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Japan: Minamikayabe

Forschungen zum Neolithikum auf der Insel Hokkaido

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Japan

Abb. 1. Fundregion Minamikayabe an der Pazifikküste im Süden der Insel Hokkaido. © DAIMinamikayabe ist ein etwa 30 km langer Küstenstreifen am Pazifik auf dem bislang 91 Fundplätze der Jomon-Kultur in 20 bis 50 m ü.M. gefunden wurden (Abb. 1 Satellitenbild).

Objectives

Die Eurasien-Abteilung hat im Januar 2008 mit der Hakodate City Archaeological Organisation eine Kooperationsvereinbarung über gemeinsame Forschungen zum Neolithikum (Jomon-Kultur) bis ins späte Mittelalter auf der Insel Hokkaido geschlossen.
Dabei geht es darum, Grundzüge der bereits vorhandenen Forschungsergebnisse und Kenntnisse der japanischen Partner für ein internationales Publikum aufzubereiten.
Folgerichtig wird damit die nördlichste der japanischen Hauptinseln in Studien zur prähistorischen Besiedlungsentwicklung in Nordostasien (chinesisches und russisches Amur-Gebiet, Primor'e, Sakhalin und Korea) einbezogen. Denn ab ca. 6000 Jahre v. Chr. teilte dieser Großraum einige markante Charakteristika in seiner Gefäßkeramik- und Schmuckproduktion sowie der Gestaltung von Ritualplätzen, die überregionalen multidirektionalen Material- und Wissenstransfer erkennen lassen.

 

Abb. 2. Fundplatz Chobonaino. 1975 entdeckte hohle Tonstatuette. © DAIKeramikherstellung setzt nach unserem heutigen Wissensstand mit ca. 14.000 Jahren v.Chr. im südlichen Japan, ca. 12.000 Jahren v. Chr. in der Amur-Region und ca. 9.000 Jahren v. Chr. auf Hokkaido, insgesamt mehrere Jahrtausende vor den frühesten festen Ansiedlungen und Feldbau, ein.

Die Entwicklungsprozesse von lokalen Wildbeutergruppen mit Spezialisierung auf küstennahe Meeresfrüchte zu regional vernetzten bäuerlichen Gemeinschaften zu rekonstruieren, ist Gegenstand des Forschungsvorhabens.

Der Fundplatz Kakinoshima mit Siedlungs- und Bestattungsspuren aus allen Perioden der Jomon-Zeit lieferte beispielsweise den weltweit ältesten nachgewiesenen Rotlack (Abb. 3). Dabei handelt es sich um einen dreischichtigen Lacküberzug auf Textilfasern, für die ein kalibriertes 14C-Alter von 7040 v. Chr. ermittelt wurde. Dieses lackierte Gewebe bedeckte in einer Grabgrube den Körper eines/einer Verstorbenen, Skelettreste haben sich nicht erhalten. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde die Region jedoch durch die Entdeckung einer außergewöhnlich gut erhaltenen Tonstatuette, die mit 41,5 cm Höhe zu den größten jomonzeitlichen Statuetten gehört (Abb. 2). Grabungen am Fundort ergaben, dass es sich um einen Ritual- und Begräbnisplatz mit oberirdischen Steinkreisen aus der späten Jomon-Zeit (ca. 2.200-1.200 v.Chr.) handelt. Die nordjapanischen Kreisanlagen dieser Zeit aus Stein oder Holz in Verbindung mit Bestattungen oder ausschließlich genutzt als Opferplätze, haben Parallelen in Nordostchina. Direkte Bezüge sind bislang nicht belegbar.

Abb. 3a. Fundplatz Kakinoshima. Makroaufnahme der Textilfasern mit Rotlacküberzug aus einem Grab. © DAIAbb. 3. Fundplatz Kakinoshima. Grab mit Textilfasern mit Rotlacküberzug. © DAIDer Siedlungsplatz Toyosaki P (Abb. 4) bietet mit zahlreichen alternierenden Bauphasen und Vulkanaschen die Möglichkeit, eine Landnutzung über einige Jahrtausende hinweg zu verfolgen, die mehrfach durch Vulkaneruptionen unterbrochen wurde. Insbesondere archäobotanische, archäozoologische und paläoklimatische Studien liefern detaillierte Informationen zu saisonalen Nahrungsangeboten, Jagd- und Ernährungsgewohnheiten sowie vorherrschenden Sommer- und Wintertemperaturen und Niederschlagsmengen. Aufgrund der hohen jomonzeitlichen Besiedlungsdichte und dem daraus resultierenden reichen, größtenteils noch unerschlossenen wissenschaftlichen Potential erbaut die zuständige Stadtregierung Hakodate in Minamikayabe derzeit ein Ausstellungs- und Forschungszentrum, in dem auch für diese japanisch-deutsche Gemeinschaftsforschung optimale logistische Rahmenbedingungen geschaffen werden.Abb. 4. Fundplatz Toyosaki P. Siedlungsgrabung im Herbst 2008. © DAI

Recent Activities

Im Herbst 2009 wurde der Grundstein für ein Ausstellungs- und Forschungszentrum ("Jomon Centre") in der Fundregion Minamikayabe (Landkreis Hakodate) gelegt, in dem Funde und Studien der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Das DAI begleitet den Aufbau und die Einrichtung beratend.

 

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150. Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Japan und Deutschland im Jahr 2011 wird auch das Jomon Centre eröffnet. Das DAI und das Archäologische Institut Hakodate bereiten dafür ein internationales wissenschaftliches Forum und eine Publikation vor.

Results

Abb. 6 Keramikgefäßsammlung der mittleren Jomon-Zeit (ca. 5000-4000 v. Chr.) des Archäologischen Instituts Hokkaido © DAIAbb. 5 Ausstellungsraum des Archäologischen Instituts Hokkaido in Sapporo. Im Vordergrund eine Karte von Hokkaido auf der rote Nadeln die bereits dokumentierten neolithischen Fundplätze anzeigen © DAIWährend die erste Forschungsreise im Jahr 2008 dem Ziel diente, sich generell einen Überblick über den Charakter der Jomon-Kultur (Neolithikum) auf dem Südteil der Insel zu verschaffen, führte die Forschungsreise 2009 in den Norden und Osten. Soweit gegenwärtig erkennbar, teilte der Süden wesentliche kulturelle Züge mit den Gemeinschaften auf der Nordspitze der Insel Honshu. Der Norden hingegen weist Züge auf, die enge kulturelle Kontakte mit den Siedlern auf der Insel Sachalin und der Festlandküste (Primorje) belegen. Das Archäologische Institut Hokkaido mit Sitz in Sapporo hat eine Vielzahl von prähistorischen Fundplätzen prospektiert und einen umfangreichen Fundbestand dokumentiert (Abb. 5 und 6). Zu den Fundregionen mit besonders hohem Erkenntnispotential gehören die Inseln Rebun und Rishiri, die Hokkaido nordwestlich vorgelagert sind und die Verbindungsstationen zum Kontinentalschelf darstellen. Für die Erforschung der frühesten Küstenschifffahrt und des Kommunikationsnetzwerkes im Nordpazifik spielen sie eine besondere Rolle.
Eine Vertiefung der Studien in diesem Gebiet wird deshalb angestrebt.

 

Die erste im Kooperationsvertrag vereinbarte Teilnahme deutscher Studenten von der Universität Tübingen an Ausgrabungen in Minamikayabe hat unter Leitung von M. Knopf im August 2009 stattgefunden.

Cooperation / Cooperation partners

© DAIHakodate City Archaeological Organisation (K. Sato, Ch. Abe)

 

Freie Universität Berlin, Institut für Paläontologie (P. Tarasov)

Leitung des Projekts: M. Wagner

Mitarbeiterin: M. Knopf

Abbildungsnachweis: Google Earth (Abb. 1), Ch. Abe (Abb. 2, 3), P. Tarasov (Abb. 4), M. Wagner (Abb. 5, 6)

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