contents: | Resümee:
In der römischen Gesellschaft des 2. bis 4. Jhs. n. Chr. war der Philosoph eine zentrale, oft schillernde und ebensooft umstrittene Figur. Die bildlichen Zeugnisse zu diesem Thema können jedoch als noch kaum ausgewertet gelten, obgleich von althistorischer Seite bereits eine Reihe von Untersuchungen zu Funktion und Erscheinungsbild des Intellektuellen vorliegen. Die hier angezeigte Arbeit versucht, die Bedeutung der Intellektuellendarstellungen im Horizont zeitgenössischer Vorstellungen zu erhellen, ohne dabei die spezifischen Voraussetzungen und Bedingungen bildlicher Überlieferung aus dem Blick zu verlieren. Auf diese Weise möchte sie einen originären Beitrag zur Kulturgeschichte der römischen Kaiserzeit leisten.
Der Verfasser untersucht sowohl die Darstellungen der nur selten historisch benennbaren, oft ideal stilisierten Philosophen und Dichter als auch die verschiedenen Schemata, in denen die Grabinhaber sich selbst als musisch oder philosophisch geschult präsentieren. Auf zahlreichen Sarkophagen unterschiedlicher Typen und Qualitätsstufen erscheinen römische Männer und Frauen in griechischer Tracht, mit Buchrolle oder Leier in der Hand, stehend oder sitzend, in Lektüre vertieft, nachsinnend oder deklamierend: im 3. Jh. n. Chr., auf dem Höhepunkt der Reichskrise, fungieren Philosoph und Muse geradezu als Leitbilder. Aber nicht nur in diesen symbolischen Verkleidungen und Rollenspielen, sondern auch in den Verbindungen des Philosophenmotivs mit anderen Themen vor allem den idyllischen Szenen des Bauern- und Hirtenlebens scheinen die Hoffnungen und Sehnsüchte breiterer Bevölkerungsschichten durch. Abgerundet wird die Arbeit durch Überlegungen zu Auftraggebern und Stiftern der Philosophensarkophage, die sich vor allem auf die Auswertung der Sarkophaginschriften stützen.
Im ausführlichen Katalog- und Tafelteil schließlich werden fast 240 Sarkophage mit Darstellungen von Intellektuellen in vielen Fällen erstmalig dokumentiert und illustriert. |