die Theater in den Residenzstädten entweder nicht bekannt (Alexandria, Antiochia, Pella), oder andere in prominenten Städten bisher nur unzureichend publiziert (Vergina, Milet, Delos).

An diesem Punkt setzt das hier beantragte Projekt ein, denn es versucht, drei Theater einer sehr begrenzten Region im Bereich des griechisch-illyrischen Grenzgebietes zu untersuchen. Die Theater sind alle in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. bzw. allgemein im 3. Jh. v. Chr. entstanden und sie gehören zu drei Städten mit unterschiedlichem Charakter. Dabei gibt es es dieser Zeit auch andere Bauten für Schaustellungen, wie das Stadion von Amantia (in der Umgebung von Byllis) belegt, das ebenfalls in diese Zeit datiert wird.

Das Theater von Apollonia wurde seit den siebziger Jahren (ab 1971) von A.Mango und B.Dautaj im Bereich der Orchestra, der Bühne und am unteren Rand des Koilon freigelegt und wesentlich in zwei größeren Aufsätzen publiziert (Iliria 1982 / 1999-2000). Daraus ergibt sich der Grundriss vor allem im Bereich von Orchestra  (ca. 18 m Durchmesser) und Bühnenhaus in wesentlichen Teilen zu erkennen. Einzelne Sektoren der Cavea waren auf der Front der untersten Stufe mit Buchstaben gekennzeichnet, die mit einzelnen Phylen verbunden wurden. Das Koilon hätte nach den Kalkulationen der Ausgräberin ca. 6000 – 8000 Personen Platz geboten. Das Bühnenhaus ist bisher nur ansatzweise rekonstruiert worden. Sicher erkennbar ist das Proskenion ionischer Ordnung mit den Einlassungen für Pinakes. Weniger sicher sind eine zweite ionische Ordnung mit einem Rankenfries und eine dorische Ordnung mit reicher Dekoration zuzuordnen. Über deren Datierung besteht zudem Klärungsbedarf, denn die Ausgräberin wollte den Rankenfries zusammen mit anderen Veränderungen einem Ausbau der flavischen Zeit zuweisen. In spätantiker Zeit wurde eine Basilika eingebaut, von der sich noch geringe Reste einer Apsis im Bereich des Bühnenhauses abzeichnen.

Das Theater der Stadt Byllis, die etwa 40 km entfernt im Hinterland von Apollonia liegt, hat N.Ceka in den achtziger Jahren in einer Serie von Kampagnen freigelegt und dessen Grundriss wie auch in seine Einbettung in die Stadt und die umgebene Agora publiziert. Orchestra (ca. 20 m Durchmesser), Bühnenhaus und Zuschauerrund entsprachen in der Größe etwa der Anlage in Apollonia. Der Ausgräber berechnete das Fassungsvermögen auf ca. 7500 Personen. Trotz einer Fülle von Publikationen wurden wesentliche Details des Theaters – vor allem seines architektonischen Dekors – bisher nicht vorgestellt. Dazu gehören wiederum ähnlich wie in Apollonia eine Reihe unterschiedlicher, z.T. reich geschmückter Ordnungen. Aber auch der Aufbau des Bühnenhauses bleibt in seinen Details unklar. Gleiches gilt für die Sitzreihen des Zuschauerraumes. Nur die Prohedrie mit ihren Ehrensitzen ist gut zu erkennen.

Klos (Nikaia) –  in etwa 3 km Entfernung von Byllis gelegen – wird als deren Vorgängerin angesehen. Das sehr einfache Theater, das Sitzreihen fast vollständig in das Felsmassiv eingehauen wurden, hat in den siebziger Jahren von L.Papajani freigelegt und publiziert. Es besaß mit einer Orchestra von ca. 10 m Durchmesser nur bescheidene Dimensionen und bot vielleicht ca. 800 Personen Platz. Von seiner Architektur ist außer den Einarbeitungen im Felsen und einigen wenigen Blöcken kaum noch etwas erhalten, aber aus Widersprüchen zwischen den Befunden vor Ort und der Publikation ergeben sich einige Probleme.

Einige Bauten in der Region versprechen innerhalb der hier angesprochenen Fragestellung zusätzlichen Aufschluss und sollen mit in die Betrachtungen einbezogen werden.

Aufschlussreich ist das Stadion in Amantia, das ebenfalls in das 3. Jh. v. Chr. datiert wird. Es handelt sich um eine einfache Anlage mit Sitzstufen ohne weiteren architektonischen Ausbau.

Das Theater von Oricum (etwa 40 km südlich Apollonias im Golf von Vlora an der Küste gelegen) hat D.Budina ausgegraben und in das 1. Jh. v. Chr. datiert. Es fällt also aus dem hier betrachteten Rahmen heraus, bietet allerdings die Möglichkeit, die besonderen Qualitäten der Theater der frühhellenistischen Zeit deutlicher herauszustellen.

Ferner verdient die Gestalt der monumentalen Felsgräber der illyrischen Siedlung von Basse-Selce außerhalb der hier betrachteten Territoriums im nördlichen Albanien, die ebenfalls in das 3. Jh. v. Chr. datierbar sind, berücksichtigt zu werden. Dort wurde oberhalb einer Grabkammer (Grab Nr. 2) ein kleines Theater in den Fels gehauen, das der Ausgräber N.Ceka wohl zu Recht mit ritueller Verehrung der Verstorbenen in Verbindung gebracht hat.

Der Status der Städte, zu denen die Theater gehören, ist vielfach erforscht worden. Apollonia wurde im frühen 6. Jh. v.Chr. gegründet und ist damit die älteste Stadt der Region, zu der später wohl im späten 6. und frühen 5. Jh. Orikos und Amantia hinzukommen. Apollonia wurde intensiv erforscht. Z. Zt. arbeiten dort und in seiner Chora Gruppen von albanischen (Vangjel Dimo, Direktor des Museums von Apollonia, Bashkim Lahi aus Shkoder, Bashkim Vrekaj aus Fier, Iris Pojani aus Butrint), französischen (Jean-Luc Lamboley, Grenoble) und amerikanischen Archäologen/innen (Jack Davies, Cincinnati). Die jüngeren Ergebnisse liegen in mehreren Kongressbänden und einem ersten Band einer albanisch-französischen Gesamtpublikation (im Druck) vor.

Byllis wurde auch in seiner Gesamtüberlieferung (historischer Überlieferung, Territorium, Inschriften) vor allem von N.Ceka untersucht, der es als Hauptstadt eines Koinon verschiedener illyrischer Städte verstand, die nach Funden in den Nekropolen um die Mitte des 4. Jhs. v.Chr. gegründet wurde und die unmittelbar benachbarte Stadt Klos (Nikaia) ablöste, bzw. in der Funktion als Zentralort des Koinon ergänzte.

Previous Activities

Die bisherigen Arbeiten gliedern sich im Wesentlichen in die zwei Förderungsphasen. In der ersten Phase 2006 – 2007 wurde versucht, die Bestände der alten albanischen Grabungen zu sichten und für eine Rekonstruktion des Baus auszuwerten. Es handelte sich deshalb vorwiegend um eine Dokumentation des Steinmaterials verbunden mit wenigen Sondagen, die Aufschluss über Bereiche geben sollten, die für die Datierung und Rekonstruktion des Baus von besonderer Bedeutung waren. Da es sich nach den Vorgaben um eine albanische-deutsche Gemeinschaftsgrabung handelt, also Mitarbeiter beider Seiten an der Arbeit beteiligt sein müssen, war es notwendig, geeignete Formen der Zusammenarbeit zu finden. In dieser Phase wurde eine auch für die kommenden Jahre brauchbare Infrastruktur mit der Organisation der Grabungen einschließlich der Methoden und der Dokumentation, der Fundbearbeitung und der Magazinierung der Materialien geschaffen. Außerdem stabilisierte sich der Kern eines effizienten albanisch-deutschen Teams. Ferner wurden die Bauteile katalogisiert, wobei die Zahl von inzwischen bald 1000 Teilen die ersten Schätzungen deutlich übertraf, die in situ befindlichen Reste der Architektur neu aufgenommen und die Altfunde der albanischen Grabungen gesichtet. Zugleich wurde 2007 im Bereich der Amphorenmauer der Agora mit weiteren Sondagen begonnen, die mit Hilfe der Abteilung Rom des DAI und der bayerischen Akademie der Wissenschaften finanziert wurden. Dadurch wurden zum ersten Mal in Apollonia genauere stratigraphische Abfolgen erfasst, die im Bereich des Theaters in den Sondagen, die in diesen Jahren im Bereich der Orchestra und des Bühnengebäudes durchgeführt wurden, fehlten. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Kampagnen bilden die erste Rekonstruktion des Bühnengebäudes, eine Erfassung von Phasen und deren zeitliche Differenzierung. Dafür konnten alle Teile wiederhergestellt werden, das Proskenion, die Architektur des Bühnenhauses und die Position der Parodosmauer. Wesentliche Voraussetzung dafür war, die Position der vorderen Fundamentmauer des Bühnengebäudes festzulegen, die anhand eines Mauerausbruchgrabens, in dem alle Quader ausgeraubt waren, in ihrer Lage und ihrem Verlauf exakt bestimmt werden konnte. Ferner war es nur auf Grund der zeichnerischen Dokumentation der wesentlichen Bauteile möglich, also vor allem der Säulenschäfte und der Gebälke. Dadurch konnte J. Bäuerlein verschiedene Phasen im Ausbau unterscheiden und die dorische Ordnung des Bühnengebäudes wieder gewinnen (Bäuerlein 2008). Die Architektur- und Skulpturenfragmente aus den früheren und den laufenden Grabungen sind ebenso wie ein Bronzehortfund inzwischen vorgelegt worden (von Hesberg – Eck 2008; Ortisi 2009). In der zweiten Projektphase 2008 – 2009 schied J.Bäuerlein als verantwortlicher Bauforscher aus und an seiner Stelle trat Stefan Franz, der zusammen mit Valentina Hinz zunächst den Katalog der Bauteile weiter vervollständigte und daraus Rekonstruktionen entwickelte, überdies aber auch ein Geländemodell erstellte, über das die einzelnen Teile besser als zuvor eingepasst werden konnten. Das gilt besonders für den Zuschauerraum, für den zwei verschiedene Formen von Sitzstufen existieren. Ihr Anstieg von 26° korrespondiert exakt mit dem Anstieg des Koilon, wie er aus dem Geländemodell ablesbar ist, und der Schräge der Parodosmauer. An die Stelle von Anastasia Angelinoudi trat Manuel Fiedler, der zuvor schon in der sog. Amphorengrabung mitgearbeitet hatte. Unter seiner Leitung wurde durch Intensivierung der Grabungen 2008-2009 systematisch versucht, die Situation im Zentrum des Theaters im Bereich der Orchestra, der Parodoi und des Bühnenhauses zu klären. Wegen Versturzlagen der Bauglieder erwiesen sich die Grabungsbedingungen als äußerst schwierig. Im Jahr 2009 zur Verfügung gestellte Finanzmittel des ‚Stabilitätspakt für Südosteuropa’ des Auswärtigen Amtes wurden für die Anschaffung eines Kranes und weiterer Gerätschaften eingesetzt. Erst jetzt wurde es möglich, notwendige Steinbewegungen in größerem Umfang sachgerecht durchzuführen und ein neues Steinlager einzurichten, in dem zum ersten Mal die Blöcke wirklich vermessen werden können. Im nördlichen Parodosbereich wurde in Kombination von Grabung und Steinbewegung ein ausgedehnter Steinversturz (darunter Geisa mit Stifterinschrift ]YΛOY YIOΣ TAPANTINOΣ ANA[) aufgelöst, sodass nach Dokumentation der Bauglieder nun eine steingerechte zeichnerische Rekonstruktion des Parodostores durch St. Franz und V. Hinz vorliegt. Für den Abgleich des Grundrisses bedarf es weiterer Abtiefungen an dieser Stelle. Dieser Teil des Baus zeigt Verwandtschaft mit den Parodostoren von Byllis, die dort allerdings falsch rekonstruiert sind. Im Bereich der Orchestra wurde mit der Auflösung eines älteren Steinlagers begonnen, um auch diese Blöcke in Zukunft aufzunehmen. Hierdurch war es möglich, den Orchestrakanal erneut freizulegen, zeitgemäß zu dokumentieren und damit Grundlagen zur Klärung von Fragen, die Orchestra und Kanal betreffen, zu schaffen. Die Umwandlungen in römischer Zeit ließen sich durch die gegenüber den albanischen Altgrabungen verfeinerten Grabungsmethoden genau klären, als die Orchestra in Art der bekannten Gladiatorenorchestren in eine Arena erweitert und die vordersten Sitzreihen für den Bau einer hohen Brüstung entfernt wurden. Fundamente des hellenistischen Proskenions wurden hierbei überdeckt. Erwähnenswert sind Spuren hölzerner Einbauten im Bereich der Orchestra, die entweder bauzeitlich sind – also z.B. von Baugerüsten stammen – oder von temporären, während der Spiele errichteten Holzkonstruktionen herrühren. Unklar war bislang auch die Gestaltung der Nordseite des Bühnengebäudes; die Grabungen stießen auf einen Raubgraben und letzte Fundamentblöcke der Nordwand, die dem hellenistischen Bau zugewiesen werden können und deren Position den (damals noch ungesicherten) Annahmen von Bäuerlein 2008 entspricht; in römischer Zeit sind ionische Rankenfriesblöcke (der hellenistischen Parodoi?) als Türschwellen innerhalb eines Nachfolgebaues verwendet worden. Ziegelmauern eines spätrömischen Baues bestätigen, dass in Phase V (nach Bäuerlein) das Gebäude wiedererrichtet wurde und dabei Bezug auf den Vorgängerbau nahm. Die westlich an das Bühnenhauses gesetzte, ab Phase III mit diesem eine Einheit bildende Stoa wurde 2009 in ihrem nördlichen Abschnitt untersucht, um exakte Anhaltspunkte für ihren Grundriss, Bauphasen und Datierungen zu erhalten. Unerwartet greift das Nordende der hellenistischen Halle über den nördlichen Parodosbereich hinaus; wie der Gesamtzugang gebildet war, bleibt der Fortsetzung der Grabungen vorbehalten festzustellen. Ein zweites Ziel der Phase 2008 – 2009 war es, durch Geoprospektionen und gezielte Schnitte die Umgebung des Theaters besser zu verstehen, vor allem dessen Einbettung in den urbanen Raum. Die Prospektionen, die sich aufgrund hoher Verschüttungen und der Kleinräumigkeit der zu messenden Areale erwartungsgemäß als schwierig erwiesen und von der Berliner Firma Eastern Atlas mittels Georadar- und Geomagnetikmessungen durchgeführt wurden , lieferten Hinweise auf Bebauungsstrukturen auf der Terrasse östlich oberhalb des Koilons; gezielte Nachgrabungen 2009 ergaben, dass es sich offenbar um klassische Wohngebäude handelt, die im 3. Jh.v.Chr. – augenscheinlich einhergehend mit dem Hauptausbau des Theaters – abgetragen wurden, um eine Freifläche um das Koilon herum zu schaffen. Der Hauptzugang lag hier vermutlich im Zentrum des Zuschauerraumes, der sich bei den Prospektionen als starke Anomalie abzeichnete. Die anschließenden Sondagen ließen Substruktionen der obersten Sitzstufen, einen Teil eines mutmaßlichen Durchganges mit einem flankierenden, mehrmals veränderten (Tor-?)Bau und eine hinter dem Theaterhang geführte Stützmauer freilegen, doch sind zum genauen Verständnis der zahlreichen, auf engstem Raum dokumentierten Befunde, die allesamt aus hellenistischer und römischer Zeit stammen, Erweiterungen der Schnitte notwendig. Belegt ist jedenfalls damit die Größe des den gesamten Hang einnehmenden Zuschauerraumes, der allerdings nach den albanischen Grabungen (bis einschließlich der Besprechung im Atlas Archéologique 2007) als viel zu klein angenommen wurde. Die dem Bühnengebäude vorgeblendete, nach Westen ausgerichtete Säulenhalle setzt eine Platzanlage voraus, deren nördliche und westliche Ausdehnung sich durch die Geoprospektionen fassen ließ. Offensichtlich zieht die (im Bereich des ‚russischen Hauses’ durch sowjetisch-albanische Grabungen freigelegte) Insula-Bebauung den Hang bis in den Bereich des Theaterplatzes hinauf und begrenzt diesen im Norden. Die westliche Ausdehnung ließ sich durch gezielte Sondagen unweit des heutigen Abhanges fassen; eine repräsentative Architektur, die den Platz im Westen (wie z.B. in Byllis) ausgestaltet hätte, fand sich hier nicht. Vielmehr muss der Platz nach Westen hin offen gewesen sein, womit abermals deutlich wird, dass Stoa und Theater Teil der bewusst gestalteten, weithin sichtbaren Stadtfassade Apollonias darstellten. An der Terrassenkante diente eine mit Kies gefüllte Sickergrube, die oberirdisch durch einen (im Georadarbild sichtbaren) schmalen Mauerzug markiert war, der Ableitung von Oberflächenwasser, womit neue Erkenntnisse zu Arten der Abwasserentsorgung in Apollonia gewonnen sind. Die Frage, wie der Theaterplatz vor dem Bühnengebäude bzw. der Raum hinter dem Koilon in das Straßennetz eingebunden war – es hat den Anschein, dass das Theater ein Scharnier zwischen dem Straßenraster der Ober- und dem (anders orientierten Raster) der Unterstadt darstellte –, setzt Grundlagenforschungen zu Straßennetz und Insulaeinteilung von Apollonia voraus und überschreitet somit die Grenzen des Theaterprojektes; allerdings wurde durch eine von der Universität zu Köln aufgestellten Arbeitsgruppe im Frühjahr 2010 begonnen, städtebaulichen Fragen mittels großflächiger geophysikalischer Messungen nachzugehen, die in ein eigenes, mit dem Theaterprojekt indes eng verbundenen Urbanistikprojekt münden soll (Finanzierung durch Thyssen-Stiftung). Die Grabungsdokumentation, die im Feld in Papierform geführt wird, übertragen zwei studentische Hilfskräfte – wie vorgesehen – in die über das Internet zugängige DAI-Datenbank iDAIfield, die für die Bedürfnisse des deutsch-albanischen Projektes zuvor modifiziert werden musste. Fotografien und Zeichnungen überführen sie zur archivgerechten Verwaltung in die an das Netz angeschlossene Bilddatenbank Arachne. Allen beteiligten Wissenschaftlern steht damit die erarbeitete Dokumentation weltweit zur Verfügung. Mit Mitteln des Südosteuropa-Stabilitätspaktes konnte 2009 eine Reorganisation der im Marienkloster eingerichteten Magazinräume angegangen werden. Überraschenderweise wurde dabei eine Kollektion von ca. 500 Steinfragmenten wiederentdeckt, die von Baugliedern (z.T. des Theaters), von griechischen und römischen Skulpturen, Grabreliefs und verschiedenen Geräten und Gefäßen stammen. Da sie einen Querschnitt verschiedenster Bildhauer- und Steinmetzarbeiten von Apollonia bieten, wurde aus Mitteln des DAI Rom mit ihrer wissenschaftlichen Bearbeitung begonnen. Die apparative Ausstattung des Projektes wurde ferner aus Mitteln des Stabilitätspaktes erweitert und zusätzliches Vermessungsgerät (Totalstation ##), Kameras (Nikon-Digital-Spiegelreflex) und ein Mikroskop (##) angeschafft. Restaurierungen von Baugliedern und Kleinfunden werden nach Erwerb der nötigsten Gerätschaften und Chemikalien nunmehr in Apollonia selbst durch einen albanischen Restaurator und Studierende aus Deutschland vorgenommen. Im Klostermuseum wurden im Februar 2010 Steinbewegungen im Lapidarium notwendig, um langfristig die derzeit geschlossene Ausstellung neu zu organisieren; durch Finanzierung des DAI Rom waren hierbei Mitarbeiter des Theaterprojektes maßgeblich beteiligt. Dadurch wird es nun möglich, auch zum Theater gehörige Bauglieder, Metopen etc. erstmals genau zu dokumentieren. Auf der anderen Seite muss unser Bemühen sein, den albanischen Kollegen auch außerhalb ihrer Landesgrenzen Möglichkeiten von wissenschaftlichen Studien und der Fortbildung zu bieten, nicht zuletzt auch im Interesse des eigenen Projektes. Jeweils mehrwöchige Aufenthalte sind deshalb aus Mitteln der Abteilung Rom dem albanischen Partner Bashkim Lahi und seinen Mitarbeitern Eduard Shehi, Brikena Shodra und Spresa Gjongecaj für Studien in Bibliotheken der Römisch-Germanischen Kommission des DAI in Frankurt bzw an der Universität zu Köln, dem Restaurator Avni Alcani für eine Fortbildung im Römisch-Germanischen Museum Köln und dem Mitarbeiter des Archäologischen Parkes Arjan Dimo im Archäologischen Park Xanten ermöglicht worden; die Steinbewegung erfordert ausgebildete Mitarbeiter, weshalb Vasil Ulndrea ein Praktikum in der Steinmetz-/Restaurierungsfirma Pfanner (München) absolvieren wird. Ein solcher Austausch gestaltet sich wegen der Erteilung von Einreisevisa noch immer schwierig. Die Ergebnisse der Sondagen werden z.Zt. von Manuel Fiedler und Bashkim Lahi zum Druck vorbereitet. Die Ergebnisse der Bauaufnahme werden durch Stefan Franz und Valentina Hinz zusammengefasst, und Kleinfunde und Keramik für diesen Bericht von Eduard Shehi, Brikena Shkodra, Szilamér Pánczél und Shpresa Gjongecaj ausgewertet. Alexandra Steiner hat mit der Bearbeitung der Steinkollektion begonnen. Eine Magisterarbeit von Wiebke Streblow wird sich zudem mit Spolien aus Apollonia beschäftigen, die in zahlreichen Klöstern und Kirchen der weiteren Umgebung verbaut wurden (darunter auch Bauglieder aus dem Theater).

Bibliography

Literatur zu Theater:

 

Allgemein zu Theatern:

Ernst Fiechter, Die Theater von Oiniadai und Neupleuron, Antike griechische Theaterbauten 2 (1931)

ders., Das Theater in Megalopolis,  Antike griechische Theaterbauten 4 (1931)

Armin von Gerkan, Das Theater von Priene (1921)

A.von Gerkan – Wolfgang Müller-Wiener, Das Theater von Epidauros (1961)

J.R.Green, Theater in Ancient Greek Society (1995)

Frank Kolb, Agora und Theater, Volks- und Festversammlung (1981)

Robert Koldewey, Das wieder erstehende Babylon (1913) 293 – 299.

Hans Lauter, Die Architektur des Hellenismus (1986)

Ders., AA 2004, 159 – 170 (Megalopolis). 

Jean-Charles Moretti, Le bátiment de scéne du théâtre de Délos, RA 1998, 151 – 163.

ders., Théâtres et société dans la Grèce antique (2001)

Inge Nielsen, Cultic Theatres and Ritual Drama (2002)

Egert Pöhlmann (Hrsg.), Studien zur Bühnendichtung und zum Theaterbau der Antike (1995)

Emil A.Rihi – Cornelia Isler-Kerényi, Stützfiguren des griechischen Theaters von Iatas, Studia Ietina I (1976) 13 – 48.  

Christoph Schwingenstein, Die figürliche Ausstattung des griechischen Theatergebäudes (1977)

Armin Wiegand, Das Theater von Solunt (1997)

Michael Wörrle – P.Zanker (Hrsg.), Stadtbild und Bürgerbild im Hellenismus, Koll. München 1993 (1995)

 

Theater in Akarnanien und Epirus:

Luigi M.Ugolini, L’acropoli di Fenice, Albania Antica II (1932) 93 – 109 (sog. Thesauros mit Sitzstufen)

S.I. Dakaris, Dodona (o.J.) 65 – 72.

ders., s.v.Kassope, EAA Suppl (1973) 385 – 391.

Ernst-Ludwig Schwandner, Feldforschungen in Stratos und Palairos, Nürnberger Blätter zur Archäologie 17, 2000/1, 9 – 22.

 

Apollonia:

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M.Korkuti, Jack L.Davies u.a., Iliria 28, 1998, 257 Abb. 2 (Spolie aus Theater)

A. Mano, Teatri antik i Apolonise, Illiria 29, 1999 – 2000, 183 – 210.

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Byllis:

N. Ceka, Koinoni i bylineve, Iliria 14, 1984, 2, 72 – 78.

ders., Mbishkrime Byline, Iliria 17,2, 1987, 49 – 121. 

ders., Arkitektura e qytezes ilire te Margellicit, Monumentet, 33, 1, 1987,

ders., Germinet/Rapport Bylis 1990, Iliria 21,2, 1990, 261 – 262.

ders., Fortifikimet antike te bashkesise byline, Iliria 20, 1990, 99 – 140.

ders., Urbanistika dhe banesat ne Bylis, Iliria 22, 1 – 2,  1992, 73 – 96.

ders., Städtebau in der vorrömischen Periode in Südillyrien, in: 13. Internationaler Archäologen Kongress, Berlin 1998 (1990) 215 – 229.

L’Illyrie Méridionale et l’Epirus dans l’Antiquité IV, Kongr. Lyon, Hrsg. P.Cabanes – J.L. Lamboley (2002)

N.Ceka – S.Mucaj, Bylis (2004)

 

Klos:

Lazer Papajanit, La cité illyrienne de Klos, Iliria 4, 1976, 411 – 422.

ders., Iliria 6, 1976, 347 – 348 Abb. 11.  

ders., Disa monumente te Klos te Mallakestres dhe punimet restaureuese ne te, Monumentet 11, 1976, 23 – 33.

ders., Teatri i qytetit ilir ne Klos te Mallakastres dhe puniment restauruese ne te,

Monumentet  18, 1979, 43 – 55.

 

Beiträge, die aus dem Projekt erwachsen sind:

 

H.v.Hesberg, Hellenistische Theater – Zur Funktionalität der Räume und ihrer Bedeutung für die Polis, in: Stadtbilder im Hellenismus, Hrg. A.Matthaei – M.Zimmermann (Berlin 2009) 276 – 306.

A. Angelinoudi – J. Bäuerlein, Das Theater von Apollonia (Albanien). Ein Vorbericht, RM 114, 2008, 17 – 30. 

H.von Hesberg – W. Eck, Reliefs, Skulpturen und Inschriften aus dem Theater von Apollonia

(Albanien), RM 114, 2008, 31 – 97.

H.von Hesberg – W. Eck, Das Bouleuterion in Apollonia (Albanien), AM 2010 (im Druck)

H.von Hesberg, Tisch- und Beckenfüße aus Apollonia, AA 2010 (im Druck)

S. Ortisi, Ein Hortfund mit Bronzeschnallen aus dem Theater von Apollonia, RM 115, 2009, 131 – 142.

B. Lahi – M. Fiedler, Ausgrabungen im Zentrum von Apollonia (Albanien). Vorläufige Ergebnisse zu der sog. Amphorenmauer und ihrer Umgebung RM 116, 2010 (im Druck).

M. Fiedler – B. Lahi – S. Gjongecaj – E. Shehi – B. Shkodra – Sz. Pánczél, Die Grabungen im Theater von Apollonia während der Jahre 2006 – 2009, für RM 117, 2011 (in Vorbereitung)

H. von Hesberg, Ein Figuralkapitell aus Apollonia – Zu den Verbindungen der Stadt nach Unteritalien (in Vorbereitung für die FS Manin)

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