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Der spätantike Kaiserpalast Felix Romuliana bei Gamzigrad / Serbien

Die ca. 200 x 200 m große Palastanlage Felix Romuliana bei Gamzigrad / Serbien ist im Unterschied zum gut vergleichbaren Diokletianspalast in Split / Kroatien in nachantiker Zeit nie überbaut worden. Sie liegt eingebettet in eine hügelige Landschaft am Rande des serbischen Erzgebirges (in den nachpalastzeitlichen Siedlungen wurde auch in größerem Umfang Metallurgie betrieben). Mit der Grenzregion an der unteren Donau ist Romuliana durch das Flusstal des Timok verbunden.

Seit mehr als 50 Jahren werden Ausgrabungen durchgeführt, und wesentliche Teile der Innenbebauung sind bereits freigelegt worden. Durch eine hier gefundene Inschrift und das überlebensgroße Porphyrporträt des Kaisers Galerius (293 - 311 n. Chr.) ist Romuliana als Herrschersitz / Palast gut definiert. Die bereits bekannte Innenbebauung eignet sich hervorragend als Ansatzpunkt für die Untersuchung von spätantiker Herrschaftsarchitektur als politischem und sozialem Raum.

Fragestellung:
Nach außen präsentiert sich Romuliana durch eine überdimensionierte Umfassungsmauer mit dominant vorspringenden Türmen und reich dekorierten (u. a. mit "politischen" Reliefs) Toren. Der Fernwirkung diente ein auf einer Passhöhe gelegenes Tetrapylon. Von hier aus bestand auch eine Verbindung bis in die Limeszone an der unteren Donau - einem politischen Raum par excellence.

In der unmittelbaren Umgebung des Palastes sind außer einem großen Speicherbau und einem Objekt unbekannter Funktion bislang keine markanten Siedlungsstrukturen zutage gekommen. War diese sehr auf Außenwirkung bedachte Anlage tatsächlich als der selbstgenügsame Ruhesitz des Kaisers am (nach den Quellen nicht genau lokalisierbaren) Ort seiner Geburt (einige Mauerzüge im Innern werden als Reste der bäuerlichen Villa seiner Eltern gedeutet) konzipiert? Oder ist nicht vielmehr zu erwarten, dass die sich in der Architektur ausdrückende Herrscher- und Herrschaftsideologie auch auf die unmittelbare Umgebung ausstrahlen sollte? Und wie war diese Mikroregion strukturiert und in Wechselbeziehung mit dem Palast organisiert?

Aufgrund des guten Erhaltungszustandes lässt sich im Vergleich mit anderen spätantiken und hier besonders den tetrarchischen Residenzen auch die Frage klären, ob es wirklich eine neue Programmatik in der spätantiken Palastbaukunst gab, wie dies Beat Breank postuliert hat, oder sich nicht doch Gemeinsamkeiten und Traditionslinien wiederfinden lassen. Wie spiegelt sich das neue Herrschaftsverständnis der spätantiken Kaiser in einer politisch schwierigen Umbruchszeit architektonisch wieder.

Methode und Perspektiven:
Um diesen Fragen nachzugehen, soll im Rahmen eines deutsch-serbischen Kooperationsvertrages die bereits begonnene geophysikalische Prospektion in Verbindung mit archäologischen Detailunter-suchungen im Umfeld der Palastanlage weiter ausgedehnt werden. Als Grundlage wurde, basierend auf einem einheitlichen Messnetz erstmals eine systematische Bauaufnahme des gesamten Palastareals und der Monumente auf dem Grabhügel im Osten angefertigt und diese in einen Umgebungsplan integriert. Die so gewonnenen Daten bilden zusammen mit den Forschungsergebnissen im Palastinnern die Grundlage für ein komplexes GIS.

Der auf diese Weise definierte politische Raum "Romuliana" kann einerseits in seiner inneren Struktur mit dem Kaiserpalast als Zentrum untersucht und dargestellt werden, und er kann als Referenz zur Interpretation vergleichbarer Objekte im spätrömischen Reich dienen. Andererseits lässt sich auch die Mikroregion "Kaiserpalast" in Beziehung setzen zu dem politischen Großraum der Limeszone an der unteren Donau bzw. der Grenzprovinz Dacia ripensis.

Contact: Dr. Gerda von Bülow (E-Mail: vonbuelow@rgk.dainst.de)
Dr.-Ing. Ulrike Wulf-Rheidt (E-Mail: uwr@dainst.de)

zum Projekt: Felix Romuliana bei Gamzigrad

Contact

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