Metanavigation

Domus Aurea

Eine Zusammenarbeit von Soprintendenza, Sovraintendenza di Roma und der Abteilung Rom

Location

© DAIUnter Domus Aurea ist neben den einzelnen Gebäudeteilen die gesamte ca. 50 ha umfassende Parklandschaft des 64 n. Chr. unter Kaiser Nero begonnenen Projektes zu verstehen. Bei aller Unsicherheit im Detail kann die Ausdehnung des Areals entlang des nördlichen Teils des Palatin, der Velia, der Nordseite des Colle Oppio bis zur Stadtgrenze an der Servianischen Mauer im Osten und südlich bis zum Caelius anschließenden Gebiets samt Claudiustempel rekonstruiert werden. Definiert man die Ausdehnung des Parkgeländes anhand des Strassensystems der heutigen Stadt Rom, so wird die Anlage im Westen durch die Kirche S. Maria Nuova und Via del Colosseo, im Norden durch die Via Cavour und Via Selci, und im Süden durch die Via di S. Gregorio und Via Clivio di Scauro begrenzt. Für seine Ostseite hingegen ist es schwierig eine klare Grenze zu bestimmen, da die Anlage hier an die Gärten des des Maecenas und Lamianus anschloss, deren exakte Ausdehnung wir nicht mehr fassen können.

History

Nach dem Brand ließ Nero in kürzester Zeit und mit einem Geldaufwand, der die Staatskasse auf Jahre hinaus belastete (bis zu seinem Tod 68 n. Chr.), die neue Kaiserresidenz errichten, die weitaus größer und luxuriöser als die ca. 60 n. Chr. begonnene und gleichfalls durch den o. g. Brand zerstörte oder stark beschädigte Domus Transitoria war. Die Residenz, die eine Fläche von ca. 50 ha bedeckte rechnet, man die Gärten des Maecenas und Lamianus hinzu, so ergibt sich eine Fläche von ca. 80 ha im Herzen Roms gelegen, was einem Viertel der innerhalb der Servianischen Mauer liegenden Stadtfläche entspricht. Nach der Darstellung der antiken Schriftstellern Tacitus und Sueton war das Areal der Domus Aurea neben dem eigentlichen Residenzgebäude mit einem künstlichen See, an dessen Stelle heute das Colosseum steht, einem gigantischen Nymphaeum, weitläufigen Portiken, verstreut eingefügten Pavillons bebaut, und dies alles in einer Gartenanlage, die zwischen beherrschter Natur und Wildnis wechselt.
Was mit der vermutlich nie fertig gestellten Domus Aurea nach Neros Sturz und Tod geschah, ist im Einzelnen nicht bekannt. So soll eine der ersten Amtshandlungen des Kaisers Otho (68-69 n.Chr.) eine Unterschrift für einen Kredit von fünfzig Millionen Sesterzen zur Vollendung der Domus Aurea gewesen sein. Kaisers Vitellius (69 n. Chr.) war mit der Residenz nicht zufrieden und kam zu der Überzeugung, Nero habe schlecht gewohnt, und seine Frau Galeria Fundana äußerte sich spöttisch über den mangelnden Komfort in der neuen Anlage, so dass sie es vorzogen, auf dem Palatin zu wohnen.
Kaiser Vespasian (69-79 n. Chr.) tat alles, um sich von Nero und seinem gigantischen Bauprojekt zu distanzieren, indem er den gesamten Bereich dem Volk öffnete und mit einem Ampitheater, drei Gladiatorenschulen und Magazinen bebaute. Ferner wurde ein Thermentrakt, der wohl zur Domus Aurea gehörte, umgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Im Jahr 104 wurde die Domus Aurea durch einen Brand beschädigt. Kaiser Trajan (98 -117 n.Chr.) ließ die Überreste des Obergeschosses einebnen, die Fenster im Untergeschoß zumauern und mit Erde auffüllen, um ein solides Fundament für die Trajansthermen (Bauzeit:106-109 n.Chr.) zu schaffen. Ende des 15. Jh. werden Teile der verschütteten Anlage wiederentdeckt und vorrangig von Künstlern aufgesucht, um ihre Malerei und Stuckarbeiten zu kopieren, wodurch ein eigener Stil, die sog. Grottesca, entsteht. Eine systematische Freilegung der noch heute in Teilen verschütteten Anlage setzt erst im 19. Jh. ein.

Objectives

Für die Domus Aurea werden die Raumfolgen unterhalb der Trajansthermen am Abhang des Colle Oppio als zentraler Teil der Wohnanlage verstanden. Da die römische Soprintendenz zur Vorbereitung der Restaurierungen dort umfangreiche Dokumentationsarbeiten durchführte, lag es nahe, diese für eine neue und möglichst umfassende Bauaufnahme zu nutzen, mit deren Hilfe die Gesamtanlage des Zentralbereichs, in der Folge aber auch die umgebenden Gebiete einbezogen werden können.

  • Klärung der Baugeschichte (Phasenscheidung) unter besonderer Berücksichtigung der späteren Nutzungsphasen in den Substruktionen der trajanischen Thermenanlage,
  • Analyse der Ausstattung (Bauornamentik, Wandverkleidungen, Bodenbeläge,) sowie Untersuchung der Wasserzu- und Ableitung,
  • Klärung der Bebauung auf dem Colle Oppio vor dem Brand von 64 n. Chr. und das Einbeziehen der Vorgängerbebauung in den Residenzkomplex.

History of Research

© DAIEnde des 15. Jh. werden Teile der verschütteten Anlage wiederentdeckt und vorrangig von Künstlern aufgesucht, um ihre Malerei und Stuckarbeiten zu kopieren, wodurch ein eigener Stil, die sog. Grottesca, entsteht. 1774 werden durch den römischen Kunsthändler L Mirri 16 Räume freigelegt und die Malerei an den Wänden und Decken durch die Zeichner Carloni und Smugglewicz kopiert und 1776 in dem Werk „Le antiche camere delle terme di Tito e le loro pitture vorgelegt. Die erste systematische Freilegung (1811-1814), der noch heute in Teilen verschütteten Anlage, mit einer guten Dokumentation (Grundriss, Schnitte, Ansichten) des Bestands, werden 1822 von dem römischen Architekten A. de Romanis „Le antiche camere esquiline dette comvnemente delle Terme di Tito“  publiziert. Eine intensive und die antiken Quellen berücksichtigende Auseinandersetzung erfährt die Anlage erstmal 1913 durch einen Beitrag von F. Weege „Das Goldene Haus des Nero“. Umfangreiche Freilegungen in und außerhalb der Domus Aurea, jedoch ohne eine ausreichende Dokumentation, werden parallel mit der Herrichtung des Parks Colle Oppio zwischen 1928 - 1936 geschaffen. Eine ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Anlage, wobei auch die anderen zu Domus Aurea gehörigen Baulichkeiten berücksichtigt werden, findet erst in der Mitte des 20. Jh. statt. 

Previous Activities

© DAIDa sich das Projekt Domus Aurea nicht allein auf die baulichen Überreste des einstigen neronischen Palastes beschränkt, sondern das gesamte Areal der Residenz zu berücksichtigen versucht, konzentrierten sich die Arbeiten auf die Fertigstellung eines Geländemodells von den beiden Erhebungen Colle Oppio und Celio, die das Kernstück der zur Domus Aurea gehörenden Parkanlage bilden. Ferner wurde mit der Bauuntersuchung in der Domus Aurea begonnen. Die Aufmerksamkeit der zu untersuchenden Räumen lag bei dem Bereich zwischen der sog. Sala della volta dorata (Saal mit der goldenen Decke) und der Sala ottagona (Achtecksaal), was die Räume 80 bis 123 umfasst.

Recent Activities

Die Erkenntnisse aus den bisherigen Arbeiten werden zurzeit zusammengestellt, um in das noch im Detail auszuarbeitende Restaurierungskonzept der Soprintendenza einzugehen.

Einen Blog zu den aktuellen Arbeiten finden Sie hier.

Results

© DAIDie Untersuchung der Ziegelmoduli im Bereich der sala ottagonal ergab, dass die hier liegenden Räume zu einem Gebäude gehören, das schon vor dem Brand von 64 n. Chr. bestand und in die Anlage der Domus Aurea integriert wurde. Mit dem Nachweis des Zusammenführens von gleich mehreren Gebäuden, die bereits vor dem Brand von 64 n. Chr. bestanden, wird deutlich, dass der Grundriß der Anlage durch die Vorgängerbebauung mitbestimmt wurde. Die Anordnung, Ausstattung, Materialwahl und Größe der in das Projekt integrierten Räume legt die Vermutung nahe, dass es sich bei ihnen um öffentliche Gebäude wie z.B. horrea (Speicher) handelte. Stellt man die Flächen dieser Gebäude zusammen, so wird deutlich, dass der Colle Oppio vor dem Brand von 64 n. Chr. dicht bebaut war, wobei ein Großteil der Bebauung aus öffentlichen Gebäuden (Speicher) bestand. Insofern ist die Errichtung eines neuen Gebäudes nach dem Brand an diesem Ort, auch wenn dieses eine ganz andere Funktion innehatte, aus der Sicht des Auftragsgebers (Kaiser Nero) naheliegend, da die Situation nach dem Brand es vermutlich vereinfachte, die auf dem Colle Oppio sich noch in privater Hand befindenden Grundstücke sich anzueignen, wobei nicht gesagt werden kann, ob öffentlicher Besitz gleich kaiserlicher Besitz bedeutet. Das Zusammenführen der einzelnen Grundstücke zu einem Areal schaffte aber die Voraussetzung dazu, den kaiserlichen Besitz vom Palatin bis zu den Gärten des Maecenas und Lamianus auszudehnen, wie es im Ansatz mit der Errichtung der Domus Transitoria als Verbindungssteg schon 60 n. Chr. in Angriff genommen wurde.
© DAIFerner konnte mittels einer Bodenprospektion und geoelektrischer Tomographie, die von der Universität Köln (Prof. M. Heinzelmann) durchgeführt wurde, eine Aussage über die bauliche Situation des Obergeschosses der Domus Aurea und der Trajanstherme gemacht werden. Die Magnetik im heutigen Parco Colle Oppio ist wegen der Parkbeleuchtung (Elektrokabel) sehr gestört. Trotzdem scheinen sich zwei unterschiedlich ausgerichtete Strukturen erkennen zu lassen, die als weitere Reste des Obergeschosses der Domus Aurea und als Mauerzüge der Therme gedeutet werden können. Mit Sicherheit konnte aber bei einer Untersuchung im Inneren der Anlage die Mauerecke eines Vorgängerbaus sichtbar gemacht werden. Die Elektrische Widerstands-Tomographie (ERT) erfasste neben Mauerzügen (ERT 3) auch eine tiefliegende Anomalie, die für eine Mauer zu breit ist und evtl. ein Becken oder einen massiven Fußboden darstellen könnte (ETR 2). Eine eindeutige Zuweisung der Struktur zur Domus oder zur Therme ist im Moment jedoch nicht möglich, so dass die Untersuchung im kommenden Jahr mittels Georadar ergänzt werden soll.

Cooperation / Cooperation partners

Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Roma, Comune di Roma Sovraintendenza ai Beni Culturali

Förderung

Cluster 3, Forschungsfeld 4 DAI.

Bibliography

Ball L. F., The Domus Aurea and the Roman Architectural Revolution, Cambridge 2003; Bergmann M., Der Koloss Neros. Die Domus Aurea und der Mentalitätswandel im Rom der frühen Kaiserzeit, Trierer Winckelmannsprogramme 13 (Mainz 1994); Beste H., Licht im Goldenen Haus. Überlegungen zum Belichtungskonzept der Domvs Aurea, DiskAb 10, 2011, 215-226; De Romanis A., Le antiche camere esquiline dette comvnemente delle Terme di Tito, Rom 1822; Essen C. C. van, La Topographie de la Domus Aurea Neronis, Medelingen der Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen, Niewe Reeks, Deel 17, Afdeling letterkunde 1-12, 1954, 371-398; Fabbrini L., Domus Aurea. Il Palazzo sull´Esquilino in: Margareta Steinby (Hrsg.), LTUR 1995, 56-63; Prückner H. - Storz, S, Beobachtungen im Oktagon der Domus Aurea RM 1974, 323-339; Weege, F. Das Goldene Haus des Nero. Neue Funde und Forschungen JdI 28, 1913, 127-244.

Recent projects

  • 11.12.2012

    Domus Aurea more

  • 21.11.2012

    Fabrateria Nova more

  • 10.05.2012

    Apollonia more

Completed projects

  • 04.02.2013

    Die Städte Latiums - Stadtbefestigungen und die Organisation räumlicher Ordnungen vom 8.-3. Jh. v. Chr. more

  • 21.11.2012

    Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr. more

  • 31.05.2011

    Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr. more

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

contact form