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Herausbildung und Niedergang des frühbronzezeitlichen Siedlungszentrums von Fidvár bei Vráble (Südwestslowakei)

 

Untersuchungen zu Wirtschaft, Sozialstruktur und politischer Organisation eines Sozialverbandes und seines Umfeldes

Location

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Germany
48° 17' 44.97" N, 18° 33' 47.0196" E

 

Die bisherigen Arbeiten konzentrieren sich auf die befestigten Siedlungen Rybník im Tal der Gran und Fidvár bei Vráble im Zitavatal am Südwestrand des Slowakischen Erzgebirges. In diesem Raum, eine Übergangszone vom Mittelgebirge zum Pannonischen Becken, treffen in der Frühbronzezeit mehrere Kulturen aufeinander. In der entwickelten Frühbronzezeit sind es die Aunjetitzer- und Hatvan-Kultur und in der ausgehenden Frühbronzezeit die Maďarovce-, Otomany (Füzesabony)- und die Nordpannonische Kultur. Der Landschaftsraum bietet vielfältige Vorzüge. Das unmittelbar benachbarte Slowakische Tor, als südlichster Ausläufer des Schemnitzer Gebirges (Stiavnické vrchy), markiert einen abrupten Übergang vom Mittelgebirgsraum zum Pannonischen Becken. In der Gebirgslandschaft befinden sich Gold- Kupfer und Zinnlagerstätten die nachweislich seit dem Mittelalter genutzt werden.

Objectives

Um die Wende vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. bildete das Gebiet der südwestlichen Slowakei eine wichtige Kontaktzone zwischen den Kulturräumen Mittel- und Südosteuropas. In den Tallandschaften zwischen Donaulauf und Westkarpaten kam es zur Berührung der mitteleuropäischen Aunjetitzer Kultur mit der Hatvan-Kultur aus dem Theißgebiet Ostungarns und der Pannonischen Kultur Westungarns. Die Ausbreitung dieser Kulturen entlang der Donau und ihren Nebenflüssen bis an den Rand der Westkarpaten stand wohl im Zusammenhang mit dem angestrebten Zugang zu den reichen Kupfer-, Zinn- und Goldvorkommen in diesem Raum. Die in der Flur Fidvár bei Vráble gelegene mehrphasige frühbronzezeitliche Großsiedlung und das zeitgleiche Gräberfeld zeigen auf eindrucksvolle Weise die Überlagerung mitteleuropäischer und karpatenländischer Einflüsse.

Im Fokus des Forschungsvorhabens steht die Suche nach den wirtschaftlichen und politischen Grundlagen für die Herausbildung und die Ursachen für den Niedergang einer frühbronzezeitlichen Großsiedlung. Es stellt sich insbesondere die Frage, inwieweit die Entstehung großer Siedlungen mit der Nutzung von spezifischen wirtschaftlichen Ressourcen (Lagerstätten, agrarische Ressourcen) und technischem Wissen (Metallproduktion und -verarbeitung) zu verbinden ist und in welchem Umfang zentrale politische Institutionen entstanden, die möglicherweise zu einer zunehmenden Hierarchisierung der Gesellschaft führten.

History of Research

 

In der Südwestslowakei sind in den zurückliegenden Jahrzehnten zahlreiche Siedlungen der frühen Bronzezeit untersucht worden. Die bekanntesten unter ihnen sind Nitriansky Hrádok, Vráble, Ivanovce, Malé Kosihy und Veselé.

Die frühbronzezeitliche Siedlung von Vráble auf der Flur Földvar (Fidvár) ist der Forschung durch zahlreiche Oberflächenfunde seit den 1950er Jahren bekannt. Die bislang einzigen Untersuchungen wurden im Jahr 1967 unter der Leitung von K. Sedlák durchgeführt und von Anton Točík 1986 voröffentlicht. Die Sondage im Nordbereich des Siedlungshügels hat ein bis zu 2,5 m mächtiges Schichtpaket, einen Wall und zwei Befestigungsgräben der Frühbronzezeit erbracht. Nach Auffassung von A. Točík sind die ältesten Siedlungsablagerungen der Kosihy-Čaka-Kultur und Hatvan-Aunjetitz-Kultur zuzuweisen. Der jüngste Siedlungshorizont wird durch die entwickelte Mad'arovce-Kultur (Bz A3) geprägt und bildet den Abschluss der frühbronzezeitlichen Kulturentwicklung an diesem Ort.

A. Točík (1986, 463, 476) veranschlagte die Größe der Siedlung nach den Ausmaßen von Graben B auf 180 x 90-115 m und kam zu dem Schluss, dass die Anlage von Vráble damit die Dimensionen der großen befestigten Siedlungen von Nitra, Veselé und Nitriansky Hrádok nicht erreiche. 2005 entdeckte und dokumentierte I. Kuzma mittels Luftbildern einen dritten Graben C, der ein deutlich größeres Siedlungsareal umfasst.

Previous Activities

Geomagnetischer Plan des frühbronzezeitlichen Siedlungsgebiets. © DAI

 

Im Frühjahr 2007 begannen die Untersuchungen in Fidvár bei Vráble, an denen sich die Römisch-Germanische Kommission (RGK), das Archäologische Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (SAW), der Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und das Geographische Institut der Universität Heidelberg beteiligten. In den ersten zwei Jahren  (2007-2008) erfolgten Oberflächenbegehungen, geophysikalische Prospektionen (Geomagnetik und Geoelektrik), Bohruntersuchungen, eine topographische Aufnahme sowie erste Ausgrabungen.

In den Jahren 2009 und 2010 setzen das Archäologische Institut der SAW in Nitra und die RGK die archäologischen Forschungen in Vrable fort. 2009 wurden Testgrabungen in verschiedenen Bereichen der Siedlung und der Nekropole durchgeführt. Die RGK initiierte geophysikalische Untersuchungen, die von der Firma Sensys Sensorik & Systemtechnologie mit Hilfe eines selbst entwickelten Fahrzeugs durchgeführt wurden. Die prospektierte Gesamtfläche beträgt derzeit ca. 140 ha. Die Geomagnetik ermöglichte neben der Kartierung der bronzezeitlichen Siedlung die Erkennung mehrerer weiterer Fundkomplexe verschiedener Perioden: östlich der Siedlung befindet sich ein 15 ha großes Grabenwerk der Linienbandkeramik und zwei außerhalb davon gelegene weitere neolithische Siedlungsbereiche mit nochmals ca. 20 ha Fläche, zudem Grabenstrukturen römischer Marschlager.

 

Im Rahmen der Vorbereitungen für die geplante großflächige Ausgrabung wurden im Jahr 2010 in zwei potentiellen Grabungsarealen  kleinteilige Rasterbegehungen durchgeführt. Die interpolierte Darstellung des Keramikgewichtes zeigt eine Übereinstimmung mit dem geomagnetischen Befund in 0,5–0,7 m Tiefe. Dabei sind die potentiellen Hausbereiche fundärmer als die Gassen. In den geplanten Grabungsflächen wurden weiterhin insgesamt 51 Bohrungen niedergebracht, die der Ermittlung der Schichtentiefe und der Probenentnahme für bodenchemische Untersuchungen dienten. Analysen von Bodenproben auf Phosphorkonzentrationen mit Hilfe des Gerätes Niton XL3t zeigten, dass v.a. außerhalb der Häuser eine erhöhte Konzentration zu beobachten ist, was auch bei der Keramik zu sehen war. Die Methode eignet sich deshalb besonders in Bereichen mit einer schlechten geomagnetischen Auflösung, Informationen zur Lage der Häuser und Wege zu erhalten.

Das reiche Fundmaterial und die bei den geophysikalischen Untersuchungen deutlich hervortretenden Hausstrukturen ermöglichen bereits jetzt präzise Aussagen zur Ausdehnung der Siedlung und ihrer inneren Siedlungsstruktur. Durch die Verteilung von Funden an der Oberfläche zeichnen sich mehrere Hausareale ab und die Oberflächenfunde deuten darauf hin, dass das Siedlungsareal deutlich über den Graben C hinausreichte. Zur Zeit der größten Ausdehnung umfasste das Siedlungsareal nahezu 12 ha. Damit zählt die befestigte Siedlung von Fidvár zu den größten frühbronzezeitlichen Anlagen dieser Art im Pannonischen Becken.

Methodology

Geophysikalische Prospektion am 1. September 2008. © DAI

Die Siedlung von Vráble und das nähere Umfeld wurden topographisch aufgenommen. Weiterhin wurden durch die Firma Sensys umfangreiche geophysikalische Untersuchungen im Auftrag der RGK durchgeführt. Zum Einsatz kam ein System mit 16 Sonden und einer Messbreite von 4 m. Die hoch aufgelösten Messungen liefern detaillierte Informationen zur Struktur der frühbronzezeitlichen Siedlung und deren engerem Umfeld.

Das Geographische Institut der Universität Heidelberg realisierte ein umfangreiches Untersuchungprogramm von geoelektrischen und Bohrprospektionen sowie bodenchemischen Analysen. J.Tirpak vom Archäologischen Institut der SAW testete auf zwei Versuchflächen das Potential von Georadar. Alle Verfahren lieferten exzellente Ergebnisse und ergänzen sich.

Gleichzeitig mit den großflächigen Prospektionen werden auf kleinen Flächen Testgrabungen, Bohrungen, Oberflächensammlungen und Analysen von Bodenproben auf Phosphorkonzentrationen durchgeführt.

Results

Geophysikalische Prospektionen, Oberflächenfunde und Testgrabungen in Fidvár bei Vráble haben substantielle Informationen zur Größe und Struktur der Siedlung geliefert. Die Siedlung erstreckte sich über einen mehr als 500 m langen Uferstreifen der Žitava und reichte über 300 m in die Terrassenfläche hinein. Die Bebauung war konzentrisch auf den ältesten Siedlungskern des mehrschichtigen Hügels ausgerichtet. Sie reichte über die Gräben hinaus in einen unbefestigten Bereich. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung betrug die Größe etwa 12 ha und übertraf damit die meisten frühbronzezeitlichen Siedlung im Pannonischen Becken. So sind die Siedlungen der Nagyrév-Kultur maximal 5-6 ha groß. Ein Highlight der geomagnetischen Prospektionen ist die Entdeckung von Clustern von Speichergruben und Gräbern im Randbereich der Siedlung. Die reichen Daten erlauben eine erste Rekonstruktion der mehr als ein halbes Jahrtausend dauernden Siedlungsgeschichte und ihres Bezugs zu den Veränderungen in der Siedlungslandschaft im Žitavatal.

Cooperation / Cooperation partners

 

Prof. Dr. Jozef Bátora

Archäologisches Institut

der Slowakischen Akademie der Wissenschaften

Akademická 2

SK-949 Nitra

batora@ba.telecom.sk

 

Prof. Dr. Thomas Stöllner

Ruhr-Universität Bochum

Institut für Archäologische Wissenschaften

Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte

Universitätsstrasse 150

Gebäude GA 6/56 - 62

D-44780 Bochum

thomas.stoellner@rub.de

 

Prof. Dr. Bernhard Eitel

Geographisches Institut der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 348

D-69120 Heidelberg

olaf.bubenzer@geog.uni-heidelberg.de

 

Dr. Felix Bittmann

Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung

Postfach 2062

23630 Wilhelmshaven

bittmann@nihk.de

Further Information

 

Seit 2011 werden die archäologischen Forschungen der RGK in Vráble durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Forschungsverbundes “Fidvár bei Vráble – eine Siedlung an der Schnittstelle der alteuropäischen Metallurgieprovinzen. Interkulturelle Dynamik und Umweltveränderungen in einer landschaftsökologischen Schlüsselregion im östlichen Zentraleuropa” gefördert. Durch die Vernetzung siedlungsarchäologischer Forschungen in Fidvár und der umgebenden Landschaft mit montanarchäologischer und naturwissenschaftlicher Untersuchungen eröffnen sich Möglichkeiten, die Auswirkungen der Ressourcennutzung der Frühbronzezeit auf die Umwelt zu verstehen. Für die weit gespannten Forschungen bieten die exzellenten Erhaltungsbedingungen, die das reiche Fundmaterial der Rasterbegehung erwarten lässt, und die bereits vorliegenden Resultate der geoarchäologischen Prospektionen beste Voraussetzungen.

Bibliography

 

Bátora, J., Eitel, B., Falkenstein, F., Rassmann, K. 2008: Fidvár bei Vráble – eine befestigte Zentralsiedlung der Frühbronzezeit in der Slowakei. In: Czebreszuk u. a., Defensive Structures from Central Europe to the Aegaen in the 3rd and 2nd millennia BC. Studien zur Arch. In Ostmitteleuropa 2 (I) (Poznań – Bonn 2008), 97-107.

Bátora, J., Eitel, B., Hecht, S., Koch, A., Rassmann, K., Schukraft, G., Winkelmann, K. 2009: Fidvár bei Vráble (Kr. Nitra, Südwestslowakei). Untersuchungen auf einem äneolithisch-frühbronzezeitlichen Siedlungshügel. Germania 87 (1), 2009, 1-23.

Bátora, J., Behrens, A., Gresky, J., Ivanova, M., Rassmann, K., Toth, P. and K. Winkelmann 2012: The rise and decline of the Early Bronze Age settlement Fidvár near Vráble, Slovakia. In: Kneisel, J. et al. (Hrsg.) Collapse or Continuity? Environment and Development of Bronze Age Human Landscapes [Proceedings of the International Workshop “Socio-Environmental Dynamics over the Last 12,000 Years: The Creation of Landscapes II  , Open Workshop, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 14th-18th of March, 2011] (Bonn 2012), 111-129.

Točík, A. 1964: Opevnená osada z doby bronzovej vo Veselom (Bratislava 1964).

Točík, A. 1978: Nitriansky Hrádok-Zámeček II (Nitra 1978).

Točík, A. 1981:Nitriansky Hrádok-Zámeček I (Nitra 1981).

Točík, A. 1981: Malé Kosihy. Osada zo starsej doby bronzovej (Nitra 1981).

Točík, A. 1986: Opevnené sílisko zo starsej doby bronzovej vo Vrábľoch. Slov. Archeol. 34, 1986, 463-476.

 

Behrens, A. 2010: Fidvár bei Vráble. Ausgrabungen im Bereich der Befestigung A - Untersuchungen zu den Anfängen der Frühbronzezeit [unpubl. Diplomarb. Universität Kiel 2010].

Koch, A. 2008: Sedimentologische-geoarchäologische Untersuchungen zur Rekonstruktion der Landschaftsentwicklung im Umfeld einer frühbronzezeitlichen Siedlung in Vráble/Slowakei [unpubl. Diplomarb. Universität Heidelberg 2008].

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