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Marib, Hauptstadt des sabäischen Reiches

Im Jahre 2007 wurden die Forschungen in der antiken Stadt Marib erneut aufgenommen. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt der Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts und des Lehrstuhles für Semitische Philologie und Kulturen des Vorderen Orients der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Location

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Yemen
15° 24' 10.6308" N, 45° 19' 14.1276" E

Plan der Oase © DAIDie Oase von Marib mit der gleichnamigen antiken Hauptstadt liegt im Zentrum der Arabischen Republik Jemen am südwestlichen Rand der Wüste Rub'al Khali und ist etwa 135 km von der modernen Hauptstadt Sana'a entfernt. Sie wird im Nordosten von den vulkanischen Ebenen al-Hashab, im Norden und Osten von der Sand- und Steinwüste Ramlat as Sab'atayn und im Süden und Südwesten von den Bergen Jabal Balaq al-Awsat und Jabal Balaq al-Qibli eingefaßt. Das Wadi Dhana teilt die Oase in zwei Gebiete, wobei sich die Stadt Marib in der Nordoase befindet.

History

Die frühesten Siedlungsspuren in Marib Stadt lassen sich aufgrund von 14C-Analysen um 1900 v. Chr. datieren. Im späten 2. Jt. v. Chr. wird der Beginn der südarabischen Kultur und damit auch die Gründung des Reiches von Saba mit seiner Hauptstadt Marib angesetzt. Dieses erreichte seine größte Macht und regionale Ausdehnung im 7. Jh. v. Chr. In den folgenden Jahrhunderten erlebte das Reich eine wechselvolle Geschichte im Machtkampf mit seinen Nachbarn. Im Jahre 25 v. Chr. leitete Aelius Gallus, der römische Gouverneur von Ägypten, eine militärische Kampagne nach Saba, die aber in der Gegend von Marib scheiterte. Um 300 n. Chr. übernahm das Hochlandreich Himyar endgültig die politische Macht in Südarabien: Damit hörte das Reich von Saba auf zu existieren. Trotz des langsamen Niedergangs behält Marib als Wirtschafts- und Handelsmetropole in der Region eine wichtige Position. Ab dem 4. Jh. n. Chr. werden langsam die alten Kulte zugunsten Judentum, Christentum und monotheistischer Religionen lokaler Prägung aufgegeben. Mit der Eroberung durch die Äthiopier verliert das antike Südarabien endgültig seine Unabhängigkeit. Die Region von Marib versinkt etwa zur Zeit der sassanidischen Vorherrschaft im 6. Jh. n. Chr. und der Übernahme des Islam in Folge des Zusammenbruchs der großen Bewässerungssysteme für Jahrhunderte in der Bedeutungslosigkeit.

Objectives

Blick von Westen auf die antike Stadtanlage mit den neuzeitlichen Lehmziegelhäusern auf Hügel 1 im Hintergrund © DAIDie sabäische Hauptstadt (spätes 2. Jt. v. Chr. - Ende 6. Jh. n. Chr.) bildet mit 98 ha die größte antike Stadtanlage Südarabiens und gilt als eine der bedeutendsten Fundstätten auf der Arabischen Halbinsel. Durch die archäologische und epigraphische Erforschung Maribs sollen Fragen nach der Organisation und Raumgestaltung der Stadt, nach der Bedeutung und Chronologie der materiellen Kultur, nach den Wechselbeziehungen von Stadt und Umland sowie den überregionalen Kontakten beantwortet werden. Der Fundplatz bietet für Südarabien die einmalige Chance, ein fundiertes zeitliches Gerüst für die Entwicklung des sabäischen Reiches von seiner Formierung im späten 2. Jt. v. Chr. bis zu seinem Ende zu erstellen.

History of Research

Die wissenschaftliche Erkundung Maribs konzentrierte sich zu Beginn auf epigraphische und historische Aspekte. Als den ersten Ausländern gelang es 1843 J. Arnaud und 1870 J. Halévy die Oase zu besuchen und dort zahlreiche altsüdarabische Inschriften aufzunehmen. E. Glaser widmete sich bei seinem Besuch 1888 nicht nur den Inschriften, sondern ihm sind auch sorgfältige Beschreibungen der Topographie der Oase und der antiken Überreste vor allem der sabäischen Hauptstadt zu verdanken. F. Albright war zwar der erste Archäologe, der 1951/52 unter der Leitung von W. Philipps für die American Foundation for the Study of Men Grabungen in der Oase begann, doch obwohl die Expedition ihre Unterkunft direkt im Gebiet der antiken Stadt bezog, lieferten die Forscher keinerlei Informationen zum Verständnis der Stadt. Seit der Gründung der Außenstelle Sanaa des DAI im Jahre 1978 führt sie regelmäßig Feldforschungsprojekte durch, die sich mit der Archäologie und Geschichte der Oase beschäftigen. Aus lokalpolitischen Gründen wurde dabei die sabäische Hauptstadt nur selten berührt. Zu den dort durchgeführten Arbeiten zählt ein begrenzter Keramiksurvey, die architektonische Aufnahme einzelner Monumente (darunter ein Tempelbau), die Freilegung eines Stadttores sowie die Dokumentation von Sammelfunden.

Previous Activities

Plan der Stadtanlage © DAIIn den Jahren 2001 und 2002 wurden zwei Surveykampagnen durchgeführt, deren Ziel es war, mit Hilfe der Aufnahme von oberflächlich noch sichtbarer Architektur und der Dokumentation von Raubgrabungen den Plan der Stadtanlage des antiken Marib zu aktualisieren. Geomagnetische Prospektionen erbrachten im Süden des Stadtgebietes exemplarische Erkenntnisse über eine dichte profane Bebauung und infrastrukturelle Erschließung. Gleichzeitig fanden archäologische Bohrungen statt, die sich besonders auf den Bereich von Hügel 1 mit den islamischen Lehmziegelbauten und seine Umgebung konzentrierten. Diese lokal begrenzten Maßnahmen lieferten bereits wichtige Informationen über die Stratigraphie, Chronologie und Topographie der Stadt.

Recent Activities

Blick auf einen bei einer Raubgrabung im Süden der Stadtanlage freigelegten Pfeiler mit Zahnschnittkapitell © DAIWährend sich aus stammespolitischen Gründen die von höchsten Regierungskreisen befürworteten Ausgrabungen bislang noch verzögern, konnten intensive Surveys durchgeführt werden, die neue Aussagen zur Siedlungsgeschichte und zur Nutzung der antiken Stadtanlage liefern. Zudem erfolgte eine Dokumentation der aktuellen Spuren von Raubgrabungen, die nicht nur die Beschreibung freigelegter Architektur zur Aufgabe hatte, sondern vor allem auch den lokalen Behörden die Dringlichkeit der Aufnahme von offiziell unterstützten archäologischen Arbeiten in Marib verdeutlichen sollte. Im Frühjahr 2007 erfolgten erste Aufnahmen von Sedimenten und Böden innerhalb der Stadtmauer.

Methodology

Magnetogramm © DAIDie Feldarbeiten gliedern sich methodisch in drei unterschiedliche Bereiche, in Surveys, Ausgrabungen und geophysikalische Prospektionen. Der Survey umfaßt die gesamte Fläche der Stadt und seiner umliegenden Gebiete. Die geplanten Ausgrabungen verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen: Ein Tiefschnitt dient der Erstellung von Materialsequenzen, die die gesamte Siedlungsdauer der Stadt abdecken, Sondagen sollen zur Erforschung der Stadtmauern beitragen und die Freilegung ausgewählter Bauwerke und Funktionskompexe ermöglichen. Über geophysikalische Prospektionen können darüber hinaus zusätzliche Hinweise zu städtebaulichen und urbanistischen Fragen gewonnen werden.

Results

Blick auf spätantike/frühislamische Bebauungsreste im Südwesten der Stadt © DAIDie in der Stadtanlage durchgeführten Begehungen haben die Existenz mehrerer Stadtmauern nachweisen können. Die sich in Baumaterialien und Konstruktionsweise unterscheidenden Mauerabschnitte sind nur teilweise chronologisch von einander zu trennen: Während die nördlichen, östlichen und westlichen Stadtgebiete nur einen einzelnen Mauerring aufweisen, findet sich auf der dem Wadi zugewandten südlichen Seite ein doppelter Mauerring. Die bisherigen archäologischen und bodenkundlichen Forschungen belegen eindeutig, dass nicht die gesamte Stadtfläche von 98 ha innerhalb der Ummauerung besiedelt war, sondern sich die Bebauung mehrheitlich auf den zentralen Bereich mit Hügel 2 und das östlich anschließende Gebiet konzentierte. Im Westen befanden sich unbebaute Flächen, welche als Lagerstätten für die Kamelkarawanen gedient haben könnten. Den Süden der Stadt kennzeichneten Gärten und Felder, aber auch völlig ungenutzte Bereiche, die sich zwischen den beiden Mauerringen erstrecken. Aus welchem Grund diese Bereiche ebenfalls von der Stadtmauer umgeben wurden, bleibt bislang ungeklärt. Die Intensivierung des Surveys in der letzten Kampagne erbrachte zahlreiches neues Fundmaterial - vor allem Keramik -, das inzwischen ein differenzierteres Bild bezüglich der Chronologie der Siedlungsgeschichte erlaubt. Ein bisher in der Forschung immer wieder postulierter Bruch der Siedlungskontinuität zu Lebzeiten Mohammeds kann für das gesamte Stadtgebiet nun nicht mehr bestätigt werden. Zwar kommt es zur Aufgabe großer Bereiche des Stadtgebietes, doch nicht der gesamten Anlage. Vielmehr fanden sich nun neben dem bis in das letzte Jahrhundert hinein bewohnten Hügel 1 zahlreiche in der spätantiken und islamischen Zeit intensiv genutzte Flächen im nord- und südwestlichen Stadtgebiet. Oberflächlich sind häufig noch aus Spolien errichtete Bruchsteinfundamente sichtbar, auf denen sich Lehmziegelmauern erhoben. Umgeben werden sie von Dungablagerungen, die für eine intensive Viehhaltung von Schaf und Ziege sprechen. Allerdings wechselten in der islamischen Zeit die Standorte der Besiedlung, beispielsweise gehören die entsprechenden Schichten von Hügel 2 z. B. in das 10.-11. Jh. n. Chr., während Hügel 1 wohl erst ab dem 16. Jh. n. Chr. bewohnt wurde. Es muss somit von einer durchgehenden Besiedlung des Stadtgebietes von der Antike bis in die Neuzeit ausgegangen werden. Ab der Spätantike kann man wohl nicht mehr von einem funktionierenden Stadtgefüge sprechen, es handelte sich vielmehr um land- bzw. viehwirtschaftlich orientierte eigenständige kleine Wohneinheiten, die sich über das gesamte ehemalige Stadtgebiet verteilten.

Cooperation / Cooperation partners

Dr. Dana Pietsch, Dr. Peter Kühn und Prof. Dr. Thomas Scholten
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Geographisches Institut, Physische Geographie
Tel: +49-(0)7071 2977533
Fax: 49-(0)7071 295391
Email: dana.pietsch@uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Roman Koch und Christian Weiß
Paläontologisches Institut
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Tel: +49-(0)9131 8522714
Fax.: +49-(0)9131 8522690
Email: koch@pal.uni-erlangen.de; weisschr@yahoo.de

Prof. Dr. Thomas Kersten und Dipl. Ing. Klaus Mechelke
Department Geomatik
Labor für Instrumentenkunde
HafenCity Universität Hamburg
Tel: +49-(0)40 428275477
Fax: +49-(0)40 428275477
Email: Thomas.kersten@hcu-hamburg.de; klaus.mechelke@hcu-hamburg.de

Die Grabungen und Surveys werden in Zusammenarbeit mit der Antikenverwaltung der Arabischen Republik Jemen (General Organisation of Antiquities and Museums GOAM) ausgeführt.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Nobert Nebes
Institut für Orientalische Sprachen und Kulturen 
Friedrich Schiller-Universität Jena
Tel: +49-(0)3641 944850
Fax: 03641 944852
Email: gnn@rz.uni-jena.de

Foerderung

Das Projekt wird zum größten Teil durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

Bibliography

R. Eichmann - H. Hitgen, Marib, Die Hauptstadt des Sabäischen Reiches/Marib, Capital of the Sabaean Kingdom, in: I. Gerlach (Hrsg.), 25 Jahre Ausgrabungen und Forschungen im Jemen 1978 - 2003. Hefte zur Kulturgeschichte des Jemen 1 (Sanaa 2003) 52-61; W. W. Müller, Marib, in: The Encyclopaedia of Islam. New Edition VI (1991) 559-567; B. Finster, Die Stadtmauer von Marib, ABADY III (Mainz 1987) 73-95; dies., Die Masagid Sulaiman Ibn Dawud in Marib, ABADY III (Mainz 1987) 109-114; F. P. Albright, Excavations at Marib in Yemen, in: R. LeBaron - F. P. Albright, Archaeological Discoveries in South Arabia, PAFSM II (Baltimore 1958) 215-286; A. Fakhry, An archaeological journey to Yemen I (Kairo 1952) 87-100

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

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