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Gerichtswesen der Römischen Kaiserzeit

Recht haben und Recht bekommen im Imperium Romanum. Das Gerichtswesen der Römischen Kaiserzeit und seine dokumentarische Evidenz

Background

Vom 8. bis 11. September 2010 führte R. Haensch zusammen mit S. Strassi (Triest) und F. Hurlet (Nantes) die erste der von ihm initiierten und organisierten trilateralen Tagungen an der Villa Vigoni durch. Die Konferenzserie wird finanziell getragen von der DFG und der Maison de l' Homme. Thema der interdisziplinären Zusammenkunft war das Gerichtswesen der Hohen Kaiserzeit (Programm s. u.).

Grundsätzliches Ziel der Forschungskonferenzen ist, das umfangreiche und disparat publizierte dokumentarische Material zum römischen Gerichtswesen (Papyri, Inschriften) für die Geschichte des römischen Rechts als grundlegendes Fundament des Römischen Reiches fruchtbar zu machen. Dies soll durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit von Forschern aus der Römischen Rechtsgeschichte, der Epigraphik, der Papyrologie, der Alten Geschichte und der Byzantinistik erreicht werden. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen insbesondere die mehr als 400 aus römischer Zeit bekannten Gerichtsprotokolle.

Auf der Basis der dokumentarischen Quellen sollen zentrale Aspekte des kaiserzeitlichen und spätantiken römischen Gerichtswesens in seiner geschichtlichen Entwicklung von ausgewiesenen Experten diskutiert werden. Entsprechend den drei großen Entwicklungsstufen des kaiserzeitlichen Gerichtswesens - der Hohen Kaiserzeit, der Zeit nach den Reformen Diokletians und Konstantins und schließlich derjenigen nach der umfassenden Neuordnung Justinians - werden in drei Konferenzen zentrale Aspekte des jeweiligen Gerichtswesens erörtert.

Ein erster Zugriff wird dabei jeweils über die Recht sprechenden Institutionen erfolgen. Dabei geht es nicht nur darum, Kompetenzen und Zuständigkeiten möglichst präzise zu bestimmen, sondern z.B. auch Zahl und faktische Häufigkeit der jeweils anhängig gemachten Verfahren zu untersuchen, das Ausmaß von Appellation und Delegation zu ermitteln, die Entscheidungsgrundlagen der Richter sowie die Rollen und Kompetenzen ihrer Berater zu erforschen. Einige wichtige Institutionen - etwa die bischöfliche Gerichtsbarkeit oder die der Prätorianerpräfekten - werden dabei entsprechend dem Zeitpunkt, zu dem sie ins Leben gerufen wurden, nur bei einer oder zwei der Konferenzen eine Rolle spielen. Andere werden dagegen immer wieder behandelt werden müssen, um ihre wechselnde Bedeutung möglichst präzise zu erfassen. Zu untersuchen sind aber auch zahlreiche strukturelle Aspekte von Gerichtssitzungen, seien sie materiell faßbarer Art (Räumlichkeiten, Gestaltung und Archivierung von Schriftstücken, Gerichtspersonal, Kosten der Verfahren etc.) oder immaterieller Natur (Dauer von Verfahren, Umsetzung der Urteile). Sofern sich bei diesen Themenkomplexen historische Entwicklungen zeigen (z. B. beim Gerichtspersonal oder der Gestaltung der im Rahmen der Prozesse erstellten Schriftstücke), sollen die Themen durch die Konferenzserie verfolgt werden.

Mit der Konferenzserie sollen aber nicht nur die Recht sprechenden Institutionen und ihre Strukturen eingehend erforscht werden, sondern auch die Rechtssuchenden und ihre Anwälte stärker im Mittelpunkt stehen, als dies bisher der Fall war. Das betrifft nicht nur Fragen, welche Gruppen privilegiert waren (und inwieweit sie diese Privilegien wahrnahmen), sondern z.B. auch diejenigen nach den Materialien und den rhetorischen Argumentationsstrukturen der Rechtssuchenden und ihrer Anwälte. Gerade papyrologische Quellen erlauben "Archive" (d. h. Dokumentensammlungen) einzelner Prozessierender oder Rechtskundiger zu identifizieren. Anhand dieser wird es möglich sein, ein viel präziseres Bild der Vorgehensweisen von Parteien und von deren Rechtsvertretern zu entwerfen, als es sich aus den gelegentlichen Anspielungen in den literarischen Quellen ergibt.

Gemäß dem Konzept der Konferenzen in der Villa Vigoni handelt es sich bei den Teilnehmern um Wissenschaftler aller akademischen Stufen vorwiegend aus Deutschland, Italien und Frankreich. Soweit es sachlich geboten ist, werden aber auch einschlägig profilierte Forscher anderer Länder als zusätzliche Referenten und Diskussionspartner eingeladen.

Previous Activities

Programm der ersten Sitzung 8. bis 11. September 2010
Programm der zweiten Sitzung 3. bis 6. Juli 2011

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