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Berichte zum Spendenaufruf der von der Flutwelle betroffenen Grabungsmitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts auf Sri Lanka

Dr. phil. Hans Joachim Weisshaar betreut das Projekt: Alt-Ruhuna, Tissamaharama: Ausgrabung einer frühen Königsresidenz mit Wohnbereich und Handwerkerviertel nahe der Küste Sri Lankas. Aus dem vom Tsunami betroffenen Gebiet berichtet er:

Am Ende einer Grabungskampagne

Stand: 28.04.2005

    
  Schüler der Muslim School Kirinda  
    
  Schüler spenden  

Am späten Abend des 28. März gab es eine Tsunami-Warnung, da Sumatra erneut von einem schweren Erdstoß betroffen war. An unserem Grabungsort, 12 km landeinwärts, erfuhren wir erst durch einen Anruf aus Deutschland davon. Von dem Chaos, das im Küstenstreifen herrschte, war in Tissamaharama nichts zu spüren. Zum Glück konnte die Warnung bald zurückgenommen werden, und die Lage beruhigte sich wieder. Die Lehrer der Muslim School in Kirinde berichteten uns am nächsten Tag von den Ereignissen. Sie wohnen seit dem Tsunami in Notunterkünften auf einem erhöhten Landstreifen, auf dem sie sich sicher fühlen. Der Schuldirektor ist jedoch in Sorge, falls eine solche Warnung einmal am Tage erfolgt. Die Schule liegt im flachen Küstenbereich und nur vorgelagerte Gebäude, die völlig zerstört wurden, und eine kräftige Umfassungsmauer haben am 26. Dezember größere Schäden an den Schulgebäuden verhindert. 350 Schüler und seine Kollegen müssten dann das Gelände schnell verlassen. Und die Schule hat kein Telefon. Hier schienen uns Spendengelder gut angelegt und für rund 130 Euro hat der Prinzipal einen Anschluss an das Telefonnetz beantragt. Die örtlichen Leitungen sind bereits geprüft, doch es wird noch einige Zeit vergehen, bis das neue Telefon im Schulgebäude läutet.
Die Schule hatte Lehrer (graduate teachers) für A-Level (Abitur) bis 1996. Seitdem kann an der Schule nur noch der O-Level (Ordinary Level) erreicht werden. Ältere Schüler müssen für die nächste weiterbildende Schule bis nach Hambantota fahren, was eine nicht unbeträchtliche Härte für die vom Tsunami betroffenen Familien darstellt. Tägliche Busfahrten von mehreren Stunden sind nötig. Doch auch die Schule in Hambantota war vom Tsunami beschädigt und musste repariert werden. Sie ist stark von auswärtigen Schülern besucht.
Über das Partnerschaftsbüro an der deutschen Botschaft in Colombo hatten wir einen Antrag auf drei neue Lehrer (Arts, Science und Mathematics) für die Schule gestellt. Der Antrag für diese nachhaltige Förderung hat die ersten Hürden genommen, ist positiv beurteilt worden und die Kommunale Servicestelle / Partnerschaftsinitiative InWEnt in Bonn bemüht sich nun um eine Vermittlung.
Über den Prinzipal haben wir auch Verbindung zu einigen Witwen der Muslim Gemeinde aufgenommen. Wie es der Brauch ist, verlassen sie für vier Monate und zehn Tage nicht das Trauerhaus und werden in dieser Zeit von Verwandten und Freunden unterstützt. Ihre Zukunft ist ungewiss, denn sie müssen danach auf eigenen Beinen stehen. Ihren Familien gehörten kleine Geschäfte ("daily needs"), eine Bäckerei und eine kleine Hühnerzucht. Die Geschäfte sollen von der Regierung im Zuge einer Neuplanung der Stadt wieder aufgebaut werden. Doch noch weiß niemand, wann dies der Fall sein wird. Für die nächsten zwei Jahre bekommen nun acht Witwen von uns monatlich 2500 Rupien (etwa 20 Euro) auf neu eingerichtete Konten. Das deckt ihre nötigsten Kosten und wird beim Wiederaufbau der Geschäfte helfen. Besonders gefreut hat sich Witwe Rani Nona. Wenn sie wieder das Trauerhaus verlässt, kann sie sich an den Wiederaufbau ihrer Hühnerzucht machen. Auf ihrem Konto wartet das Geld für 100 Hühner (und fünf Hähne).
Als Folge des Tsunami gibt es in der Muslim School 23 Schüler, die ihren erwerbstätigen Vater oder sogar beide Elternteile verloren haben. Für sie haben wir Kindersparbücher angelegt, auf die jeweils 20.000 Rupien eingezahlt wurden. Diese Sparkonten werden von Wohltätigkeitsorganisationen empfohlen, die im Lande tätig sind. Die jährlichen Zinsen (derzeit 5,5%) verbleiben auf dem Konto und alles wird zusammen erst mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres ausgezahlt. Nur in besonderen Fällen (Krankheit, besondere Fortbildung) hat der Erziehungsberechtigte oder Vormund Zugriff auf das Konto. Wer Geld auf ein solches Konto einzahlt, schließt gleichzeitig eine Lebensversicherung über den zehnfachen Betrag zugunsten des minderjährigen Kontoinhabers ab. Natürlich haben wir es so eingerichtet, dass der jeweilige Vormund die Summe eingezahlt hat.
Es wäre wünschenswert, wenn der Grundbetrag dieser Kinder-Sparkonten auf wenigstens 50.000 Rupien aufgestockt werden könnte. Das übersteigt einstweilen unsere Möglichkeiten. Ein Anfang ist aber gemacht und wir hoffen hier auf weitere Unterstützung aus Deutschland.
Der Prinzipal der Schule hat sich gefreut über die Unterstützung für seine Schüler und eine kleine Feierstunde anberaumt. So mussten wir an einem Wochenende vor dem traditionellen Freitagsgebet in Kirinde erscheinen und die Sparbücher wurden übergeben. Viele Privatpersonen, aber auch Institutionen wie die Feuerwehr von Remagen, haben dazu beigetragen, dass wir in Sri Lanka helfen konnten. Ich hatte bei der kleinen Feier Gelegenheit zu erklären, dass aber ein großer Teil der gespendeten Gelder in Deutschland von Jugendlichen aufgebracht worden war. Von Schülern, die in ihrer Nachbarschaft gesammelt oder durch Aktionen in den Schulen Gelder eingenommen hatten. Es ist schade, dass das begeisterte und dankbare Klatschen der Schüler in der Muslim School nicht akustisch in diesen kleinen Bericht aufgenommen werden kann.
Der Prinzipal hatte noch eine kleine Überraschung für uns vorbereitet. Die Mauern der Schule waren mit den Flaggen der Nationen bemalt, die in Kirinde nach dem Tsunami Hilfe geleistet hatten. Und direkt neben der Fahne Sri Lankas war nun auch eine deutsche Fahne zu sehen. Die Farben waren noch feucht.
Noch eine kleine Feier gab es. Die Wasserleitung und das Pumpenhäuschen am Rande von Tissamaharama sind fertig. Wie es Brauch ist, wurde zunächst eine Öllampe angezündet und dann mit Knopfdruck die Pumpe in Betrieb gesetzt. Ein dicker Strahl kühlen Wassers ergoss sich in ein Bassin. Süßer Tee und Milchreis beschlossen die Zeremonie.
Die Grabung in Tissamaharama ist für dieses Jahr abgeschlossen. Es wird noch viel Zeit brauchen, bis die Leute an der Küste wieder ihrem geregelten Leben nachgehen können. Dank der vielen Spenden haben wir ein bisschen helfen können. Rund 15.000 Euro haben wir dafür ausgegeben. Meist waren es kleine, individuelle Hilfen, gemessen an unseren Maßstäben. Für die Menschen hier sind sie aber von Bedeutung. Wie etwa für Mr. Upali, den ehemaligen Teekocher des Grabungscamps. Er hat durch die große Welle sein Haus verloren. Vom Dach eines stabilen Nachbarhauses aus hat er zugesehen, wie sich seine Frau mit dem kleinen Sohn rechtzeitig auf einen Hügel retten konnte. Nun haben sie aber keine Bleibe mehr und wohnen bei einem Freund. Er hat jedoch das große Glück, in einiger Entfernung von der Küste eine eigene Parzelle zu besitzen, auf der er ein neues Zuhause errichten will. Dafür haben wir ihn mit 50 Arbeitstagen bezahlt. Und gemessen an der Summe war auch die Hilfe für Mr. J. Rosan Priyantha nicht groß. Er ist ein älterer Herr und wäscht auf unserer Grabung Scherben. Seit einiger Zeit sieht er auf einem Auge nichts mehr und nun soll er im Krankenhaus von Hambantota am Grauen Star operiert werden. Die Operation wird vom Staat bezahlt. Fremdkosten des Krankenhauses von 2500 Rupien (etwa 20 Euro) hätte er jedoch selbst tragen müssen.
Es sind bereits kleine Summen, die hier viel bewirken können. Und so hoffen wir auf weitere Unterstützung aus Deutschland, denn auch bei unserem nächsten Aufenthalt wollen wir versuchen zu helfen.

Wenn der Tsunami das geringere Unglück ist

Stand: 04.04.2005

    
  Straßensperre der Kleinbauern  

Nahe bei Kirinde gibt es eine Meerwassersaline in der der Tagelöhner K. K. Preyanka arbeitete. Die große Welle hatte hier die Dünen durchbrochen und alle Einrichtungen zerstört. Preyanka, der eine Frau, zwei Kinder und eine behinderte Schwiegermutter zu versorgen hatte, mußte sich nach anderer Arbeit umsehen. Solche Arbeit findet man auf kleinen Farmen, die in einem Küstengürtel am Rande des Yala-Nationalparks illegalerweise betrieben werden. Zu seinen Aufgaben gehörte es, nachts mit Krachern die wilden Elefanten von den Feldern fern zu halten. Auch er selbst hat dort ein kleines, eigenes Feld bestellt. Dieses Zubrot durch Gartenbau betrug während der feuchten Jahreszeit rund 1.000 Rupien im Monat.
Eines Nachts ist er einem Elefanten begegnet, der sich vom Krach der kleinen Knallkörper nicht hat abschrecken lassen und der wütend geworden ist. Und natürlich hat Preyanka den ungleichen Kampf verloren. Freunde und Nachbarn haben ihn am nächsten Morgen auf dem Feld gefunden.
Ein Konflikt zwischen den Kleinbauern und den Wildhütern schwelt schon lange. Die Bauern fühlen sich in der Gefahr im Stich gelassen und die Wildhüter weisen darauf hin, dass hier kein Land kultiviert werden darf. Leute wie Preyanka sind dann die Leidtragenden. Wir kamen zufällig tags darauf auf einer Versorgungsfahrt zu den Fischern von Amaduwa an dem Feld vorbei. Wütende Nachbarn hatten mit brennenden Autoreifen die Strasse gesperrt und protestierten gegen das Wildlife Department.
Für die Familie von Preyanka muss nun die Witwe sorgen. Den Gartenbau will sie nicht weiter betreiben. Sie hat Angst vor den Elefanten, was man ihr nicht verdenken kann. Diesen Ausfall haben wir zunächst einmal für die nächsten zwei Jahre ausgeglichen. Monatlich wird ihr dieser kleine Betrag auf ein neu eingerichtetes Konto überwiesen. Für ihren Sohn und die kleine Tochter wurden Kindersparbücher eingerichtet. Ihr Bruder wird sie unterstützen und wenn wir im Herbst zurückkommen nach Tissamaharama, werden wir sehen, wie sie zurechtgekommen ist.
Nicht nur die unmittelbare Küstenregion leidet unter den Nachwirkungen der Katastrophe. Auch im Hinterland sind durch zerstörte Fabriken oder den ausbleibenden Tourismus Nöte entstanden.
Am Rande von Tissamaharama leben einige Jeepfahrer,die Touristen in den Yala-Nationalpark geführt haben. Sie haben nun keine Arbeit mehr und die Jeeps stehen bei den verschiedenen Safari-Unternehmen in der Garage. Mit den Jeeps haben sie aber nach der Arbeit in großen Kanistern Wasser von einer zentralen Zapfstelle nahe dem großen Tempel geholt. Eine öffentliche Wasserversorgung fehlt. Schon vor Jahren wurde ein Antrag gestellt, die Siedlung an die Wasserleitung an der nicht weit entfernten Hauptstrasse anzuschließen. Ein Brunnenbesitzer nahe dem See würde sie an seinem Wasser beteiligen, es fehlt jedoch an einer zusätzlichen Pumpe und der nötigen Leitung. Hier konnten wir helfen. Ein Pumpenhäuschen ist im Bau, ein Graben ist ausgehoben und die Leitung verlegt. Noch in dieser Woche soll ihr eigenes Wasser fließen.
Zu den mittelbar Betroffenen gehört auch M. Premasiri. Er hat in einer kleinen Bootswerft nahe Ampara gearbeitet, von der der Tsunami nichts übrig gelassen hat. Kurzfristig fand er Anstellung in einem Arbeitsprogramm der Regierung. Er hat Strassengräben ausgehoben. Doch die Arbeitskolonne hat sich immer mehr dem von den Tamil Tigern kontrollierten Gebiet genähert. Trotz des augenblicklichen Waffenstillstands zwischen den Bürgerkriegsparteien ist bei ihm und seinen Kollegen schließlich die Angst zu groß geworden, und sie haben die Arbeit eingestellt. Nun hat er vorübergehend Anstellung in unserem Hotel gefunden. Das Singha Tourist Inn ist eine einfache Unterkunft mit wenigen Zimmern. Während der Ausgrabungen sind fast alle belegt. Dann gibt es mehr zu tun als üblich und eine Aushilfskraft wird eingestellt. Ende dieser Woche ist die Grabung jedoch für dieses Jahr zuende und dann verliert auch Premasiri wieder seine Arbeit. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Natürlich hofft er, dass die Bootswerft wieder aufgebaut wird. Auch als Maurer hat er schon gearbeitet. Beide Tätigkeiten sind gerade jetzt gefragt und so ist er auch zuversichtlich, eine neue Anstellung zu finden. Für die nächsten fünf Monate werden wir ihn unterstützen. Wenn wir im Herbst wiederkommen, ist er hoffentlich schon wieder in Lohn und Brot. Für seine Tochter und die drei Söhne haben wir Kindersparbücher eingerichtet.
Von Witwe Shiromala gibt es Neues zu berichten. Wir hatten sie mit einer Nähmaschine ausgestattet. Sie hat die ersten Kleider genäht und uns aufgefordert, ihre Kollektion anzuschauen.

Zelte und Holzhäuser in Hambantota

Stand: 30.03.2005

    
  Matratzen für Hambantota  
    
  Zelt und Holzhaus in Hambantota  

Die Hälfte der diesjährigen Grabungskampagne ist vorüber und mit den Ergebnissen sind wir sehr zufrieden. Gerne hätten wir auch abseits der Archäologie mehr erreicht, um den Menschen in unserer Nähe zu helfen. Doch Verwaltungen, zumal in diesem Lande, sind einem guten Willen allemal überlegen. Die Bearbeitung eines Antrags auf Neubeschaffung von Booten dauert eben länger, als eine Grabungkampagne von sieben Wochen.
Die Fischer von Amaduwa sind inzwischen zu Freunden geworden. Mehr Familien haben den Weg zurück gefunden und über 20 Hütten sind wieder bewohnt. Der Weg zu ihnen ist beschwerlicher geworden. Der Tsunami hat Stranddünen bis weit ins Hinterland verteilt. Selbst der Jeep hat Schwierigkeiten und mußte schon freigeschaufelt werden. Einmal die Woche werden Vorräte in Reissäcke verpackt und nach Amaduwa geschafft. Gekocht wird dort noch in traditioneller Weise. Kleine, hufeisenförmige Feuerstellen werden mit Holz gefeuert. Der Tsunami hat reichlich Brennmaterial hinterlassen. Es fehlte jedoch an geeignetem Kochgeschirr. Hier konnte ein Arbeiter der Grabungsmannschaft weiterhelfen. Er ist eigentlich Töpfer und verdient sich bei uns ein Zubrot. Er hat für uns jede Hütte mit einem üblichen Küchenensemble ausgestattet, das aus einem großen Reistopf, einer Reisschüssel zum Sortieren des Reis und drei kleineren Schüsseln für die Curries besteht. Und natürlich schmeckt ein Fischcurry aus einem Tontopf viel besser, als aus einem modernen Aluminiumtopf. So ganz uneigennützig sind wir nicht in dieser Sache. Denn gelegentlich fällt auch für unser Abendessen ein großer seer fish ab, der nicht zu Unrecht zu den besten Speisefischen der Region zählt.
Man kann das Leid nicht messen, das den Küstenstreifen zwischen Galle und Yala-Nationalpark heimg class="caption"esucht hat. Und dennoch, Kirinde und Hambantota scheinen besonders schwer getroffen. Bulldozer haben bereits einen großen Teil der zertrümmerten Städte beiseite geschoben. Man steht mitten in Hambantota und keine Häuser hindern den Blick aufs Meer. Neue Bauten dürfen nicht errichtet werden. Man streitet noch um einen Sicherheitsstreifen von 100 Metern entlang der Küste. Die Bewohner wollen ihre Grundstücke nicht verlassen und dort bleiben, wo sie schon seit Generationen gesiedelt haben. Und so stehen Zelte oder kleine Holzhütten auf den Fundamentplatten ihrer alten Häuser. Die Furcht scheint nicht unbegründet, dass es wohl noch Jahre dauern wird, bis viele von ihnen wieder eine menschenwürdige Bleibe finden. In den Zelten ist es heiß und im Mai kommt der Monsun. Die holländische Hilfsorganisation ORANGE CHILD baut gerade 60 kleine Holzhütten in Hambantota, die wenigstens dem Regen standhalten werden. Die jungen Holländer sind mit viel Enthusiasmus bei der Sache, doch ihre Mittel zur Ausstattung der Hütten sind begrenzt. Zwei Stühle und ein Tisch stehen in jeder und Dank der vielen Spender in Deutschland konnten wir helfen und jede Unterkunft mit zwei Matratzen ausstatten. Einstweilen sind sie in einer kleinen Kirche gelagert. Zusätzlich haben wir 15 Kerosinbrenner und Aluminium-Kochsets geliefert. Im Gegensatz zu Amaduwa ist Brennholz rar und ein Topf aus Aluminium verlangt weniger Brennmaterial als ein traditioneller Tontopf.
35 weitere Kochsets haben wir an Bewohner von Zelten gegeben. Zwar werden in Hambantota von der Regierung Rationen von Reis und Trockennahrung verteilt, doch es fehlt an der Möglichkeit der Zubereitung. Große Gemeinschaftsküchen, vor denen man lange warten muß, sind kein Ersatz und so verderben sogar viele der Notrationen.
Von den Witwen dreier Jeepfahrer in Tissamaharama haben wir bereits berichtet. Alle drei haben ihre gewünschten Nähmaschinen bekommen und dazu eine Grundausstattung von Schneiderzubehör und Stoffen ihrer Wahl. Zwei von ihnen haben vor ihrer Heirat in Kleiderfabriken gearbeitet, und wie sie im Laden ihre neuen Singer-Nähmaschinen testeten, zeigte deutlich, dass sie ihr Handwerk verstanden. Die dritte wird noch Erfahrung sammeln und vielleicht auch einen Kursus besuchen, wie ihn die britische impact.aid in den Tsunami-Gebieten anbietet. Hotels und Pensionen der Umgebung haben zugesagt, die ersten Schritte in eine neue Zukunft zu unterstützen und werden Bettwäsche und Gardinen bei ihr bestellen.
Wir hoffen auf das Partnerschaftsbüro bei der deutschen Botschaft und die Koordinierungsstelle Südostasienhilfe des Landes Rheinland-Pfalz, dass Anträge auf neue Boote und Zubehör für Fischer von Godavaya, auf die Reparatur von Bootsmotoren für Fischer von Kirinde und auf drei neue Lehrer für die Muslim School von Kirinde zu einem guten Abschluß kommen.

Die Fischer von Amaduwa

Stand: 25.02.2005

    
  Fischer von Amaduwa  
    
  Strand von Amaduwa, Vietnam  

Seit über einer Woche halten wir uns nun im Südosten Sri Lankas auf. Die Ausgrabungen in der alten Königsresidenz in Tissamaharama haben begonnen.
In Godavaya, dem nicht weit entfernten Grabungsort der Universität Bonn, konnte uns O. Kessler mit Namen und Adressen aus dem Fischerdorf versehen. Er hatte bereits die Reparatur von Booten in die Wege geleitet. Noch immer fehlen aber viele Fischerboote nebst Zubehör. Die Neuanschaffung hätte unsere Spendensumme überschritten. So ist nun ein entsprechender Antrag auf Finanzierung (24 Boote, 5 Motoren, 42 Netze) über rund 35.000 Euro an das Partnerschaftsbüro in der deutschen Botschaft weitergeleitet worden.
Für die privat organisierte Pre-School von Godavaya zahlen die Eltern 100 Rupien (ca. 80 cent) pro Kind in einen gemeinsamen Topf. Aus diesem werden für die etwa 60 Kinder zwei Lehrerinnen bezahlt. Im Augenblick können viele Familien diese Summe nicht aufbringen. Aus dem Spendentopf der Uni Bonn wurde daher die Summe für Januar und Februar aufgebracht. Wir werden dafür sorgen, dass die beiden Lehrerinnen auch weiterhin für die Kinder da sein werden.
In Kirinda hatten wir mehrere Gespräche mit den Fischern der Muslim Community, die die Mehrheit der Einwohner ausmacht. Der Präsident der Genossenschaft hat eine Liste mit zerstörten und beschädigten Booten und Ersatzteilen erstellt. Hier sind noch Absprachen mit der irischen Hilfsorganisation GOAL nötig, die mit großem Erfolg die Reparatur von Booten in Angriff genommen hat.
Amaduwa heißt ein kleines Fischerdorf nördlich von Kirinda am Rande des Yala-Nationalparks, das wir seit 13 Jahren kennen. Die Familien leben in einfachen Palmblatthütten und fahren selten nach Hause.
In der Nähe sind zwei Hotels völlig zerstört worden (Browns Safari Beach Hotel und Yala Safari Hotel). Eine Raupe hat einen Weg bis Amaduwa freigeschoben, aber links und rechts dehnt sich noch das Chaos. Koffer von Touristen liegen herum, Boote hängen in den Bäumen und Haustrümmer sind über eine weite Fläche verteilt. Man hat die Leichen geborgen, aber mit den Aufräumarbeiten noch nicht begonnen. Für das Fischerdorf fühlt sich niemand verantwortlich und so sind offizielle Vertreter auch noch nicht vorbeigekommen.
Das Meer vor den Riffen der Great Basses and Little Basses ist fischreich und so kommen die Fischer nicht nur aus dem nördlichen Trincomalee hierher, sondern auch von der anderen Seite der Insel, aus Negombo und Chilaw. Nur an ihrem Herkunftsort kämen sie in den Genuss der Nothilfe, von Seiten des Staates und von Hilfsorganisationen. In den großen Orten funktioniert dies recht gut. Gegen Essensmarken erhält jeder Betroffene Pakete mit Grundnahrungsmittel, die aus Trockenrationen bestehen.
In Amaduwa bekommen sie jedoch nichts und so fehlt es hier sogar an der Primärversorgung. Zweimal haben wir bereits die im Moment aus 15 Hütten bestehende Gruppe mit Trinkwasserkanistern und Säcken mit den nötigsten Nahrungsmitteln versorgt. Für ein kleines Kind gab es Milchpulver und es lachte über ein kleines Spielzeug.
Die Ausgrabung des DAI kann auch unmittelbar helfen. Denn rund um die Grabungsfläche stehen Kokospalmen, die vor Beginn der Arbeiten abgeerntet werden müssen. Der Aufenthalt darunter wäre zu gefährlich. Die Nüsse wurden uns vom Verwalter des Grundstückes günstig überlassen und mit einem Jeep nach Amaduwa gebracht. Die frische Kokosmilch wurde mit großer Freude aufgenommen. Die Versorgung des Dorfes werden wir auch in den nächsten Wochen aufrecht erhalten.
Zwar ist der Grabungsort Tissamaharama rund 12 km von der Küste entfernt, doch auch hier sind Einwohner von der Katastrophe betroffen. Drei Jeepfahrer, die Touristen durch den Yala-Nationalpark führen, sind ums Leben gekommen. Alle hinterlassen Familien und wir wollen versuchen, den Witwen nachhaltig zu helfen. Ein erstes Gespräch haben wir mit Mrs. Dawali Basnayake geführt. Sie hat drei Kinder und erwartet ihr viertes. Sie wird von ihrer Mutter unterstützt, die bei der Straßenreinigung arbeitet. Um etwas hinzuzuverdienen knüpfte sie bisher kleine Verpackungskisten für Tee aus Palmblattstreifen. Diese muss sie zuvor kaufen, einweichen und bleichen. Pro Tag stellt sie eine Kiste her, für die die Teefabrik 25 Rupien bezahlt (1 Euro = 127 Rupien). Dies mag zu Lebzeiten ihres Mannes ein kleiner Zuverdienst gewesen sein, der nun aber bei weitem nicht ausreicht. Wenn sie die Möglichkeit hätte, würde sie gerne ihren Lebensunterhalt mit Näharbeiten verdienen. So könnte sie Bettbezüge und Kopfkissen für die Hotels und Pensionen in der Umgebung nähen oder auch die Schuluniformen für Kinder. Auch könnte sie die Produkte auf dem Wochenmarkt anbieten. Bei ihrem Start in ein eigenes Unternehmen, bei dem auch ihre Mutter mitarbeiten will, wollen wir nun mit dem Kauf einer Nähmaschine helfen und außerdem für den Anfang Stoff zur Verfügung stellen. Die Nähmaschine wird hoffentlich noch in dieser Woche geliefert.

am 7.01.2005 war folgender Aufruf erfolgt:

Spendenaufruf: Sri Lanka - Grabungsmitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts von Flutwelle betroffen

    
   
    
   

Die Flutwelle im Indischen Ozean hat neben anderen Ländern auch Sri Lanka verheerend getroffen. Dies gilt insbesondere für den Distrikt Hambantota im Südosten der Insel, in dem seit 1992 die Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie des Deutschen Archäologischen Instituts in Bonn (KAAK) sowie die Universität Bonn archäologisch arbeiten. Der Hambantota Distrikt mit hoher Arbeitslosenquote liegt entfernt von den Touristengegenden. Urlauber lernen ihn höchstens durch einen Tagesbesuch kennen, um die umliegenden großen Nationalparks Yala und Bundala zu besuchen. In der Trockenzone, die westlich von Hambantota beginnt, ist die Landschaft mehrheitlich geprägt von Savannenvegetation. Schon immer war dieser östliche Teil des Distrikts eher vergessen. Selbst in Colombo kann man hören, er liege irgendwo im heißen Süden.

Es ist uns daher wichtig, dieses schon vorher sehr arme Gebiet zu unterstützen.

Die KAAK untersucht in Tissamaharama eine antike Königsresidenz. Die Grabung liegt rund 10 km von der Küste entfernt und wurde von der Wasserflut nicht direkt getroffen. Viele der Arbeiter kommen jedoch aus dem zerstörten Gebiet und ihnen fehlt jetzt jede Lebensgrundlage. Viele von ihnen leben jetzt in einem Flüchtlingslager, das nahe der Grabung errichtet worden ist. Wo sie lebten, ist die gewaltige Welle bis zu 3 km ins Landesinnere gelangt. Zwei Hotels für die Besucher des Nationalparks und zwei kleine Fischerdörfer, die saisonal von den Fischern bewohnt wurden, existieren nicht mehr. Und zurzeit ist Saison. Der Hafen Kirinda, ein größeres Dorf, das schon in antiken Quellen genannt ist, ist zu 90 % zerstört. Die Welle ist auch über eine Reihe kleinerer Ansiedlungen von Kleinbauern hinweg gegangen, die sich in den letzten Jahren im Küstengürtel niedergelassen haben.

Südlich der weitgehend zerstörten Distrikthauptstadt Hambantota liegt der antike Hafen Godavaya, der in den letzten Jahren von der Universität Bonn archäologisch untersucht wurde. Ein buddhistisches Kloster liegt hier erhöht auf einem Felsen und zum Zeitpunkt der Katastrophe wird sich hier eine große Gruppe Kinder zur Sonntagsschule versammelt haben. Wir hoffen daher, dass viele Kinder überlebt haben. Die Familien lebten aber direkt am Strand. Ihre Lebensgrundlage war die Fischerei. Die Häuser und die Boote sind verschwunden.

Die KAAK und die Universität Bonn fühlen sich den Überlebenden der Katastrophe und ihren Familien sehr verbunden. Viele von ihnen haben seit über 10 Jahren für die Grabungsprojekte gearbeitet. Wir möchten dazu beitragen, dass sie, aber auch ihre Nachbarn, wieder eine Zukunftsperspektive sehen.

Die für Anfang Februar bis Mitte April angesetzte Grabungskampagne in Tissamaharama soll wie geplant stattfinden. Bis zu 70 Arbeiter und ihre Familien erwarten jährlich diesen saisonalen Verdienst. Während dieser Zeit wollen wir unsere Ortskenntnisse nutzen, um mit dem auf dem Sonderkonto eingegangenen Geld Aufbaumaßnahmen zu unterstützen. Gemeinschaftsaufgaben, wie Brunnenbau und Reparatur von Straßen werden sicherlich von größeren Hilfsorganisationen übernommen. So sollen Betroffene zusätzliche Mittel erhalten und auch ihre eigenen Häuser mit bereitgestelltem Baumaterial wieder aufbauen können. Dies wird eine längerfristige Aufgabe und nicht parallel zu einer kurzen Grabungskampagne zu erledigen sein. Über die Fortschritte werden wir berichten.

Wenn Sie den Leuten von Godavaya, Hambantota und Kirinda helfen möchten, so bitten wir um eine Überweisung auf folgendes Sonderkonto:

H.-J. Weisshaar
Dresdner Bank Marburg
Konto 0923891801
BLZ 513 800 40
Kennwort "Sri Lanka"

Falls Sie die Anstellung von Grabungsarbeitern aus den geschädigten Gebieten mit einer größeren Summe (ab 100 ) unterstützen möchten, für die Ihnen eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden kann, bitten wir um Überweisung auf das Spendenkonto des Deutschen Archäologischen Instituts:

Bundeskasse Kiel - Außenstelle Berlin
Konto-Nr. 100 010 07
Deutsche Bundesbank Berlin
BLZ 100 000 00
Verwendungszweck: Kassenzeichen 1013 2022 5802 "Sri Lanka"

Jeder eingenommene Betrag wird vor Ort in aktiver Hilfe umgesetzt.

Kontaktadresse, i.A.
Dr. H.-J. Weisshaar
Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK)
Dürenstraße 35-37
53173 Bonn

weisshaar@kaak.dainst.de

Date:

27.02.2005

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