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Jordanien, Tell Khanasri

Archäologische Untersuchungen auf dem Tell Khanasri

Das Projekt wird von der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts betreut.

Location

Location

Jordan
32° 23' 36.6612" N, 36° 2' 48.0192" E

Ansicht des Hügels © DAITell Khanasri liegt 25 km östlich von Irbid, 14 westlich von Mafraq und nur 17 km nordöstlich von Jerash. Der Ort liegt nördlich der Adjlun-Berge in der großen halbrunden Ebene südlich des Jebel el-Tunaib, und damit an der Grenze des Gebietes, in dem gerade noch Regenfeldbau möglich ist. Mit 864 m Höhe ist der nahezu runde Tell der höchste Punkt in einer weiten Umgebung und daher fast ständig von kräftigen Winden umgeben (Abb.: Ansicht des Hügels).

Results

Plan mit oberflächlich sichtbaren Bauresten © DAIDie Untersuchungen am Tell Khanasri sind Teil der "Palaeoenvironmental and Archaeological Studies in the Khanasri-Region", die 1999 von Prof. Dr. Ricardo Eichmann, Direktor der Orientabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, und Dr. Fauwwaz Khreisheh, Direktor des jordanischen Antikendienstes ins Leben gerufen und geleitet wurde. Die Arbeiten am Projekt bestanden aus einer Oberflächenuntersuchung der Region, geleitet von Dr. Karin Bartl, und einer Untersuchung des Tell Khanasri selbst, geleitet von Dr. Susanne Kerner. Die archäologischen Untersuchungen in Tell Khanasri sollten zwei Zielen dienen: zum einen der Bestimmung der verschiedenen Siedlungsphasen des Tells und zum anderen der Aufnahme der zahlreichen Architekturreste hauptsächlich auf der Hügelkuppe. Dies wurde erreicht durch eine Einteilung der Hügeloberfläche in 10 x 10 m Quadrate auf der Hügelkuppe und die Anlage von tortenstückförmigen Keilen entlang der sehr steilen Hänge. Diese Bereiche (ca. 8000 qm) wurden dann abgesammelt und zeichnerisch dokumentiert. Tell Khanasri ist ca. 30 m hoch, wovon jedenfalls die oberen 10 m sicherlich archäologische Reste enthalten, und die flache Kuppe umfaßt ca. 3600 qm (60 x 60 m), während die Basisfläche ca. 120 x 130 m ist. Der Tell wird von einem unregelmäßigen und breiten Graben umgeben, der als Resultat der Steinbrucharbeiten für die Gebäude auf dem Tell entstanden zu sein scheint und erst sekundär wohl auch als Verteidigungsbauwerk genutzt wurde. Die Architektur deutet auf eine runde Umfassungsmauer, die am Rande der Hügelkuppe verlief (Abb.: Plan mit oberflächlich sichtbaren Bauresten). In Teilbereichen sind zwei parallel verlaufende Mauern zu beobachten, die sich eventuell zu einer Kasemattenmauer ergänzen lassen könnten. Im östlichen Tellbereich existieren einige rechtwinklig verlaufende, kleinere Mauern, die als Verbindung zwischen den beiden Mauerringen gedient haben könnten. Der Mauerverlauf ist entsprechend der Tellform gekrümmt und zeigt nur im Norden und Süden deutlich Vorsprünge. An den meisten Stellen ist nur die Außenseite der Mauern erkennbar, aber eine Stärke von 1,2 bis 2,0 m kann aus den Resten erschlossen werden. An dem Mauerring lassen sich mehrere Phasen erkennen, die hauptsächlich durch die mehr oder minder sorgfältige Bearbeitung des Steinmaterials voneinander unterschieden sind. Im Norden und Süden befinden sich die bereits erwähnten Vorsprünge: hier sind jeweils Mauern zu erkennen, die von der sonst konsequent durchgehaltenen Richtungsgebung abweichen und außerdem durch eine besondere Mauerstärke und Steingröße gekennzeichnet sind. An der Nordseite fand sich außerdem mit der Mauer 42 die einzige größere Mauer, die außerhalb des Mauerrings gelegen, nicht der Kontur des Hügels angepaßt gebaut wurde. Die Mauer könnte somit in Zusammenhang mit einem Aufgang oder erweiterten Eingangsbereich gestanden haben. Besonders bemerkenswert sind die kleinen Reste von Glacis, die am nördlichen und südwestlichen Abhang zu finden sind. Nur an diesen Stellen sind die sorgfältig gelegten, aber unregelmäßig geformten Glacissteine noch in situ, während der umfängliche Steinversturz am Tellfuß wahrscheinlich die letzten Überreste des ursprünglich den ganzen Abhang bedeckenden Glacis darstellt. Die kleinen Terrassenmauern, die noch überall entlang des Hanges zu erkennen sind, stellten mit großer Wahrscheinlichkeit den Unterbau dieses Glacis dar. Die Strukturen auf der Tellkuppe im Inneren dieser Umgebungsmauer sind nicht eindeutig zu interpretieren. Es zeigt sich aber eine deutliche nordwestlich-südöstliche Ausrichtung dieser inneren Mauern; einzig davon abweichend sind die wenigen Mauern im östlichen und südöstlichen Bereich des Tells, die rechtwinklig zum umlaufenden Mauerring verlaufen. In der Mitte des Tells fanden sich zwei große, nahezu runde Vertiefungen, die (wohl z.T. rezent) mit sehr großem Steinversturz gefüllt sind. Nach den Aussagen der Bewohner des heutigen Dorfes Khanasri soll sich dort eine große Zisterne befunden haben. Dazu können mehrere Bruchstücke von kleinen Oberflächenkanälen gehören, an denen noch Putzreste zu erkennen waren. Die Keramik vom Tell selbst datiert hauptsächlich in die späte Eisenzeit II (8. -4. Jh. v. Chr.), die persisch/hellenistische Zeit und -zu einem geringeren Teil- in die römische Periode (63 v. Chr.-324 n. Chr.). Die eisenzeitliche Keramik enthält vor allem Hohlmündungsgefäße aus grober, körniger Ware und kurzhalsige Flaschen. Die hellenistische Keramik zeigt eine gewisse Kontinuität zur Formgebung in der Eisenzeit, aber die Waren sind nun z.T. Imitationen der feinen schwarzen und rötlichen hellenistischen Importwaren (besonders für die kleinen Schalen). Tatsächlich importierte Stücke wurden aber kaum gefunden. Fragmente von großen Pithoi und zahlreichen Hohlmündungsgefäßen waren ebenfalls vorhanden. Römische Eastern Terra Sigillata wurde fast auf der gesamten Oberfläche, allerdings in sehr geringer Stückzahl gefunden. Die zwei kleinen Testschnitte, die nördlich des Hügelfußes geöffnet wurden, erbrachten das gleiche Material für R 96, aber für U 97 auch Funde aus islamischer (mamlukischer, 1250-1517) Zeit.

Bibliography

Ein Vorbericht über die erste Kampagne erschien in Occident & Orient 4, 1999, 23-29.

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