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Ein Teilprojekt des Forschungsclusters 3 "Politische Räume" des DAI
Location
Zusammenfassung :
An der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) ist im Juni 2006 ein wissenschaftliches Netzwerk zum Thema "Manifestationen von Macht und Hierarchien in Stadtraum und Landschaft" eingerichtet worden. Ziel des Schwerpunktes ist es, wissenschaftliche Synergien auf dem Gebiet der archäologischen Raumforschung zu erzielen.
Ziele und Arbeitsprogramm:
Die Abteilung Istanbul des DAI erforscht gemäß ihres Gründungsauftrags aus dem Jahre 1929 alle Epochen der Geschichte und Kultur der Türkei, d.h. von der anatolischen Frühgeschichte bis in die osmanische Zeit. Um die Vielfalt an Themen und Disziplinen, die von der Prähistorie, der Vorderasiatischen und der Klassischen Archäologie, der Byzantinistik und der historischen Bauforschung abgedeckt werden, noch effizienter zu nutzen und vor allem der Nachwuchsförderung zu erschließen, ist an der Abteilung das o.g. Netzwerk eingerichtet worden. Sein Ziel ist die Erforschung der symbolischen Besetzung und der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Nutzung räumlicher Strukturen, die im Rahmen von Siedlungen oder Territorien zu Trägern von Macht und Hierarchien wurden. Die zu erwartenden wissenschaftlichen Synergien sollen zum besseren Verständnis von funktionalen Veränderungen und Entwicklungsprozessen beitragen, die architektonisch gestaltete Räume samt der zugehörigen sozialen Praktiken unter verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Systemen durchlaufen haben. Dafür bietet die Türkei als Schauplatz grundlegender Entwicklungen der Menschheitsgeschichte, wie z.B. Neolithisierung und Großreichsbildung, als Brückenland zwischen Ost und West und schließlich als Ort häufig wechselnder Machtkonstellationen und Herrschaftsformen die besten Voraussetzungen.
Das zunächst für zwei Jahre konzipierte Netzwerk ist an der Abteilung Istanbul angesiedelt; Sprecher ist der Erste Direktor (PD Dr. F. Pirson). Bei der Organisation und Durchführung der regelmäßig stattfindenden Seminare und Workshops unterstützt ihn eine wissenschaftliche Hilfskraft (T. Zimmer M.A.), die zugleich über ein Thema aus dem Bereich des Forschungsschwerpunktes promoviert. Teilnehmer des Schwerpunktes sind zum einen die Direktoren und Referenten der Abteilung mit ihren verschiedenen Forschungsprojekten, zum anderen die bereits erwähnte wiss. Hilfskraft und die an der Abteilung ansässigen Stipendiaten. Weitere Teilnehmer sind in Deutschland ansässige DAI-Stipendiaten, deren Projekte in der Türkei angesiedelt sind, sowie Kolleginnen und Kollegen, die im Rahmen von Projekten der Abteilung in der Türkei forschen. Als assoziierte Teilnehmer können weitere Kolleginnen und Kollegen partizipieren, die zu Themen arbeiten, die in die Fragestellung des Netzwerkes passen. Der wissenschaftliche Austausch innerhalb des Netzwerkes erfolgt im Rahmen von Seminaren und Workshops die zweimal jährlich stattfinden.
Aktuelle Arbeiten:
Seminar am 8.2.2007 zum Thema "Grenzen - Strukturierung von Raum durch Grenzziehungen"
Workshop am 9./10.2.2007 zum Thema "Aktuelle Forschungen zur Konstruktion, Funktion und Semantik antiker Stadtbefestigungen"
Seminar am 9./10.11.2007 zum Thema "Naturraum"
Seminar am 7.2.2008 zum Thema "Gebaute Räume"
Workshop am 8.-9.2.2008 zum Thema "Byzanz - Konstantinopel - Istanbul: Städtische Räume von der Antike bis zur Gegenwart"
Seminar am 7.-8. 11. 2008 zum Thema "Hierarchisierung von Landschaft und Territorien"
Projekte:
Das wissenschaftliche Netzwerk setzt sich derzeit aus folgenden Projekten zusammen:
Die Unterwerfung des Raums: Anatolien von den Anfängen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr.
Die großen Schritte der gesellschaftlichen Differenzierung haben sich vor Einsetzen der schriftlichen Überlieferung vollzogen. Der oft gewundene Pfad zunehmender sozialer Komplexität führt in Anatolien schließlich zur Ausbildung des hethitischen Territorialstaates im zweiten Jahrtausend v. Chr. Die Stationen entlang dieses Weges lassen ein ganz unterschiedliches Verhältnis zum Raum und seiner Instrumentalisierung durch die aufsteigenden Eliten erkennen. Es wird versucht, diese Entwicklung nachzeichnen und kulturanthropologisch einzuordnen. Ein geplantes Projekt in Camlıbel Tarlası (Teil des Clusters 1) soll die Anfänge der Entwicklung beleuchten; die hethitische Hauptstadt Hattusa, knapp 2 km entfernt, ist das beeindruckende Zeugnis für ihren vorläufigen Kulminationspunkt.
U.-D. Schoop
Hattusa/Boğazköy: Lokales Zentrum und Hauptstadt des Hethiterreiches (2200-400 v. Chr.)
Hattusa, ein lokales Zentrum Zentralanatoliens von der Frühbronzezeit bis in die späte Eisenzeit, entwickelte sich in der jüngeren Mittelbronzezeit zur Hauptstadt des Hethiterreiches.
Die bisherigen Grabungen haben gezeigt, dass der städtische Raum eine bewusste Gliederung aufweist, die mit der Abgrenzung von Residenz und Heiligtümern der Manifestation hierarchischer Strukturen diente. Dabei fällt insbesondere die Gestaltung des Herrschersitzes und einzelner Heiligtümer als geschlossene `Schutzzonen´ ins Auge.
Ziel der angestrebten vollständigen Geländeaufnahme des Stadtgebietes ist die Klärung der Frage, in welcher Beziehung die allenthalben zu beobachteten Siedlungsspuren und Überreste von teilweise monumentaler Architektur zueinander und zu bereits Bekanntem stehen.
A. Schachner - J. Seeher
Schutz und Machtanspruch der Gemeinschaft - Untersuchungen zur Entwicklung von Befestigungsanlagen in Kleinasien von der archaischen bis in die hellenistische Zeit und ihre Einbindung in den überregionalen Kontext (7.-1. Jh. v. Chr.)
Das Forschungsvorhaben zielt primär darauf ab, einen Überblick über das Befestigungswesen Kleinasiens von der archaischen bis in die hellenistische Zeit unter besonderer Berücksichtigung regionaler Entwicklungen und der sich verändernden politischen und sozialen Kontexte zu geben. Dabei sollen einerseits traditionelle Fragen wie solche nach Mauertechniken und Mauerstilen, der Reaktion von Befestigungen auf die jeweilige militärtechnologische Entwicklung und letztendlich nach entsprechenden Datierungsansätzen behandelt werden. Andererseits sollen aber auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede der unterschiedlichen Kategorien von Befestigungen anhand markanter Beispiele erfaßt werden. Solche Kategorisierungen lassen sich auf ganz verschiedenen Ebenen vornehmen. So lassen sich etwa griechische Poleis einheimischen Dynastensiedlungen gegenübertsellen, oder die Befestigung einer Siedlung derjenigen eines ganzen Territoriums. Von Kleinasien aus soll schließlich der Blick im Sinne einer vergleichenden Studie auch auf das Befestigungswesen Griechenlands, Unteritaliens und des Schwarzmeerraumes gerichtet werden.
O. Hülden
Priene: Individuelle Repräsentation in der Öffentlichkeit des hellenistischen und römischen Priene (4. Jh. v. Chr. - 3. Jh. n. Chr.)
In diesem Projekt steht der Begriff "individuelle Repräsentation" für Fälle, in denen ein Individuum - meist in Form einer Ehrung oder einer Weihung - in einer Stadt dargestellt wird. In griechischen Städten war dieses Phänomen am häufigsten in hellenistischer und römischer Zeit zu beobachten. Z.B. lassen sich in den Ruinen von Priene mehrere solcher Beispiele in situ untersuchen. Ein detailliertes Studium der Verteilung der Beispiele von individueller Repräsentation innerhalb der Stadt und deren Veränderung in der Zeit zeigt nicht nur die Hierarchie innerhalb verschiedener Bereiche der Stadt und des Bürgertums sondern auch, wie die politische und geographische Geschichte Prienes und des Umlandes das soziale und wirtschaftliche Leben der Stadt verändert hat.
Işıl Işıklıkaya
Pergamon: Die hellenistische Polis und ihr Umland
Die antike Stadt Pergamon an der Westküste Kleinasiens blickt auf eine bewegte Siedlungsgeschichte zurück, die den Wandel von Stadtformen unter wechselnden historischen Rahmenbedingungen anschaulich illustriert. Im Mittelpunkt der aktuellen Arbeiten steht die Rekonstruktion der hellenistischen Stadt als Gesamtorganismus.
Darüber hinaus soll der Blick auch auf das Umland der Metropole gerichtet werden, wo ihr gestaltender Einfluss in der räumlichen Organisation der Landschaft und der benachbarten Poleis deutlich zutage tritt.
F. Pirson
Pergamon: die hellenistischen Palastanlagen (3.-1. Jh. v. Chr.)
Auf der Pergamener Akropolis befinden sich die im 2. Jh. v. Chr. durch die Attaliden erbauten Palastanlagen. Das Projekt untersucht die Funktionsbereiche der Anlage, die weit mehr als nur Residenz- und Wohntrakt einschließt, sowie deren Einbindung in das städtische Gesamtgefüge. Welche Funktionen sind auf der Akropolis konzentriert und welche Bereiche lassen sich in der Wohnstadt erkennen? Durch diese Betrachtungsweise soll geprüft werden, ob sich das Verhältnis der hellenistischen Polisbürger zu ihrem Herrscher an den gebauten Strukturen der Stadt erkennen lässt.
T. Zimmer
Pergamon: die hellenistischen Stadtmauern (3.-1. Jh. v. Chr.)
Nach dem Zerfall des Alexanderreiches ist Pergamon in hellenistischer Zeit unter Philetairos und Eumenes II. zum Sitz der attalidischen Könige ausgebaut worden. Gegenstand des Dissertationsprojekts sind die beiden Mauerringe, mit denen die Stadt unter diesen beiden Herrschern neu ummauert bzw. beträchtlich vergrößert worden ist. Die Untersuchung einer Stadtmauer kann zu ganz verschiedenen Teilbereichen des Stadtorganismus Aussagen liefern. Denn neben den militärischen Aspekten spielten bei deren Errichtung auch ökonomische, politische, soziale und ästhetische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle.
Besonders in Kleinasien, wo Stadtmauern in hellenistischer Zeit konstituierende Elemente einer Stadt waren, bieten sich diese für einen Diskurs über Raumfragen regelrecht an, da sie eine große Bedeutung für die Gliederung der Lebenswelt ihrer Bewohner hatten.
J. Haberkorn
Pergamon - Prestige in der Provinz. Aspekte der visuellen Repräsentation der Eliten Pergamons in späthellenistischer und römischer Zeit (2. Jh. v. Chr. - 3. Jh. n. Chr.)
Mit dem Ende der Herrschaft der Attaliden in Pergamon 133 v. Chr. entsteht für die wohlhabende, lokale Oberschicht ein neuer Spielraum, den sie nun uneingeschränkt für ihre Selbstdarstellung nutzen kann. Für die Fragestellung der Dissertation bilden dabei die Architekturstiftungen der Pergamener, ihre statuarische Ehrung durch die Polis sowie die "Repräsentation am Grab" die Materialgrundlage. Dabei stehen die visuellen Aspekt im Vordergrund. Sie sollen Aufschluss darüber geben, inwiefern sich die Eliten Pergamons in der römischen Kaiserzeit auf ihre "königliche Vergangenheit" berufen, oder ob traditionelle griechisch-hellenistische Formen der bürgerlichen Selbstdarstellung gewählt werden und wie sich der Austausch mit der Hauptstadt Rom gestaltet.
M. Mathys
Pergamon: Gymnasion
Im Mittelpunkt der neuen Untersuchungen am Gymnasion von Pergamon sollen die Bereiche stehen, die Aufschluss über den Zusammenhang zwischen Topographie, Baugestalt und Infrastruktur geben können. Deren technische, funktionale und gestalterische Ausarbeitung besonders im Bereich der Zugänge, der Stützmauerkonstruktionen und der Hallenbauten sollen dabei im Zentrum der Arbeit stehen. Die genaue Klärung der Beziehung zwischen den einzelnen Terrassen und der Wegeführung kann zu einer neuen Beurteilung der Funktionsbereiche innerhalb des Gymnasions führen. Die Betrachtungen sollen auch den Stellenwert des urbanen Umfelds, sowie der Innen- und Außenwirkung des Baukomplexes mit einbeziehen.
V. Stappmanns
Karasis: Eine hellenistische Festung (3.-2. Jh. v. Chr.)
Erst 1996 wurde auf dem Berg Karasis, einem Ausläufer des Taurus unweit von Anazarbos, eine hellenistische Burganlage entdeckt, die nicht nur erstaunlich gut erhalten, sondern in ihrem Bestand auch ungewöhnlich differenziert ist.
Anders als an den schrittweise entstandenen Stadtanlagen Hattusa, Pergamon und Anazarbos mit ihren multifunktionalen Aufgabenspektren, lässt sich am Beispiel der Festung Karasis exemplarisch studieren, wie im Zuge einer einheitlichen Planung und unter dem Primat des Militärischen ein räumlich klar umgrenztes Terrain gegliedert und zugleich hierarchisch strukturiert wurde.
Darüber hinaus soll durch einen Survey im Umfeld des Karasis geklärt werden, inwiefern die Festung in ein Netzwerk symbolischer Markierungen integriert war, die herrschaftlichen Anspruch auf ein bestimmtes Territorium erheben.
A. Hoffmann
Bautechnik und Bauorganisation im hellenistischen Kleinasien (3.-1. Jh. V. Chr.)
Herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Bautechnik zielten im Altertum nur in den seltensten Fällen ausschließlich auf eine funktionale Verbesserung der Infrastruktur. In aller Regel waren diese Schöpfungen auch darauf ausgerichtet, die überlegene Position ihrer Erbauer zu unterstreichen. Bautechnikgeschichte impliziert also Herrschaftsgeschichte und folgt den Institutionalisierungsprozessen von Macht und Hierarchie. Die Untersuchungen zur Bautechnik und Bauorganisation im hellenistischen Kleinasien sollen deutlich machen, wie dieses Bedürfnis zur Triebfeder bau- und ingenieurstechnischer Entwicklungen wurde.
M. Bachmann
Prozessionen und ihre Denkmäler in den Städten und Heiligtümern des westlichen Kleinasien (3. Jh. v. Chr. - 3. Jh. n. Chr.)
Prozessionen sind wichtige Vorgänge der antiken Festkultur. Die Teilnahme verschiedener Gruppen aus der Bevölkerung einer Stadt und ihres Umlandes sowie die Präsenz fremder Gesandtschaften erzeugten eine große Öffentlichkeit. Daher dienten sie nicht nur als Ausdruck von Religiosität und Gemeinschaftssinn, sondern wurden ferner zur Vermittlung bestimmter Inhalte durch die Eliten instrumentalisiert. Entstehung und Wirkung solcher Vorgänge bringen uns schriftliche Quellen nahe. Weitere Zeugnisse hiervon sind die Prozessionsstraßen mit ihrer Ausstattung und ihrer Disposition innerhalb ihres Umfeldes. Die Untersuchung des Phänomens erfolgt anhand ausgwählter Stätten für den Zeitraum des Hellenismus und der Kaiserzeit.
S. Agelidis
Anazarbos: Eine kilikische Großstadt der römischen Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. - 14. Jh.)
Die antike Großstadt Anazarbos im Südosten der Türkei wurde im 1. Jh. v. Chr. gegründet und war bis in das 14. Jh. hinein unter wechselnden Machtkonstellationen durchgehend besiedelt.
Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit ihren spezifischen hierarchischen Strukturen bieten ein mögliches Erklärungsmodell für tief greifende Veränderungen inner- und außerhalb des Stadtgebietes.
Dabei scheint der häufige Wechsel des urbanen Lebensmittelpunktes zwischen Siedlungshügel und Unterstadt nicht allein Ausdruck variierender Besiedlungsdichte zu sein, sondern in engem Zusammenhang mit den jeweiligen herrschaftlichen Ansprüchen zu stehen.
R. Posamentir
Selinus: Kenotaph des Traian (2. Jh. - 13. Jh. n. Chr.)
In der zu Westkilikien gehörenden antiken Stadt Selinus (Provinz Antalya) erfolgt die Erforschung eines kaiserzeitlichen Gebäudekomplexes, der möglicherweise als Kenotaph für den 117 n. Chr. in Selinus verstorbenen Kaiser Traian erbaut wurde. Im Zentrum der ehemals von Säulenhallen umgebenen Hofanlage ist der Unterbau eines tempelartigen Gebäudes mit Säulenvorhalle erhalten, dessen Ruine im 13. Jh. von den Seldschuken zu einem Jagdschloss umgebaut wurde. Die Untersuchung des Baukomplexes erfolgt zur Klärung seiner Zweckbestimmung und seiner ursprünglichen Gestalt. Daneben soll mit der Einordnung dieses Baus in die Tradition römischer Grabbauarchitektur im Gesamtimperium sowie in die lokale Bautradition seine Bedeutung aufgezeigt werden.
C. Winterstein
Priene: Strukturwandel des öffentlichen Raumes in spät- und nachantiker Zeit
Die von der Forschung bisher nur am Rande beachteten spät- und nachantiken Baureste Prienes sowie das einschlägige Fundmaterial der letzten Grabungskampagnen begründen eine Arbeitshypothese für die feldarchäologischen Tätigkeiten der nächsten Jahre. Diese betrifft die Verschiebung des antiken politischen Zentrums auf und an der Agora in den östlich anschließenden Bereich, der aus dem Prytaneion, dem ihm südlich gegenüberliegenden repräsentativen Apsidenbau sowie der zwischen beiden verlaufenden Straße gebildet wird, ferner die Entwicklung des südlich anschließenden Areals zum Kern der byzantinischen Siedlung und vermutlich zeitweise des örtlichen Machthabers. Dieser Umwandlungsprozeß des gebauten Raumes (Umnutzung der Säulenhalle; Aufgabe des freien Agoraplatzes) führt auf die Frage nach einer Veränderung der sozialen Praxis und damit der Interdependenz von gebautem und sozialem Raum, die im Konzept des Clusters 3 und des Netzwerks eine wichtige Rolle spielt.
W. Raeck
Byzantinische Siedlungen in der Troas
Die Troas war mit ihren Hafenstädten, den fruchtbaren Ebenen, dem Holz- und Erzreichtum in byzantinischer Zeit wahrscheinlich recht wohlhabend und dicht besiedelt. Durch die bis heute andauernde intensive Besiedlung dieses Gebietes sind jedoch kaum noch signifikant sichtbare Überreste von Städten, Dörfern und Produktionsstätten erhalten. In der Auswertung der bei zwei Surveys entdeckten archäologischen Spuren soll besonders auf den Einfluß des Naturraums bei der Verteilung der Niederlassungen sowie auf die Gliederung von Landschaft und Siedlung eingegangen werden. Eine der zentralen Fragen wird hierbei sein, in wie weit sich die Zurschaustellung von Macht in einem Stadtgebiet im Verhältnis zu den umliegenden kleineren Orten ändert und wie das Verhältnis von Produktionsanlagen zu den Siedlungen liegt.
B: Böhlendorf-Arslan
Kontakt:
PD Dr. Felix Pirson (pirson@istanbul.dainst.org)
Torsten Zimmer M.A. (zimmer@istanbul.dainst.org)
Literatur
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Wulf 1999: U. Wulf, Vom Herrschersitz zur Metropole - Zur Stadtentwicklung Pergamons, in:
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