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GIS-Analysen

GIS-Analysen zur Kulturentwicklung unter wechselnden Umweltbedingungen

Verbundprojekt 'Anden-Transekt'

Land und Leute - GIS-Analysen zur Kulturentwicklung unter wechselnden Umweltbedingungen

Objectifs

Abb. 2: Diverse Fundstücke aus dem Untersuchungsgebiet (von links nach rechts und von oben nach unten): Schmucksteine, fischförmige Goldplättchen, Feldfrüchte, Spindeln mit Garn, Feinkeramik, Obsidianspitzen, Textilrest, Spondylusmuschel. Einige dieser Objekte sind aus weit entfernten Gegenden importiert worden. ©DAIAbb. 1: Klassifizierung der ökologischen Zonen nach Höhenstufen. ©DAIDie Westflanke der Anden von der Pazifikküste bis zur Hochebene der Puna (über 4000 m) besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Landschaftstypen. Ihre Ökologie und ihr landwirtschaftliches Potenzial sind von den klimatischen Bedingungen abhängig, die sich je nach Höhenstufe unterscheiden: je höher desto kälter und desto feuchter (Abb. 1). Temperatur und Niederschlag scheinen in der Vergangenheit aber nicht konstant gewesen zu sein, sondern waren großen Schwankungen unterworfen. Für die Menschen, die zwischen Küste und Puna siedelten, war jede Änderung ihrer Umwelt mit einem Zwang zur Anpassung verbunden. Diese beinhaltete Neuerungen in der Wirtschaftsweise ebenso wie den Austausch von Produkten (Abb. 2). Darüber hinaus dürfte die Konkurrenz um die Kontrolle von Ressourcen und Handelsrouten auch das politische Gefüge bestimmt haben. Umwelt- und Kulturentwicklung gingen somit Hand in Hand. Durch eine statistische Analyse der archäologischen Befunde im Untersuchungsgebiet des Projektes "Anden-Transekt" und ihre Zusammenführung mit den Ergebnissen vor allem der Teilprojekte zur Klima- und Umweltgeschichte und zur Palynologie in einem geographischen Informationssystem (GIS) soll eine Rekonstruktion der vorspanischen Siedlungsgeschichte bis in das 16. Jh. n. Chr. ermöglicht werden. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der Frage liegen, ob und zu welchen Zeiten es Grenzen oder Übergangsbereiche der Verbreitungsgebiete bestimmter sozioökonomischer Strukturen gegeben hat und wo sie verlaufen sind. Sind beispielsweise Viehpferche der Paracaszeit (800-200 v. Chr.) im selben Gebiet verbreitet wie in der Späten Zwischenzeit (1000-1470 n. Chr.)? Falls nicht, liegt es daran, dass unterschiedliche Niederschlagsverhältnisse eine unterschiedliche Ausdehnung der Weideflächen bedingte? Welche Keramikstile lassen sich in welchen Regionen finden und in welcher Menge? Wurde die Keramik lokal produziert oder eingehandelt? Stimmt ihr Verbreitungsgebiet mit dem bestimmter Formen des Hausbaus überein? Diese und noch viele weitere Fragen können an das Material gestellt werden. Ihre Beantwortung ist ein wesentlicher Beitrag zur Rekonstruktion der Landschafts- und Kulturgeschichte im Untersuchungsgebiet.

Methoden

Abb. 4: Unterschiedliche Bauweisen: eine heutige Hirtenhütte (links oben) und Reste einer einfachen alten Behausung (links unten), nascazeitliche Plattformanlagen (rechts oben) und Gebäude aus Lehmziegeln (rechts Mitte), solide Steinarchitektur des Mittleren Horizontes (rechts unten). ©DAIAbb. 3: GIS-Analysen zum landwirtschaftlichen Potential mittels eines digitalen Geländemodells sowie ONERN-Messdaten zu Temperatur, Niederschlag und Bodenqualität. ©DAIZur Klärung detaillierter Fragen zur Verbreitung und Entwicklung bestimmter Kultur- und Wirtschaftsformen, Handelsbeziehungen und politischer Gefüge mittels statistischer und räumlicher Analysen ist eine sehr feine Aufgliederung und Systematisierung der erhobenen Daten notwendig. Zu diesem Zweck werden die Informationen zu jedem Fundort in einer Datenbank nach architektonischen Merkmalen, Bestattungsformen, Fundobjekten und weiteren Eigenschaften in insgesamt über 200 Kategorien einsortiert und gespeichert. Dies ermöglicht anschließend eine schnelle und zuverlässige Filterung der Daten. Sobald die archäologische Information vollständig systematisiert ist, können erste statistische Analysen durchgeführt werden. Dabei wird vor allem zu klären sein, welche der erfassten Merkmale besonders häufig gemeinsam vorkommen. Mit Hilfe des GIS kann außerdem untersucht werden, ob es regionale Verbreitungsschwerpunkte gibt und Zusammenhänge mit naturräumlichen Gegebenheiten wie Höhenstufe, Hangneigung, Nähe zu Flussläufen etc. bestehen (Abb. 3). Bei der Interpretation der Ergebnisse ist allerdings große Vorsicht geboten, denn ausgewertet werden kann nur das, was registriert wurde. Es ist jedoch davon auszugehen, dass viele Objekte und sogar ganze Fundplätze nicht erfasst wurden, da sie nicht mehr erhalten oder überdeckt sind. Es ist daher für jedes untersuchte Kriterium kritisch zu prüfen, inwieweit die Ergebnisse der Analyse tatsächliche Phänomene oder eher methodische Probleme widerspiegeln. Scheinen sich beispielsweise Verbreitungsgrenzen für runde Steinhäuser abzuzeichnen, so muss noch einmal im Feld gezielt an den Orten, an denen solche Häuser bisher nicht registriert wurden, nachgesehen werden, ob sie dort tatsächlich nicht vorhanden sind oder ob sie nur bisher nicht beschrieben wurden (Abb. 4). In den Fällen, in denen mit großer Wahrscheinlichkeit Hinweise auf die tatsächliche Verbreitung vorliegen, können dann Rückschlüsse gezogen werden auf
- Art und Intensität der Landnutzung und Güterproduktion
- Richtung, Route und Intensität von Warenströmen
- Ethnische, kulturelle und politische Grenzen und Einflussbereiche

Previous Activities

Abb. 5: Vorläufige Verteilungskarten zu den Siedlungen verschiedener Zeitphasen. Die Siedlungen im Hochlandbereich sind noch nicht vollständig in der Datenbank erfasst, die Siedlungsdichte ist dort tatsächlich höher als auf den Karten dargestellt. ©DAIBereits seit Beginn der ersten Feldarbeiten des Projektes Nasca-Palpa im Jahr 1997 wird eine Datenbank geführt, die eine Beschreibung jedes Fundortes sowie seine Koordinaten und weitere Angaben zur Lage und Umgebung enthält. Die Koordinaten ermöglichen die Einbindung in ein GIS und somit eine räumliche Auswertung und die Erstellung von Verteilungskarten (Abb. 5). Ein Großteil der Information wurde ursprünglich jedoch nur als Fließtext gespeichert, was eine zuverlässige Filterung von Datensätzen nach bestimmten Merkmalen und eine statistische Auswertung verhinderte. 2005/2006 wurde daher bereits eine erste Erweiterung und Umstrukturierung der Datenbank vorgenommen, die zu diesem Zeitpunkt etwa 700 Fundorte vom Andenfuß in der Umgebung von Palpa umfasste. Die wichtigsten Angaben zu ihrer Art und Zeitstellung wurden dabei in ja/nein-Felder übertragen, was nun eine entsprechende Filterung der Datensätze ermöglichte. Auf dieser Grundlage wurde bereits eine erste Auswertung der Siedlungsmuster der Frühen Zwischenzeit (200 v. Chr.-650 n. Chr.) im Rahmen einer Magisterarbeit durchgeführt (Soßna 2007). Seitdem wurde das Untersuchungsgebiet jedoch erheblich ausgedehnt und umfasst nun auch die Hochlandlandregion um den Ort Laramate (C. Hohmann). Fast 200 weitere Fundplätze wurden seitdem registriert.

Travaux récents

Um möglichst zuverlässig alle aktuellen Informationen zu jedem der nun über 900 Fundorte vollständig und systematisch in der Datenbank zu erfassen, wird eine sehr sorgfältige Durchsicht sowohl der ursprünglichen Fließtextfelder als auch weiterer Bestandteile der Dokumentation (z.B. Grabungsberichte) vorgenommen. Parallel dazu ermöglicht die Einbindung in die laufenden Feldarbeiten (Ausgrabungen und Prospektion) einen direkten Eindruck von der Befundsituation, dem Erhaltungszustand und Varianten von bestimmten Architekturformen, Siedlungsstrukturen und Grabtypen. Der bisherige Kenntnisstand zur Kulturgeschichte der peruanischen Südküste und ihrer Beziehungen zum angrenzenden Hochland von Ayacucho ist noch sehr lückenhaft. Zu vielen Fragen gibt es bisher nur Vermutungen, die jedoch oft einer soliden Datengrundlage entbehren. Die Auswertung des umfangreichen Materials des Projektes "Anden-Transekt" hat das Potential, viele neue Antworten zu geben und weitere Forschungen anzustoßen.

Förderung

Die Arbeiten dienen der Vorbereitung eines Dissertationsvorhabens und werden mit Clustermitteln des Deutschen Archäologischen Instituts gefördert.