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Die Kaiserpaläste auf dem Palatin in Rom

Die Kaiserpaläste auf dem Palatin waren in allen ihren Ausbauphasen hochkomplexe Gebilde, die den kaiserlichen Hof aufnahmen. Der Palatin war aber immer mehr als nur ein Konglomerat von Räumen, die für die Durchführung der Amtsgeschäfte und der Dienstpflichten sowie für das Leben am Hof geeignet waren. Seine Architektur ist deshalb in die Literatur als Synonym für Herrschaftsarchitektur ganz allgemein eingegangen. Die Palastgebäude auf dem Palatin waren aber auch über Jahrhunderte hinweg Sinnbild für die höchste Macht im Römischen Reich und die Vorherrschaft Roms in der antiken Welt. Sie waren damit geradezu eine Metapher für die kaiserliche Präsenz, ja für das Kaisertum ganz allgemein, und damit ein wesentlicher Bestandteil "symbolischer Politik".

Abgesehen davon, dass die Entwicklung, das Aussehen und die sozialen und organisatorischen Strukturen der Kaiserpaläste bisher als wenig erforscht gelten können, sind an das Projekt grundsätzliche Fragen geknüpft, die für den Themenkomplex des Clusters "Politische Räume" allgemein relevant sind:

  • Was macht Architektur zu Herrschaftsarchitektur und damit zu einem politischen Raum? Durch welche Transformationsprozesse konnte sich aus den aristokratischen Häusern nach der Einrichtung des Prinzipats ein räumliches und ein soziales Gebilde herausformen, das als Institution "Hof" funktioniert und als solche auch wahrgenommen werden konnte. Wie wurde diese Institution "Hof" in der Spätantike auf die Kaiserpaläste außerhalb Roms übertragen und wie wurden sie rezipiert?
  • In wie weit ist ein Raum und damit auch ein Palast ein Produkt sozialer Interaktion? Wie bedingen politische Interaktionen bestimmte Raumstrukturen?

Die sozialen und organisatorischen Strukturen der Kaiserpaläste auf dem Palatin müssen im Kontext der traditionellen städtisch-aristokratisch geprägten Gesellschaftsverhältnisse sowie der überlieferten politischen Organisationsstrukturen gesehen werden. Es ist daher zu fragen, wie veränderte Gesellschaftsverhältnisse auch zu einer Wandlung des architektonischen Gebildes geführt haben. Und umgekehrt, wie aus Raumstrukturen auf gesellschaftliche und politische Strukturen geschlossen werden kann. Wie lässt sich z. B. soziale Hierarchisierung in der Architektur ablesen?

  • Wie wird symbolische Politik in Raumstrukturen transportiert? Wie wurde diese Symbolik gelesen?

Die Deutung der Paläste als Symbolisierung politischer Herrschaft und sozialer Distanz erfordert hierfür die Einbeziehung der Stadt als Referenzpunkt und allgegenwärtigen Horizont, dem gegenüber die Paläste erst ihr Profil gewannen. Es ist zu fragen, wie sich der Raum Palast im Stadtraum, im Falle von Felix Romuliana in der Landschaft selbst reproduziert und vernetzt hat und wie der Betrachter diesen symbolischen Raum erlebt und wahrgenommen hat.

Das methodische Vorgehen des neuen Forschungsprojektes "Palast und Stadt im severischen Rom", das von der Gerda Henkel Stiftung ab 2007 gefördert wird, ist zum ersten durch die Zusammenarbeit dreier Disziplinen (Bauforschung, Alte Geschichte, Archäologie) gekennzeichnet. Im Rahmen des Forschungsclusters ergibt sich die willkommene Möglichkeit, die Ergebnisse im Vergleich mit anderen Epochen und Kulturen zu diskutieren sowie weitere Disziplinen mit einzubeziehen. Von besonderem Interesse sind hierfür die Kulturwissenschaften, Geographie und vor allem Architekturtheorie. Da von der Seite des Architekturreferats das Projekt vor allem aus dem architektonischen Blickwinkel angegangen wird, ist von besonderem Interesse, welche Raumtheorien und -modelle schon erfolgreich auf die Interpretation von Herrschaftsarchitektur übertragen wurden und wie die Aussagen dann historisch, archäologisch und bauforscherisch nachgewiesen werden konnten.

Das Konzept der Interpretation der Paläste beruht vor allem auf dem Hintergrund ihrer Einbindung in ihr bauliches, räumliches, materielles und politisch-soziales Umfeld: Die Stadt Rom wird dabei als entscheidender, die Entwicklungen beeinflussender Gegenpol der palatinischen Hof- und Palaststrukturen verstanden. Der Bezug zwischen Palast und städtischem Gemeinwesen wird als grundlegend für das Verständnis von Funktion und Bedeutung der neuentstehenden räumlichen, materiellen und politisch-sozialen Strukturen auf dem Palatin angesehen. Durch einen Vergleich mit anderen Herrschaftsarchitekturen, an denen sich solche Interaktionsprozesse ebenfalls nachweisen lassen, erhoffen wir uns allgemeingültige Kriterien herausfiltern zu können, mit denen sich der Raum Palast als ästhetisches, soziales und politisches Phänomen ganz allgemein begreifen lässt. Diese Kriterien sollen dann am konkreten Beispiel des Palatin wieder überprüft und ausdifferenziert werden.

Contact: Dr. Ulrike Wulf-Rheidt (E-Mail: uwr@dainst.de)

zum Projekt: Rom, Kaiserpalast

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