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Die Stadtmauer von Tayma

Nach Vorarbeiten im Jahr 2005 beschäftigt sich das von der Thyssen-Stiftung unterstützte Projekt "Die Mauern von Tayma" seit 2006 als Kooperationsprojekt von BTU Cottbus und DAI im Rahmen des DFG-Projekts Tayma, das an der Orient-Abteilung des DFG angesiedelt ist, mit den Mauern der Oasenstadt Tayma. Vorrangiges Ziel des Projekts ist es, mit einem bauforscherischen Ansatz die Mauerverläufe zu klären, die zeitliche Entwicklung der Maueranlage nachzuvollziehen, Aufbau und konstruktive Besonderheiten zu erklären und schließlich Hinweise auf die funktionale Bedeutung der Anlage zu gewinnen. Die Oasenstadt Tayma liegt im Nordwesten der Arabischen Halbinsel am Schnittpunkt zweier Handelsstraßen. Archäologisch belegt ist eine Besiedlung der Oase seit der Späten Bronzezeit. Spätestens zum Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends war der Ort auch von einer Stadtmaueranlage geschützt, die nicht allein den zentralen Siedlungskern im Süden, sondern mit einer Gesamtlänge von gut 15 km auch die gesamte Oase und mehr noch einen Teil des nördlich anschließenden Binnengewässers (Sebkha) mit umfasste. Über weitere Mauerzüge sind zusätzliche Areale angeschlossen. In Tayma beschränkt sich so die Maueranlage nicht auf die Umwallung des Siedlungskerns, sie greift vielmehr auf den Maßstab des Umlandes aus. Mit Blick auf die vorgefundene Situation wird deutlich, wie über eine bislang ungeklärte militärische Funktion hinaus die Organisation der gesamten Oase mit ihrem zentralen Siedlungsbereich, den bewirtschafteten Feldern, dem inzwischen ausgetrockneten See im Norden und dem Palmenwald von dem Mauersystem strukturiert wird. Militärische Erfordernisse allein können die Gestalt der Anlage nicht erklären: die Mauerzüge erscheinen viel zu lang für eine ausreichende Besatzung und zu schwach angesichts ihres konstruktiven Aufbaus, in dem Hohlräume, Nischen und Schlitze ein häufiges Muster bilden. Die Bestimmung der unterschiedlichen Funktionen der Maueranlage ist ein grundlegendes Interesse des Projekts: Eine wesentliche Bedeutung wird die Kontrolle des Zugangs zum Wasser gespielt haben. Auch die Möglichkeit, sich von Seiten der Oasenbewohner gegenüber den anlaufenden Karawanen und gegenüber Fremden abschotten zu können, kann als ein Beweggrund für den Mauerbau erwogen werden. Die heute bekannten vormodernen Wasserquellen von Tayma befinden sich innerhalb der Maueranlage. Im Kontext des ariden Klimas ist neben dem Schutz vor menschlicher Aggression oder der Zugangskontrolle vor allem aber auch der Schutz vor Wind, Flugsand und Wasser als lebensnotwendige Anforderung zu berücksichtigen, wenn der vorislamische Dichter Imru ´l-K.ais schreibt: "Nicht lässt er (der Regensturm) einen Palmenstamm in Taima übrig und keine Burg, wenn sie nicht aus Steinen gebaut ist." (zit. nach Fr. Buhl, EI X, S. 674 "TAIMA_´"). Die Maueranlage im Kontext der Oase erweist sich vor dem Hintergrund einer prekären Umweltsituation als multifunktionale Membran, gleichsam als Haut, als lebenswichtiges Organ.

Auf vergleichbare Weise wie die Oase Tayma sind im Nordwesten der arabischen Halbinsel auch die Oasensiedlungen Khuraybah, das antike Dedan (heute in der Oase al-Ula gelegen), und Qurayyah (nordwestlich von Tabuk gelegen) strukturiert: Quraya besitzt ebenfalls ein ähnlich umfassendes und differenziertes Mauersystem, in Khuraybah ergänzen einzelne Landschaftsmauern den natürlichen Ring von Bergrücken, die den eigentlichen Siedlungskern umschließen. Für die gesamten Oase al-Ula, in der weitere antike Siedlungen inmitten des breiten, felsgesäumten Tals mindestens zu finden sind, kann der Literatur eine Reihe von Landschaftsmauern entnommen werden. Die Schutzsysteme dieser beiden Siedlungen sind im Zusammenhang zu berücksichtigen.

Contact: Dr. Peter I. Schneider (E-Mail: ps@dainst.de)

zum Projekt: Die Mauern von Tayma

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