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Ukraine: Die Infrastruktur im Gebiet der Dnepr-Donec-Wasserscheide in spätrömischer Zeit und zu Beginn der Völkerwanderungszeit

Location

Grenzen des Untersuchungsgebietes im Bezirk Charkov, rot Verlauf der Wasserscheide. © DAIDas Untersuchungsgebiet, die Dnepr-Donec-Wasserscheide, erstreckt sich innerhalb der heutigen Ukraine über weite Teile des Bezirkes Charkov. Alle Wasserläufe sind entweder mit dem Flusssystem des Dnepr im Westen oder dem Gewässernetz des Donec im Osten verbunden. Weiter nördlich setzt sich die Wasserscheide in den Bezirken Belgorod und Kursk der Russischen Föderation fort. Geographisch gehört der Bereich zu Waldsteppenzone.
Die Dnepr-Donec-Wasserscheide verläuft vom Schwarzen Meer nach Norden. Vom 16. bis zum Anfang des 18. Jhs. wurde diese Verbindung von Krimtataren für Einfälle nach Russland genutzt, da hier auf lange Distanzen kein Fluss überquert werden musste. Der Weg erscheint in den historischen Quellen unter der Bezeichnung Muravskij Sljach.

Objectives

Prospektionsarbeiten an einem Siedlungsplatz der Černjachov-Kultur in Chvorostovo. © DAIDie Besiedlungsgeschichte im Gebiet zwischen Vorskla und Severskij Donec soll für die Zeit von der Mitte des 3. bis zum Anfang des 5. Jhs. untersucht werden. Durch archäologische Prospektionen, Grabungen und die Untersuchung römischer Importfunde, aber auch naturwissenschaftliche Untersuchungen (Bodenkunde, Klimatologie) können die Wechselbeziehungen und Kommunikationswege zwischen den unterschiedlichen Siedlungsgruppen herausgearbeitet werden. Dabei sind die bisher bekannten Verbreitungsgrenzen der Černjachov-Kultur zu überprüfen. Außerdem wird der Frage nachgegangen, inwieweit neben den Wasserwegen der sog. Muravskij Sljach entlang der Wasserscheide während dieser Zeit eine Rolle als Verbindungsweg spielte.

History of Research

Fundplätze aus spätrömischer Zeit im Gebiet links des Dnepr. © DAIDie Forschungen der letzten Jahrzehnte zum 3.-5. Jh. in diesem Gebiet umfassen Grabungen auf Siedlungen und Gräberfeldern, Sondagen und Prospektionen sowie die Bearbeitung von Einzelfunden. Daraus erwuchsen Arbeiten zur allgemeinen Siedlungsgeschichte (Ljubičev 2000; Oblomskij 2003), wie auch zum Auftreten einzelner kultureller Erscheinungen (zuletzt Ljubičev 2008). Die Rekonstruktion der Besiedlungsabläufe ist dennoch für viele Bereiche problematisch, naturwissenschaftliche Untersuchungen dazu fehlen bisher weitgehend. Im Gebiet der Dnepr-Donec-Wasserscheide siedelten vom 3.-5. Jh. vor allem zur Černjachov-Kultur gehörende Bevölkerungsgruppen, daneben Angehörige der Kiever-Kultur. Erkennbar sind außerdem Einflüsse der nomadischen Sarmaten. Die Grenzen der Verbreitungsgebiete dieser kulturellen Gruppen sind für einige Bereiche des Arbeitsgebietes in der Diskussion.

Previous Activities

Prospektion an einem Hang bei Baranovo. © DAINach Auswertung von Literatur und Archivmaterialien wurde mit dem Aufbau einer Datenbank zur Besiedlung begonnen. Im Herbst 2009 und im Frühjahr 2010 wurden zusammen mit der archäologischen Expedition der Universität Charkov erste Prospektionen durchgeführt. Dadurch war es möglich, im Gebiet der gegenwärtig laufenden Grabungen weitere Fundplätze aus dem 3.-5. Jh., zu entdecken und bei den bereits bekannten die genaue Lage und die GPS-Daten für eine exakte Kartierung festzustellen. Der Bodenkundler Y. G. Čendev (Belgorod) hat in Vojtenki mehrere Sondagen angelegt, um die Bodenentwicklung im Bereich der Fundstelle zu erfassen.

Recent Activities

Ausgrabung in Novoberekskoe durch die archäologische Expedition der Universität Charkov im Herbst 2009. © DAIIm Vordergrund steht gegenwärtig die Fortführung der Ausgrabungen der archäologischen Expedition der Universität Charkov in Vojtenki und Novoberekskoe. Beide Siedlungen der Černjachov-Kultur liegen im Bereich der Wasserscheide, Vojtenki ist mit dem Gewässernetz des Dnepr, Novoberekskoe mit dem des Severskij Donec verbunden. In Vojtenki handelt es sich um einen ausgedehnten Siedlungskomplex mit Gräberfeld, der seit 2004 untersucht wird. Neben dem Fundmaterial einheimischer Herkunft zeugen Münzen, Amphoren und andere Importfunde davon, dass die Bewohner der Siedlung am überregionalen Austausch beteiligt waren. Die Siedlung Novoberekskoe stellt den bisher südlichsten bekannten Siedlungsplatz der Černjachov-Kultur im Bereich der Wasserscheide dar. Bei der weiteren Untersuchung dieser beiden Siedlungen und der Auswertung wird die bisherige Kooperation zwischen der historischen Fakultät der Universität Charkov und der Eurasien-Abteilung ausgebaut (siehe Projekt Untersuchungen zur Drehscheibenkeramik der Černjachov-Kultur).

Methodology

Münzfunde aus Vojtenki. a Lucius Verus; b Faustina. © DAIUntersuchungsfläche in der Siedlung von Vojtenki. © DAIFür die Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte sind umfangreiche bodenkundliche und klimatologische Analysen notwendig. Um Karten aus dem 18. Jh., die eine noch wenig veränderte Landschaft zeigen, heranziehen zu können, sind weitere Archiv- und Bibliotheksarbeiten erforderlich. Eine Ausdehnung des Arbeitsgebiets in die Russische Föderation erweitert die Aussagemöglichkeiten für die Fragestellungen insgesamt, daher wird eine Kooperation mit Partnern in der Russischen Föderation angestrebt. Um all diese Untersuchungen durchführen und finanzieren zu können, wird ein Antrag auf Drittmittel vorbereitet.

Cooperation / Cooperation partners

Doz. Dr. Michail Ljubičev, Charkover Nationale Karazin-Universität, Historische Fakultät, 61077 Charkov, Pl. Svobody 4, Ukraine

Bibliography

М. В. Любичев, Черняховская культура Днепро-Донеской лесостепи: История исследования и основные проблемы изучения (Харьков 2000).

М. В. Любичев, Киево-черняховские контакты ступеней C1b-C2 на территории днепро-донецкой лесостепи в свете выделения «горизонта Боромля». Древности Центральной и Восточной Европы эпохи римского влияния и переселения народов. Germania-Sarmatia (Калининград 2008) 40-67.

А. М. Обломский, Днепровское лесостепное Левобережье в позднеримское и гyннское время . Раннеславянский мир 5 (Москва 2003).

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