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Rom, Kaiserpalast

Die kaiserlichen Palastanlagen auf dem Palatin in Rom

Baugeschichtliche Erforschung der Entwicklung des Kaiserpalastes auf dem Palatin in Rom, von den Anfängen unter Kaiser Augustus bis in spätantike Zeit. Entwicklung eines modellbasierten Bauwerksinformationssystems.

Location

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Italy
41° 53' 17.3652" N, 12° 29' 13.1424" E

Panorama Kaiserpaläste © DAIDer Palatin, einer der sieben Hügel Roms, bildet gemeinsam mit dem nördlich angrenzenden Tal des Forum Romanum, dem Capitol im Westen und dem Circus Maximus im Süden, das Zentrum des antiken Rom. Mit dem Aufstieg des römischen Staates zur beherrschenden Weltmacht im Mittelmeerraum, wurde die Residenz der römischen Kaiser zum Machtzentrum der antiken Welt. Beginnend mit Augustus erfährt der Palatin eine grundlegende Umgestaltung vom aristokratischen Wohnviertel zum weitläufigen Palastareal. Der Name des Hügels wird zum Synonym für die Residenz und für Herrschaftsarchitektur im Allgemeinen.

Objectives

Domus Severiana © DAITrotz des großen Interesses an den Ruinen auf dem Palatin seit dem 15. Jahrhundert und einer langen Forschungsgeschichte kann die architektonische Entwicklung des Palastes der römischen Kaiser als weitgehend unerforscht gelten. Nicht nur die Frage nach der Entstehung und der Rekonstruktion einzelner Bauphasen sondern auch die Frage nach den funktionalen Zusammenhängen sowie der Stellung und Bedeutung der einzelner Teilbereiche sind bis jetzt nur unbefriedigend erforscht.
Ziel ist es, eine umfassende Baudokumentation des gesamten Palastareals östlich des Augustus-Komplexes und südlich der Vigna Barberini anzufertigen und auf dieser Basis die bauforscheri-schen Analysen der einzelnen Teilbereiche durchzuführen. Es sollen die vier Hauptbereiche des Palastes - die Domus Severiana, das Gartenstadion, die Domus Augustana und die Domus Flavia - detailliert untersucht und aufgearbeitet werden. Dabei sollen die unterschiedlichen Bauphasen des Palastes und das Gesamterscheinungsbild der Anlage rekonstruiert und nach ihren funktionalen Zusammenhängen untersucht werden.
Arcate Severiana © DAIDie komplexe Befundsituation und die Dimension der Anlage machen sowohl bei der Befunderhebung als auch bei der Dokumentation- und Auswertung neue methodische Ansätze aller am Projekt beteiligter Disziplinen erforderlich. Durch die Entwicklung eines Bauwerksinformationssystems, bestehend aus einem 3D-Bestandsmodell, das an eine Datenbank mit den Einzelbefunden angebunden ist, wird auch ein Beitrag zur Entwicklung innovativer Aufarbeitungs- und Präsentationsmethoden innerhalb der archäologischen Bauforschung geleistet.
In dem interdisziplinären Projekt sollen die baulichen Rekonstruktionen, das Verhältnis zwischen Palast und Stadt sowie die unterschiedlichen Nutzungsszenarien im Kontext gesellschaftlicher und höfischer Strukturen in den einzelnen Nutzungsphasen erforscht werden.

Previous Activities

Decke des Kapitellraums © DAIAb 1998 wurden im Auftrag der Soprintendenza Archeologica di Roma von den Lehrstühlen für Baugeschichte und Vermessungskunde der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus eine Bauaufnahme der so genannten Domus Severiana auf dem südöstlichen Palatin erstellt. 2001 konnte die Bauaufnahme um den Bereich des Gartenstadions und die antiken Resten unter dem Kloster San Bonaventura erweitert werden. Ab dem Frühjahr 2005 wurden die Arbeiten auf den Bereich der Domus Augustana ausgeweitet, im Herbst 2008 wurde mit der Bauaufnahme der Domus Flavia die Dokumentationsarbeiten zu einem vorläufigen Ende gebracht. Damit wurden erstmalig alle seit flavischer Zeit im südöstlichen Bereich des Palatin entstanden Bauten einheitlich in einem Maßstab 1:100, nach Grundrissebenen getrennt, dokumentiert. Ergänzend zu den Grundrissplänen und Schnitten der Bauaufnahme werden Raumbücher angelegt, in denen alle relevanten Daten und Beobachtungen detailliert vermerkt sind. Die Bauuntersuchungen bilden die Grundlage für die Bauphasenpläne, in denen die chronologische Entwicklung des erhaltenen Bestandes dokumentiert ist. Mit Hilfe von Mauerwerksanalysen, in situ befindlichen Ziegelstempeln und weiteren archäologischen Befunden kann die Entstehung der einzelnen Abschnitte zeitlich eingegrenzt und unterschiedlichen Ausbaustufen zugeordnet werden. Die Baudokumentation und die Bauphasenpläne bilden dann die Basis für die Erstellung von 3D-Bestandsmodelle, an denen Rekonstruktionsideen entwickelt und räumlich überprüft werden können.
Domus Augustana © DAIGartenstadion © DAIIm Rahmen eines von der DFG und der Fritz Thyssen Stiftung geförderten Projektes an der BTU-Cottbus wurde das Bauwerksinformationssystem CISAR entwickelt, eine Internetplattform, die es erlaubt, Daten aus den Raumbüchern interaktiv mit dem 3D-Modell zu verknüpfen, so dass alle Informationen, von Zeichnungen, Skizzen und Plänen über Fotos bis zu archäologischen Befunden, abrufbar sind. Die Abfragen können direkt über eine Datenbank gestartet werden oder über das Modell interaktiv gefiltert bzw. angesteuert werden.

Recent Activities

Messarbeiten © DAIAuf Basis der detaillierten Baudokumentation erfolgt eine umfassende Bauanalyse und Detailuntersuchung der aufgenommenen Bereiche, die auch Untersuchungen der Ziegelstempel und das Erarbeiten eines Bauteil- und Baudekorationskataloges umfasst. Für die einzelnen Bau- und Umbauphasen der Palastbereiche werden Rekonstruktionen erarbeitet, die in 3D-Modellen visualisiert werden. Hierbei sollen auch neue Methoden zur Visualisierung von Rekonstruktionsvarianten und Unschärfen in der Rekonstruktion erarbeitet und erprobt werden.

Results

Phasenplan von Ebene 5 © DAIBauaufnahme Grundriss versenktes Peristyl © DAIDie Bauuntersuchungen sowohl der von der Forschung bislang vernachlässigten Teilen auf dem östlichen Palatin wie auch der bislang als Kernpalast interpretierten Bereiche haben vollkommen neue und unerwartete Ergebnisse erbracht. Die bisherige Forschungsmeinung, dass der Komplex der Domus Augustana und der Domus Flavia das Ergebnis eines Bauprojektes von Kaiser Domitian (81 - 96 n. Chr.) und die Domus Severiana eine Erweiterung des Palastes um eine Therme in severischer Zeit (Anfang 3. Jh. n. Chr.) darstellt, muss danach revidiert werden. Es zeigt sich vielmehr, dass die Entwicklung des Palastes sowohl zeitlich wie auch räumlich viel komplexer war, als bisher angenommen.
Über den gesamten südöstlichen Palatin und teils auf hohen Substruktionen erhob sich eine künstlich geschaffene Plattform, deren Niveau scheinbar schon durch augusteische Baumaßnahmen vorgegeben war oder auf das man sich bewusst bezog. Erste Planungen für eine Systematisierung einer derart ausgedehnten Anlage scheinen aufgrund chronologischer Befunde auch schon lange vor Domitian begonnen worden zu sein. Im versenkten Peristyl der Domus Augustana zeigte sich, dass große Teile eines Vorgängerbaus in den Palast integriert wurden, der aus der Zeit des Kaisers Vespasian stammen könnte. In der Domus Severiana konnte nachgewiesen werden, dass dort bereits auch in domitianischer Zeit ein großer Gebäudekomplex bestand, der durch das Gartenstadion untrennbar mit der Gesamtanlage des flavischen Kaiserpalastes verbunden war. Die Rekonstruktion einer Art "hängender Garten" mit luftigen Aussichtsräumen, großen Wasserbecken und gestalteten Gartenanlagen zeigt deutlich, dass auch Kaiser Domitian, wie vor ihm schon Kaiser Nero mit seiner berühmten Domus Aurea (beg. 64 n. Chr.), nicht auf den Luxus einer Villa in der Stadt verzichten wollte.
3D Arbeitsmodell Gartenstadion © DAIBauaufnahme Querschnitt Domus Severiana © DAIDie Untersuchungen verdeutlichen auf der einen Seite, dass der flavisch geplante Palast schon annähernd das gesamte Areal des südöstlichen Palatin belegte, aber auf der anderen Seite weite Teile dieses Palastes in domitianischer Zeit nicht fertig gestellt, sondern erst Mitte des 2. Jhs. n. Chr. vollendet wurden. In severischer Zeit sind umfassende Wiederaufbau- und Erweiterungsmaßnahmen zu beobachten, die eine veränderte Nutzung des Gesamtkomplexes nahe legen, sich aber offensichtlich auch sehr stark an den älteren Strukturen orientierten. Den End- und einen Glanzpunkt der Palastentwicklung stellte die nochmalige gewaltige Erweiterung des Palastes mit dem Ausbau der severischen Thermenanlage im Osten dar, die Kaiser Maxentius (306-312 n. Chr.) zuzuschreiben ist. In dieser Ausbauphase sind auch in anderen Bereichen Bauaktivitäten zu beobachten, die aber keine strukturellen Änderungen im Palastgefüge mehr zur Folge haben.

Cooperation / Cooperation partners

Rekonstruktion Domus Severiana - Innenpespektive Becken (flavische Phase) © DAISoprintendenza Archeologica di Roma
Lehrstuhl für Baugeschichte und Lehrstuhl für Vermessungskunde der BTU Cottbus
Archäologisches Seminar der Universität Würzburg
Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt Universität Berlin

Ansprechpartner

Prof. Dr. Natascha Sojc
Dr. Evelyn Bukowiecki
Dipl. Ing. Alexandra Riedel
Prof. Dr. Aloys Winterling
Dr. Andrea Schmölder-Veit

Bibliography

A. Hoffmann, U. Wulf:, Vorbericht zur bauhistorischen Dokumentation der sogenannten Domus Severiana auf dem Palatin in Rom, in: RM 107, 2000, 279-298. U. Wulf, Die Pracht der Macht. Die Paläste der römischen Kaiser zwischen Luxus und Repräsentation in: K. Rheidt - E.L. Schwandner (Hrsg.) Architektur der Macht - Macht der Architektur, DiskAB 8 (2004) 168-179 . U. Wulf, Die Kaiserpaläste auf dem Palatin in Rom. Von den 'bescheidenen Anfängen' unter Augustus zum urbanistischen Zentrum eines Weltreiches, in: Nürnberger Blätter zur Archäologie Heft 19, Jg 2002/2003, 121-146. A. Hoffmann, U. Wulf (Hrsg.), Die Kaiserpaläste auf dem Palatin in Rom. Das Zentrum der antiken Welt und seine Bauten (2004). U. Wulf, N. Sojc, Evolutione strutturale del Palatino sud-orientale in epoca flavia, in: Ausstellungskatalog Divus Vespasianus - Il bimillenario dei Flavi (2009).

Contact

The German Archaeological Institute (DAI) is a »scientific corporation« of the Federal Institution under the auspices of the Foreign Office. The staff of the Institute carries out research in the area of archaeology and in related fields and maintains relations with international scholars.
Furthermore, it organizes congresses, colloquia and tours, and informs the public through the media about its work.  

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