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Kalapodi

Kalapodi

Heiligtum mit Kultkontinuität von der mykenischen Epoche bis zur römischen Kaiserzeit.

Location

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Germany
38° 38' 13.4556" N, 22° 53' 44.8116" E

Lageplan Kalapodi © DAIDer Ort Kalapodi liegt heute in der Nähe der größeren Ortschaft Atalanti in Mittelgriechenland in der antiken Landschaft Phokis. Bei dem Heiligtum handelt sich nach neuesten Erkenntnissen um das Apollonion von Abai, ein Nationalheiligtum der Phoker mit eindeutig überregionaler Bedeutung. Zudem ist es ein Manteion, ein Orakelheiligtum, das zeitweise sogar im gleichen Atemzug mit dem von Delphi genannt wurde. Das Heiligtum bei Kalapodi entstand schon in spätmykenischer Zeit an einer wichtigen Wegeverbindung, welche vom Meer zwischen Euböa und dem Festland zu der großen Nord-Süd-Verbindung durch Mittelgriechenland entlang des Flusses Kephisos führte.
Im Kern des Heiligtums befanden sich seit früharchaischer Zeit zwei parallele Tempelanlagen, die sogenannten Nord- und Süd-Tempel. Die Nord-Tempel werden von Felsch mit guten Gründen als Apollon-Tempel gedeutet, die südlichen wurden wahrscheinlich der Artemis geweiht.

History

Rekonstruktion der West-Fassade © N. HellnerEine wichtige Zäsur in der Geschichte des Heiligtums bildete dessen Zerstörung durch die Perser im Jahr 480 v. Chr. Danach wurde der Nordtempel in klassischer Zeit wieder neu errichtet, der Südtempel blieb in Ruinen liegen. Die Untersuchung des Nordtempels und seiner Vorgänger konnte seinerzeit zu einem Abschluss gebracht werden, nicht aber die des Südtempels und dessen Vorgängerbauten.
Der ca. 580 v. Chr. erbaute, von den Persern zerstörte archaische Südtempel ist für die Geschichte des dorischen Tempelbaus von großer Bedeutung, da er am Übergang von der Holz- zur Steinbauweise steht: seine Säulen sind aus Holz, der Giebel aus Stein. Auf der Nord und Westseite des Tempels sind die Spuren der Zerstörung durch die Perser hervorragend erhalten: verkohlte Holzsäulen und Dachbalken sowie tönerne Dachziegel in Sturzlage, außerdem ein bisher in Griechenland einzigartiger Befund: die Überreste von acht hölzernen Wagenrädern mit eisernen Radreifen, die allem Anschein nach als Votive an die Holzsäulen des archaischen Tempels gehängt worden waren, sowie der Westgiebel in Sturzlage.

 

Es gibt Indizien dafür, dass unter dem Südtempel mindestens vier Vorgängerbauten liegen, die über die 'Dunklen Jahrhunderte' hinweg bis in die mykenische Epoche der Späten Bronzezeit zurückreichen. Die 'Dunklen Jahrhunderte' stellen eine der interessantesten Epochen der griechischen Kulturgeschichte dar. Galten sie lange als Zeit des Niedergangs und der Stagnation nach dem Untergang der mykenischen Palastkultur um 1200 v. Chr., so bieten nun neuere Entdeckungen, vor allem die der Nekropole von Lefkandi auf Euböa, klare Indizien dafür, dass sie keineswegs überall so dunkel waren, wie bisher angenommen, und dass eine Reihe von für den Aufstieg der griechischen Kultur im weiteren Verlauf des 1. Jt. v. Chr. grundlegende Voraussetzungen bereits in den 'Dunklen Jahrhunderten' gelegt wurden. Wir kennen inzwischen einige Nekropolen und Siedlungen aus dieser Zeit, auf dem griechischen Festland aber bisher noch keine Heiligtümer. Die Grabungen unter dem Südtempel des Heiligtums von Kalapodi bieten daher eine einzigartige Gelegenheit, wesentliche Aufschlüsse über die Entwicklung von Kult und Religion im Mittelgriechenland über die 'Dunklen Jahrhunderte' hinweg sowie über die Ursprünge des dorischen Tempels zu gewinnen und damit einen wichtigen Beitrag zur Aufhellung der sog. Dunklen Jahrhunderte zu leisten.

Objectives

Das Heiligtum weist eine in dieser Form bisher auf dem griechischen Festland noch nicht nachgewiesene Kultkontinuität von mindestens dem 14. Jh. v. Chr. bis zur römischen Kaiserzeit auf und bietet eine einzigartige Gelegenheit, Kontinuität und Wandel in einem griechischen Heiligtum über einen so langen Zeitraum hinweg zu untersuchen. Außerdem weist es zahlreiche Votiv-Niederlegungen in site auf und stellt deshalb eine einzigartige archäologische Quelle für Kult und Ritual dar.

History of Research

Das Heiligtum wurde schon von 1972 bis 82 unter der Leitung von Rainer C.S. Felsch, seit 2004 unter Wolf-Dietrich Niemeier, dem Direktor der Athener Abteilung des Deutschen Archäologischen Institutes ausgegraben.

Previous Activities

© DAIDie Grabungskampagnen 2004-2009 haben folgende Ergebnisse erbracht:
Unter dem archaischen Südtempel konnten bereits zwei Vorgängerbauten untersucht werden, ein spätgeometrischer bis früharchaischer Apsidentempel des späten 8. bis frühen 6. Jhs. v. Chr. mit Fragmenten einer einzigartigen, eine Schlacht darstellenden Wandmalerei und ein geometrischer Tempel des 8. Jhs. v. Chr., in dem bei seiner rituellen Bestattung für den Neubau des Apsidentempels zahlreiche Weihungen niedergelegt wurden: Waffen wie eiserne Schwerter und Lanzenspitzen, Schmuck wie Nadeln, Fibeln und Anhänger aus Bronze, Halsketten aus Bronze- und Fayenceperlen, eine importierte nordsyrisch/späthethitische Bronzeschale. Außerdem fanden sich Indizien dafür, dass die Geschichte des Heiligtums weiter zurückreichte als bisher angenommen, mindestens bis in die mykenische Palastzeit des 14.-13. Jhs. v. Chr., möglicherweise sogar bis in die mittelhelladische Periode (19.-18. Jh. v. Chr.).

Recent Activities

Im neuen Internetportal der Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf) werden in der Rubrik "L.I.S.A.video" zweimal wöchentlich neue Episoden von Filmen aus dem Forschungsalltag veröffentlicht. Die Projekte wurden von den Wissenschaftlern selbst gefilmt und das Bildmaterial von einer Produktionsfirma professionell aufbereitet.

 

Die Stiftung wählte unter den geförderten Projekten acht der interessantesten aus. Nach einer 5-tägigen Schulung im Januar 2009 zu den Grundlagen des Bildaufbaus und Filmschnitts wurden die Teams mit einer semiprofessionellen HDTV-Kamera, Stativ, Mikrofon und einer semiprofessionellen Schnittsoftware ausgestattet.

Unter der Projektleitung von N. Hellner wurde ein sog. storyboard erarbeitet, das Szenenabfolge und Bildinhalte festlegte. Im Sommer 2009 filmten N. Hellner und J.-M. Henke den Fortgang der Kalapodi-Grabung der Athener Abteilung unter der Leitung des Ersten Direktors, Prof. W.-D. Niemeier. Während der Kampagne entstanden 14 Stunden Rohmaterial in HD.

http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/projectvideo_diary.php?nav_id=931

Cooperation / Cooperation partners

− Griechisches Kulturministerium
− 14. Ephorie der prähistorischen und klassischen Altertümer
− ETH Zürich, Institut für Denkmalpflege und Bauforschung (Prof. Dr.-Ing. Uta Hassler)

Bibliography

Bibliographie in Auswahl

  • R.S.C. Felsch - H.J. Kienast - H. Schuler, mit Beiträgen von G. Hübner, K. v. Woyski, H. Becker, Apollon und Artemis oder Artemis und Apollon? Bericht von den Grabungen im neu entdeckten Heiligtum bei Kalapodi 1973-1977, AA 1980, 38-123.
  • R.S.C. Felsch, mit Beiträgen von K. Braun, M. Jacob-Felsch, G. Hübner, A. Nitsche, M. Salta und P. Ellinger, Kalapodi. Bericht über die Grabungen im Heiligtum der Artemis Elaphebolos und des Apollon von Hyampolis 1978-1982, AA 1987, 1-99.
  • R.S.C. Felsch, Das Heiligtum von Kalapodi in Vor- und Frühklassischer Zeit, Πρακτικών του XII Διεθνούς Συνέδριου Κλασίκης Αρχαιολογίας, Αθήνα 4-10 Σεπτεμβρίου 1983 (1988), 61-64, Taf. 21.22.
  • R.S.C. Felsch, Tempel und Altäre im Heiligtum der Artemis Elaphebolos von Hyampolis bei Kalapodi in: R. Ètienne - M.-Th. Le Dinahet (Hrsg.), L'espace sacrificiel dans les civilisations méditerranées de l'antiquité, Actes du Colloque tenue à la Maison de l'Orient, Lyon 1988, Publications de la Bibliothèque Salomon Reichmann V (Paris 1991), 85-91.
  • R.S.C. Felsch, Kalapodi und Delphi - Zur Frühzeit des Apollonkultes in Mittelgriechenland, in: R. Rolle - K- Schmidt (Hrsg.) Archäologische Studien in Kontaktzonen der Antiken Welt, Veröffentlichungen der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg (Göttingen 1998), 219-236.

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

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